Färöische Volksabstimmung 1946

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In der färöischen Volksabstimmung am 14. September 1946 wurde über den künftigen Status des Landes als Teil Dänemarks bzw. Loslösung von Dänemark abgestimmt. Eine knappe Mehrheit von 5660 gegen 5499 Stimmen votierte für Option 2 (Unabhängigkeit); jedoch gab es wegen der 481 ungültigen Stimmen keine absolute Mehrheit. Die Wahlbeteiligung war 67,5 %. Die dänische Regierung sowie die Opposition des Løgtinges erkannten die Volksabstimmung nicht an. Als Kompromiss wurde 1948 die Autonomie der Färöer beschlossen.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der britischen Besetzung der Färöer im Zweiten Weltkrieg war die Verbindung zwischen den Inseln und Kopenhagen abgebrochen, und die Inseln wurden quasi selbstregierend unter den färöischen Gremien. Die schon lange existierende färöische Selbständigkeitsbewegung bekam wachsende Unterstützung.

Island wurde 1918 ein souveränes Königreich in Personalunion mit Dänemark, aber rief sich nach einer Volksabstimmung 1944 als Republik aus.

Volksabstimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Mai 1946 beschloss das Løgting eine Volksabstimmung, die am 14. September des Jahres stattfand.

Auf dem Wahlzettel standen zwei Antwortoptionen:

  1. Wollen Sie, dass der Vorschlag der dänischen Regierung in Kraft tritt?
  2. Wollen Sie, dass es zu einer Loslösung der Färöer von Dänemark kommt?

Dieser Wahlzettel wurde gegen den Widerstand der Fólkaflokkurin durchgesetzt, die davon ausging, dass die Option der totalen Loslösung nicht mehrheitsfähig und praktikabel sei. Sie stritt für eine erweiterte Autonomie. Als nun die Wahlmöglichkeiten feststanden, appellierte sie an das Volk, die Stimmzettel ungültig zu machen, indem sie bei Antwortoption 1 "Nein" hinschreiben. Das Ergebnis der ungültigen Stimmen zeigt den Erfolg dieses Boykottaufrufs, der freilich von den Parteigängern als dennoch klares Votum gegen den Regierungsvorschlag angesehen wurde.

Ergebnis der Volksabstimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regierungsvorschlag Loslösung Ungültig Wähler Berechtigte Beteiligung
Nordinseln 398 28,1 % 954 67,3 % 65 4,6 % 1.417 2.220 63,8 %
Eysturoy 1.372 54,4 % 1.051 41,6 % 101 4,0 % 2.524 3.854 65,5 %
Nord-Streymoy 544 45,2 % 621 51,6 % 38 3,2 % 1.203 1.679 71,6 %
Vágar 434 40,0 % 616 56,7 % 36 3,3 % 1.086 1.485 73,1 %
Süd-Streymoy 673 31,7 % 1.309 61,7 % 138 6,5 % 2.120 3.323 63,8 %
Sandoy 286 36,5 % 465 59,4 % 32 4,1 % 783 1.053 74,4 %
Suðuroy 1.783 71,6 % 640 25,7 % 68 2,7 % 2.491 3.602 69,2 %
Gesamt 5.490 47,2 % 5.656 48,7 % 478 4,1 % 11.624 17.216 67,5 %

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dänemark verweigerte die Anerkennung der Volksabstimmung und entließ die Färöer nicht in die Unabhängigkeit, trat aber in Verhandlungen ein. Schließlich gewährte das Autonomiegesetz vom 31. März 1948 weitgehende Selbständigkeit. Dieser Status wurde 1953 auch in der revidierten dänischen Verfassung festgeschrieben. Die Nation der Färinger wurde damit völkerrechtlich anerkannt. Freilich besteht auch heute noch Interpretationsbedarf in einigen Aspekten der bilateralen Beziehungen zu Dänemark.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annfinnur í Skála: Stjórnarskipanarmálið 1946. Føroya Skúlabókagrunnur, Tórshavn 1992.
  • Hans Andrias Sølvará (Hrsg.): Løgtingið 150. Hátíðarrit 3. Løgtingið, Tórshavn 2003, ISBN 99918-966-3-5.