Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust

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Bachkantate
Bachhand.jpg
Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust
BWV: 170
Anlass: 6. Sonntag nach Trinitatis
Entstehungsjahr: 1726
Entstehungsort: Leipzig
Gattung: Kirchenkantate
Solo: A
Chor:
Instr: Oa Org 2Vl Va Bc
AD: 20 min
Text
Georg Christian Lehms
Liste der Bachkantaten

Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust (BWV 170) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach, eine Solokantate für Alt.

Anlass und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bach komponierte die Kantate für den 6. Sonntag nach Trinitas in Leipzig. Sie wurde am 28. Juli 1726 zusammen mit der Kantate Ich will meinen Geist in euch geben von Johann Sebastian Bachs Vetter Johann Ludwig Bach uraufgeführt, so dass eine Kantate vor und eine nach der Predigt im Hauptgottesdienst erklang. Welche Kantate die bevorzugte Stelle vor der Predigt erhielt, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich erhielt diese Stelle aber Johann Ludwig Bachs Kantate, da nur seine Kantate deutlichen Bezug auf das Sonntagsevangelium nahm.

Mit „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“ beginnt Lehms ein Loblied auf den „wahren Seelenfrieden“ und auf die „Stille und Ruhe des Herzens“. Doch der Arientext ist nur ein sanftes Vorspiel. Im ersten Recitativo, mit dem er einen Bezug zum Sonntagsevangelium herstellt (Mt 5,20-22 LUT), wettert er dann über die Schar der Sünder. Im zweiten Arientext wird der Irrweg des menschlichen Herzens beklagt. In der letzten Zeile dieser Arie heißt es wie schon zu Beginn: „Wie jammern mich doch die verkehrten Herzen“. Damit kehrt Lehms wieder zum Anfang zurück. Das nächste Recitativo setzt dann das Klagen fort, bis es dann aber zu „Gottes Vorschrift“, auch den Feind wie einen Freund zu lieben, zurückkehrt. Die abschließende Arie vollendet den Gedankenkreis, indem sie mit der „vernügten Ruh“ wieder zum Beginn zurückkehrt.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kantate gliedert sich in fünf Teile:

  • Arie: Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust
  • Recitativo: Die Welt, das Sündenhaus
  • Arie: Wie jammern mich doch die verkehrten Herzen
  • Recitativo: Wer sollte sich demnach wohl hier zu leben wünschen
  • Arie: Mir ekelt mehr zu leben

Für die erste Arie verwendet Bach, gemäß der Titelzeile, den in sich ruhenden, vollkommenen 12/8-Takt und den milden Glanz der Tonart D-Dur. In dieser Arie können sich die Streichinstrumente und die Oboe d’amore sowie die beherrschende Alt-Stimme voll entfalten. Mit dem ersten Recitativo wird diese heile Welt für den Rest der Kantate verlassen. Das Weltbild wird sogar selbst in Frage gestellt. Dies signalisiert Bach dadurch, dass er das sonst verbindliche Bass-Fundament weglässt, Violine und Viola formen in hohen Tonlagen die Grundstimme und die obligate Orgel und die Singstimme begeben sich in ein harmonisches und melodisches Abenteuer. Die dritte Arie, die die Kantate abschließt, könnte ein Loblied auf die Freuden des irdischen Daseins sein, wenn nicht zu Beginn der Arie der übermäßige Schritt d-gis, ein Tritonus, der „Diabolus in musica“ wäre. Er signalisiert die Abscheu vor dem pharisäischen Dasein und der Notwendigkeit der Umkehr.

Einspielungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DVD

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]