Verkehrsfunk

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Der Verkehrsfunk (auch Verkehrsdienst) ist ein fester Bestandteil im Programm vieler Hörfunksender. Der Verkehrsfunk informiert Autofahrer über die aktuelle Verkehrslage in regelmäßigen Abständen oder bei Bedarf mit Verkehrsmitteilungen wie Stau- oder Falschfahrerinformationen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der regionale Verkehrsfunk wurde in Deutschland Anfang der 1970er Jahre geschaffen. Vorreiter war der Bayerische Rundfunk mit dem ab 1. April 1971 als Servicewelle gestarteten Programm Bayern 3. Der Deutschlandfunk führte 1974 mit dem „Verkehrspiepser“ (amtlich: Hinz-Triller) die ARI-Kennung in Deutschland ein.[1]

In Österreich ist die Ö3-Verkehrsredaktion, die bereits seit den späten 1970er Jahren den Österreichweiten Verkehrsfunk senden. Vorgänger war bereits die Autofahrersendung Autofahrer unterwegs, die allerdings nur während der Sendung laufende Verkehrsnachrichten ausstrahlte. Seit 2005 hat Ö3 auch ein eigenes Studio in der Zentrale der ASFINAG, sodass die Nachrichten noch zeitnäher gebracht werden können.[2]

Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den meisten Sendern ist es üblich, jeweils etwa um fünf Minuten nach der vollen und halben Stunde eine vollständige Übersicht aller Verkehrsstörungen zu senden. Bei Geisterfahrermeldungen und Unfällen, vor denen möglichst zeitnah gewarnt werden muss, wird das laufende Programm unterbrochen oder über einen Musiktitel gesprochen. Bei manchen Radiosendern, die ihr Programm in einem größeren Gebiet senden, werden die Meldungen nur in dem zutreffenden Gebiet durchgegeben.

Aufbau des Verkehrsfunks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verkehrsfunk gibt die Gefahrstellen und Staus im Sendegebiet des Senders nach einer gewissen Sortierung aus. Bei den meisten Radiosendern ist er folgendermaßen sortiert:

  1. Gefahrenstellen auf der Autobahn
  2. Gefahrenstellen auf Bundesstraßen

Dabei wird nach Nummern aufsteigend sortiert. Dafür ist oft die erste Ziffer maßgeblich:

Z. B. A1, A3, A5, A6, A61, A8, A81, A831, … Dadurch kann man sich besser vorbereiten, wann die Autobahn, auf der man fährt, kommt.

Die Ortsangabe, welche dazu gesagt wird, gibt auf der Autobahn die Anschlussstellennamen oder Parkplätze an. Auf der Bundesstraße werden die nächstgrößeren Städten. Damit kann auch die Richtung der Behinderung erkannt werden. Nach Autobahn und Bundesstraße folgen:

  1. Gefahrstellen auf Landstraßen
  2. Gefahrstellen in Großstadtgebieten

Gefahrstellen sind zum Beispiel ungesicherte Unfallstellen, Gegenstände auf der Fahrbahn oder extrem schlechtes Wetter. Wenn die Gefahrstellen fertig sind, wird die gleiche Reihenfolge auf Staus oder stockenden Verkehr übertragen:

  1. Staus auf der Autobahn nach Autobahnnummern aufsteigend sortiert
  2. Staus auf Bundesstraßen nach Bundesstraßennummer aufsteigend sortiert
  3. Staus auf Landstraßen
  4. Staus in Großstadtgebieten

Anschließend werden noch Meldungen aus angrenzenden Bundesländern oder Ländern genannt. Besonders in der Ferienzeit werden z. B. im Süden Deutschlands auch die Österreichischen oder Schweizer Pässe genannt.

Sollte es z.B. keine Bundesstraßen mit Problemen geben, werden diese ausgelassen und direkt ins Stadtgebiet gewechselt.

Manche Radios haben neben der Anzeige einer Liste der TMC und TMC Pro Meldungen auch die Möglichkeit die Durchsage noch mal abzuspielen, da sie aufgezeichnet wurde. Z. B. beim Audi Navigationsgerät aus dem Modell A3(8P).

In Ländern mit allgemein hohem Verkehrsaufkommen (z.B. NRW) werden oft nur die Autobahnstaus ab einer gewissen Länge (z.B. 3 km) angesagt, um das Radioprogramm nicht zu lang zu stören. Beim Radiosender 1Live wird bspw. auf die App des Senders hingewiesen, die alle Staus enthält.

Meldequellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuellen Meldungen kommen von verschiedenen Stellen zu den Rundfunksendern. So melden Polizei, Leitstellen von Feuerwehr, Rettungsdiensten oder Automobilclubs Behinderungen oder Straßensperren. In den letzten Jahren haben die Rundfunkanstalten oft auch bestimmte Telefonnummern als Hotlines eingerichtet, wo jeder Autofahrer kostenlos seine Meldungen hinterlassen kann.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem 1974 eingeführten „Verkehrspiepser“ (amtlich: Hinz-Triller) wurde das automatische Umschalten von Kassette auf den Verkehrsfunk bzw. ein Erhöhen der Lautstärke gesteuert. Seit 1988 wurde diese Funktion auch im RDS realisiert, das veraltete ARI wurde von allen ARD-Hörfunkketten nach über 10 Jahren Übergangszeit am 28. Februar 2005 abgeschaltet. Ältere, nicht RDS-fähige Autoradios können daher keine automatische Umschaltung auf Verkehrsfunksendungen mehr durchführen.

Autoradios haben heute je nach Ausstattung spezielle Einrichtungen, um Verkehrsfunk-Nachrichten an den Benutzer zu übermitteln:

  • Das Abspielen einer CD oder einer Kassette wird durch eine nicht hörbare RDS-Programmkennung unterbrochen und die Verkehrsdurchsage ertönt. Einige Sender spielen zusätzlich am Anfang und Ende der Durchsage den hörbaren Hinz-Triller.
  • Für Durchsagen kann die Lautstärke separat eingestellt werden, so dass man leichter aufmerksam wird. Zur besseren Verständlichkeit werden sie bei manchen Geräten monophon wiedergegeben.
  • EON (Enhanced other network): Wenn man einen Sender ohne Verkehrsdurchsagen hört (dies ist vor allem bei Kultur- und Klassikwellen der Fall) und diese Funktion aktiviert ist, so schaltet das Radio während einer Verkehrsdurchsage automatisch auf einen Verkehrsfunksender um.
  • TIM (Traffic Information Memo): Das Radio speichert im abgeschalteten Zustand die Meldungen und gibt sie beim Einschalten wieder. Hierbei ist stets eine entsprechende Programmierung des Autoradios erforderlich, etwa eine Stunde vor Beginn der geplanten Inanspruchnahme.[3]
  • TMC (Traffic Message Channel): Dieser digitale Radio-Datendienst, der zur Verbreitung RDS nutzt, wird von Navigationssystemen (z. B. Radio/PDA) zur automatischen Umfahrung von Staus und Behinderungen verwendet (dynamische Zielführung).

Verkehrsschilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1974 bis 2003 standen an den Autobahnen ca. 10.000 Hinweisschilder entsprechend dem Zeichen 368 (Anlage 3 zu § 42 Absatz 2 StVO, umgangssprachlich „Radio-Hinweistafeln“). Sie zeigten die Frequenzen des UKW-Rundfunks mit ARI an.[4]

Auch entlang der österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen werden laufend Verkehrsschilder mit Programmen, die Verkehrsinfos ausstrahlen, und der entsprechenden Sendefrequenz aufgestellt.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verkehrslage in Berlin (Volks-Zeitung 1922)

Verkehrsnachrichten gab es schon lange vor dem Rundfunk in Zeitungen, da jedoch nur zu besonderen Anlässen, denn das Medium Print konnte nie so aktuell berichten wie der Rundfunk. So druckte die Berliner Volks-Zeitung am Morgen des 2. Februar 1922 auf ihrer Titelseite eine Verkehrseinschätzung wegen des Streiks der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbeamter und Anwärter. Das Blatt vermutete aufgrund der Informationen vom Vorabend einen langsamen Streikbeginn und relativ normalen Verkehr am Vormittag.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die ARD schaltet das Autofahrer Informations-System (ARI) ab. In: deutschlandfunk.de. Deutschlandradio, 26. Februar 2005, abgerufen am 19. Juli 2017.
  2. Die Ö3 Verkehrsredaktion stellt sich vor auf ORF abgerufen am 15. Februar 2012
  3. http://www.autoradio.org/verkehrsfunk/ Staumeldungen über das Autoradio abrufen, abgerufen am 8. Juni 2012
  4. http://www.autobild.de/artikel/radio-hinweistafeln-kommen-weg-39295.html Radio-Hinweistafeln kommen weg - Der deutsche Schilderwald schrumpft, Autobild online, vom 13. November 2002, abgerufen am 10. Januar 2012.