Verkehrsfunk

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Der Verkehrsfunk (auch Verkehrsdienst) ist ein fester Bestandteil im Programm vieler Hörfunksender. Der Verkehrsfunk informiert Autofahrer über die aktuelle Verkehrslage. Dabei handelt es sich generell um in regelmäßigen Abständen von bestimmten UKW-Sendern ausgestrahlte Verkehrsmitteilungen für Autofahrer, die aber auch bei Bedarf zwischen den festen Sendeterminen über die aktuelle Verkehrssituation Auskunft geben. Spezielle Decoder im Autoradio sprechen auf Sender- und Bereichskennung an, so dass das Autoradio beispielsweise bei einer Musikwiedergabe von einer CD oder einem MP3-Player regionale Verkehrsfunksender wiedergibt beziehungsweise den Lautsprecher einschaltet, wenn das Gerät stummgeschaltet ist.

Entstehung[Bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Der Deutschlandfunk war der erste deutsche Rundfunksender, der regelmäßig Verkehrsmeldungen ausstrahlte; bei ihm wurde der „Verkehrspiepser“ (amtlich: Hinz-Triller) entwickelt.[1] Der regionale Verkehrsfunk wurde in Deutschland Anfang der 1970er Jahre geschaffen. Vorreiter war der Bayerische Rundfunk mit dem ab 1. April 1971 als Servicewelle gestarteten Programm Bayern 3. 1974 wurde die ARI-Kennung in Deutschland eingeführt, die erstmals ein automatisches Umschalten von Kassette auf den Verkehrsfunk bzw. ein Erhöhen der Lautstärke ermöglichte. Seit 1988 wurde diese Funktion auch im RDS realisiert, das veraltete ARI wurde von allen ARD-Hörfunkketten nach über 10 Jahren Übergangszeit am 28. Februar 2005 abgeschaltet. Ältere, nicht RDS-fähige Autoradios können daher keine automatische Umschaltung auf Verkehrsfunksendungen mehr durchführen.

In Österreich ist die Ö3-Verkehrsredaktion, die bereits seit den späten 1970er Jahren den Österreichweiten Verkehrsfunk senden. Vorgänger war bereits die Autofahrersendung Autofahrer unterwegs, die allerdings nur während der Sendung laufende Verkehrsnachrichten ausstrahlte. Seit 2005 hat Ö3 auch ein eigenes Studio in der Zentrale der ASFINAG, sodass die Nachrichten noch zeitnäher gebracht werden können.[2]

Form[Bearbeiten]

Bei den meisten Sendern ist es üblich, jeweils etwa um fünf und um 30 Minuten nach der vollen Stunde eine vollständige Übersicht aller Verkehrsstörungen zu senden. Bei Geisterfahrermeldungen und Unfällen, vor denen möglichst zeitnah gewarnt werden muss, wird das laufende Programm unterbrochen oder über einen Musiktitel gesprochen. Bei manchen Radiosendern, die ihr Programm in einem größeren Gebiet senden, werden die Meldungen nur in dem zutreffenden Gebiet durchgegeben.

Aufbau des Verkehrsfunks

Der Verkehrsfunk gibt die Gefahrstellen und Staus im Sendegebiet des Senders nach einer gewissen Sortierung aus. Bei den meisten Radiosendern ist er folgendermaßen sortiert:

Gefahrenstellen auf der Autobahn Gefahrstellen auf Bundesstraßen

Dabei wird nach Nummern aufsteigend sortiert. Dafür ist die erste Ziffer maßgeblich.

Z. B. A1, A3 A5, A6, A61, A8, A81, A831,... Dadurch kann man sich besser vorbereiten, wann die Nummer für die Autobahn auf der man fährt kommt.

Die Ortsangabe, welche dazu gesagt wird, gibt auf der Autobahn die Anschlussstellennamen oder Parkplätze an. Auf der Bundesstraße zwischen größeren Städten. Damit kann auch die Richtung der Behinderung erkannt werden. Nach Autobahn und Bundesstraße folgen

Gefahrstellen auf Landstraßen Gefahrstellen in Großstadtgebieten

Gefahrstellen sind z. B. ungesicherte Unfallstellen, Gegenstände auf der Fahrbahn, extrem schlechtes Wetter,....Wenn die Gefahrstellen fertig sind, wird die gleiche Reihenfolge auf Staus oder stockenden Verkehr übertragen:

Staus auf der Autobahn nach Autobahnnummern aufsteigend sortiert Staus auf Bundesstraßen nach Bundesstraßennummer aufsteigend sortiert Staus auf Landstraßen Staus in Großstadtgebieten

Anschließend werden noch Meldungen aus angrenzenden Bundesländern oder Ländern genannt. Besonders in der Ferienzeit werden z. B. auch die Österreichischen oder Schweizer Pässe genannt.

Sollte es z.B. keine Bundesstraßen mit Problemen geben, werden diese ausgelassen und direkt ins Stadtgebiet gewechselt.

Manche Radios haben neben der Anzeige einer Liste der TMC und TMC Pro Meldungen auch die Möglichkeit die Durchsage noch mal abzuspielen, da sie aufgezeichnet wurde. Z. B. beim Audi Navigationsgerät aus dem Modell A3(8P)

Meldequellen[Bearbeiten]

Die aktuellen Meldungen kommen von verschiedenen Stellen zu den Rundfunksendern. So melden Polizei, Leitstellen von Feuerwehr, Rettungsdiensten oder Automobilclubs Behinderungen oder Straßensperren. In den letzten Jahren haben die Rundfunkanstalten oft auch bestimmte Telefonnummern als Hotlines eingerichtet, wo jeder Autofahrer kostenlos seine Meldungen hinterlassen kann.

Technik[Bearbeiten]

Autoradios haben je nach Ausstattung spezielle Einrichtungen, um Verkehrsfunk-Nachrichten an den Benutzer zu übermitteln:

  • Das Abspielen einer CD oder einer Kassette wird durch eine nicht hörbare RDS-Programmkennung unterbrochen und die Verkehrsdurchsage ertönt. Einige Sender spielen zusätzlich am Anfang und Ende der Durchsage den hörbaren Hinz-Triller.
  • Für Durchsagen kann die Lautstärke separat eingestellt werden, so dass man leichter aufmerksam wird. Zur besseren Verständlichkeit werden sie bei manchen Geräten monophon wiedergegeben.
  • EON (Enhanced other network): Wenn man einen Sender ohne Verkehrsdurchsagen hört (dies ist vor allem bei Kultur- und Klassikwellen der Fall) und diese Funktion aktiviert ist, so schaltet das Radio während einer Verkehrsdurchsage automatisch auf einen Verkehrsfunksender um.
  • TIM (Traffic Information Memo): Das Radio speichert im abgeschalteten Zustand die Meldungen und gibt sie beim Einschalten wieder. Hierbei ist stets eine entsprechende Programmierung des Autoradios erforderlich, etwa eine Stunde vor Beginn der geplanten Inanspruchnahme.[3]
  • TMC (Traffic Message Channel): Dieser digitale Radio-Datendienst, der zur Verbreitung RDS nutzt, wird von Navigationssystemen (z. B. Radio/PDA) zur automatischen Umfahrung von Staus und Behinderungen verwendet (dynamische Zielführung).

Verkehrsschilder[Bearbeiten]

Von 1974 bis 2003 wurden an Autobahnen Verkehrsschilder entsprechend dem Zeichen 368 (Anlage 3 zu § 42 Absatz 2 StVO, umgangssprachlich „Radio-Hinweistafeln“) für die Frequenzen im UKW-Rundfunk mit Verkehrsfunk (eigentlich Hörfunkdurchsagen für den Straßenverkehr) aufgestellt (ca. 10.000 Blechschilder). Diese dienten der Autofahrer Rundfunk-Info (ARI-System).[4]

Auch entlang der österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen werden laufend Verkehrsschilder mit Programmen, die Verkehrsinfos ausstrahlen, und der entsprechenden Sendefrequenz aufgestellt.

Trivia[Bearbeiten]

Die Verkehrslage in Berlin (Volks-Zeitung 1922)

Verkehrsnachrichten gab es schon lange vor dem Rundfunk in Zeitungen, da jedoch nur zu besonderen Anlässen, denn das Medium Print konnte nie so aktuell berichten wie der Rundfunk. So druckte die Berliner Volks-Zeitung am Morgen des 2. Februar 1922 auf ihrer Titelseite eine Verkehrseinschätzung wegen des Streiks der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbeamter und Anwärter. Das Blatt vermutete aufgrund der Informationen vom Vorabend einen langsamen Streikbeginn und relativ normalen Verkehr am Vormittag.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/marktundmedien/351445/
  2. Die Ö3 Verkehrsredaktion stellt sich vor auf ORF abgerufen am 15. Februar 2012
  3. http://www.autoradio.org/verkehrsfunk/ Staumeldungen über das Autoradio abrufen, abgerufen am 8. Juni 2012
  4. http://www.autobild.de/artikel/radio-hinweistafeln-kommen-weg-39295.html Radio-Hinweistafeln kommen weg - Der deutsche Schilderwald schrumpft, Autobild online, vom 13. November 2002, abgerufen am 10. Januar 2012.