Verkehrslandeplatz Bayreuth

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Verkehrslandeplatz Bayreuth
Aerial image of the Bayreuth airfield.jpg
Bayreuth (Bayern)
Bayreuth (49° 59′ 3,94″ N, 11° 38′ 18,85″O)
Bayreuth
Kenndaten
ICAO-Code EDQD
IATA-Code BYU
Koordinaten

49° 59′ 4″ N, 11° 38′ 19″ OKoordinaten: 49° 59′ 4″ N, 11° 38′ 19″ O

Höhe über MSL 488 m  (1.601 ft)
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 10 km nordöstlich von Bayreuth
Straße A9A70 AS: Bindlacher Berg
B2St 2163
Nahverkehr DB FrankenbusVerkehrsverbund Großraum Nürnberg
Bus 329, 330
Basisdaten
Eröffnung 1953
Betreiber Stadt Bayreuth
Terminals 1
Flug-
bewegungen
9268 (2020)
Start- und Landebahnen
06/24 1034 m × 30 m Asphalt
Segelflugbahn 1 1100 m × 30 m Gras
Segelflugbahn 2 900 m × 30 m Gras
Segelflugbahn 3 800 m × 30 m Gras



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Der Verkehrslandeplatz Bayreuth (Eigenbezeichnung Airport Bayreuth) ist der Flugplatz der oberfränkischen Hauptstadt Bayreuth.

Ausstattung und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz weist vier parallele Landebahnen auf, von diesen ist eine asphaltiert, die restlichen sind als Segelflugbahnen auf Gras angelegt. Bei einer Pistenlänge der asphaltierten Landebahn von 1.034 m können auf ihr Flugzeuge bis max. 5,7 t Abfluggewicht (10 t PPR) starten und landen. In Ausnahmefällen kann das Luftamt Nordbayern Flugzeugen bis 20 t auf Antrag die Genehmigung erteilen.[1]

Navigationshilfen im Anflug umfassen Gleitwinkelbefeuerung (PAPI) und RNAV per Satellitennavigation, was neben Sicht- auch Instrumentenflug ermöglicht. Da der Flugplatz unkontrolliert ist, ist der Luftraum um den Flugplatz als Luftraumklasse G mit Radio Mandatory Zone geregelt. Verschiedene Hangars, Betankung mit AvGas 100 LL bzw. Kerosin Jet A-1 und eine Flughafenfeuerwehr stehen zur Verfügung.[2]

Der Landeplatz dient insbesondere der Geschäftsfliegerei, aber auch dem allgemeinen Luftverkehr und Luftsport, u. a. als Leistungsstützpunkt des Luftsportverbandes Bayern für den Segelflug. Charterflugzeuge mittlerer Größe können individuell gebucht werden, Direktflüge in den europäischen Raum sind somit jederzeit möglich

Durch die Nähe zu den Flughäfen Nürnberg (etwa 90 Kilometer südlich) und Leipzig/Halle (etwa 190 Kilometer nordöstlich) besteht für den Einsatz von größeren Flugzeugen im Linienverkehr aber kein dringend notwendiger Bedarf.

Der Flugplatz gehört vollständig der Stadt Bayreuth, ihr entstehen durch seinen Betrieb im Durchschnitt jährliche Kosten i. H. v. rund 350.000 Euro.[3]

Lage und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz liegt fünf Kilometer nordöstlich der Bayreuther Stadtgrenze auf einem Hochplateau am Bindlacher Berg auf dem Gebiet der Gemeinden Bindlach und Goldkronach.

In der Nähe des Flugplatzes befindet sich das Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach zwischen den Bundesautobahnen 9 und 70, der Verkehrslandeplatz ist über die Anschlussstelle Bindlacher Berg an das Autobahndreieck angebunden. Busse der VGN-Linien 329 und 330 halten direkt an der Zufahrt zum Verkehrslandeplatz und verbinden ihn so mit der Stadt Bayreuth sowie mit den angrenzen Gemeinden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge der zivilen Fliegerei in Bayreuth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgänger des heutigen Flugplatzes war der 1925 eingeweihte Flugplatz Laineck. Er lag im Tal unterhalb des Oschenbergs an der Bindlacher Allee und wurde am 2. August 1925 mit einem Flugtag eingeweiht. Die 1930 bereits als „Flughafen“ bezeichnete Anlage weckte Hoffnungen, die Verkehrsanbindung der Stadt abseits der Haupt-Eisenbahnstrecken zu verbessern. In genannten Jahr wurden 119 ankommende und 82 abgehende „Luftfahrgäste“ gezählt.

Seit 1929 beherbergte er die Propellermaschine der Bayreuther Fliegerin Lisl Schwab, die als Fallschirmspringerin nationale Berühmtheit erlangte. Zur fliegenden Bayreuther Prominenz gehörte auch der NS-Gauleiter und bayerische Kultusminister Hans Schemm, der 1935 dort beim Start tödlich verunglückte. Adolf Hitler landete als Festspielgast mit persönlichem Piloten in einer Junkers Ju 52, die während seiner Aufenthalte dort auf ihn wartete. Der Flugplatz, der als Zivilflugplatz ausgewiesen war und auch von Segelfliegern genutzt wurde, wurde auch von Militärmaschinen angeflogen.[4]

Mit dem Zweiten Weltkrieg endete die kurze Geschichte des Lainecker Flugplatzes. Das Gelände wurde zunächst für den Aufbau eines Flüchtlingslagers und später von der Bundeswehr (Markgrafenkaserne) genutzt. Die Flughalle wurde Anfang der 1960er-Jahre abgerissen.[5]

Auf dem Bindlacher Berg, dem Standort des heutigen Verkehrslandeplatzes, wurde währenddessen bereits 1930 erstmals ein Segelflug-Wettbewerb abgehalten.[6]

Fliegerhorst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Luftwaffe legte in den Jahren 1936–38 einen Fliegerhorst auf dem Bindlacher Berg an, der zum größten Militärflugplatz in Oberfranken wurde.[6][7] Ab Mai 1939 war dort das Zerstörergeschwader I./ZG 52 stationiert. Hitler, der keine Stationierung von Kampfeinheiten in Bayreuth wünschte, ließ die Einheit im August desselben Jahres nach Biblis verlegen. Ab dem 4. September 1939 wurde der Fliegerhorst von Flugzeugführerschulen und fliegertechnischen Schulen genutzt. Es konnten 1500 Bordmechaniker an allen gängigen Flugzeugmustern der Luftwaffe ausgebildet werden, das Lehrpersonal bestand aus 350 Unteroffizieren und Feldwebeln. Alle Flugzeugtypen bis hin zur sechsmotorigen Me 323 „Gigant“ und der Doppelrumpfmaschine Heinkel He 111 Z waren vertreten.[4]

Von der Instandsetzungskompanie 6 wurden Flugzeugreparaturen durchgeführt, zudem gab es eine Ausbildungsstätte für Flugzeugbauer im Metallflugzeugbau. Ab dem 14. Februar 1944 wurden verschiedene Nahaufklärungsgruppen stationiert, am 5. April 1945 die Nachtschlachtgruppe 2 von Erfurt-Bindersleben mit ihren fünf verbliebenen Sturzkampfbombern Ju 87 auf den Bindlacher Berg verlegt.[8]

Im Jahr 1945 umfasste der Fliegerhorst sechs Hallen. Sie lagen nördlich der sie verbindenden Rollbahn, deren Verlauf jetzt die Goldkronacher Straße folgt. Die Flugzeuge starteten und landeten, anders als heute, in Nordwest-Südost-Richtung auf einer südlich davor liegenden Grasfläche.[9]

Am 11. April 1945 wurde der Fliegerhorst bei einem Bombenangriff teilweise in Brand geschossen, dort stationierte Flugzeuge wurden zerstört.[10] Vier Tage später wurde er von den amerikanischen Truppen besetzt, die dort die bis 1992 genutzte Kaserne Christensen Barracks errichteten. Die zur Amberger Ponds Barracks zugehörige[11] Kaserne umfasste eine nördlich des heutigen Verkehrslandeplatzes gelegene Start- und Landebahn, die als Bayreuth AAF (Army Airfield) betrieben wurde.[12][13]

Verkehrslandeplatz Bayreuth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1950er Jahren wurde die Luftsportgemeinschaft Bayreuth e. V. gegründet und erhielt die Genehmigung, einen Sonderlandeplatz am Bindlacher Berg auf dem südöstlichen Teil des US-Militärgeländes zu betreiben.[6][14]

Terminal und Tower
Blick nach Norden mit Gebäuden der Luftsportgemeinschaft
Junkers Ju 52/3m D-AQUI der Lufthansa auf dem Bayreuther Flugplatz
Rollfeld mit historischer Ju 52, im Hintergrund das Gelände der ehemaligen Kaserne Christensen Barracks
Blick nach Südwesten zum Ende der Startbahn am Rand des Plateaus

Die Stadt Bayreuth übernahm 1973 die Halterschaft des Flugplatzes,[6][15] die Genehmigung zum Betrieb als Verkehrslandeplatz wurde am 1. April 1974 vom Luftamt Nordbayern erteilt. Die Stadt Bayreuth erwarb 1986 das Eigentum an den zuvor gepachteten Flächen von der Bundesrepublik Deutschland und erweiterte im Jahr 1996 das Gelände durch Zukauf auf insgesamt 55,511 Hektar. Damit konnten im Norden des Platzes neue Segelflugbahnen errichtet und die Grundvoraussetzungen für einen optimierten Segelflugbetrieb geschaffen werden.

Mittels hoher Zuschüsse durch den Freistaat Bayern investierte die Stadt Bayreuth in die technische Ausstattung für das Instrumentenan- und -abflugverfahren, den Ausbau der Start- und Landebahn, den Bau eines neuen Terminals mit Aussichtsterrasse und in moderne Geräte- und Maschinentechnik. Dadurch ist es möglich, auch bei Schlechtwetterbedingungen und im Winter zuverlässig Geschäftsreiseverkehr bis zehn Tonnen (PPR) Gesamtfluggewicht abzuwickeln.

In Bayreuth fanden 1999 die Weltmeisterschaften im Segelfliegen und im Juni 2006 die Bayerischen Segelflug-Meisterschaften statt. Für die Luftsportgemeinschaft Bayreuth ist der Flugplatz Heimatbasis und Ausgangspunkt für die Flüge in der Segelflug-Bundesliga.

Ehemaliger Linienverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1960er Jahren bot die Kölner Firma Air Lloyd während der Bayreuther Festspiele einen Linienverkehr von und nach Frankfurt am Main an. Die Maschine des Typs Dornier Do 28 verkehrte im „Bedarfsluftverkehr nach festem Fahrplan“. Das Unternehmen war stark defizitär; im letzten Betriebsjahr 1965 nutzten lediglich sechs Fluggäste bei einem Preis von 75 DM pro Flug das Angebot.[6][16]

Ab 1973 gab es Linienverkehr mit einer De Havilland Canada Twin-Otter DHC-6 von Hof über Bayreuth nach Frankfurt am Main. Kurzzeitig wurde auch Düsseldorf mit einer Beechcraft 99 angeflogen. Ab dem 7. Januar 1986 flog der Nürnberger Flugdienst (NFD), seit 1993 Eurowings Luftverkehrs AG, mit Maschinen der Typen Dornier Do 228 und – von 1992 bis 1998 – ATR 42 und ATR 72. Für die neuen Flugzeuge musste der Sicherheitsstreifen nördlich des Landeplatzes ausgebaut werden, die Gesamtbaukosten betrugen 1,9 Millionen DM.[17] Danach übernahm die Augsburg Airways mit Turbopropmaschinen des Typs De Havilland DHC-8 diese Verbindung, die bis Oktober 2001 bestand. Am 1. Oktober 2001 startete der letzte Linienflug in Richtung Frankfurt.[18]

Der Verkehrslandeplatz Bayreuth ist jedoch weiterhin ein gerne besuchter und benutzter Flugplatz für die Geschäftsfliegerei und die sonstige allgemeine Luftfahrt geblieben.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Mai 1995 setzte eine aus Antwerpen kommende zweimotorige Cessna 441 Turbo der Firma Continental-Air-Traffic zu spät auf. Sie rollte über das Landebahnende aus, verfehlte knapp einen Gittermast der Landebahnbefeuerung und stürzte über die Kante des insgesamt 800 m langen Steilhangs an der Südwestseite des Bindlacher Bergs. Die Insassen überstanden den Unfall und konnten das Flugzeug über die Hecktüre verlassen. Ein Großteil der 1500 l Kerosin des beschädigten Tanks floss in den Boden.[19]
  • Am 18. Mai 2007 missglückte nach einem Triebwerksausfall die Notlandung einer aus Hof kommenden einmotorigen Diamond DA40. Die Maschine setzte zu spät auf, schoss über das Ende der Landebahn hinaus, überquerte eine Straße und krachte in eine Böschung. Der Pilot und sein Passagier überlebten den Unfall schwerverletzt.[20]
  • Im August 2016 erregte die Notlandung eines Kipprotor-Wandelflugzeugs der Bauart Bell-Boeing CV-22 Osprey der United States Air Force Aufsehen, dem zur Übernahme von dessen Fracht und zur Anlieferung von Ersatzteilen zwei Maschinen desselben Typs folgten.[21] Die etwa 18 t schweren Flugzeuge landeten auf dem Verkehrslandeplatz Bayreuth, obwohl dieser nur für Maschinen von maximal 5,7 t Gewicht zugelassen ist (10 t PPR).

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Konstrukteur des Flugzeugs Ju 52 („Tante Ju“), Ernst Zindel, stammte aus dem unweit gelegenen Mistelbach. Darauf wurde bei den gelegentlich stattgefundenen Rundflügen mit der D-AQUI der Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung aus dem Jahr 1936 hingewiesen und ggf. eine Ehrenrunde über dem Ort gedreht.

Am 7. Mai 1983 startete vom Flugplatz Bayreuth ein Hubschrauber des Typs Alouette in Richtung Tschechoslowakei. Er überflog den Eisernen Vorhang und landete auf einer Wiese bei Asch, wo er ein aus der DDR stammendes junges Paar aufnahm und in den Westen brachte. Der Pilot verlor wegen Eindringens in die Flugüberwachungszone später seinen Flugschein.[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Flugplatz Bayreuth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Benutzungsordnung für den Verkehrslandeplatz "Bayreuth". In: Bayreuth (Hrsg.): Bayreuther Stadtrecht. Band 765, Februar 2004, S. 875–886 (bayreuth.de [PDF]).
  2. AIP / Daten & Fakten. In: Bayreuth.de. Abgerufen am 9. September 2021.
  3. Katja Auer: "Wir haben alles rausgezuzelt." sueddeutsche.de, 29. April 2014, abgerufen am 29. April 2014
  4. a b Harald G. Dill, Karlheinz Hetz: Der Luftkrieg in Nordostbayern: Ein vergessenes Kapitel unserer Heimatgeschichte. Späthling, Weißenstadt 2010, ISBN 978-3-926621-95-5, S. 17.
  5. Heimat Kurier (Beilage des Nordbayerischen Kuriers) 4/2010, S. 10 und 11.
  6. a b c d e Geschichte. In: Bayreuth.de. Abgerufen am 9. September 2021.
  7. Harald G. Dill, Karlheinz Hetz: op. cit., S. 12.
  8. Axel Polnik: Die Bayreuther Feuerwehren im Dritten Reich, S. 328 ff (bei Google Books)
  9. Harald G. Dill, Karlheinz Hetz: op. cit., S. 18.
  10. BT24 vom 15. Februar 2011@1@2Vorlage:Toter Link/www.bt24.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , abgerufen am 4. Februar 2014
  11. Simon Duke: United States military forces and installations in Europe. Oxford University Press, Oxford 1989, ISBN 0-19-829132-9, S. 96.
  12. US-Army-Flugplatz Bayreuth. In: mil-airfields.de. Abgerufen am 14. September 2021.
  13. U.S. Department of Transportation - Federal Aviation Administration (Hrsg.): Military Air Traffic Activity Report: Calendar Year 1974. 1975, S. 19 (google.de).
  14. Fliegerhorste: Where are they now (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive), abgerufen am 4. Februar 2014
  15. Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 3. April 2019, S. 10.
  16. Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 27. Juli 2016, S. 12.
  17. Stephan-H. Fuchs: Bayreuth Chronik 1992. 1. Auflage. Gondrom, Bindlach 1992, ISBN 3-8112-0793-8, S. 86 f.
  18. Abheben am Bindlacher Berg in: Nordbayerischer Kurier vom 30. März 2016, S. 16.
  19. Vor 25 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 16./17. Mai 2020, S. 8.
  20. Pilot kämpft nach Absturz seit 13 Jahren um ein Urteil in: Nordbayerischer Kurier vom 21. Mai 2020, S. 17.
  21. Air Force Base Bayreuth in: Nordbayerischer Kurier vom 12. August 2016, S. 13.
  22. Peter Engelbrecht: Tausche Mähmaschine gegen Frau. Reportagen aus Oberfranken. 2. Auflage. Bumerang, Bayreuth 2004, ISBN 3-929268-18-3, S. 48 ff.