Verkehrslandeplatz Bayreuth

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Verkehrslandeplatz Bayreuth
Flughafen Bayreuth.jpeg
Kenndaten
ICAO-Code EDQD
IATA-Code BYU
Koordinaten
49° 59′ 4″ N, 11° 38′ 19″ OKoordinaten: 49° 59′ 4″ N, 11° 38′ 19″ O
488 m (1601 ft.) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 10 km nordöstlich von Bayreuth
Basisdaten
Eröffnung 1950er-Jahre
Betreiber Stadt Bayreuth
Terminals 1
Flug-
bewegungen
12.848 (2016)
Start- und Landebahnen
06/24 1034 m × 30 m Asphalt
Segelflugstreifen 1100 m × 30 m Gras



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Der Verkehrslandeplatz Bayreuth (auf dem Bindlacher Berg in den Gemeinden Bindlach und Goldkronach) ist der Flugplatz der oberfränkischen Hauptstadt Bayreuth. Er dient seit Übernahme durch die Stadt Bayreuth insbesondere der Geschäftsfliegerei, aber auch dem allgemeinen Luftverkehr, u. a. als Leistungsstützpunkt des Luftsportverbandes Bayern für den Segelflug.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugplatz liegt fünf Kilometer nordöstlich der Stadtgrenze nahe der Bundesautobahn 9, der Bundesautobahn 70 und der Europastraße 48. Er ist mit dem Linienbus des VGN (Linie 330) mit direkter Haltestelle am Verkehrslandeplatz zu erreichen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugplatz Laineck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgänger war der Flugplatz Laineck im Tal unterhalb des Oschenbergs an der Bindlacher Allee, der am 2. August 1925 mit einem Flugtag eingeweiht wurde. Die 1930 bereits als Flughafen bezeichnete Anlage weckte Hoffnungen, die Lage der Stadt abseits der Haupt-Eisenbahnstrecken zu verbessern. In genannten Jahr wurden 119 ankommende und 82 abgehende „Luftfahrgäste“ gezählt.

Seit 1929 beherbergte er die Propellermaschine der Bayreuther Fliegerin Lisl Schwab, die als Fallschirmspringerin nationale Berühmtheit erlangte. Zur fliegenden Bayreuther Prominenz gehörte auch der NS-Gauleiter und bayerische Kultusminister Hans Schemm, der 1935 dort beim Start tödlich verunglückte. Adolf Hitler landete als Festspielgast mit persönlichem Piloten in einer JU 52, die während seiner Aufenthalte dort auf ihn wartete. Der Flugplatz, der als Zivilflugplatz ausgewiesen war und auch von Segelfliegern genutzt wurde, wurde auch von Militärmaschinen angeflogen.[1]

Mit dem Zweiten Weltkrieg endete die kurze Geschichte des Lainecker Flugplatzes. Das Gelände wurde zunächst für den Aufbau eines Flüchtlingslagers und später von der Bundeswehr (Markgrafenkaserne) genutzt. Die Flughalle wurde Anfang der 1960er-Jahre abgerissen.[2]

Fliegerhorst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Bindlacher Berg legte die Luftwaffe in den Jahren 1937/38 einen Fliegerhorst an, der der größte Militärflugplatz in Oberfranken wurde.[3] Ab Mai 1939 war dort das Zerstörergeschwader I./ZG 52 stationiert. Hitler, der keine Stationierung von Kampfeinheiten in Bayreuth wünschte, ließ die Einheit im August desselben Jahres nach Biblis verlegen. Ab dem 4. September 1939 wurde der Fliegerhorst von Flugzeugführerschulen und fliegertechnischen Schulen genutzt. 1500 Bordmechaniker konnten an allen gängigen Flugzeugmustern der Luftwaffe ausgebildet werden, das Lehrpersonal bestand aus 350 Unteroffizieren und Feldwebeln. Alle Flugzeugtypen bis hin zur sechsmotorigen Me 323 „Gigant“ und der Doppelrumpfmaschine Heinkel He 111 Z waren vertreten.[1]

Von der Instandsetzungskompanie 6 wurden Flugzeugreparaturen durchgeführt, zudem gab es eine Ausbildungsstätte für Flugzeugbauer im Metallflugzeugbau. Ab dem 14. Februar 1944 wurden verschiedene Nahaufklärungsgruppen stationiert, am 5. April 1945 die Nachtschlachtgruppe 2 von Erfurt-Bindersleben mit ihren fünf verbliebenen Sturzkampfbombern Ju 87 auf den Bindlacher Berg verlegt.[4]

Im Jahr 1945 umfasste der Fliegerhorst sechs Hallen. Sie lagen nördlich der sie verbindenden Rollbahn, deren Verlauf jetzt die Goldkronacher Straße folgt. Die Flugzeuge starteten und landeten, anders als heute, in Nordwest-Südost-Richtung auf einer südlich davor liegenden Grasfläche.[5]

Am 11. April 1945 wurde der Fliegerhorst bei einem Bombenangriff teilweise in Brand geschossen, dort stationierte deutsche Flugzeuge wurden zerstört.[6] Vier Tage später wurde er von den amerikanischen Truppen besetzt, die dort die bis 1992 genutzte Kaserne Christensen Barracks errichteten.

Verkehrslandeplatz Bayreuth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick nach Norden mit Gebäuden der Luftsportgemeinschaft
Terminal und Tower

Der Flugplatz auf dem Bindlacher Berg wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem südöstlichen Teil des Militärgeländes[7] von der Luftsportgemeinschaft Bayreuth e. V. errichtet und 1973 von der Stadt Bayreuth übernommen. Die Genehmigung zum Betrieb als Verkehrslandeplatz wurde am 1. April 1974 vom Luftamt Nordbayern erteilt. Die Stadt Bayreuth erwarb 1986 das Eigentum an den gepachteten Flächen von der Bundesrepublik Deutschland und erweiterte im Jahr 1996 das Gelände durch Zukauf auf insgesamt 55,511 Hektar. Damit konnten im Norden des Platzes neue Segelflugbahnen errichtet und die Grundvoraussetzungen für einen optimierten Segelflugbetrieb geschaffen werden.

Mittels hoher Zuschüsse durch den Freistaat Bayern investierte die Stadt Bayreuth erfolgreich in ein Instrumentenan- und -abflugverfahren, den Ausbau der Start- und Landebahn, den Bau eines neuen Terminals mit Aussichtsterrasse und in moderne Geräte- und Maschinentechnik. Dadurch ist es möglich, auch bei Schlechtwetterbedingungen und im Winter zuverlässig Geschäftsreiseverkehr bis zehn Tonnen Gesamtfluggewicht abzuwickeln.

Die Landebahn liegt auf einem Plateau und kann nicht verlängert werden, wegen ihrer begrenzten Länge sind Flüge mit großen Flugzeugen (Code C - größer 24 m Spannweite) nicht durchführbar. Durch die Nähe zu den Flughäfen Nürnberg (etwa 90 Kilometer) und Leipzig/Halle (etwa 190 Kilometer) besteht dafür aber kein dringend notwendiger Bedarf. Charterflugzeuge mittlerer Größe können individuell gebucht werden, Direktflüge in den europäischen Raum sind somit jederzeit möglich. Ferner hat das Luftfahrtunternehmen Fair Air seinen Geschäftssitz am Flugplatz.

In den 1960er Jahren bot die Kölner Firma Air Lloyd während der Bayreuther Festspiele einen Linienverkehr von und nach Frankfurt am Main an. Die Maschine des Typs Dornier Do 28 verkehrte im „Bedarfsluftverkehr nach festem Fahrplan“. Das Unternehmen war stark defizitär; im letzten Betriebsjahr 1965 nutzten lediglich sechs Fluggäste bei einem Preis von 75 DM pro Flug das Angebot.[8]

Ab 1973 gab es Linienverkehr mit einer Twin-Otter DH-6 von Hof über Bayreuth nach Frankfurt am Main. Kurzzeitig wurde auch Düsseldorf mit einer Beechcraft 99 angeflogen. Ab dem 7. Januar 1986 flog der Nürnberger Flugdienst (NFD), seit 1993 Eurowings Luftverkehrs AG, mit Maschinen der Typen Do 228 und – von 1992 bis 1998 – ATR 42 und ATR 72. Danach übernahm die Augsburg Airways mit Turbopropmaschinen vom Typ Dash 8 diese Verbindung, die bis Oktober 2001 bestand. Am 1. Oktober 2001 startete der letzte Linienflug in Richtung Frankfurt.[9]

Der Verkehrslandeplatz Bayreuth ist jedoch weiterhin ein gerne besuchter und benutzter Flugplatz für die Geschäftsfliegerei und die sonstige allgemeine Luftfahrt geblieben.

Für den Luftsport ist der Flugplatz Bayreuth wegen seiner vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten interessant: Dort fanden 1999 die Weltmeisterschaften im Segelfliegen und im Juni 2006 die Bayerischen Segelflug-Meisterschaften statt. Für die Luftsportgemeinschaft Bayreuth ist der Flugplatz Heimatbasis und Ausgangspunkt für die Flüge in der Segelflug-Bundesliga. Die jährlichen Kosten für die Stadt liegen im Durchschnitt bei rund 350.000 Euro.[10]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Konstrukteur des Flugzeugs Ju 52 („Tante Ju“), Ernst Zindel, stammte aus dem unweit gelegenen Mistelbach. Darauf wird bei den gelegentlich stattfindenden Rundflügen mit der D-AQUI der Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung aus dem Jahr 1936 hingewiesen und ggf. eine Ehrenrunde über dem Ort gedreht.

Aufsehen erregte im August 2016 die Notlandung eines Kipprotor-Wandelflugzeugs der Bauart CV-22 Osprey der United States Air Force, dem zur Übernahme deren Fracht und zur Anlieferung von Ersatzteilen zwei Maschinen desselben Typs folgten.[11] Die etwa 18 Tonnen schweren Flugzeuge landeten auf dem Verkehrslandeplatz Bayreuth, obwohl dieser nur für Maschinen von maximal 10 Tonnen Gewicht zugelassen ist.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Flugplatz Bayreuth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Harald G. Dill, Karlhein Hetz: Der Luftkrieg in Nordostbayern. Späthling, Weißenstadt, ISBN 978-3-926621-95-5, S. 17.
  2. Heimat Kurier (Beilage des Nordbayerischen Kuriers) 4/2010, S. 10 und 11
  3. Harald G. Dill, Karlhein Hetz, op. cit., S. 12
  4. Axel Polnik: Die Bayreuther Feuerwehren im Dritten Reich, S. 328 ff (bei Google Books)
  5. Harald G. Dill, Karlhein Hetz, op. cit., S. 18
  6. BT24 vom 15. Februar 2011, abgerufen am 4. Februar 2014
  7. Fliegerhorste: Where are they now, abgerufen am 4. Februar 2014
  8. Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 27. Juli 2016, S. 12
  9. Abheben am Bindlacher Berg in: Nordbayerischer Kurier vom 30. März 2016, S. 16
  10. Katja Auer: "Wir haben alles rausgezuzelt." sueddeutsche.de, 29. April 2014, abgerufen am 29. April 2014
  11. Air Force Base Bayreuth in: Nordbayerischer Kurier vom 12. August 2016, S. 13
  12. Triebwerksprobleme: Kipprotor-Flugzeug strandet am Flugplatz Bayreuth in: Nordbayerischer Kurier vom 11. August 2016, S. 11