Verlag Otto Beyer

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Verlag Otto Beyer
Rechtsform
Gründung 1890
Auflösung 30. Juni 1946
Auflösungsgrund Enteignung, Weiterführung durch Verlag für die Frau
Sitz Leipzig
Branche Verlag

Der Verlag Otto Beyer war ein 1890 in Leipzig gegründeter Großverlag.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Beyer (1854–1934) gründete den Verlag zunächst als Abteilung im Leipziger Modenhaus August Polich als "Verlag der Deutschen Moden-Zeitung". 1912 wurde der Verlag umbenannt in "Verlag Otto Beyer". Er gab Bücher und Zeitschriften für Mode, Handarbeit und Haushalt heraus. Eine Spezialität war die Veröffentlichung von Schnittmusterbögen, für die der Verlag auch über ein umfangreiches Netz an in- und ausländischen Verkaufsstellen verfügte.[1]

Der Otto-Beyer-Verlag gab zwischen 1929 und 1943 unter anderem die gehoben bürgerliche Monatszeitschrift die neue linie heraus, mit einer Auflage von etwas über 40.000 Exemplaren die führende „Lifestyle“-Illustrierte der Zeit. An deren Umschlaggestaltung wirkten unter anderem die Bauhaus-Künstler László Moholy-Nagy und Herbert Bayer mit, sie enthielt unter anderem Beiträge von Walter Gropius.

Der Bauhaus-Absolvent Franz Ehrlich entwarf das Verwaltungsgebäude in der Elsterstraße und arbeitete von 1933 bis zu seiner Verhaftung 1934 als Typograf beim Verlag Otto Beyer. Ehrlich redigierte, druckte und vertrieb von dort aus die illegale Zeitschrift Junge Garde.

Ein weiteres Verlagsprodukt war die Zeitschrift Häuslicher Ratgeber, die von 1886 bis 1933 erschien und dann mit der ebenfalls von 1886 bis 1944 erschienenen Deutschen Frauen-Zeitung (Auflage 1939: 110.195 Exemplare) vereinigt wurde. Von 1935 bis 1941 erschien die Reihe Frauenkultur im Deutschen Frauenwerk (Auflage 1939: 23.500 Exemplare; frühere Titelbezeichnungen: Deutsche Frauenkultur (1931–35), Deutsche Frauenkultur und Frauenkleidung (1904–30)). In der beliebten Reihe Beyers Handarbeitsbücher wurden Handarbeitshefte mit Schnittmustern publiziert.

In der Kinderbeilage der ebenfalls in diesem Verlag erschienenen Familienzeitschrift Beyers für Alle (seit 1928 „Kinderzeitung von Klaus und Kläre“) wurden von 1926 bis 1934 unter den Pseudonymen Klaus und Kläre fast 200 Artikel – Geschichten, Gedichte, Rätsel und kleine Feuilletons – geschrieben, die nach heutigem Stand der Forschung wohl großteils von Erich Kästner stammen (Heike Nieder, 2007). Luiselotte Enderle, die spätere Lebensgefährtin Kästners, war Mitglied der Redaktion. Illustriert wurden die Geschichten zum Teil von Kästners Freund Erich Ohser.

Im November 1945 brachte der Verlag die erste Ausgabe der Verbraucherzeitschrift Guter Rat (genauer Titel: Guter Rat für Haus und Kleid) heraus. Sie wurde seither ohne Unterbrechung fortgeführt und ist die älteste noch erscheinende deutsche Zeitschrift. Guter Rat gehört inzwischen zum Superillu-Verlag (Hubert Burda Media).

Am 30. Juni 1946 wurde der Verlag Otto Beyer enteignet und in die Verwaltung der Stadt Leipzig übergeführt. Daraus wurde am nachfolgenden Tag der Verlag für die Frau gegründet.

Es existierte auch eine Otto-Beyer-Stiftung, die unter anderem ein Ferienheim in Lauenstein im Osterzgebirge betrieb, wo sich in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zahlreiche Buchhändler erholen konnten.

Es besteht keinerlei Beziehung zum Hermann Beyer Verlag Leipzig.

Liste der Zeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reklamemarke der Deutschen Modenzeitung
  • Häuslicher Ratgeber
  • Deutsche Frauenzeitung
  • Deutsche Modenzeitung
  • Deutsche Frauenkultur
  • Beyers Modenblatt
  • Hella. Beyers Wochen-Illustrierte für jede Frau
  • Kinder-Zeitung für alle von Klaus und Klaere
  • Beyers Kindermodeführer
  • Hausfrauen-Kalender
  • Beyers Haushalt-Blätter
  • die neue linie
  • Beyers Monatsblatt für Handarbeit und Wäsche
  • Beyers Halbband (fortlaufende Nummerierung mit Schnittmustern)
  • Beyers Mode für Alle
  • Beyers für Alle (mit Versicherung)
  • Mode für Sie
  • Handarbeit und Wäsche

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heike Nieder: Erich Kästner in der “Kinderzeitung von Klaus und Kläre”. Verlag LiteraturWissenschaft.de (TransMIT), Marburg an der Lahn 2007 [1]
  • Iris Geissler: „Mutter und Kind“ – Mütterliche Handlungskompetenz im Spannungsfeld von Öffentlichkeit und Privatheit. Erziehungshandeln als Thema ausgewählter Frauenzeitschriften (1923–1944). Dissertation, Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main, FB Erziehungswissenschaften, 2005. Hier: Anlagen, S. 297 u. 299 [2]
  • Andreas Graf: Die Ursprünge der modernen Medienindustrie: Familien- und Unterhaltungszeitschriften der Kaiserzeit (1870-1918). In: Georg Jäger (Hrsg.): Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert, Bd. 1: Das Kaiserreich 1871–1918. Teil 2. Frankfurt am Main: MVB Marketing- und Verlagsgesellschaft des Buchhandels GmbH, 2003, S. 71, Tabelle 15: Zeitschriften-Großverlage nach 1900 [3]
  • Andreas Graf: Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Band 1: Das Kaiserreich 1871 bis 1918; Teil 2, S. 506/507, die Zeitschriften: "Antisemitische Correspondenz" (1. Jahrgang 1886) und "Wie baue ich mir selbst" sind nicht wie aufgeführt vom Otto Beyer Verlag, sondern vom Hermann Beyer Verlag Leipzig
  • Lexikon der Deutschen Verlage; Verlag Curt Müller & Co.,1930, S. 193

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt Rüdiger: Beyer, Otto, Verlag. In: Helmut Bähring, Kurt Rüdiger (Hrsg.): Lexikon der Buchstadt Leipzig. Von den Anfängen bis zum Jahr 1990. Tauchaer Verlag, Taucha 2008, ISBN 978-3-89772-147-0, S. 22.