Verlagsgruppe Oetinger

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Die Verlagsgruppe Oetinger ist eine deutsche Verlagsgruppe mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur mit Sitz in Hamburg. Den Grundstein für die heutige Gruppe mit diversen Verlagen und Marken legte 1946 der nach seinem Verleger benannte Verlag Friedrich Oetinger.

Zur Verlagsgruppe gehören 2018 vier Unternehmen, die im klassischen Verlagswesen und im Digital Publishing-Markt angesiedelt sind. Hierzu zählen: Verlag Friedrich Oetinger mit Oetinger Taschenbuch, Dressler Verlag mit Imprint ellermann, Oetinger Media und Verlag für Kindertheater. Das Produktportfolio umfasst Bücher für Kinder aller Altersstufen und junge Erwachsene, E-Books, Hörbücher, Audio-Downloads, Filme, Apps sowie ein Merchandising-Angebot.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verlag Friedrich Oetinger wurde am 12. Juni 1946 von dem damals 39-jährigen Buchhändler und Antiquar Friedrich Oetinger in Hamburg mit einer der ersten Lizenzen der britischen Alliierten gegründet. Friedrich Oetinger hatte zuvor von 1938 bis 1946 im Verlag Heinrich Ellermann in der Abteilung Kinder- und Jugendbuch gearbeitet. 1948 trat Heidi von Hacht in das Unternehmen ein, heiratete 1952 den Firmengründer und hieß fortan Heidi Oetinger. Das ursprüngliche Verlagsprogramm umfasste wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Schriften, u. a. den sozialkritischen Roman Das Fließband des amerikanischen Pulitzer-Preisträgers Upton Sinclair, sowie einige pädagogische Bücher.

1948 brachte der Verlag das Buch Der Kinderknigge des Wiener Pädagogen Anton Tesarek heraus und tat damit einen ersten Schritt in die neue Programmrichtung. 1949 reiste Friedrich Oetinger auf Einladung des deutschen Emigranten Kurt Heinig nach Stockholm, wo er die schwedische Autorin Astrid Lindgren und ihr Kinderbuch Pippi Langstrumpf kennenlernte. Er erwarb die deutschen Übersetzungsrechte und gab das Buch noch im gleichen Jahr heraus, obwohl es zu diesem Zeitpunkt sogar in Schweden noch ziemlich umstritten und zuvor von fünf anderen deutschen Verlagen abgelehnt worden war. Da auch alle künftigen Bücher von Astrid Lindgren sowie viele deutschsprachige Debüts nordischer Autoren bei Oetinger verlegt wurden, wurde der Verlag zum Wegbereiter skandinavischer Kinderliteratur in Deutschland.

1952 erschien der erste Fotobildband der Reihe Kinder unserer Erde, an der auch Astrid Lindgren mitwirkte. In den Jahren 1953–1957 veröffentlichte Oetinger mit der Reihe "Taschenjunior" eine Art Vorreiter des Jugendtaschenbuchs im Miniformat. Über die Jahrzehnte erschienen bei Oetinger einige der bekanntesten Kinderbücher und Charaktere, wie Das Sams von Paul Maar, Die Olchis von Erhard Dietl sowie Pettersson und Findus von Sven Nordqvist, die den Erfolg des Unternehmens festigten.

1971 übernahm Oetinger den Cecilie Dressler Verlag und 1976 vom Verleger Kurt Leo Maschler den Zürcher Atrium Verlag. Auch die NordSüd Verlag AG aus der Schweiz wurde vertrieblich in die Gruppe aufgenommen.

Als Verlagsgruppe wurde Oetinger aber erst sichtbar, als in den Jahren 1997 und folgende verschiedene Verlage, wie z. B. Verlag Heinrich Ellermann GmbH, Erika Klopp Verlag GmbH, Aktive Musik Verlag GmbH, NordSüd Verlag Holding AG und Arche Literaturverlag AG, Zürich, zur Gruppe hinzu kamen oder Beteiligungen an diesen Verlagen eingegangen wurden und sie in die Abläufe der Gruppe voll oder teilweise integriert wurden.

2018 wurde die Verlagsgruppe neu geordnet. Sie setzt sich zusammen aus dem Verlag Friedrich Oetinger mit Oetinger Taschenbuch, dem Dressler Verlag mit dem Imprint ellermann, Oetinger Media und dem Verlag für Kindertheater.

Die Verlage Arche und Atrium wurden unter dem Dach der W1-Media GmbH zusammengeführt, der digitale Bereich unter dem Dach von StoryDOCKS.

Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verlagsprogramme umfassen über 1.000 Bilder-, Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher sowie Pappbilderbücher (Stand 2016). 2015 brachten es die rund 190 Mitarbeiter der Verlagsgruppe mit 897 Novitäten auf einen Jahresumsatz von zusammen 41,2 Mio. Euro. Das war Rang 36 der 100 größten Buchverlage bzw. Rang 12 der 20 größten Publikumsverlage im bundesweiten Vergleich aller deutschen Verlage. Unter den Kinder- und Jugendbuchverlagen hält die Verlagsgruppe Oetinger Rang 5.

2017 bietet die Gruppe über 2.000 lieferbare Titel, über 500 lieferbare Hörbücher und über 70 DVDs.

Das Produktportfolio umfasst Pappbilderbücher, Bilderbücher, Kinder- und Jugendbücher als Hardcover oder Taschenbuch, E-Books, Hörbücher, Audio-Downloads, CDs und DVDs, Dramatisierungen, Unterrichtsmaterial, Apps, Merchandising-Artikel sowie individualisierte Formate für den Bereich B2B.[2]

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den wichtigsten Autoren des Verlags gehören unter anderen Astrid Lindgren, Paul Maar, Christine Nöstlinger, Cornelia Funke, James Krüss, Erich Kästner, Henning Mankell, Kirsten Boie, Erhard Dietl, Sven Nordqvist, Sabine Ludwig, Tanya Stewner und Suzanne Collins.

Firmengruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zur Verlagsgruppe gehörenden Verlage befinden sich bis heute in Familienbesitz der Nachfahren Heidi Oetingers. Dies sind ihre Tochter Silke Weitendorf, ihre Enkelin Julia Bielenberg, Enkel Jan Weitendorf, der 2016 selbständig die Verlage Arche, Atrium und NordSüd übernahm, und Enkel Till Weitendorf, der StoryDOCKS verantwortet. [3]

Zur Verlagsgruppe Oetinger (Hamburg) gehören (Stand 2018) die Verlage:

Die Ogglies Film Productions GmbH & Co. KG ist 2013 erloschen.[4] Die Xenos Verlagsgesellschaft wurde 2011 an den Carlsen Verlag verkauft.[5] Oetinger war zusammen mit anderen Kinderbuchverlagen Gesellschafter von hoerstern.de, einem im Herbst 2007 gegründeten Downloadportal für MP3-Kinder- und Jugendhörbücher, aus dem sich die Verlage jedoch mit Wirkung Anfang 2012 als Teilhaber zurückzogen. Nach wie vor kooperiert jedoch auch Oetinger mit dieser Vertriebsplattform.[6] Die zu Jahresbeginn 2011 als Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ernst Kaufmann Verlag, Lahr, gegründete Smalland Kinderbuchausstellungen GmbH für den Buchvertrieb in Kindergärten[7] wurde bereits nach kurzer Zeit an den Kaufmann Verlag veräußert. Seine Anteile an dem von Oetinger mitaufgebauten Entwickler von E-Book-Apps textunes hat der Verlag 2011 an die Buchhandelskette Thalia verkauft.

Die Verlagsgruppe hält Anteile an Unternehmen wie

Oetinger Media GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 wurde mit der ersten CD-ROM zu „Pippi Langstrumpf“ im Verlag Friedrich Oetinger GmbH das erste digitale Produkt selbst entwickelt. Später im Jahr 1997 wurde zum Zweck weiterer CD-ROM-Produktionen die Oetinger Media GmbH von Jan Weitendorf ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2002 wurden nach und nach die Bereiche Oetinger interaktiv für Spiel- und Lernsoftware (PC und Konsole), Oetinger audio für Hörbücher und Musik-CDs sowie Oetinger kinderkino (später Oetinger kino) für DVDs und Kinoproduktionen aufgebaut. Der Bereich Oetinger interaktiv wurde 2002 eingestellt, da der immer schnellere technische Fortschritt der Konsolen und die Einführung der Apps eine zu kostspielige technischen Anpassung der Spiele erforderlich machte. Heute (2013) gehört Oetinger Media, am Umsatz gemessen, zu den sieben größten Audioproduzenten und befindet sich im Kinderbereich im Ranking hinter dem Konzern Sony Music Entertainment, der mit seinem Label Europa Die drei ??? produziert, auf Platz zwei der Hörbuchverlage. Oetinger Media ist derzeit (2013) der einzige Verlag, der DVDs im Buch- und Spielwarenhandel anbietet und Lizenzen von allen namhaften Filmproduzenten und -auswertern im Portfolio hat.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. AVJ: Verlag Friedrich Oetinger > Kinder- und Jugendbuchverlage A-Z. Abgerufen am 4. Oktober 2016.
  2. Die Größten wachsen weiter. In: buchreport. 30. März 2016, abgerufen am 4. Oktober 2016.
  3. Klarheit innerhalb der Familie: Jan Weitendorf übernimmt die Verlage Arche Literatur, Atrium und NordSüd - Bltzmeldung - News - BuchMarkt.de. In: www.buchmarkt.de. Abgerufen am 10. Oktober 2016.
  4. Veröffentlichungen aus dem Handelsregister
  5. Verlage: Carlsen übernimmt die Marke Xenos. In: boersenblatt.net, 16. März 2011
  6. Website von hoerstern.de
  7. Lahr: "Smalland" geht in die Kindergärten. In: badische-zeitung.de, 16. Februar 2011