Verlorener Groschen

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Das Gleichnis von der verlorenen Drachme (Domenico Fetti, Gemäldegalerie, Dresden)

Das Gleichnis vom verlorenen Groschen, auch als Gleichnis von der verlorenen Drachme bekannt, ist ein Gleichnis Jesu, das sich ausschließlich im Evangelium nach Lukas findet und somit Lukas-Sondergut bildet.

Kontext[Bearbeiten]

Einleitend berichtet der Evangelist Lukas von der Rahmensituation: Die Pharisäer und Schriftgelehrten nehmen daran Anstoß, dass Jesus mit Zöllnern (die als Betrüger gelten) und anderen Sündern Gemeinschaft hat und mit ihnen isst. Daraufhin erzählt Jesus ihnen drei Gleichnisse, in denen es jeweils um das Motiv des Verlorenen geht: in Vv. 4-7 das Gleichnis vom verlorenen Schaf, in Vv. 8-10 das Gleichnis vom verlorenen Groschen und in Vv. 11-32 das Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Das Gleichnis[Bearbeiten]

Das Gleichnis lautet wie folgt:

8 Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? 9 Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. 10 Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.“

Lukas 15,8-10 EU

Interpretation[Bearbeiten]

Wenn sich schon eine Frau über ein wiedergefundenes Geldstück so sehr freut, wie sehr wird sich Gott über einen Menschen freuen, der von seinem falschen Weg, ohne Gott, umkehrt und zu ihm kommt. Das Gleichnis wird von daher häufig vorrangig als Aufruf zur Umkehr gedeutet.

Tatsächlich jedoch geht aus dem Kontext hervor, dass Jesus die drei Gleichnisse über das Verlorene den Pharisäern und Schriftgelehrten erzählt, nachdem diese daran Anstoß genommen haben, dass Jesus mit Sündern Gemeinschaft hat.[1] Es geht also zentral um die Frage, ob diejenigen, die gar nicht verloren waren, sich - wie die Frau und ihre Freundinnen - mitfreuen können über das Wiedergefundene.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lukas 15,1-3 EU
  2. Wolfgang Wiefel: Das Evangelium nach Lukas, Berlin 1988, S. 279ff.