Vermisste Person

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Private Plakate zu vermissten Personen in New York City kurz nach den Terroranschlägen am 11. September 2001

Eine vermisste Person ist im allgemeinen Sprachgebrauch, jedoch nicht rechtlich, eine Person, die kraft besonderer Ereignisse wie Krieg, Vertreibung, Katastrophen, Unfällen oder aufgrund eines Verbrechens verschollen ist. Man unterscheidet Kriegsvermisste und zivile Vermisste, wobei zu den Kriegsvermissten nur Soldaten zählen, bei denen somit unbekannt ist, ob sie gefallen sind, versprengt oder gefangen genommen wurden.

Vermisste in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist zwischen Verschollenen (sehr langfristig) und der Polizeieinsatzart „Vermisste Person“ zu unterscheiden. Den rechtlichen Status von Verschollenen regelt in Deutschland das Verschollenheitsgesetz (VerschG). Den rechtlichen Status von (kurzfristig) vermissten Personen regelt in Deutschland das jeweilige Polizeirecht, bei Anfangsverdacht von Straftaten die Strafprozessordnung; jedoch wird die Polizei auf Anordnung auch bei Verschollenen tätig.

Vermisstenfall bei der deutschen Polizei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzung für einen Vermisstenfall im polizeilichen Sinn sind bei der deutschen Polizei:[1]

Die Meldung eines Vermisstenfalls – die Vermisstenanzeige – erfolgt in der Regel bei der örtlich zuständigen Schutzpolizei. Eine Vermisstenanzeige dient der Einleitung einer Dokumentation, umfangreicher Ermittlungen und Fahndungen nach Personen und Sachen mit Hilfe kriminalistischer Methoden. Die Suchmaßnahmen umfassen also unter anderem

Die zuständige Organisationseinheit bei der Schutzpolizei wird VUT („Vermisste, unbekannte Tote, unbekannte hilflose Personen“) genannt.[1] Bei Fällen von größerer Bedeutung, bei Zuständigkeit mehrerer Behörden sowie in einigen Polizeien ist statt der Kriminalpolizei ein Landeskriminalamt oder das Bundeskriminalamt zuständig.

Diese Maßnahmen können unter Umständen die Rechtsnatur einer doppelfunktionalen Maßnahme aufweisen. Das heißt, sie zielt aufgrund ihrer Unbestimmtheit sowohl auf die Gefahrenabwehr als auch auf die Strafverfolgung ab.

Ermittlungen in einem Vermisstenfall können unter anderem zu dem Schluss führen, dass die Person einer Straftat zum Opfer gefallen ist (z. B. Mord, Entführung), in Gefangenschaft ist, eine Straftat begangen hat und flüchtig ist, wohlauf ist (z. B. Aussteiger), eines natürlichen Todes gestorben ist oder verschollen ist. Ein weiterer Grund kann sein, dass die vermisste Person in kriegerischen Auseinandersetzungen gestorben ist.

Eine Vermisstenanzeige kann jedermann bei jeder Polizeidienststelle, auch im Ausland, erstatten. Die Ermittlungsbehörden werden nicht, wie in vielen Filmen / Fernsehsendungen dargestellt, erst nach 24 Stunden sondern unmittelbar nach Vorliegen der rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen tätig.

Zahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Täglich werden in Deutschland zwischen 150 und 250 Personen als vermisst gemeldet. 50 % dieser Vermisstenfälle klären sich innerhalb einer Woche auf, 80 % binnen eines Monats, 97 % innerhalb eines Jahres. Die Personenfahndung wird nach 30 Jahren eingestellt. Von den zwischen 6. Juni 1950 und 2002 registrierten Vermisstenfällen von Personen unter 14 Jahren blieben etwa 830 ungeklärt.[2]

Im Jahr 2010 waren in Deutschland insgesamt 5.733 Kinder (bis einschließlich 14 Jahre) offiziell vermisst, davon wurden zum 10. April 2013 5.676 Fälle aufgeklärt.[3]

In den Jahren 2001 und 2002 wurden jeweils insgesamt etwa 14.000 Kinder unter 14 Jahren als vermisst gemeldet.[2]

Das größte Ereignis in jüngster Zeit, aufgrund dessen auch mitteleuropäische Personen zu Vermissten wurden, war das Seebeben im Indischen Ozean 2004. Im Zusammenhang mit der Katastrophe wurden zeitweise über 1000 deutsche Staatsangehörige vermisst, hauptsächlich Urlauber an den Küsten Thailands, Indiens und Sri Lankas. Noch ein Jahr später – nach der Identifikation von über 500 Leichen und dem Abgleichen der Vermisstenmeldungen – belief sich die Zahl der Vermissten auf 15 Personen.

Identifizierung von Leichen zur Klärung von Vermisstensachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher war das sichere Identifizieren von Kriegs- und Katastrophenopfern nicht leicht möglich. Bei Soldaten geschah dies oft nur durch die Kennmarke, die die Soldaten stets im Dienst tragen mussten und auf der Namen und Personalkennziffer o. ä. eingestanzt waren. Diese Marken sind auch heute bei vielen Streitkräften üblich. So konnten Leichen auch viele Jahre nach ihrem Tod durch Vergleich mit den vorhandenen Karteien noch identifiziert werden. Eine weitere Möglichkeit ist ein auch im zivilen Bereich verwendetes System, das auf der Untersuchung von Gebissen (Zahnstatus) beruht. Heute wird weitgehend ein DNA-Abgleich durchgeführt.

In Deutschland ist jede Person, die den Betroffenen gekannt hat, als Zeuge verpflichtet, an einer Leichenidentifizierung mitzuwirken (§ 88 StPO i.V.m. §§ 48 ff. StPO).

Rechtsfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den psychischen Folgen bei den Angehörigen Vermisster treten auch oftmals rechtliche Schwierigkeiten auf, die sich über Jahre hinziehen können und auch existenzgefährdend für die Hinterbliebenen sein können. Bis zu einer Todeserklärung können Pensionszahlungen verweigert werden. Auch Erbschaften können oft nicht abgewickelt werden. In Deutschland regelt dies das Verschollenheitsgesetz.

Aber auch bei Wiederauffinden Vermisster nach einer Todeserklärung kann es zu Rückforderungen von Erbschaften kommen. Speziell nach dem Krieg tauchten Vermisste zu einem Zeitpunkt auf, als die vermeintliche Witwe bereits wieder verheiratet war.

Suche nach Vermissten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die unterschiedlichen Gruppen von Vermissten gibt es individuelle Datensammlungen, die der weiteren Erhellung dienen können.

Adressbuch/Suchdatenbank/Social Network/Suchagentur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Adressbücher, aktuelle Telefonbücher sowie Personensuchmaschinen[4] und Suchmaschinen geben erste Hinweise darauf, wie lange die vermisste Person noch aufgeführt war und im Internet oder in Publikationen erwähnt wurde. Ferner gibt es interaktive Suchmaschinen für Personen (Facebook), ehemalige Schüler Stayfriends[5] und vermisste Personen.[6] Suchagenturen helfen bei der Suche. Sie sind unter Umständen kommerziell orientiert.[7]

Melderegister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt in Deutschland Melderegister bei mehr als 5.000 Einwohnermeldeämtern. Als Angaben werden benötigt Vor- und Nachname, letzte bekannte Adresse, Geburtsdatum und Familienstand. Die Suche sollte beginnen bei dem Einwohnermeldeamt, für das die letzte Adresse bekannt ist.[8]

Digitale Personenstandsinformationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Personenstandsinformationen sind bei ancestry.de[9], Grabsteininformationen bei genealogy.net,[10] Kriegstote bei volksbund.de[11] gespeichert.

Konflikte und Katastrophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die icmp International Commission on Missing Persons führt DNA-Untersuchungen für staatliche Stellen und Gerichte durch. Es handelt sich im Wesentlichen um die Durchführung der Identifizierung von Toten nach Konflikten und Katastrophen, z. B. auf dem Westbalkan sowie in Asien, Südamerika und dem Nahen Osten.[12] Das Internationale Rote Kreuz sucht, unterteilt nach Ländern, nach vermissten Familienangehörigen aus Katastrophen und Konflikten.[13] Das Auswärtige Amt hilft bei der Suche nach vermissten Deutschen im Ausland.[14] [15]

Erbenermittlung, Auswanderer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Professionelle Erbenermittler können bezüglich Nachlässen, für die sich keine Erben melden, eingeschaltet werden.[16] Sie erhalten in der Regel 20 bis 30 Prozent des Nachlasswertes als Honorar, sofern sie die noch lebenden Erben auffinden und das Erbe ausgezahlt wird.[17]

Nachfahren in Übersee und zurückgebliebene Familien in Deutschland suchen nach Auswanderern. Ein Namensverzeichnis der Auswanderer (sehr umfangreich und leicht zu durchsuchen) hat „The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints“ zusammengestellt.[18] Auswanderungen über Hamburg sind in den Datenbanken der Ancestry enthalten (aus dem Staatsarchiv Hamburg).[19] Auch Auswanderer über Bremen sind erfasst.[20] Auch die Auswanderer aus Baden-Württemberg wurden registriert.[21] In Ellis Island vor New York wurden die Passagiere registriert.[22]

Vermisste des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermisste Kriegstote und -gefangene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für Vermisste des Zweiten Weltkrieges in Neustadt am Rübenberge

Während die Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges aus den Lagern der westlichen Alliierten relativ bald entlassen wurden und auch während der Gefangenschaft Kontakt mit ihren Angehörigen hatten, waren es vorwiegend Vermisste, die über viele Jahre in sowjetischer Gefangenschaft waren, von denen man nichts über ihren Verbleib wusste. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und eine Reihe von nationalen Gesellschaften der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung betreiben Suchdienste, die auch noch nach Jahrzehnten, speziell nach Öffnung verschiedener Archive, Erfolge bei der Klärung von Vermisstenschicksalen aufweisen können, wenn auch meist nur Todeszeitpunkte oder -orte. Nur selten werden auch nach Jahrzehnten noch Überlebende gefunden. Das Internationale Rote Kreuz in Genf besitzt ein Archiv über Kriegsgefangene und bearbeitet Suchanfragen.[23]

Beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes gehen heute täglich bis zu zwanzig Suchanfragen ein, davon immer noch mehrere zu Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg. Der DRK-Suchdienst hilft bei der Suche nach und der Familienzusammenführung mit vermissten Personen.[24] [25]

Der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen ist aufgrund seiner Dokumentensammlung für die Klärung des Schicksals von NS-Verfolgten im ehemaligen deutschen Reichsgebiet zuständig: der KZ-Häftlinge, Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter, der Internierten, Deportierten, Displaced Persons (verschleppte Personen) und Vertriebenen. Er besitzt das Archiv des Kindersuchdienstes.[26]

Auskünfte über Vermisste und Grablagen von Gefallenen gibt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. in Kassel in seiner online Gräberdatei.[27] Suchanzeigen nach Vermissten der Kriege bzw. Rückmeldungen von Zeitzeugen sind aufgeführt unter Mitmachaktion letzte Hoffnung.[28] Vermisste und Gefallene sind auch auf den Gefallenendenkmälern der Heimatgemeinden aufgeführt.[29] Grabnachforschungen für den Bereich der österreichischen Kriegsgräberanlagen gibt die Kriegsgräberfürsorge des Österreichischen Schwarzen Kreuzes (ÖSK).[30]

Die Klärung der Schicksale von Kriegstoten und -vermissten des Zweiten Weltkrieges ist eine der Aufgaben der Deutschen Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht.[31] Die vom Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes in München nach dem Zweiten Weltkrieg erstellten Vermisstenbildlisten sind über die WASt zugänglich.

Im Bundesarchiv-Militärarchiv[32] werden Kurzauskünfte gegeben und sind eigene Recherchen im Lesesaal möglich. In den Kriegstagebüchern der Einheiten sind Verlust- und Vermisstenmeldungen enthalten. (Militärkarten > Einheiten > Kriegstagebücher der Einheiten).

Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Dokumentationsstelle Dresden, verfügt über Daten von rund 250.000 sowjetischen Gefangenen des Zweiten Weltkrieges.[33] Das Suchreferat Moskau, Liga für Russisch-Deutsche Freundschaft, übernimmt die Suche nach vermissten Wehrmachtssoldaten im Bereich der ehemaligen Sowjetunion anhand eventuell vorhandener Archivakten gegen Honorar.[34] Der Verein zur Klärung von Schicksalen Vermisster und Gefallener (VKSVG) arbeitet ehrenamtlich, unterstützend und hilft auch bei der Forschung nach Grablagen von ehemaligen Sowjetsoldaten in Österreich.[35]

Zwangsarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Übersicht über regionale Archive zur NS-Zwangsarbeit und über Zwangsarbeiterlager während der NS-Zeit wurde im Bundesarchiv erarbeitet.[36] Auskünfte zu Zwangsarbeitern, Verschleppten und Menschen in Konzentrationslagern während der Zeit des Nationalsozialismus (etwa 17 Millionen Menschen) gibt der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen.[37]

Ermordete und Überlebende der Shoah[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Namen der Holocaust-Opfer sind in der Datenbank der Jerusalemer Gedenkstätte Jad Vashem bewahrt worden.[38] Die Suche nach vermissten NS-Verfolgten ist bei mehreren Institutionen möglich.[39] Das United States Holocaust Memorial Museum, USHMM, hat mehrere Datenbanken zu Überlebenden und Opfer.[40] Nach niederländischen Opfern des Konzentrationslagers Neuengamme wird auf einer Internetseite des Freundeskreises gesucht.[41]

Flüchtlinge und Vertriebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Informationsforum für Flüchtlinge und Vertriebene aus Ostpreußen ist die Landsmannschaft Ostpreußen in Hamburg mit Landesgruppen in den Bundesländern, Heimatkreisgemeinschaften und Heimattreffen.[42] Datenmaterial für Schlesien hat die Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher e. V. (VSFF) mit dem Sudetendeutschen Genealogischen Archiv (SGA) in Regensburg.[43] Der Kirchliche Suchdienst in München forscht, geordnet nach den Heimatwohnorten der Vertriebenen, nach Familienmitgliedern, Freunden und Arbeitskollegen.[44]

Kinder, Eltern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Zweiten Weltkrieg und bei Flucht und Vertreibung verloren gegangenen Kinder wurden in der Aktion Suchkind gesucht und vorgestellt. Den Kriegskindern (Besatzungskindern) deutscher Soldaten in Frankreich und französischer Soldaten in Deutschland hilft bei der Suche die Amicale Nationale des Enfants de la Guerre ANEG (Nationaler Verein der Kriegskinder e. V.)[45] und der Verein Coeurs Sans Frontières/Herzen ohne Grenzen.[46] Die Kinder amerikanischer Besatzungssoldaten suchen in amerikanischen Archiven nach ihren Vätern.[47][48] Im Verein Born of War, international network sind mehrere europäische Vereine von Besatzungskindern vernetzt.[49] Es gibt auch interaktive Suchen der Besatzungskinder nach ihren Eltern.[50] Auch die Lebensborn-Kinder[51][52][53] und Wolfskinder aus Ostpreußen[54] sind auf der Suche nach ihren Eltern.

Vermisste der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwangsadoptierte Kinder in der DDR suchen nach ihren leiblichen Eltern.[55][56]

Aktuell Vermisste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiative Vermisste Kinder in Hamburg gibt Hilfeanleitungen für die Suche nach vermissten Kindern und veröffentlicht eigene Suchmeldungen.[57] Familie international frankfurt e. V. hilft Adoptierten bei der Suche nach Verwandten.[58] Das Donor Sibling Registry hilft Kindern aus künstlicher Befruchtung bei der Suche nach ihren Vätern/Geschwistern.[59] Absolventen der Schulen und Universitäten sind in privaten Datenbanken verzeichnet, die man gegen Gebühr durchsuchen und in die man sich aufnehmen lassen kann.[60]

Migranten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Internationale Rote Kreuz hilft bei der Suche nach vermissten Migranten.[61] Das Deutsche Rote Kreuz in München hilft bei internationaler Suche und Familiennachrichten.[62]

Vermisste Person in weiteren Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Datenbank für die Absolventen von Schulen und Universitäten in England unterhält Friends Reunited.[63]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Datei der gesuchten Personen (fichier des personnes recherchées FPR) ist eine Datensammlung der nationalen französischen Polizei. Sie untersteht gleichzeitig der Zuständigkeit des Innenmiministeriums in Frankreich und des Verteidigungsministeriums.

Ex-Jugoslawien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezüglich der Jugoslawienkriege werden bis heute noch rund 21.000 Personen vermisst.

Die „Verschwundenen“ Lateinamerikas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Desaparecidos

In den 1970er und 1980er Jahren wurden fast alle Länder Südamerikas längere Zeit von politisch rechtsgerichteten Militärdiktaturen regiert. Diese unterdrückten fast durchweg mit Gewalt die Opposition. Ein verbreitetes Mittel dazu war die heimliche Entführung, das so genannte Verschwindenlassen von missliebigen Personen durch anonym bleibende Mitglieder von Sicherheitskräften. Weil die Opfer auf diese Weise einfach verschwanden und tatsächlich bis auf die Entführer niemand wusste, wo sie sich aufhielten, meldeten die Verwandten diese Menschen häufig als vermisst bei den Behörden. Die Opfer wurden während der Haft in Geheimgefängnissen in der Regel gefoltert und in sehr vielen Fällen anschließend ermordet (siehe Desaparecidos). Allein während der Argentinischen Militärdiktatur (1976–1983) verschwanden auf diese Weise bis zu 30.000 Menschen dauerhaft und spurlos.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den rechtlichen Status der Vermissten regelt in Österreich das Todeserklärungsgesetz.[64]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für vermisste Personen muss eine Vermisstenmeldung aufgegeben werden. Es gibt keine Sonderabteilung für Vermisste. Suchaktionen durch die Polizei werden je nach Kanton teilweise oder ganz in Rechnung gestellt. Die Suche per Hubschrauber ist besonders kostspielig. In der Schweiz kann nach fünf Jahren eine Abwesenheitserklärung abgegeben werden. Dann wird ein Vormund für die vermisste Person bestellt. Die anonymen Todesfälle, bei denen es nicht gelang, eine aufgefundene Leiche zu identifizieren, werden archiviert. In der Schweiz gibt es (Stand 2011) 170 Leichen, die nicht identifiziert werden konnten.[65] Für in der Schweiz vermisste Kinder und Jugendliche gibt es die Stiftung Missing Children Switzerland.[66]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Missing in Action (MIA) ist im angloamerikanischen Sprachgebrauch die Statusbezeichnung für einen Soldaten, der wahrscheinlich im Kampf gefallen ist oder vermisst wird, über dessen Verbleib jedoch keine weiteren Informationen bekannt sind. Die Abkürzung „MIA“ findet neben den Abkürzungen „WIA“ (Wounded in Action), „POW“ (Prisoner of War; Kriegsgefangener) und „KIA“ (Killed in Action) häufig in Verlustlisten angloamerikanischer Streitkräfte Verwendung.

Die Einsatzkräfte des New York City Fire Department und des New York City Police Department, die während der Rettungseinsätze nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 im World Trade Center umkamen, werden als Missing in Action bezeichnet.

„Verschwindenlassen“ als Tatbestand im Völkerrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verschwindenlassen politisch missliebiger Personen als Mittel der staatlichen Unterdrückung, wie oben beschrieben, war und ist nicht auf Südamerika begrenzt. Es wird von zahlreichen Staaten bis heute angewandt, hauptsächlich in Diktaturen. Das systematische Verschwindenlassen von Menschen ist im Rahmen des 2002 in Kraft getretenen Rom-Statuts als Verbrechen gegen die Menschlichkeit definiert. Es bildet damit eine der Rechtsnormen für die Rechtsprechung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Jamin: Vermisst – und manchmal Mord. Über Menschen, die verschwinden und jene, die sie suchen. Verlag Deutsche Polizeiliteratur, Hilden 2007, ISBN 978-3-8011-0538-9[67]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Polizeidienstvorschrift 389 („Vermisste, unbekannte Tote, unbekannte hilflose Personen“)
  2. a b Bundeskriminalamt: Die polizeiliche Bearbeitung von Vermisstenfällen, S. 7 Ziff. 5, Wiesbaden, 2003 (PDF)
  3. http://www.bka.de/nn_206014/DE/ThemenABisZ/Vermisstensachbearbeitung/vermisstensachbearbeitung__node.html?__nnn=true#doc227018bodyText3
  4. Quelle: Personensuchmaschine Bing
  5. Suchmaschine nach Schulen und Schülern bei Stayfriends (nur Teildaten)
  6. interaktive Suchmaschine von yasni für vermisste Personen
  7. www.i-psp.de Internationales Personensuchpool
  8. Alte Freunde wieder finden. In: Test, 2/2016, S. 14–15.
  9. Ancestry Digitale Datensammlungen
  10. Suche nach Grabsteininformationen bei genealogy.net
  11. Gräberdatei des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
  12. Website der International Commission on Missing Persons
  13. Suchdienst des Internationalen roten Kreuzes nach vermissten Angehörigen
  14. Website Auswärtiges Amt
  15. Anschriften der Konsulate nach Land
  16. Tätigkeitsfeld professioneller Erbermittler, erbenermittlung.de
  17. Honorarforderungen von Erbenermittlern, susie-online.de
  18. Namensverzeichnis der Auswanderer der Church of Jesus Christ
  19. Auswanderungen über Hamburg bei Ancestry
  20. Auswanderer über Bremen
  21. Auswanderer aus Baden-Württemberg
  22. Passagierlisten der Einwanderer über New York
  23. Contacting the ICRC archives: Agency archives/Prisoners of war (Kriegsgefangene) (engl.)
  24. Suchdienst Deutsches Rotes Kreuz Hamburg
  25. Suchdienst Deutsches Rotes Kreuz München
  26. Internationaler Suchdienst Bad Arolsen
  27. Vermissten- und Gräberdatei des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
  28. Letzte Hoffnung – ungeklärte Schicksale – Suche nach Namen beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
  29. Gefallenendenkmäler nach Bundesländern, Landkreisen und Namen
  30. Website Österreichisches Schwarzes Kreuz (ÖSK) > Grabnachforschung für Kriegsgräber in Österreich
  31. Deutsche Dienststelle (WASt)
  32. Militärarchiv in Freiburg
  33. Internetseite Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Dokumentationsstelle Dresden für ehemalige sowjetische Kriegsgefangene
  34. Internetseite Suchreferat Moskau, Liga für Russisch-Deutsche Freundschaft. Kommerzielle Suche nach vermissten ehemaligen Wehrmachtssoldaten
  35. Internetseite des VKSVG mit Vermisstendatenbank
  36. Internetportal des Bundesarchivs zur Zwangsarbeit mit Haftstättenverzeichnis und Nachweis der regionalen Archivbestände
  37. Internationaler Suchdienst in Bad Arolsen gibt Auskünfte für Opfer von Zwangsarbeit und ihre Familienangehörigen
  38. Internetseite von Jad Vashem mit Shoah victims’ names
  39. Website des Arbeitskreises Shoa mit Hinweisen zu Personensuchdiensten
  40. Internetseite des United States Holocaust Memorial Museum, USHMM, mit Holocaust Survivors and Victims Database, Displaced Children Registry
  41. Stichting Vriendenkring Neuengamme. Oproepen.
  42. Website der Preußischen Allgemeinen Zeitung mit Archivsuche
  43. Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher e. V., Regensburg
  44. Website des Kirchlichen Suchdiensts nach Vertriebenen
  45. Internetseite der Amicale Nationale des Enfants de la Guerre ANEG mit Familienforschung/Avis de recherche
  46. Website Coeurs sans Frontières mit Suchanzeigen
  47. Internetseite von gitrace mit seinen Local Groupsund aktuellen Suchen
  48. Internetseite Besatzungsväter für amerikanische Besatzungskinder in Deutschland und Österreich
  49. Internetseite Born of War mit europäischen Mitgliedsvereinen
  50. Interaktive Suchanfragen von Besatzungskindern im Vermisstenforum der VKSVG
  51. Verein Lebensspuren e. V. mit Lebensbornheimen in Europa
  52. Kriegskinder Dänemark mit Suchmeldungen
  53. Lebensborn-Heime in Norwegen
  54. Dokumentation der Geschichte der Wolfskinder
  55. Website Hilfe für Opfer von Zwangsadoptionen in der DDR > Personensuche
  56. Website Zwangsadoptionen in der DDR
  57. Website der Initiative Vermisste Kinder > vermisste Kinder
  58. Website für die Suche der Adoptierten nach Verwandten
  59. Website zur Suche nach Angehörigen bei Kindern aus künstlicher Befruchtung
  60. Datenbank der Schüler und Schulen in Deutschland
  61. Restoring Family links (engl.)
  62. DRK: Suchanfragen stellen. DRK-Suchdienst-Standort München
  63. Datenbank der Schulabsolventen in England
  64. Todeserklärungsgesetz 1950 auf ris.bka.gv.at
  65. Fernsehsendung Bitte melde dich! Produktion RTS 2011. Gesendet in 3sat am 18. Januar 2012, 20:15-21.05.
  66. Webseite Missing Children Switzerland
  67. Buchvorstellung von Peter Jamin
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