Verschickungskinder
Verschickungskinder ist eine Bezeichnung für Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland, die zur Durchführung von Maßnahmen der Gesundheitshilfe außerhalb des Elternhauses durch Kinderkuren in Heimen untergebracht waren.
Art und Umfang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Konservativ geschätzt waren 3 Millionen Menschen betroffen.[1] Andere Schätzungen gehen von 8 bis 12 Millionen Kindern aus. Die Verschickungen erfolgten von der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre für zwei- bis sechswöchige Aufenthalte in Kinderheimen und -heilstätten. Kleinkinder wurden gemeinsam oder auch alleine verschickt,[2] darunter auch Kinder ab dem zweiten Lebensjahr.[3]
Verschickt wurden Kinder und Jugendliche, deren Gesamtkonstitution durch exogene Schäden, Unterernährung, Mangelernährung oder Mangel an Licht, Luft und Bewegung bereits gefährdet war, chronisch kranke Kinder und Jugendliche, beispielsweise bei Erkrankungen an aktiver Tuberkulose oder Kinderlähmung, aber auch Kinder ohne erkennbare Gründe.[4][5]
Systematik und Infrastruktur basierten weitgehend noch auf der Kinderlandverschickung (KLV), die schon während der Weimarer Republik und unter der Herrschaft der Nationalsozialisten bestanden hatte. Während des Zweiten Weltkriegs hatte sie dann der Evakuierung von Stadtkindern vor alliierten Luftangriffen gedient (sogenannte Erweiterte KLV) und bezweckte nicht mehr die Erholung der Kinder.[6][7]
BRD
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Hochphase des Kinderkurwesens der BRD lag in den 1950er und 1960er Jahren. Die maximale Anzahl an Einrichtungen wurde im März 1956 mit 919 Heimen erreicht, während die Bettenkapazität ihren Höchststand erst später, Ende 1961, mit 58.167 Plätzen erreichte.[8] An- und Abreise erfolgte meist per Bahn in Kleingruppen (im Jahr 1977 transportierte die Bahn 518.000 Kurkinder),[9] aber auch per Bus.
Die Ära der Massenverschickung fand ihren Abschluss in den 1980er Jahren. Zwischen 1981 und 1982 schlossen 58,5 % aller bestehenden Heime oder wurden einer anderen Funktion zugeführt. Dieser abrupte Rückgang war hauptsächlich auf die gesunkene Nachfrage infolge zurückgehender Geburten nach dem “Pillenknick” sowie alternative Urlaubsmöglichkeiten durch den gestiegenen Wohlstand vieler Familien zurückzuführen.[10]
Die Verantwortung des Systems war auf zahlreiche Akteure verteilt. Anfänglich dominierten die privaten/gewerblichen Träger in der Anzahl der Einrichtungen in den 1950er Jahren. Später übernahmen die Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, DRK, AWO) die Führung in Bezug auf die Kapazität und verfügten in den 1970er und 1980er Jahren über mehr als 70 % der Plätze. Träger der Sozialversicherungen betrieben nicht nur eigene spezialisierte Einrichtungen (Heilstätten), sondern finanzierten auch Kuren in Fremdheimen.[11] Die Rentenversicherer verfolgten dabei das Ziel der Prävention, um zukünftig Ausgaben durch die langfristige Verbesserung der Gesundheit der Kinder (der zukünftigen Versicherten) zu vermeiden.[12] Diese fragmentierte Struktur hatte Konsequenzen für die Rechenschaftspflicht und Kontrolle. Die Heimaufsicht war dezentralisiert, rechtlich nur schwach durch Standards abgesichert und fiel unter die heterogene Zuständigkeit von Gesundheitsämtern, Jugendämtern und dem Jugendwohlfahrtsgesetz (§ 78 JWG), was zu Inkonsistenzen und einer mangelhaften Durchsetzung von Kontrolle führte.[13] Dies entlastete die staatlichen und halbstaatlichen Stellen von der direkten Verantwortung und erhöhte gleichzeitig die Vulnerabilität der Kinder, die der unmittelbaren Obhut des Personals ausgeliefert waren.
Die erzwungene Trennung von den Eltern war für viele Kinder eine zutiefst traumatisierende Erfahrung, die Gefühle von Isolation, Einsamkeit, Angst und Scham hervorrief. Die Betreuer in den Heimen neigten dazu, Heimweh nicht als legitime emotionale Reaktion zu behandeln, sondern als Mangel oder Schwäche, die es durch Härte und Disziplin zu überwinden galt.[14]
Um die institutionelle Autorität zu wahren und negative Berichte an die Außenwelt zu verhindern, wurde der Kontakt zur Familie stark reglementiert. Dies umfasste erhebliche Einschränkungen bei Besuchern und die Zensur von Briefen, was die Aufrechterhaltung strenger disziplinarischer Regime ohne sofortige Rechenschaftspflicht gegenüber Eltern ermöglichte.[15] Diese Zensur verhinderte, dass Informationen über Missstände oder emotionale Notlagen die Eltern oder die Aufsichtsbehörden rechtzeitig erreichten, wodurch die Heime effektiv als "totale Institutionen" agieren konnten.[16][3]
DDR
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Über das Kinderkurwesen der DDR ist weniger bekannt. Im Vergleich zur BRD, war es von stärkerer Zentralisierung und staatlicher Kontrolle geprägt. Es wurde größtenteils über die Sozialversicherung und die volkseigenen Betriebe organisiert und finanziert. Das Ministerium für Volksbildung hatte die Verantwortung für die Auswahl, Ausbildung und Bezahlung der Erzieher sowie die Kontrolle der pädagogischen Arbeit.[17]
Der überwiegende Teil der DDR-Kuren war prophylaktische Kuren, die darauf abzielten, die Gesundheit der Kinder zu sichern. Dies war insbesondere vor dem Hintergrund massiver Umweltprobleme in Industriegebieten (z. B. Erfurt und Cottbus) notwendig, wo hohe Emissionswerte die Gesundheit der Kinder stark beeinträchtigten und zu einem Anstieg chronischer Bronchitis um 172 % zwischen 1974 und 1989 führten.[18]
Die DDR nutzte darüber hinaus häufig Auslandsverschickungen zur Erholung (z. B. nach Jugoslawien/Veli Lošinj oder Zypern). Diese Maßnahme wurde politisch als Zeichen der "Völkerverständigung" und medizinischer Zusammenarbeit mit Bündnispartnern inszeniert. Die Inanspruchnahme ausländischer Erholungsorte kann jedoch auch als implizite Anerkennung der Unzulänglichkeiten der eigenen Luftkurorte und der massiven Umweltbelastung in den Industriezentren gewertet werden, die nur durch teure Auslandsaufenthalte für die Kinder kompensiert werden konnten.[19]
Das System war mit dem politischen Ziel der Herausbildung einer sozialistischen Gesellschaft und eines „neuen Menschentypus sozialistischer Prägung“ verknüpft.[20] Die pädagogische Grundlage bildete die Kollektiverziehung, die Unterordnung individueller Interessen unter die gesellschaftlichen Normen und das Kollektiv betonend. Dies bedingte die aktive Unterdrückung individueller Bedürfnisse und die Negierung emotionaler Vulnerabilität, insbesondere von Heimweh.[21] Ein Beispiel für diese ideologisch motivierte Kontrolle war die gezielte Trennung von Geschwistern und befreundeten Kindern bei der Ankunft im Heim, um individuelle Bindungen zu schwächen und die Abhängigkeit vom Kollektiv zu maximieren.[20]
Ehemalige Kurkinder berichten außerdem häufig von Zwangssituationen im Zusammenhang mit Essen und Toilettengang (42 % der Befragten erinnerten sich daran). Auch körperliche Bestrafung, die in der Regel vor der Gruppe stattfand, wurde von 10 % der Befragten angegeben. Dokumente belegen zudem, dass Kinder nachts zur Strafe auf den Gang gestellt, Briefe überwacht oder Geldbußen als Disziplinierungsmittel eingesetzt wurden.[20]
Erlebnisse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In vielen Verschickungsheimen herrschte über lange Zeit ein strenger, vereinzelt noch von der NS-Ideologie geprägter Umgang mit den Kindern. Er war unter anderem von Johanna Haarer in ihrem Buch Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind (1934 bis 1987 verkauft) propagiert worden. Dazu gehörten Erprügeln von Gehorsam, strenge Sauberkeitsforderungen, körperlicher Zwang und das Diktat der Uhr.[22] Psychische und körperliche Gewalt wurde von den Kindern erlitten.[23][24] Zur Verschleierung der Umstände mussten viele Kinder vorgegebene Texte von einer Tafel auf Postkarten abschreiben, die dann an die Eltern nach Hause geschickt wurden.[6][25]
Eine Auseinandersetzung mit traumatischen Erlebnissen in den Kurheimen fand lange Zeit nur in Einzelfallschilderungen statt,[26] im Kinderbuch Schwarze Häuser von Sabine Ludwig[27] oder in Internetforen von Betroffenen.
Auch Todesfälle in bislang unbestimmter Zahl ereigneten sich. Die Todesursachen bisher belegter Fälle reichen vom Ersticken an Nahrungsresten und Erbrochenem, gewaltsam dem Kinde eingezwungen, weil es „nicht aufessen wollte“, bis hin zu Opfern heimlicher Medikamententests.[28]
Viele frühere Heime sind heute in Mutter-Kind-Kurkliniken umgewandelt.[3]
Planet Wissen sendete im Juli 2024 unter Verwendung historischer schwarz-weiß-Aufnahmen eine fast einstündige Reportage unter dem Titel Verschickungskinder – Leid statt Erholung in der Kinderkur.[29] Unter anderem wurde über die Verabreichung des Schlafmittels Contergan an Kinder zu Studienzwecken berichtet, wofür als Belege alte Studien aus dieser Zeit gefunden wurden. Dies würde heute Karl Lauterbach zufolge zum Entzug der ärztlichen Approbation und zu einer strafrechtlichen Verfolgung führen. Die Kinder wurden auch mittels anderer Pharmapodukte sediert. Überdies wurde über einige Direktoren von Verschickungsheimen berichtet und deren NS-Vergangenheit aufgedeckt. Zum damaligen Erziehungsstil in den Verschickungsheimen wurde auf Johanna Haarer, ihren auch nach dem Krieg noch verlegten Erziehungsratgeber und auf die sogenannte schwarze Pädagogik verwiesen. Überdies kamen mögliche Traumafolgestörungen und das Risiko einer transgenerationalen Weitergabe zur Sprache. Für die Zukunft komme es den Betroffenen nicht auf Entschädigung an, sie wollen Aufklärung.[29]
Aufarbeitung von Gewalterfahrungen
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2017 legte eine Radioreportage negative Zustände in vielen Kinderkurheimen der 1950er bis 1970er Jahre offen.[6] Betroffene berichteten darin von Zwangsernährung, Gewalt, Isolationsstrafen und auch sexuellem Missbrauch in Einrichtungen der Diakonie, des Bundesbahnsozialwerks, privater Träger oder der Franziskanerinnen Thuine.[6] Der Beitrag verweist auch auf die zahlreichen Berichte im Internet, in denen Betroffene die Verschickungsheime als „brutale Zuchtanstalten“ beschreiben, ordnet sie als NS-Erbe ein und beschreibt die Ausbeutung der Kurkinder als einen mutmaßlich verbreiteten Geschäftszweig. Bei der Suche nach Daten gaben Verantwortliche 2017 an, keine Informationen zu den Heimen mehr zu besitzen. Die Thuiner Franziskanerinnen bewerteten die Vorwürfe der Betroffenen als „ein Konglomerat von unterschiedlichen Empfindungen, Gefühlen, Beobachtungen (…), die oft undifferenziert so zusammen gebracht werden, zu einem Vorwurf und damit tut man den Kurheimen insgesamt unrecht.“[30]
Die „Initiative Verschickungskinder“ unterstützt seit 2019 die Vernetzung und Gründung von regionalen Gruppen Betroffener. Vorsitzende des von der Initiative gegründeten Vereins „Aufarbeitung und Erforschung von Kinderverschickung e. V.“ ist Anja Röhl,[31] die bereits 2009 ihre eigenen Erinnerungen in der Presse veröffentlicht hatte.[32]
Im November 2019 fand erstmals ein von mehr als 70 Betroffenen organisierter Kongress mit dem Titel „Das Elend der Verschickungskinder“ statt.[33][34][35]
Im Dezember 2019 legte der Südwestrundfunk (SWR) eine empirische Studie vor, in der rund 1000 Erfahrungsberichte von 683 Frauen und 317 Männern ausgewertet wurden und in der rund 94 % der ehemaligen Kurkinder ihr Kurerlebnis als von Demütigung und Gewalt geprägt bewertet haben.[36][37][38]
Im Mai 2020 forderten die Jugend- und Familienminister der Länder den Bund auf, ein Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der Schicksale der Verschickungskinder zu initiieren, um die Anzahl der Betroffenen und die institutionellen, strukturellen, individuellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen umfassend aufzuklären.[39][40] Einzelne Bundesländer wollen sich um eine Unterstützung der Geschädigten bemühen, beispielsweise durch niederschwellige therapeutische Hilfsangebote.[41][42] Im Januar 2022 veröffentlichte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes Nordrhein-Westfalen eine Studie zur Vorbereitung der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Kinderverschickung.[43]
Die Bestrebungen, eine Aufarbeitung auch für bestimmte Einrichtungen zu erreichen, halten an.[44] Das betrifft auch Aufklärung und Hilfe aus psychotherapeutischer Sicht.[45]
Das System der Kinderheime für dorthin verschickte Kinder wird heute auch als totale Institution gewertet.[3]
Forschungsstand
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die historische Forschung zum Kinderkurwesen ist erst seit den späten 2010er Jahren im Zuge zahlreicher öffentlicher Zeugnisse und journalistischer Recherchen verstärkt in den Fokus gerückt. Obwohl die Aufarbeitung ursprünglich auf Bundesebene gefordert wurde, engagieren sich zunächst die Länder und einzelne Träger am stärksten. Die wichtigsten Erkenntnisse stammen aus großen, von Institutionen im Auftrag gegebenen Studien sowie aus der Arbeit unabhängiger Wissenschaftler und Initiativen.
Trotz der Fortschritte bleiben Lücken. Vor allem bezüglich des DDR-Kinderkurwesens besteht weiterhin ein großes Desiderat. Es fehlen systematische, umfassende Untersuchungen, die über erste (unveröffentlichte) Masterarbeiten hinausgehen, um Strukturen und Alltagspraktiken in der DDR vollends zu rekonstruieren. Das Thema des unethischen Einsatzes von Medikamenten in Kinderkurheimen, insbesondere Testungen, ist noch unzureichend erforscht und erfordert einen gesonderten medizinhistorischen Ansatz. Außerdem wurden die quantitativ große private Trägerschaft (33,4 % der Heime) und Wohlfahrtsverbände bisher nur am Rande untersucht; der Fokus lag auf den großen kirchlichen und rentenversicherungsgetragenen Organisationen.
Die von Anja Röhl betriebene Website Verschickungsheime. Das vergessene Trauma gibt auf einer Unterseite einen „Überblick über universitäre Forschung zu Kinderverschickungen“.[46] Zwar ist dort die Kieler Studie nicht gelistet, doch findet sie auf anderen Unterseiten Erwähnung.[47][48] Die Forschung vom Institut für Sozialwissenschaft der Kieler Universität (CAU) wurde im Jahr 2022 unter Leitung des Soziologen Peter Graeff und des Historikers Helge-Fabien Hertz erstellt und unter dem Titel Studie zur Kinderverschickung nach Sankt Peter-Ording vorlegt.[49] „Häufig sind bei den Interviews mit Betroffenen Erlebnisse von seelischer Gewalt geschildert worden“, heißt es im Bericht über die Studie, doch fanden sich erwartungsgemäß in den Akten „keine Nachweise für systematische Gewalt“. Die Akten wurden vom Heimpersonal geführt. Auch „Beschwerden von Eltern“ hätten sich „kaum“ gefunden, allerdings ohne Hinweis auf die in den Verschickungsheimen übliche Postkontrolle. Laut Hertz konnten „systematische Gewaltanwendungen etwa aus sadistischen oder ideologischen Beweggründen“ für Sankt Peter-Ording nicht belegt werden, wobei mindestens die Frage nach sadistischen Beweggründen der Abklärung durch Forscher mit diagnostischer Expertise vorbehalten wären. „Körperliche Züchtigung“ sei seinerzeit „selbstverständliches Mittel der Erziehung“ gewesen, der „häufig genannte Essenszwang“ war dem Forscherteam zufolge „zumeist mit medizinisch begründeten Absichten verbunden“ und das „üblicherweise praktizierte Kontaktverbot zu den Eltern“ sollte laut den Forschern dazu dienen, „dem Heimweh entgegenzuwirken“.[49]
„In St. Peter Ording ist das Brisante, dass dort einer der Heimleiter eine NS-Vorgeschichte hatte, die vom heute dort noch lebenden Sohn kleingeredet wird. Godber Kraas‘ , Sohn des Hugo Kraas, hatte 1979 das Kindererholungsheim seines Vaters übernommen und streitet Gewalt in seinem Heim ab. Betroffene erinnern aber Gewalthandlungen dort. Der Sohn behauptet, es habe immer scharfe Jugendamtsüberprüfungen und einen guten Personalschlüssel gegeben, die Gewinnspanne sei extrem niedrig gewesen und sein Vater sei zwar Mitglied von NSDAP, SA und der Leibstandarte Adolf Hitler gewesen, aber habe nach dem Krieg die FDP mitgegründet. Ein NDR-Bericht von 2021 kommt bzgl. der Gefährlichkeit des Vaters zu einem anderen Schluss. Ebenso bezüglich der abgestrittenen Unregelmäßigkeiten in seinem Heim.“
Im Oktober 2024 berichtete die taz über die Kieler Studie.[51] In Sankt Peter-Ording gab es 50 Heime für Verschickungskinder, „325.000 Kinder und Jugendliche kamen insgesamt hierher“. Manche von ihnen „empfanden die Kur als Tortur“. Nachdem ein ehemaliges Verschickungskind der Gemeinde seine Geschichte erzählt hatte, rief diese „eine Arbeitsgruppe ins Leben und gab der CAU den Auftrag, Licht ins Dunkel zu bringen“. Ausgewertet wurden Archivmaterial, Interviews und Fragebögen, eine Ausstellung zum Thema entstand, ein Runder Tisch wurde eingerichtet. Berichte von „Kindern mit neutralen oder positiven Erfahrungen“ stehen in der aktuellen Debatte nicht im Fokus, wurden in der Studie aber ebenfalls befragt. Ansonsten gilt: „Juristisch haben die Geschehnisse von St. Peter-Ording keine Folgen mehr; sie sind verjährt.“ Es gebe laut Graeff „keine einfachen Antworten“. Sankt Peter-Ording war in der Studie „beispielgebend“ und „Teil eines Systems“. Aber das „lässt sich nicht verallgemeinern“.[51]
Mit dem Untertitel Studie bestätigt grausamen Umgang berichtete der NDR im April 2024 über eine Studie, die, beauftragt vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), den Umgang mit Verschickungskinder in Schleswig-Holstein untersuchen sollte.[52] Als „Träger mehrerer Kindererholungsheime, vor allem im Kreis Nordfriesland“ gab der schleswig-holsteinische Landesverband des DRK den Auftrag für eine wissenschaftliche Studie zum Zweck der „Aufarbeitung der eigenen Rolle“. Der Auftrag war der Sozialwissenschaftlerin Leonie Umlauft von der Universität Kiel (CAU) erteilt worden, die Ergebnisse wurden vorgestellt. Umlauft recherchierte in Archivmaterial und führte mit Betroffenen Interviews. „Alle ehemaligen Kinder“ berichteten von bis heute nachwirkenden Folgen. Beispielsweise wollen sie „nicht mit mehreren Personen in einem Zimmer schlafen“ oder „auf gar keinen Fall im Erwachsenenalter nochmal zur Kur fahren“. Manche hätten „nach wie vor ein gestörtes Essverhalten“. In den Interviews habe sich gezeigt, „dass es auch positive Erinnerungen an die Zeit gebe“, bis heute fortdauernde Freundschaften seien entstanden. „Bei vielen überwiegen jedoch die negativen und teilweise auch traumatisierenden Erfahrungen“, teilte Umlauft mit.[52]
Im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung (DRV), des Deutschen Caritasverbands, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Diakonie Deutschland wurde unter der Projektleitung von Alexander Nützenadel in der Zeit zwischen 2022 und 2024 am Institut für Geschichtswissenschaften der Berliner Humboldt-Universität (HU) die „Geschichte des Kinderkurwesen“ in Deutschland zusammengetragen[53] und 2025 unter dem Titel Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1945 und 1989 mit einer Open Access Lizenz veröffentlicht.[54] Die Publikation umfasst 789 Seiten.
„Das Projekt hat erstmals die Geschichte des Kinderkurwesen in Westdeutschland bzw. der Bundesrepublik im Zeitraum von 1945 bis 1989 als Gesamtphänomen umfassend erforscht. Dabei wurden die historischen Entwicklungsphasen und Grundstrukturen rekonstruiert und die maßgeblichen sozialpolitischen, rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen dargestellt. Auch die pädiatrischen und pädagogischen Konzepte, die für die Praxis des Kinderkurwesens eine wichtige Rolle spielten, wurden untersucht, ebenso die Verantwortung der beteiligten Institutionen und Akteure, darunter Heimträger, Entsendestellen, Heimpersonal und Aufsichtsbehörden. Ein besonderes Augenmerk des Projekts lag auf der Untersuchung von Missständen, die während der Kuraufenthalte auftraten und deren historische Aufarbeitung heute von den Betroffenen gefordert wird.“
Zwischen 1951 und 1990 durchliefen etwa 9,8 bis 13,2 Millionen Kinder und Jugendliche die meist sechswöchigen Kuren in mehr als 2.000 Einrichtungen. Ausgewertet wurden „Quellen aus rund 60 Archiven“, ergänzt „durch 35 ausführliche Oral-History-Interviews“. Ein achtköpfiger Projektbeirat, „dem auch Vertreterinnen von Betroffeneninitiativen angehörten“, begleiteten das Forschungsprojekt.[53] Zu den Missständen heißt es in der Zusammenfassung des Forschungsprojekts:
„Die in vielen Quellen dokumentierten Missstände bezogen sich zum einen auf die Rahmenbedingungen, wie unzureichende räumliche und hygienische Verhältnisse, mangelnde Betreuung oder schlechte Verpflegung. Zum anderen berichteten Zeitzeugen aber auch immer wieder von Schikanen und erzieherischen Zwangsmaßnahmen bis hin zu physischer, psychischer und auch sexualisierter Gewalt. Zudem herrschte vielerorts ein gravierender Mangel an pädagogischem Fachpersonal, so dass die Kinder durch nichtgeschultes Personal betreut werden mussten. Finanzielle Engpässe, unklare gesetzliche Regelungen und mangelndes Eingreifen der Aufsichtsbehörden waren weitere Ursachen für die Missstände. In der Praxis gab es jedoch große Unterschiede zwischen den Heimen. Neben negativen Erfahrungen berichteten viele Kinder auch von positiven Erinnerungen an ihren Kuraufenthalt.“
Die DRV richtete auf ihrer Website eine gesonderte Unterseite zu dem auch von ihr beauftragten Forschungsprojekt mit einem Downloadbereich und weiterführenden Fragen und Antworten ein.[56] Darin heißt es unter anderem: „Viele Kinder hatten in den Kinderkureinrichtungen keine erholsame oder heilsame Zeit.“ Die Forschungsergebnisse würden verdeutlichen, „dass es sich bei den Missständen nicht um Einzelfälle handelte, sondern um strukturell bedingte Vergehen in zahlreichen Einrichtungen.“ Obwohl es „entsprechende Hinweise und Beschwerden“ gegeben habe, hätte sich an den Missständen „über lange Zeit nichts“ geändert. „Ab Mitte der 1970er Jahre läuteten einschneidende sozialpolitische und sozialrechtliche Veränderungen sowie soziostrukturelle Wandlungsprozesse das Ende der damaligen Kinderkuren ein“, heißt es bei der DRV.[56]
Anerkennungsskulptur Leid und Unrecht
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Zwangsernährung |
|---|
| Eve Wiemer, 2020 |
| Skulptur |
In Kooperation mit der Muthesius Kunsthochschule initiierte das Sozialministerium Schleswig-Holstein den künstlerischen Wettbewerb Anerkennungsskulptur Leid und Unrecht.[57] Er war ausgeschrieben für Künstlerinnen und Künstler aus Schleswig-Holstein. Es galt, „eine transportable Skulptur für den Innenbereich zu schaffen, die sich thematisch mit den Schicksalen von Kindern und Jugendlichen in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und in Kinder- und Jugendheimen von 1949 bis 1975 auseinandersetzt.“ Den dritten Platz belegte Eve Wiemer mit ihrer Skulptur Zwangsernährung, der sie selbst und mit ihr zahlreiche Verschickungskinder ausgesetzt waren.
Die Werke wurden in Flensburg ausgestellt und in einer Feier gewürdigt. Die Europa-Universität Flensburg berichtete im März 2023 über die Eröffnung der Ausstellung Leid und Unrecht im Foyer ihres Gebäudes Helsinki.[58] Gezeigt wurden die Skulpturen der drei Preisträgerinnen. Finanziell gefördert wurde der Preis durch die Stiftung Anerkennung und Hilfe. Zur Eröffnungsfeier hielt die emeritierte Professorin Sieglind Ellger-Rüttgardt vom Institut für Rehabilitationswissenschaften der Berliner Humboldt-Universität den Vortrag Leid und Unrecht aus der Perspektive der Heil- und Sonderpädagogik.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Kleinschmidt (1905–1999) Kinderarzt und ärztlicher Leiter des Kindersolbades Bad Dürrheim
Literatur (chronologisch)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hilke Lorenz: Die Akte Verschickungskinder. Wie Kurheime für Generationen zum Albtraum wurden. Beltz Verlag, Weinheim 2021, ISBN 978-3-407-86655-4.
- Anja Röhl: Das Elend der Verschickungskinder. Kindererholungsheime als Orte der Gewalt. Psychosozial-Verlag Gießen, 2021, ISBN 978-3-8379-3053-5.
- Anja Röhl: Heimweh – Verschickungskinder erzählen. Psychosozial-Verlag Gießen, 2021, ISBN 978-3-8379-3117-4.
- Anja Röhl: Das vergessene Leid der Verschickungskinder. In: Unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindsmissbrauchs (Hrsg.): Das Schweigen beenden - Beiträge zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. 23. Februar 2022, S. 40–45 (aufarbeitungskommission.de [PDF]).
- Lena Gilhaus: Verschickungskinder. Eine verdrängte Geschichte. Kiepenheuer & Witsch Köln, 2023, ISBN 978-3-462-00288-1.
- Leoni Umlauft: Gewalt in der Kindererholung. Masterarbeit im Fach International vergleichende Soziologie an der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Januar 2023. Online-Veröffentlichung beim DRK Schleswig-Holstein (PDF, 61 S.)
- Hans-Walter Schmuhl: Kur oder Verschickung? Die Kinderkuren der DAK zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Dölling und Galitz, München 2023, ISBN 978-3-86218-163-6.
- Sylvia Wagner: heimgesperrt. Missbrauch, Tabletten, Menschenversuche: Heimkinder im Labor der Pharmaindustrie. Ein faktenbasierter Roman. Correctiv-Verlag, Essen 2023, ISBN 978-3-948013-21-9.
- Sarah Meyer, Johannes Richter, Paul Hermann Rutz: Hamburger Kinderverschickungen 1945-1980. Erfahrungen und Hintergründe. Abschlussbericht zur Auftragsstudie der Ballin Stiftung und der Sozialbehörde Hamburg. Hrsg.: Ballin Stiftung, Sozialbehörde Hamburg. Beltz Juventa, Weinheim, Basel 2024, ISBN 978-3-7799-8032-2 (unter Mitarbeit von Elisabeth Condoi, Anatol Dänicke und weiteren).
- Susanne Abel: Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104. dtv, München 2025, ISBN 978-3-423-28392-2.
- Doris Heinrich: Verschickungskinder. Gewalt im Namen der Barmherzigkeit. Wege der Aufarbeitung. dhb, Friedland 2025, ISBN 978-3-00-082271-1.
- Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften, Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte: Verzeichnis der Kindererholungs-, -kurheime und -heilstätten in der Bundesrepublik 1945–1989. Berlin 2025 (online).
- Alexander Nützenadel, Nils Hauser, Jonathan Krautter, Martin Münzel, Helge Jonas Pösche, Lena Rudeck: Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnamen in der Bundesrepublik 1945–1989. Abschlussbericht zum Forschungsprojekt. Hrsg.: Deutscher Caritasverband e.V. Lambertus Verlag, Freiburg im Breisgau 2025, ISBN 978-3-7841-3808-4 (788 S., Volltext).
- Klaus Ungerer: »Versuchslabor Kinderheim«: Ein dunkler Stern. »Versuchslabor Kinderheim« erzählt von Menschenversuchen in den 60er Jahren der BRD. In: nd. 12. März 2026, ISSN 0323-3375 (nd-aktuell.de – Siehe auch ARD Sounds: Versuchslabor Kinderheim (1/8) – Bastard).
- Jens Gründler, Katharina Tiemann (Hrsg.): Kinderkuren in Deutschland 1945 bis 1990. Perspektiven aus archivarischer und historischer Sicht. Schöningh, Paderborn 2026, ISBN 978-3-506-70530-3.
Filme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ulrich Neumann / Philipp Reichert: Das Leid der Verschickungskinder – Was geschah in den Kurheimen? SWR Doku, Februar 2021, (auf YouTube)
- Thilo Eckoldt: Was ist damals passiert? Meine Kinderverschickung. NDR Unsere Geschichte – Doku, Oktober 2021.
- Lena Gilhaus: Verschickungskinder: Missbrauch und Gewalt bei Kinderkuren. WDR-Doku; 20. September 2023
- Verschickungskinder – was ist damals in Bonn passiert? – ARD-Beitrag am 2. Mai 2025
- Schwarze Häuser, Dokumentarfilm, 2026, 90 Minuten. Regie: Katrin Sikora. Aufgeführt beim Filmfestival Achtung Berlin 2026[59]
Podcasts und Videos
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sylvia Wagner im Deutschlandfunk:
- Trailer – Versuchslabor Kinderheim (2 Min.)
- Versuchslabor Kinderheim (1/8) – Bastard (34 Min.)
- Versuchslabor Kinderheim (2/8) – Die Pharmazeutin (28 Min.)
- Versuchslabor Kinderheim (3/8) – Der Einzelfall (27 Min.)
- Versuchslabor Kinderheim (4/8) – Nazi-Erben (37 Min.)
- Versuchslabor Kinderheim (5/8) – Geschändet (32 Min.)
- Versuchslabor Kinderheim (6/8) – Gerechtigkeit (43 Min.)
- Versuchslabor Kinderheim (7/8) – Verschickt (38 Min.)
- Versuchslabor Kinderheim (8/8) – Die Zeit läuft (48 Min.)
und
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kinderkuren 1950er bis 1980er Jahre und Verschickungskinder. Historische Aufarbeitung und Erinnerung der Kinderkuren in der BRD. Deutscher Caritasverband e. V., 2025.
- Heimkindheiten – Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen der baden-württembergischen Nachkriegszeit. Themenmodul. In: LEO-BW. Landesarchiv Baden-Württemberg
- Heimerziehung – Albtraum Kinderkur. Deutschlandfunk, 1. Mai 2017
- Verschickungsheime
- Reiner Burger: Als die Kur zur Qual wurde. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Juli 2021
- Bremen. Gedenkstele erinnert auf Borkum an Leid Zehntausender Kurkinder am 30. Juli 2025 auf tagesschau.de
- Gedenkort auf Borkum erinnert an Leid der Verschickungskinder am 30. Juli 2025 auf tagesschau.de
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bert Strebe: „Wir wollen nicht wieder Objekt werden“. In: Deister-Anzeiger, 25. November 2019.
- ↑ Was war Verschickung? In: Verschickungsheime. Anja Röhl, abgerufen am 26. Juni 2020.
- 1 2 3 4 Sabine Seifert: Kuraufenthalte von Kindern: Wir Verschickungskinder. In: taz.de. 14. Dezember 2021, abgerufen am 17. Dezember 2021.
- ↑ Sylvia Wagner, Burkhard Wiebel: „Verschickungskinder“ – Einsatz sedierender Arzneimittel und Arzneimittelprüfungen. Ein Forschungsansatz. Sozialgeschichte Online 2020, S. 1–32.
- ↑ Jugendbericht gemäß § 25 Abs. 2 des Gesetzes für Jugendwohlfahrt vom 11. August 1961 (BGBl. I S. 1206) BT-Drs. IV/3515 vom 14. Juni 1965, S. 149 ff.
- 1 2 3 4 Lena Gilhaus: Heimerziehung – Albtraum Kinderkur. In: Deutschlandfunk. 1. Mai 2017, abgerufen am 2. September 2020.
- ↑ Manfred Beck, Sergio Chow, Irmgard Köster-Goorkotte: Kinder in Deutschland: Realitäten und Perspektiven. Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (= Tübinger Reihe. Band 16). dgvt-Verlag, Tübingen 1997, ISBN 978-3-87159-216-4.
- ↑ Alexander Nützenadel, Nils Hauser, Jonathan Krautter, Martin Münzel, Helge Jonas Pösche, Lena Rudeck: Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnamen in der Bundesrepublik 1945–1989. 1. Auflage. Lambertus Verlag, Freiburg 2025, ISBN 978-3-7841-3808-4, S. 33.
- ↑ Ruth Lehnen: Das Trauma einer Generation - Viele „Verschickungskinder“ erlebten Zwang und Gewalt. In: Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, Ausgabe 49/21, S. 4 f.
- ↑ Alexander Nützenadel, Nils Hauser, Jonathan Krautter, Martin Münzel, Helge Jonas Pösche, Lena Rudeck: Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnamen in der Bundesrepublik 1945–1989. 1. Auflage. Lambertus Verlag, Freiburg 2025, ISBN 978-3-7841-3808-4, S. 71.
- ↑ Alexander Nützenadel, Nils Hauser, Jonathan Krautter, Martin Münzel, Helge Jonas Pösche, Lena Rudeck: Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnamen in der Bundesrepublik 1945–1989. 1. Auflage. Lambertus Verlag, Freiburg 2025, ISBN 978-3-7841-3808-4, S. 35.
- ↑ Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnamen in der Bundesrepublik 1945–1989. 1. Auflage. Lambertus Verlag, Freiburg 2025, ISBN 978-3-7841-3808-4, S. 734.
- ↑ Alexander Nützenadel, Nils Hauser, Jonathan Krautter, Martin Münzel, Helge Jonas Pösche, Lena Rudeck: Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnamen in der Bundesrepublik 1945–1989. 1. Auflage. Lambertus Verlag, Freiburg 2025, ISBN 978-3-7841-3808-4, S. 187 f.
- ↑ Lena Gilhaus: Verschickungskinder: eine verdrängte Geschichte. 1. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023, ISBN 978-3-462-00288-1, S. 110.
- ↑ Lena Gilhaus: Verschickungskinder: eine verdrängte Geschichte. 1. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023, ISBN 978-3-462-00288-1, S. 111.
- ↑ Alexander Nützenadel, Nils Hauser, Jonathan Krautter, Martin Münzel, Helge Jonas Pösche, Lena Rudeck: Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnamen in der Bundesrepublik 1945–1989. 1. Auflage. Lambertus Verlag, Freiburg 2025, ISBN 978-3-7841-3808-4, S. 23.
- ↑ Lena Gilhaus: Verschickungskinder: eine verdrängte Geschichte. 1. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023, ISBN 978-3-462-00288-1, S. 8 f.
- ↑ Lena Gilhaus: Verschickungskinder: eine verdrängte Geschichte. 1. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023, ISBN 978-3-462-00288-1, S. 24.
- ↑ Lena Gilhaus: Verschickungskinder: eine verdrängte Geschichte. 1. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023, ISBN 978-3-462-00288-1, S. 23.
- 1 2 3 Julia Todtmann: Das staatliche Kinderkurwesen der DDR. Vortrag auf dem 4. Bundeskongress Verschickungskinder in Bad Sassendorf. 2022, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ Lena Gilhaus: Verschickungskinder: eine verdrängte Geschichte. 1. Auflage. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023, ISBN 978-3-462-00288-1, S. 103.
- ↑ Ruth Lehnen: Das Trauma einer Generation - Viele „Verschickungskinder“ erlebten Zwang und Gewalt. In: Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, Ausgabe 49/21, S. 4 f.
- ↑ Verschickungskinder: Kinder-Kurheime jahrzehntelang von NS-Akteuren geleitet – Auch ein Kriegsverbrecher betreute jahrelang Kinder. SWR, 10. August 2020.
- ↑ Felizia Schug: Interview Detlev Lichtrauter - 'Dann musste er den Teller samt seinem Erbrochenen aufessen'. Ehemals verschickte Kinder berichten von Medikamentenmissbrauch, Gewaltausbrüchen und psychischer sowie sexueller Misshandlung. Detlev Lichtrauter erinnert sch genau, wie seine Kur in Oberkassel für ihn zum Albtraum wurde. In: General-Anzeiger (Bonn) vom 19. März 2025, S. 19. Dabei erwähnt Lichtrauter, dass er über die Arbeit in der Initiative Verschickungskinder (Website www.kinderverschickung-nrw.de) "ungefähr 1500 Betroffene persönlich kennengelernt" habe. Felizia Schug: ''Qualvolle Wochen in Oberkasseler Heim. Ursula Tegels Erinnerungen an die Zeit als Verschickungskind enthüllen Missbrauch und Gewalt. Aufarbeitung soll beginnen.'' In: General-Anzeiger (Bonn) vom 14. Mai 2025, S. 19 (mit zwei Abbildungen).
- ↑ Ralf Vogt (Hrsg.): Verleumdung und Verrat – Dissoziative Störungen bei schwer traumatisierten Menschen als Folge von Vertrauensbrüchen. Asanger, Kröning 2014, ISBN 978-3-89334-585-4.
- ↑ Merten Worthmann, Amrai Coen, Johannes Strempel, Holger Fröhlich und Evelyn Finger: Hilfe, die Ferien sind da! In: Die Zeit. 4. Juli 2013, abgerufen am 3. September 2020.
- ↑ Sabine Ludwig: Schwarze Häuser. Cecilie Dressler Verlag, Hamburg 2014, ISBN 978-3-7915-1204-4, S. 352.
- ↑ Todesfälle. In: Verschickungsheime. Anja Röhl, abgerufen am 26. Juni 2020.
- 1 2 Verschickungskinder – Leid statt Erholung in der Kinderkur. In: planet-wissen.de. Planet Wissen, 22. Juli 2024, abgerufen am 29. März 2026 (Laufzeit: 55:01, verfügbar bis 7. Oktober 2027).
- ↑ Lena Gilhaus: Kinderkuren – Papas Reise ins Dunkel. In: Die Zeit. 30. Juni 2017, abgerufen am 2. September 2020 (Auch erschienen in Christ & Welt).
- ↑ Impressum verschickungsheime.org, abgerufen am 10. Januar 2021.
- ↑ Hände hoch – Und dann bin ich verloren! ( vom 9. August 2020 im Internet Archive) junge Welt, 9. September 2009, S. 13.
- ↑ Erklärung – Erklärung der Verschickungskinder Sylt 2019. In: Verschickungsheime. Anja Röhl, 2019, abgerufen am 3. September 2020.
- ↑ Stephanie Lamprecht: Furchtbare Strafen wie Erbrochenes essen – „Erholungsheime“ als Schikane-Hölle: Die schlimmen Leiden der „Verschickungskinder“. In: Focus. 31. Januar 2020, abgerufen am 26. Juni 2020.
- ↑ Kindesmisshandlung – Das Elend der Verschickungskinder. In: Bremen Zwei. 21. November 2019, abgerufen am 26. Juni 2020.
- ↑ Narben auf der Seele – Das Trauma der Verschickungskinder. SWR, 2. Februar 2020.
- ↑ Systematische Misshandlungen in Kurheimen für Kinder. SWR, 3. Dezember 2019.
- ↑ Das stille Leid der Verschickungskinder. In: Oberhessische Presse, 28. Juli 2020.
- ↑ Hilke Lorenz: Verschickungskinder: Für manche hält der Kur-Albtraum bis heute an. In: Stuttgarter Zeitung. 7. Mai 2020, abgerufen am 26. Juni 2020.
- ↑ Jugend- und Familienministerkonferenz am 27. Mai 2020. Öffentliche Ergebnisniederschrift. S. 13: TOP 2.1 – Ehemalige Verschickungskinder bei der Aufarbeitung der Vergangenheit unterstützen.
- ↑ Laumann: Schicksal der „Verschickungskinder“ aufarbeiten. In: Die Zeit, 7. Oktober 2020.
- ↑ Antrag der Fraktion der SPD: Trauma „Verschickungskind“. Verschickt um gesund zu werden – Demütigung und Gewalt gegen Kinder in Kinderheilanstalten. Landtag Nordrhein-Westfalen, Drucksache 17/11175 vom 29. September 2020.
- ↑ Marc von Miquel: Verschickungskinder in Nordrhein-Westfalen nach 1945 Organisation, quantitative Befunde und Forschungsfragen. Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, 11. Januar 2022, abgerufen am 17. Januar 2022 (deutsch).
- ↑ Die Versuchskaninchen von Bad Dürrheim: Früherer NS-Arzt testete an Kindern heimlich Medikamente.; abgerufen am 27. Oktober 2024.
- ↑ Ankea Janßen: Das Leid der Verschickungskinder: „Geht darum, dass die erfahrene Ungerechtigkeit anerkannt wird“. Psychotherapeutin im Gespräch. In: noz.de. 2. April 2025, abgerufen am 21. April 2025.
- ↑ Überblick über universitäre Forschung zu Kinderverschickungen. In: verschickungsheime.de. Abgerufen am 26. März 2026.
- ↑ Kieler Studie im Auftrag der Gemeinde St. Peter-Ording. In: verschickungsheime.de. Abgerufen am 27. März 2026.
- ↑ Kieler Studie – In Betroffenenberichten besondere Qualität von Gewalt gefunden. In: verschickungsheime.de. Abgerufen am 27. März 2026: „Leider hat der NDR aus einem einzigen Satz in der Studie, nämlich dem, dass die Forschenden „in den Akten keinen Hinweis auf systematische Gewalt aus niederen Beweggründen gefunden haben“ sofort eine Relativierung der in den Betroffenenberichte geschilderten Gewalt gemacht.“
- 1 2 Martin Geist: Studie zur Kinderverschickung nach Sankt Peter-Ording. In: uni-kiel.de. 2. November 2022, abgerufen am 26. März 2026.
- ↑ Kieler Studie – In Betroffenenberichten besondere Qualität von Gewalt gefunden. In: verschickungsheime.de. Abgerufen am 27. März 2026.
- 1 2 Harff-Peter Schönherr: Erinnerungen, die für immer bleiben. Studie über Kinderverschickungen. In: taz.de. 28. Oktober 2024, abgerufen am 26. März 2026.
- 1 2 Pia Klaus: Verschickungskinder in SH: Studie bestätigt grausamen Umgang. In: ndr.de. 9. April 2024, abgerufen am 27. März 2026.
- 1 2 3 Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1945 und 1989. In: geschichte.hu-berlin.de. Institut für Geschichtswissenschaften, abgerufen am 29. März 2026 (Mit Link zum Abschlussbericht und einer Zusammenfassung der Forschungsergebnisse).
- ↑ Alexander Nützenadel, Nils Hauser, Jonathan Krautter, Martin Münzel, Helge Jonas Pösche, Lena Rudeck: Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnahmen in der Bundesrepublik 1945 –1989. Abschlussbericht zum Forschungsprojekt. Hrsg.: Deutscher Caritasverband e.V. Lambertus, Freiburg 2025, ISBN 978-3-7841-3808-4 (hu-berlin.de [PDF; 6,5 MB; abgerufen am 29. März 2026]).
- ↑ Alexander Nützenadel et al.: Forschungsprojekt "Die Geschichte der Kinderkuren und Kindererholungsmaßnahmen in der Bundesrepublik 1945–1989". (PDF; 175 KB) Zusammenfassung. In: geschichte.hu-berlin.de. Professur für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 15. Mai 2025, abgerufen am 29. März 2026.
- 1 2 Erste bundesweite Studie zu ehemaligen Kinderkurheimen. In: deutsche-rentenversicherung.de. Abgerufen am 29. März 2026: „Deutsche Rentenversicherung, Deutscher Caritasverband, Deutsches Rotes Kreuz und Diakonie Deutschland arbeiten Geschichte des Kinderkurwesens auf und zeigen damalige Missstände auf.“
- ↑ Wettbewerb "Anerkennungsskulptur Leid und Unrecht". Aufarbeitung von Leid und Unrecht. In: schleswig-holstein.de. 22. Dezember 2022, abgerufen am 28. März 2026.
- ↑ Eröffnung der Ausstellung "Leid und Unrecht". In: uni-flensburg.de. 27. März 2023, abgerufen am 28. März 2026.
- ↑ Programmeintrag im 22. Filmfestival Achtung Berlin