Verschmutzung der Ozeane

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Weltraumansicht der Ölpest nach der Explosion der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko, 2010
Angespülter Müll am Strand

Die anthropogene Verschmutzung der Ozeane wird meist primär mit Plastikmüll in den Ozeanen in Verbindung gebracht, dessen Anteil auf bis zu 75 Prozent des gesamten Meeres-Mülls geschätzt wird.[1] Von den 2,7 Millionen Tonnen Kunststoff, die jährlich in die Ozeane gelangen, sinkt zwar ein Teil zu Boden, geschätzt 100.000 Tonnen treiben jedoch als Treibgut an der Wasseroberfläche.[2]

Tatsächlich speist die Vermüllung der Ozeane sich jedoch sich aus zahlreichen, unterschiedlichen Quellen und es ist nach wie vor (in einigen Teilen der Welt) nicht unüblich, nicht mehr benötigte Abfälle durch illegale Verklappung oder das Versenkung von Schiffen in den Weltmeeren verstecken zu wollen. Auch das Belassen von abgestürztem Weltraumschrott und das nicht Beräumen von Munitionsrückständen durch einen Kampfmittelräumdienst tragen zur zusätzlichen Vermüllung der Meere bei.

Vermüllung durch Plastik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Maßnahmen gegen die Verschmutzung der Meere durch Plastik siehe:

Folgenden Artikel behandeln die separaten Ursprünge, sowie die Auswirkungen auf das Meer als Ökosystem:

Zum großen Pazifik-Müllstrudel gibt es (Stand Februar 2022) nur einen englischsprachigen Eintrag: Great Pacific garbage patch

Müll durch Energieerzeugungsabfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die brennende Förderplattform Montara, 2009
Aufräumarbeiten, nachdem 2002 durch die Prestige etwa 64.000 t Schweröl ins Meer gelangt waren. Vor Frankreich und Spanien waren insgesamt rund 2.900 km Küste betroffen

Tatsächlich stammen die Abfälle, die sich in den Ozeanen befinden, aus zahlreichen, unterschiedlichen Quellen und es ist nach wie vor nicht überall unüblich, nicht mehr benötigte Abfälle im Ozean durch illegale Verklappung, das Versenkung von Bohrinseln oder Schiffen oder den Absturz von Weltraumschrott verstecken zu wollen.

Das Problembewusstsein hat sich in diesem Bereich zwar im Laufe der Zeit erhöht, wobei die entsprechenden Gesetzesänderungen oft erst spät kamen. So wurden bis 1994 z. B. mindestens 100.000 Tonnen radioaktive Abfälle völlig legal in den Weltmeeren entsorgt, die dort als Altlasten in den Meeren ruhen, und möglicherweise von zukünftigen Generationen geborgen werden müssen. Selbst wenn das Versenken von Fässern mit Atommüll mittlerweile überwiegend der Vergangenheit angehört,[3] wird in Ländern wie Japan noch immer über die Einleitung von radioaktiv verseuchtem Wasser in die Meere diskutiert.[4]

Russland hat dagegen schon lange in der Barentssee und im Arktischen Ozean Atom-U-Boote auf den Meeresgrund sinken oder liegen lassen, um sich die Verschrottung durch Abwrackwerften zu sparen. Oder es kommt, wie im Fall der K-278 Komsomolez zu einer Havarie, nach der das Wrack aus Kostengründen auch nicht entfernt wurde, als Plutonium austrat. Während russische Behörden versichern, von den Atom-U-Booten ginge keinerlei aus, sind Fachleute anderer Ansicht. Die Atomreaktoren, sowie das in den Brennstäben enthaltene Uran und Plutonium betrachten sie als tickenden Zeitbomben.[5]

Das Versenkungsverbot für Öl- und Gasplattformen im Nordatlantik kam im Jahr 1999, nachdem sich Greenpeace in einer öffentlichen Kampagne gegen die vorgesehene Versenkung der Brent Spar in der Nordsee eingesetzt hatte. Der entsprechende völkerrechtliche Vertrag zum Schutz der Nordsee und des Nordatlantiks heißt OSPAR und beinhaltet mittlerweile auch Entsorgungsauflagen für ausgediente Windkraftanlagen.[6][7]

Nachdem über 41 Millionen Liter Rohöl, durch die Havarie der einwandigen Exxon Valdez im Jahr 1989 eine Ölpest vor Alaska ausgelöst wurde, durften amerikanische Häfen, gemäß dem amerikanischen Oil Pollution Act of 1990, je nach Ladung, nur noch von Doppelhüllenschiffen angefahren werden. Durch die Verschleppung des Schadensersatzprozesses kam ExxonMobil im Jahr 2008 mit einem Zehntel der ursprünglich angesetzten Schadenssumme davon, die vier Tagessätzen entsprach, wennman sie dem Jahresgewinn gegenüberstellt. Erst im Jahr 2015 wurden Zwei-Hüllen-Tanker beim Öltransport von zu Pflicht. Das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe wurde entsprechend ergänzt.[8] Nicht nur das Ökosystem wurde damals schwer beschädigt, auch die Bestände an Laschen und Heringen haben sich 25 Jahre nach dem Unglück noch nicht wieder normalisiert.[9]

Unterwasserfriedhöfe und sonstige Müllquellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die russische MIR liegt seit ihrem geplanten Abschuss, am 23. März 2001, auf dem Meeresgrund[10]
Die Versenkung der USS Oriskany 2001. Das Wrack wurde vor Florida versenkt, um zu einem künstlichen Riff zu werden

Der hier gelistete Raumschifffriedhof liegt am sogenannten Point Nemo zwischen Chile und Neuseeland und gilt als geeigneter Ort, für das Versenken von Objekten, weil es dort „nur“ Natur gibt.[11] Raumfahrtbehörden der ganzen Welt brachten hier zwischen 1971 und 2016 mindestens 260 Raumfahrtobjekte gezielt zum Absturz, darunter auch die russische Raumstation MIR, die aufgrund ihrer enormen Größe nur zum Teil verglühte, als sie die Erdatmosphäre passierte.[10] Prognosen gehen davon aus, dass es in Zukunft eher noch mehr gezielte Versenkungen geben wird, unter anderem, um ungeplante Einschläge an von Menschen besiedelten Orten zu verhindern.[12]

Im Jahr 2006 versenkte die United States Navy den 266 Meter langen Flugzeugträger USS Oriskany im Meer, nachdem mehrere Löcher in das rostige Wrack gesprengt worden waren. Vor der Zweitnutzung als künstliches Riff wurde das Wrack von Asbest, Öl, Teer und anderen Schadstoffen befreit.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Müll im Meer Umweltbundesamt, aufgerufen am 23. Februar 2022
  2. Meeresforschung Plastikmüll hat die Arktis erreicht Der Spiegel, aufgerufen am 24. Februar 2022
  3. 2.800 Tonnen schwedischer Atommüll im Baltischen Meer versenkt Kurier, aufgerufen am 23. Februar 2022
  4. Zerstörtes Atomkraftwerk Japan will eine Million Tonnen kontaminiertes Fukushima-Wasser ins Meer leiten 13. April 2021 Der Spiegel, aufgerufen am 23. Februar 2022
  5. Tickende Zeitbombe Sowjetische Atom-U-Boote verrotten in den Weltmeeren Mitteldeutscher Rundfunk, aufgerufen am 28. Februar 2022
  6. Bundesregierung für grundsätzliches Verbot der Versenkung von Erdölplattformen. Kabinett setzt Beschlüsse zum Schutz des Nordatlantik um. Nie wieder "Brent Spar" Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, aufgerufen am 23. Februar 2022
  7. Offshore-Windparks : Nützen Windräder der Unterwasserwelt? Die Zeit, aufgerufen am 23. Februar 2022
  8. Das schwarze Erbe Deutschlandfunk, aufgerufen am 23. Februar 2022
  9. Ölkatastrophe Das dunkle Erbe der "Exxon Valdez" Der Spiegel, aufgerufen am 23. Februar 2022
  10. a b Die „Mir“ vor 20 JahrenGezielter Absturz einer Raumstation von Dirk Lorenzen, 23. März 2021 Deutschlandfunk, aufgerufen am 23. Februar 2022
  11. Mitten im Ozean gibt es einen Friedhof für Raumschiffe — das findet man dort von Dave Mosher, 14. Januar 2018 Business Insider, aufgerufen am 23. Februar 2022
  12. In one of the most isolated places on the globe, the 'Spacecraft Cemetery' provides a watery grave von Shannon Stirone, 13. Juni 2016 (engl.) Popular Science, aufgerufen am 23. Februar 2022
  13. Flugzeugträger versenkt. So entsteht das größte künstliche Riff der Welt vom 19. Mai 2006 Der Stern, aufgerufen am 23. Februar 2022