Verschreibungspflicht

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Symbol für verschreibungspflichtige Arzneimittel (auch Rx geschrieben)

Die Verschreibungspflicht (Deutschland und Schweiz) oder Rezeptpflicht (Österreich, umgangssprachlich auch Deutschland) ist eine Verkaufsabgrenzung für Arzneimittel und Medizinprodukte und zählt zu den Routinemaßnahmen der Pharmakovigilanz.

Sie soll vor allem den Patienten vor unmäßigen Nebenwirkungen durch die Arzneimitteleinnahme schützen. Insbesondere bei neuen Arzneimitteln sind die Nebenwirkungen in der Regel noch nicht vollständig bekannt; seltene Nebenwirkungen eines Medikaments können nur durch breite Verwendung erkannt werden. Auch soll der Missbrauch von Arzneimitteln verhindert werden.

Arzneimittel, die ohne ärztliche, zahnärztliche oder tierärztliche Verschreibung abgegeben werden dürfen, werden umgangssprachlich auch als rezeptfrei bezeichnet (siehe OTC-Arzneimittel).

Deutschland[Bearbeiten]

Arzneimittel, die bestimmte Arzneistoffe gemäß Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) enthalten, und Arzneimittel für Tiere, die der Lebensmittelgewinnung dienen, dürfen nur auf Vorlage einer ärztlichen, zahnärztlichen oder tierärztlichen Verschreibung (Rezept) abgegeben werden. In Deutschland ist die rechtliche Grundlage dazu Paragraph 48 des Arzneimittelgesetzes. Die Abgabe erfolgt bis auf entsprechend geregelte Ausnahmen durch Apotheken.

In Deutschland sind verschreibungspflichtige Medikamente auf der Packung mit der Angabe Verschreibungspflichtig gekennzeichnet. In Deutschland kann ein Rezept (eine Verschreibung) nur ein einziges Mal als Berechtigung zur Entgegennahme des bezeichneten Medikaments genutzt werden.

Seit dem 1. Januar 2004 ist die Verschreibungspflicht auch weitgehend identisch mit der Erstattungsfähigkeit von Arzneimitteln durch die gesetzliche Krankenversicherung. Ausnahmen davon sind in der sogenannten OTC-Übersicht des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geregelt.

Die Medizinprodukte-Abgabeverordnung (Verordnung zur Regelung der Abgabe von Medizinprodukten, MPAV) enthält in der Anlage die Medizinprodukte, die nur auf Verschreibung abgegeben werden dürfen.

Österreich[Bearbeiten]

Das österreichische Rezeptpflichtgesetz bestimmt, dass alle Arzneimittel, die auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Leben oder die Gesundheit von Menschen oder Tieren gefährden können, der Verschreibungspflicht unterliegen, wenn sie ohne ärztliche oder tierärztliche Überwachung angewendet werden. Damit wird die Rezeptpflicht in Österreich eher streng gehandhabt; alle Medikamente, die auch nur in den seltensten Fällen gefährliche Neben- oder Wechselwirkungen haben könnten, unterliegen der Rezeptpflicht. In der Praxis betrifft dies mehr als 80 % der für den Menschen bestimmten Arzneien, so dass in Österreich der Anteil der Selbstmedikation eher gering ist. Allerdings kann der Apotheker in begründeten Fällen kraft eigener Kompetenz ein rezeptpflichtiges Medikament ausnahmsweise abgeben. § 4 Absatz 5 Rezeptpflichtgesetz lautet: Der Apotheker ist berechtigt, in besonderen Notfällen Arzneimittel auch ohne Vorliegen eines Rezeptes abzugeben; jedoch nur in der kleinsten im Handel erhältlichen Packung.

Schweiz[Bearbeiten]

Verschreibungspflichtig sind Arzneimittel der Abgabekategorien A und B. In der Kategorie B ist auch eine mehrmalige Abgabe des verschriebenen Medikaments möglich, sofern dies vom Arzt entsprechend auf dem Rezept vermerkt wurde. Die Festlegung der Verschreibungspflicht erfolgt durch die Swissmedic.

Frankreich[Bearbeiten]

In Frankreich sind Medikamente, die nur auf Rezept abgegeben werden dürfen (prescription obligatoire), in den Listen I und II zusammengefasst.[1] Medikamente nach Liste I dürfen nur einmalig abgegeben werden, es sei denn, der Arzt hat ausdrücklich angegeben, wie oft das Medikament auf dasselbe Rezept an dieselbe Person abgegeben werden darf. Manche Medikamente nach Liste I können weiteren Beschränkungen unterliegen. Sie sind z. B. nur zur Anwendung durch Krankenhauspersonal oder nur zur erstmaligen Verabfolgung im Krankenhaus zugelassen. Weiterhin gibt es Medikamente nach Liste I, die nur zur Verwendung durch bestimmte Spezialisten oder unter besonderer Überwachung zugelassen sind.[2]

Medikamente nach Liste II dürfen innerhalb von maximal 12 Monaten mehrfach an denselben Empfänger abgegeben werden, jedoch nur in einer üblichen Menge, die jeweils für eine monatliche Behandlung notwendig ist.

Medikamente, die Betäubungsmittel enthalten, dürfen nur verordnet werden auf einem speziellen, nummerierten, fälschungssicheren Rezept. Darauf muss auch die maximale Dauer der Behandlung mit 7, 14 oder 28 Tagen angegeben werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. L’ordonnance et les règles de prescription des médicaments
  2. Les médicaments à prescription obligatoire

Weblinks[Bearbeiten]

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