Verschulung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Verschulung bezeichnet die Implementierung schulischer Charakteristika in nichtschulische (v.a. vorschulische, berufliche oder akademische) Bildungsgänge, also die Ausdehnung schulischer Lernformen auf die vorschulische Phase[1] oder auch auf die nachschulische Phase.[2] In der letztgenannten Bedeutung wurde der Begriff nach Angaben von Jean Louis Kirsch[3] durch Antoine Prost geprägt.[4]

Der Begriff Verschulung wird meist negativ verwendet. Im Hochschulbereich werden damit folgende Punkte verbunden:

  • vorgegebene Curricula ohne Wahlmöglichkeiten
  • Anwesenheitspflicht bei Lehrveranstaltungen
  • Reduktion des Studiums auf Wissensvermittlung und Wissensabfrage

In der Berufsbildung wird damit der Ersatz einer praxisnahen betrieblichen oder dualen Ausbildung durch eine theorielastige schulische Vollzeitausbildung oder ein Hochschulstudium bezeichnet.

Das Phänomen der Verschulung wird oft im Kontext des Bologna-Prozesses diskutiert.[5] Zum Teil waren naturwissenschaftliche Studiengänge in der DDR jedoch stärker verschult als heutige modularisierte Studiengänge im wiedervereinigten Deutschland.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. B. Hauser: Bildung 4-bis 8-jähriger Kinder, 2005.
  2. Ulrike Neuhoff: Akademische Freiheiten im Korsett eines verschulten Studienbetriebs — Das Studium für Polizeivollzugsbeamte an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen. VS Verlag für Sozialwissenschaften. 2008, ISBN 978-3-531-15890-7 (Print), ISBN 978-3-531-91116-8 (online)
  3. Jean Louis Kirsch: Zertifikate und Standards für die berufliche Bildung – geeignete Instrumente politischer Steuerung? Länderstudie Frankreich. (PDF; 153 kB)
  4. Antoine Prost: L’École et la Famille dans une société en mutation (1930-1980). Histoire générale de l’Enseignement et de l’Éducation en France, Bd. IV, Hg. Louis-Henri Parias. Nouvelle Librairie de France, Paris, 1981.
  5. Kathrin Balmer: Der Bologna-Prozess – Das Wichtigste in Kürze. 2008
  6. Günther Heydemann: Die Innenpolitik der DDR