Verschwörung der Feuerzellen

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Logo der Verschwörung der Feuerzellen

Verschwörung der Feuerzellen oder Konspiration der Zellen des Feuers (griechisch Synomosia Pyrinon tis Fotias Συνωμοσία Πυρήνων της Φωτιάς) ist eine griechische terroristische Untergrundorganisation. Die Organisation wurde europaweit bekannt, als sie Anfang November 2010 in Verdacht geriet, eine Reihe von Briefbomben an griechische Politiker und Regierungseinrichtungen in Frankreich und Deutschland verschickt zu haben.

Positionen[Bearbeiten]

Die „Verschwörung der Feuerzellen“ wendet sich mit gewalttätigen Aktionen gegen Regierungseinrichtungen nicht nur Griechenlands, sondern auch anderer Länder. Sie begründet ihre Aktionen mit individualanarchistischen Motiven.[1] Sie will nach eigenen Angaben den Sturz des Systems erzwingen. In ihren Bekennerschreiben bezeichnete sie sich als „Stadtguerilla“. Ein inhaftiertes Mitglied grenzte sich gegen Kommunismus und Insurrektionalismus ab und verortete sich in „einer neuen Strömung“ der anarchistischen Bewegung, nämlich des „revolutionären Nihilismus und antigesellschaftlichen Anarchismus“.[2]

Organisation[Bearbeiten]

Die Gruppe besteht vermutlich aus einem kleinen Kreis von Mitgliedern, die ähnlich der Rote Armee Fraktion operieren. Neben der „Verschwörung der Feuerzellen“ sind weitere Gruppen mit Namen wie „Volksaktion“, Epanastatikos Agonas („Revolutionärer Kampf“), und Sechta Epanastaton („Sekte der Revolutionäre“) im Kampf gegen den griechischen Staat aktiv.[3]

Aktionen[Bearbeiten]

Die Gruppe bekannte sich zu mehreren Bombenanschlägen seit 2007 auf Banken und Regierungsgebäude, auf die Wohnung der Ministerin Louka Katseli sowie Filialen ausländischer Firmen in Griechenland.

Anschlagsserie im November 2010[Bearbeiten]

In mehreren Städten Griechenlands wurden Anfang November Paketbomben an Politiker verschickt. Am 2. November 2010 ging in der Poststelle des Bundeskanzleramts in Berlin ein an Bundeskanzlerin Angela Merkel adressiertes Paket mit Sprengstoff ein, das von Bombenexperten der Berliner Polizei entschärft wurde. Als Absender war das griechische Wirtschaftsministerium angegeben. Am 1. November 2010 fing die griechische Polizei eine an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressierte Paketbombe ab.

In Athen wurden am 1. und 2. November 2010 Brandsätze an mehrere Botschaften verschickt. Die Sendungen enthielten Schwarzpulver, das sich beim Öffnen entzündete. Im Hof der Schweizer Botschaft kam es zu einer Explosion. Ein Paket war auch an die deutsche Vertretung adressiert. Die deutschen Diplomaten nahmen aus Sicherheitsgründen aber keine Pakete von Kurierdiensten mehr an. Die griechische Polizei ordnete die Briefbomben der „Verschwörung der Feuerzellen“ zu.[4] Am 25. November erschien ein Kommunique, in welchem die Organisation die Verantwortung übernahm und sich rühmte, in den vergangenen drei Jahren 200 Brand- und Bombenanschläge verübt zu haben.[5]

Anschlag vom 30. Dezember 2010[Bearbeiten]

Am 30. Dezember 2010 wurde das Athener Verwaltungsgericht durch eine gewaltige Explosion schwer beschädigt. Der Sprengsatz, der das Zentrum der griechischen Hauptstadt erschütterte, war an einem Motorrad angebracht, das vor dem Verwaltungsgericht geparkt war. Die „Verschwörung der Feuerzellen“ bekannte sich zu diesem Anschlag.[6]

Festnahmen und Prozesse[Bearbeiten]

Anfang Dezember 2010 wurden sechs mutmaßliche Mitglieder der Gruppe festgenommen. Beamte einer Antiterroreinheit nahmen bei Razzien in Athen und anderen Städten am 12. Januar 2011 vier weitere mutmaßliche Mitglieder der "Verschwörung der Feuerzellen" fest.[7] Der Prozess gegen neun der insgesamt 13 festgenommenen mutmaßlichen Terroristen begann unter großen Sicherheitsvorkehrungen in dem Athener Hochsicherheitsgefängnis in Korydallos.[8] Sieben der neun zwischen 20 und 31 Jahre alten Angeklagten wurden im Juli 2011 zu hohen Haftstrafen verurteilt und zwei freigesprochen.[9]

Ein mutmaßlicher Unterstützer der Gruppe, Kostas Sakkas, wurde im Dezember 2010 in Verbindung mit dem Fund eines Waffenlagers der "Verschwörung der Feuerzellen" festgenommen. Er wird wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung festgehalten, ohne dass ihm bisher der Prozess gemacht wurde. Bevor das gesetzliche Limit für das Festhalten von Verdächtigen abgelaufen ist, wurde die Inhaftierung auf eine andere Beschuldigung gestützt.[10] Seit 4. Juni 2013, als das gesetzliche Höchstmaß von 30 Monaten abgelaufen ist, befindet sich Kostas Sakkas im Hungerstreik. Eine Verhandlung seines Falls steht nicht in Aussicht. [11]

Quellen[Bearbeiten]

  1. athens.Indymedia.org
  2. „Anarchistische Bombenleger“?! Schreckgespenster und Bomben aus Griechenland von Ralf Dreis in Graswurzelrevolution, März 2011
  3. http://www.vol.at/news/politik/artikel/der-bombenterror-griechischer-autonomer/cn/apa-1143093250 (nicht mehr online verfügbar)
  4. Bombige Post für Merkel taz vom 2. November 2010
  5. Kommunique der Verschwörung der Feuerzellen
  6. Terroristen bekennen sich zu Bombenanschlag in Athen Die Welt vom 5. Januar 2011
  7. http://www.tagesschau.de/ausland/griechenlandfestnahmen100.html (nicht mehr online verfügbar)
  8. Terror Prozess in Griechenland beginnt mit Eklat Die Welt vom 17. Januar 2011
  9. AFP-Meldung auf Stern.de, 19. Juli 2011
  10. ekathimerini vom 8. Juni 2013; "Detainee’s hunger strike prompts political argument"
  11. Are the Greek Government Willing to Make a Martyr Out of a Hunger-Striking Anarchist? auf Vice.com, 8. Juli 2013