Versilbern

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Versilbern von Weihnachtsschmuck

Unter Versilbern versteht man alle technischen Verfahren, die auf festen Gegenständen einen Überzug aus Silber erzeugen. Beim Versilbern von Glas spricht man auch von Verspiegeln.

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Versilberung ist nur auf weitgehend unelastischen Materialien sinnvoll, weil sich sonst die Verbindung stellenweise löst und die Silberschicht auf Dauer überall abblättert.

Metalle und Legierungen wie Neusilber (das ist eine Nickel-Kupfer-Zink-Legierung, die Silber ähnlich ist), Kupfer, Messing, Zink, Zinn, Blei, Eisen, Stahl und Nickel, aber auch nichtmetallische Materialien wie Glas oder Kunststoffe sind für das Versilbern geeignet.

Besondere Eigenschaften von Silberüberzügen:

  • Die sehr gute elektrische Leitfähigkeit ist wichtig für Kontakte, Drähte und Hohlleiter in der Elektrotechnik
  • Dekoratives Aussehen von Kunst-, Schmuck- oder Gebrauchsgegenständen, z. B. Essbesteck
  • Silber hat ein sehr gutes Reflexionsvermögen. Deshalb kommt es bei der Herstellung von Spiegeln und Reflektoren zum Einsatz.
  • Korrosionsschutz in der chemischen Industrie

Die Schichtdicken von Silberüberzügen sind je nach Anwendungszweck sehr verschieden. Während bei Elektronikteilen oft ein bis einige µm ausreichen, werden bei Essbesteck örtlich bis zu 120 µm abgeschieden.

90er Versilberung

Die bei Essbesteck gebräuchliche Bezeichnung 90 oder 100 bezieht sich nicht auf die Schichtstärke des Silberüberzugs sondern auf dessen Masse in Gramm auf 24 dm² Oberfläche. Üblicherweise ist diese Fläche bei Bestecken durch 12 Gabeln und 12 Löffel gegeben, wobei Schichtstärken von ca. 34 bis 37 µm bei 90er sowie 45 µm bei 100er Versilberungen entstehen.[1]
Oft folgt der ersten Angabe für die generelle Stärke der Versilberung eine zweite Zahl, die sich direkt auf das entsprechende Besteckteil bezieht. Dabei wird jedoch nur ein Dutzend gleicher Besteckteile als Grundlage genommen, was dazu führt, dass Esslöffel in der Regel mit [90] [45] gepunzt sind. Eine gebräuchliche Punzierung von [90] [18] auf einer Kuchengabel gibt daher an, dass 18 g Silber notwendig waren, um zwölf Kuchengabeln mit der gleichen Schichtstärke zu versilbern wie das Hauptbesteck.[2]

Aufdampfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Aufdampfen eines Silberbezugs als thermisches Verdampfen ist die einfachste Beschichtungstechnik. Das Silber wird durch einen Widerstandsheizer (z. B. ein sogenanntes „Aufdampfschiffchen“ aus Wolfram) oder einen Induktionsheizer (grob gesagt in einem Ofen) mit hitzefestem Keramiktiegel auf Temperaturen in der Nähe des Siedepunktes erhitzt. Dabei verdampft es, breitet sich gasförmig im Ofen oder in der Vakuumkammer (je nach verwendeten Geräten) aus und kondensiert am gegenüberliegenden kühleren Substrat. Der Silberdampf bildet dort eine dünne Schicht. Die Schichtstärke hängt von der Dauer der Aufdampfung ab.

Galvanische Versilberung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der galvanischen Versilberung werden die Gegenstände (nach einer Vorbehandlung) in einen Silberelektrolyten (überwiegend Kaliumsilbercyanid mit Leitsalzen in einer alkalischen Lösung[3]) eingetaucht und durch das Anlegen einer elektrischen Spannung scheidet sich auf der Oberfläche ein Silberüberzug ab. Zur weiteren Verbesserung der Oberflächeneigenschaften folgt oft eine Nachbehandlung. Wenig bekannt ist, dass auch aus Echtsilber gefertigte Qualitätswaren oft einen galvanischen Überzug aus Feinsilber erhalten, um Lötfugen zu kaschieren und Farbunterschiede zu vereinheitlichen.[4]

Die Versilberung zählt zu den ältesten Anwendungen der Galvanotechnik. Am 24. Juli 1838 und am 25. März 1840 wurden in England durch die Herren G. R. Elkington und H. Elkington[5] unter der Patent-Nummer 8447 die ersten Patente dazu angemeldet. Schon ab 1842 kam es zu einer Verbindung und Lizenzvereinbarung mit Charles Christofle & Co, Paris. [6] Erst seit den 1870er Jahren verbreitete sich das Galvanisieren auch bei den deutschen Herstellern von Silberbestecken.

Stromloses Versilbern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für stromloses Versilbern benutzt man heiße cyanidhaltige Bäder mit Silbernitrat („Sudverfahren“) oder wässrige Lösungen aus Silbernitrat, Ammoniak, Hydrazinsulfat und Natriumhydroxid. Zum Versilbern bzw. Verspiegeln nichtmetallischer Gegenstände (Spiegel, Weihnachtskugel) muss die Oberfläche speziell vorbehandelt werden. Bei Kunststoffen muss zuerst eine Kupferschicht aufgebracht werden.

Feuerversilbern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Feuerversilberung zählt ähnlich wie die Feuervergoldung zu den historischen Verfahren, die wegen der giftigen Elemente Quecksilber oder Blei nicht mehr verwendet werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Redewendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im übertragenen Sinn versteht man unter der Redewendung „etwas versilbern“, dass man „etwas zu Geld macht“. Hintergrund dieser Redewendung ist die früher weit verbreitete Verwendung von Silber als Material, aus dem in Europa während Mittelalter und Früher Neuzeit die meisten Währungsmünzen gefertigt wurden (siehe Silberstandard).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Silber. code-knacker.de, abgerufen am 26. September 2010.
  2. Besteckarten. hotelfach.de, abgerufen am 26. September 2010.
  3. Eduard Vinaricky: Elektrische Kontakte, Werkstoffe und Anwendungen: Grundlagen, Technologien, Prüfverfahren. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-56237-2 (books.google.com).
  4. Alfred Löhr, Galvanotechnik in der Bremer Silberwarenindustrie. In: Bremen wird hell, 100 Jahre Leben und Arbeiten mit Elektrizität. Bremen 1993, S. 266-273.
  5. C. M. Baur, Meister & Marken auf Old Sheffield Plate und Electro Plate. München 2011, S. 5.
  6. S. Bury, Victorian Electroplate. London 1971, S. 5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]