Versorgungstechnik

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Versorgungstechnik-Installation in einem Fabrikgebäude
Installation für Prozessversorgung

Unter Versorgungstechnik fasst man heute alle technischen Maßnahmen zusammen, die in Räumen und Gebäuden, aber auch Betriebsstätten und Einrichtungen, die keine Gebäude sind, der energetischen Versorgung (z. B. Beheizung und Beleuchtung), der stofflichen Versorgung (Wasser, Luft) und der Entsorgung (Abwasser, Müll) dienen.

Teilgebiete der Versorgungstechnik sind die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) bzw. die Gebäudetechnik. Diese Begriffe werden teilweise synonym verwendet. Versorgungstechnik schließt dabei alle Gebäudetypen sowie auch Anlagen mit ein, die keine Gebäude sind, während sich die Gebäudetechnik mit allen Gebäuden, so auch Nichtwohngebäuden und Industrieanlagen, beschäftigt. Der vormals verwendete Begriff Haustechnik wird heute noch gelegentlich für die Technische Gebäudeausrüstung in Wohngebäuden verwendet.

Im VDI wurde 1975 die Fachgesellschaft TGA gegründet.

Die Versorgungstechnik soll den Nutzwert von Gebäuden und Einrichtungen steigern bzw. die Nutzung erleichtern und verschiedene Sicherheitsaufgaben erfüllen.

Die Versorgungstechnik beschäftigt sich mit der Erschließung von Grundstück und Gebäude (Kanalisation, Strom- und Wasserversorgung), weiteren grundlegenden Ausstattungsmerkmalen von Gebäuden (Beleuchtung, Heizung, Klimatisierung, Kommunikationsanlage) und allen zusätzlichen Anlagen (Sicherheitstechnik, Gebäudeautomatisierung).

Teilgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Einteilung der Technischen Gebäudeausrüstung nach Kostengruppen wird in der DIN 276 vorgenommen (Abschnitt Kostengruppe 400 „Kosten im Hochbau“). Diese Gliederung wird auch in VDI-Richtlinien und im VDI-Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung verwendet.

Im VDI-Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung bestehen die nachfolgend genannten Fachausschüsse:

Zusammengefasst werden Heizungsbau, Kälte-, Klima- und Lüftungstechnik häufig als HKL- oder HLK-Technik, also Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik bezeichnet, in der Schweiz auch als HLKK-Technik für Heizungs-, Lüftungs- Klima- und Kältetechnik. Die internationale Bezeichnung lautet HVAC („Heating, Ventilation and Air Conditioning“).
Oft wird auch die Sanitärtechnik miteinbezogen, so dass sich die Abkürzungen SHK-Technik, also Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder HLS, für Heizung, Lüftung, Sanitär ergeben.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gebäudetechnik ist keine Erfindung der neueren Zeit, bereits in frühesten Wohngebäuden/Hütten sind erste Ansätze technischer Ausstattung zu finden. Bereits in der Antike war die Gebäudetechnik auf hohem Niveau angelangt, so denke man z. B. an die Wasserversorgung im Römischen Reich mit Hilfe von Aquädukten und Leitungssystemen (Bleirohre) oder die schon bei den Kretern und Römern betriebene Fußbodenheizung mittels Durchleitung von Rauchgasen in darunterliegenden Kammern (Hypokaustenheizung).[1]

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gebäudetechnik nimmt einen immer größeren Anteil an Aufwand und Kosten von Gebäuden ein. Die Teilgebiete der Gebäudetechnik werden bei größeren Bauprojekten an spezialisierte Fachplaner zur Werkplanung vergeben. Der Architekt übernimmt dann nur noch die Koordination sowie die Abnahme der einzelnen Planungen.

Berufsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Technischen Gebäudeausrüstung sind eine Reihe Berufsbilder vertreten, von Ingenieurberufen im Anlagenbau, der Elektrotechnik, Gebäudetechnik oder Versorgungstechnik über Techniker verschiedener Sparten bis zu Anlagenmechanikern und technischen Zeichnern.

Die Installations- und Gebäudetechnik ist ein Modullehrberuf in Österreich.

Teilbereiche der Versorgungstechnik werden von Ausbildungsberufen Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Installateur (Schweiz: Sanitärinstallateur) sowie dem Weiterbildungsstudiengang Techniker für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik abgedeckt.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Versorgungstechnik ist in Deutschland ein eigenständiger Studiengang an Fachhochschulen. Darüber hinaus wird sie an einigen (Technischen) Universitäten als Fachrichtung im Rahmen des Verfahrenstechnik- oder Maschinenbau-Studiums angeboten. In der DDR hieß der entsprechende Studiengang meist Technische Gebäudeausrüstung.

Nach dem Abschluss des Studiums wurde etwa bis zum Wintersemester 2005/06 der akademische Grad "Dipl.-Ing. (FH)" verliehen. Seitdem haben die meisten Fachhochschulen ihre Studiengänge auf das international verbreitete System mit dem Abschluß "Bachelor of Engineering" und dem Aufbaustudium zum "Master of Engineering" umgestellt.

An den Hochschulen werden die Fachbereiche oft noch in Spezialisierungen bzw. Fachrichtungen unterteilt. Die verbreitetste Fachrichtung dürfte die Technische Gebäudeausrüstung sein. Darüber hinaus gibt es z. B. Energie- und Umwelttechnik, Entsorgungstechnik und Facilitymanagement.

Hochschulen und Universitäten, die den Studiengang Versorgungstechnik anbieten, sind z. B.:

Den Abschluß Bachelor of Science in Kältetechnik und Klimatechnik bietet auch die Europäische Studienakademie Kälte-Klima-Lüftung in Frankfurt/Main an.

Richtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regeln und Hilfsmittel werden in rund 180 VDI-Richtlinien des Fachgebiets dokumentiert, die vom VDI-Fachbereich TGA erarbeitet werden.

Bauprodukte und Maschinen, die in Gebäude eingebaut werden, müssen den EG Normen entsprechen und das CE Zeichen tragen. Die Bauregelliste Teil B, Teil 2 "Technische Gebäudeausrüstung" des Deutschen Institutes für Bautechnik[2] gibt Auskunft über die anzuwendenden Richtlinien. Für die Steuerung der in Gebäuden eingebauten Maschinen gilt die EG MRL-2006/42.

Für den Bereich der öffentlichen Verwaltungen in Deutschland gibt der Arbeitskreis Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV) Empfehlungen zu Planung, Bau und Betrieb der Technischen Gebäudeausrüstung heraus.

Die Bundeswehr bedient sich der "Baufachlichen Richtlinien" (BFR), welche vom Verteidigungsminister erstellt und herausgegeben werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Daniels: Gebäudetechnik, Ein Leitfaden für Architekten und Ingenieure. vdf, Hochschulverlag an der ETH Zürich, 2000, ISBN 3-7281-2727-2.
  • IKET (Hrsg.): Pohlmann Taschenbuch der Kältetechnik. 21., überarb. und erw. Auflage. VDE-Verlag, Berlin/ Offenbach 2013, ISBN 978-3-8007-3393-4.
  • Thomas Laasch, Erhard Laasch: Haustechnik. 13. Auflage. Springer Vieweg, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-8348-1260-5.
  • Wolfram Pistohl: Handbuch der Gebäudetechnik. Band 1: Allgemeines, Sanitär, Elektro, Gas. 7. Auflage. Werner Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-8041-4684-6.
  • Wolfram Pistohl: Handbuch der Gebäudetechnik. Band 2: Heizung, Lüftung, Beleuchtung, Energiesparen. 7. Auflage. Werner Verlag, Köln, ISBN 978-3-8041-4685-3.
  • Der Recknagel - Hermann Recknagel, Eberhard Sprenger, Ernst-Rudolf Schramek (Hrsg.): Taschenbuch für Heizung Klimatechnik. 74. Auflage. Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-8356-3134-2.
  • Klaus W. Usemann: Entwicklung von Heizungs- und Lüftungstechnik zur Wissenschaft. Hermann Rietschel - Leben und Werk. Oldenbourg, München/ Wien 1993, ISBN 3-486-26138-X.
  • Edwin Wellpott, Dirk Bohne: Technischer Ausbau von Gebäuden. 9., völlig überarb. und aktualisierte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-018911-5.
  • Klaus W. Usemann, Martin Grassnick: Bäder und hygienische Einrichtungen als Zeugnisse früherer Kulturen. Oldenbourg Wissenschaftsverlag 1992, ISBN 978-3486262278.
  • Zeitschrift HLH (Heizung, Lüftung, Haustechnik) - Zeitschrift für Lüftung/Klima, Heizung/Sanitär und Gebäudetechnik, Springer-VDI-Verlag

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus W. Usemann, Martin Grassnick: Bäder und hygienische Einrichtungen als Zeugnisse früherer Kulturen. Oldenbourg Wissenschaftsverlag 1992, ISBN 978-3486262278.
  2. DIBt - Deutsches Institut für Bautechnik