Vertigo (Comics)

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Vertigo ist ein 1993 gegründetes Imprint des US-amerikanischen Verlages DC Comics. Im Gegensatz zu den übrigen Comicserien von DC werden in Vertigoserien auch kontroverse Themen wie Drogensucht und Sexualität zur Sprache gebracht. Allgemein versucht Vertigo sich eher an anspruchsvoller Unterhaltung für Erwachsene. Das Gegenstück zu Vertigo bei Marvel Comics heißt MAX.

Im Juni 2019 gab DC Comics bekannt, dass sie die Marke Vertigo zum Ende des Jahres einstellen und ihre Produkte auf drei neue Marken DC Kids, DC und DC Black Label aufteilen werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 wurde Vertigo gegründet, nachdem sich in den 1980er Jahren verschiedene „erwachsene“ DC-Titel wie die von Alan Moore übernommene Serie The Saga of the Swamp Thing (1982–1985), The Dark Knight Returns (1986) oder Watchmen (1986/1987) als erfolgreiche Serien gezeigt haben. Vertigo sollte Autoren anziehen, die ihre Art Comics veröffentlichen wollten, ohne sich um einen eventuellen negativen Einfluss auf Kinder und die daraus resultierende Zensur Sorgen machen zu müssen. Als Redakteurin der Titel fungierte Karen Berger, die ihre vor allem aus Großbritannien angeworbenen und für amerikanische Verhältnisse vor allem durch explizitere Darstellungen von Nacktheit, Sex und Gewalt sehr provokativen Autoren weitgehend kreativ unterstützte.[2] In einer Zeit, in der die Zeichner die eigentlichen Attraktionen der Comics waren, machte sich Vertigo einen Namen, indem es sich vor allem die fähigsten Autoren heraussuchte. Einer der bekanntesten Vertigotitel und das inoffizielle Flaggschiff wurde Neil Gaimans Sandman (1989–1996), die zugleich auch Frauen als Leserinnen anzog.[2]

Die Gründung erfolgte nach einem mißlungenen Versuch durch Disney, ebenfalls Comics für die gleiche Zielgruppe zu publizieren. Hierdurch konnte DC zahlreiche halbfertige Comicserien preiswert einkaufen und zur Basis der neuen Marke „Vertigo“ machen, Karen Berger wurde Chefredakteurin. Unter Bergers Leitung führte Vertigo prägende Comicautoren der Neuzeit auf dem amerikanischen Markt ein, etwa Garth Ennis („Preacher“) und Warren Ellis („Transmetropolitan“) sowie Harvey Pekar („American Splendor“) sowie die auf hundert Hefte festgelegte Serie „100 Bullets“ von Brian Azzarello.[2]

Viele der Comics von Vertigo bauten auf den klassischen Superhelden-Comics von DC auf, spielten aber eher in „Randgebieten des umfangreichen DC-Superheldenkosmos. Auftritte von Helden wie Superman und Batman gab es zwar, sie blieben aber die Ausnahme.“[2] Laufende Serien, etwa der bereits genannte „Hellblazer“, ein „Swamp Thing“-Spin-off, und „Doom Patrol“, wurden aus dem DC-Universum ausgegliedert und um neue Serien ergänzt, "Sandman Mystery Theatre" etwa, eine Krimi-Noir-Serie. Im Rahmen des Flashpoint-Events wurde im Jahr 2011 erklärt, dass die Vertigo-Geschichten auf einer Parallelerde spielten und nun mit der Erde der übrigen Superhelden wie Superman oder Batman, deren Geschichten inzwischen ebenso auf ein erwachsenes Publikum abzielen, zum neuen DC-Universum (The New 52) verschmolzen ist.[3]

Aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen im amerikanischen Comicmarkt und mehrerer wenig erfolgreicher Serien in den 2000er Jahren reduzierte sich der kommerzielle Erfolg von Vertigo. Die ursprüngliche Geschäftspolitik, nach der Rechte an den Comics mit den Autoren und Zeichnern geteilt oder ihnen ganz überlassen wurden sowie Originalcomicseiten den Zeichnern nach Veröffentlichung zurückgeschickt wurden, wurde geändert. DC änderte dies mit der Zunahme von Comicverfilmungen im Kino und Fernsehen, um leichter über Verfilmungsrechte verhandeln zu können und die resultierenden Einnahmen nicht teilen zu müssen. Ab 2010 beanspruchte der Verlag sämtliche Rechte an Vertigo-Comics für sich, was dazu führte, dass viele bekannte Autoren das Label verließen und für andere Verlage arbeiteten. Damit etablierte sich teilweise neue Verlage, darunter etwa dasheute erfolgreiche Label Image Comics. 2012 verließ Karen Berger das Label, 2013 wurde die mit 300 Ausgaben langlebigste Vertigo-Serie „Hellblazer“ eingestellt.[2]

Im Juni 2019 gab DC Comics bekannt, dass sie die Marke Vertigo zum Ende des Jahres einstellen und ihre Markenstruktur ändern wollen. Die drei Marken DC Zoom, DC Ink und Vertigo sollen auf drei neue Marken aufgeteilt werden: DC Kids, DC und DC Black Label.[1]

Bekannte Autoren und Zeichner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autoren und Zeichner von Vertigo-Comics bei der Comic Con 2007

Bekannte Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1982 – noch vor der Gründung von Vertigo – wurde Swamp Thing unter dem Titel Das Ding aus dem Sumpf verfilmt; im Jahr 1989 folgte die Fortsetzung mit Das grüne Ding aus dem Sumpf. 2005 begann Vertigo mit Verfilmungen weiterer Titel in Erscheinung zu treten. So kam Constantine, der auf der Reihe Hellblazer basiert, in die Kinos. Auch A History of Violence (2005), The Fountain (2006), V wie Vendetta (2006), Der Sternwanderer (2007) und The Losers (2010) wurden verfilmt. Die exklusive Amazon-Prime-Serie Lucifer (2016) basiert auf der gleichnamigen Comicserie.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beatty Scott u. a., Die DC Comics Enzyklopädie, Panini Verlags GmbH, Stuttgart März 2005, 1. Auflage
  • Irvine Alex u. a., Die Vertigo Enzyklopädie, Panini Verlags GmbH, Stuttgart Dezember 2008, 1. Auflage

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Susana Polo: DC Comics is shuttering the Vertigo Comics imprint auf polygon.com, 21. Juni 2019; abgerufen am 27. Juni 2019.
  2. a b c d e Aus für "Sandman"-Label: #Vertigone auf tagesspiegel.d, 26. Juni 2019; abgerufen am 27. Juni 2019.
  3. Flashpoint #5, Panini Comics, Stuttgart 2012