Vertrag von Craiova

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Die Süd-Dobrudscha ist gelb markiert

Der Vertrag von Craiova (bulgarisch Крайовска спогодба; rumänisch Tratatul de la Craiova) wurde am 7. September 1940 zwischen dem Zarentum Bulgarien und dem Königreich Rumänien in Craiova unterzeichnet. Nach den Bedingungen dieses Vertrags gab Rumänien das südliche Drittel der Fläche der Dobrudscha an Bulgarien zurück und vereinbarte, an der Organisation eines Bevölkerungsaustauschs teilzunehmen.[1] Der Vertrag wurde von Deutschland, dem Vereinigten Königreich, der Sowjetunion, Italien, den Vereinigten Staaten und Frankreich genehmigt.

Zwangsumsiedlungen infolge des Vertrages[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bedingungen des Vertrags sahen die obligatorische Umsiedlung der in der Nord-Dobrudscha lebenden rumänischen Bürger bulgarischer Ethnie nach Bulgarien sowie die Umsiedlung von in der Süd-Dobrudscha lebenden ethnischen Rumänen nach Rumänien vor. Die Zwangsumsiedlungen wurden euphemistisch als „Bevölkerungsaustausch“ bezeichnet.[2] Etwa 110.000 Rumänen (80.000 davon aus der Süd-Dobrudscha) wurden gezwungen, ihre Häuser in der Süd-Dobrudscha und anderen Teilen Bulgariens zu verlassen. Die meisten dieser Rumänen waren Kolonisten, die sich dort ab 1913 nach dem Zweiten Balkankrieg und dem Frieden von Bukarest niedergelassen hatten, als das Gebiet von Rumänien annektiert wurde. Etwa 65.000 Bulgaren verließen ihre Heimat in der Nord-Dobrudscha und siedelten sich in Bulgarien an.[3]

Die Zwangsumsiedlungen betrafen auch die Dobrudschadeutschen, die zum größeren Teil im nach dem Vertrag von Craiova rumänischen Teil der Dobrudscha lebten, zum kleineren Teil im nach dem Vertrag von Craiova bulgarischen Teil. Sie wurde ins Deutsche Reich „heimgeholt“.[4]

Der Vertrag wurde 1946 (nach dem Zweiten Weltkrieg) von der Pariser Friedenskonferenz bestätigt.

Größere Städte in der Süd-Dobrudscha, die mit dem Vertrag an Bulgarien gingen, sind Dobritsch und Silistra. Bekannt sind auch die Orte Baltschik und Tutrakan.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edgar Hösch: Geschichte der Balkanländer. Von der Frühzeit bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München, 4. Aufl. 2002, ISBN 3-406-49019-0, S. 223.
  2. Josef Sallanz (Hg.): Die Dobrudscha. Ethnische Minderheiten – Kulturlandschaft – Transformation (= Praxis Kultur- und Sozialgeographie, Bd. 35). Universitätsverlag Potsdam, Potsdam, 2., durchges. Aufl. 2005, ISBN 3-937786-76-7, S. 16.
  3. Philipp Ther: Die dunkle Seite der Nationalstaaten. „Ethnische Säuberungen“ im modernen Europa. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-36806-0, S. 156.
  4. Dirk Jachomowski: Die Umsiedlung der Bessarabien-, Bukowina- und Dobrudschadeutschen. Von der Volksgruppe in Rumänien zur „Siedlungsbrücke“ an der Reichsgrenze (= Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission, Bd. 32). Oldenbourg, München 1984, ISBN 3-486-52471-2, S. 114–127.