Verwaltungsgemeinschaft Schleife

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Wappen Deutschlandkarte
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Verwaltungsgemeinschaft Schleife
Deutschlandkarte, Position der Verwaltungsgemeinschaft Schleife hervorgehoben

Koordinaten: 51° 32′ N, 14° 32′ O

Basisdaten
Bestandszeitraum: 1999–
Bundesland: Sachsen
Regierungsbezirk: Dresden
Landkreis: Görlitz
Fläche: 89,12 km2
Einwohner: 4301 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Verbandsschlüssel: 14 6 26 5237
Verbandsgliederung: 3 Gemeinden
Adresse der
Verbandsverwaltung:
Friedensstraße 83
02959 Schleife
Website: www.schleife-slepo.de
Verwaltungsvorsitzender: Jörg Funda
Lage der Verwaltungsgemeinschaft Schleife im Landkreis Görlitz
Bärwalder SeeBerzdorfer SeeTalsperre QuitzdorfTalsperre QuitzdorfPolenTschechienLandkreis Sächsische Schweiz-OsterzgebirgeBad MuskauBeiersdorfBernstadt a. d. EigenHerrnhutBertsdorf-HörnitzBoxberg/O.L.Boxberg/O.L.DürrhennersdorfEbersbach-NeugersdorfKottmar (Gemeinde)Gablenz (Oberlausitz)GörlitzGörlitzGroß DübenGroß DübenGroßschönau (Sachsen)GroßschweidnitzHähnichenHainewaldeHerrnhutHohendubrauHorkaJonsdorfKodersdorfKönigshainKrauschwitz (Sachsen)Kreba-NeudorfLawaldeLeutersdorf (Oberlausitz)LöbauMarkersdorf (Sachsen)Markersdorf (Sachsen)MittelherwigsdorfMückaMückaNeißeaueNeusalza-SprembergKottmar (Gemeinde)NieskyKottmar (Gemeinde)OderwitzOlbersdorfOppachOstritzOybinQuitzdorf am SeeReichenbach/O.L.RietschenRosenbachRothenburg/OberlausitzSchleife (Ort)Schönau-Berzdorf auf dem EigenSchönbach (Sachsen)SchöpstalSeifhennersdorfReichenbach/O.L.TrebendorfTrebendorfVierkirchen (Oberlausitz)WaldhufenWeißkeißelWeißwasser/OberlausitzZittauZittauLandkreis BautzenBrandenburgKarte
Über dieses Bild
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Die Verwaltungsgemeinschaft Schleife, obersorbisch Zarjadniski zwjazk Slepo, ist eine sächsische Verwaltungsgemeinschaft im Nordosten des Landkreises Görlitz an der Grenze zum Land Brandenburg. Ihr Sitz ist in der Gemeinde Schleife. Die Verwaltungsgemeinschaft ist die politisch-geografische Eingrenzung der Schleifer Region, die je nach Auslegung auch mit dem Kirchspiel Schleife gleichgesetzt wird.

Mitgliedsgemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sieben Dörfer der Verwaltungsgemeinschaft sind historisch eng miteinander verbunden. In ihnen wird teilweise bis heute der Schleifer Dialekt der sorbischen Sprache gesprochen und die Schleifer Tracht getragen. Weiterhin gehörten sie zum 1874 gebildeten „Amtsbezirk Muskau III“, der bis 1908 auf diese sieben Landgemeinden (sowie vier Gutsbezirke) verkleinert und 1933 in „Amtsbezirk Schleife“ umbenannt wurde.[2] Durch Eingemeindungen zwischen 1995 und 1999 wurde die Zahl der Gemeinden von sieben auf drei reduziert.

Die Verwaltungsgemeinschaft wurde zum 7. Juli 1995 von sechs Gemeinden gegründet. Trebendorf schloss sich ihr zum 16. November 1996 an. In ihrer heutigen Form besteht sie seit dem 1. Januar 1999.

deutscher Ortsname sorbischer Ortsname Gemeinde Einwohner Fläche in km²
Groß Düben Dźěwin Groß Düben 564 8,28
Halbendorf Brězowka Groß Düben 508 6,28
Mulkwitz Mułkecy (Mułkoce) Schleife 202 7,36
Mühlrose Miłoraz Trebendorf 188 19,74
Rohne Rowno (Rowne) Schleife 413 19,71
Schleife Slepo (Slěpe) Schleife 1806 14,80
Trebendorf Trjebin Trebendorf 661 12,21

Anmerkungen:

  • In Klammern angegebene Ortsnamen sind vom Obersorbischen abweichende Namen im Schleifer Dialekt.
  • Die Einwohnerzahlen der einzelnen Dörfer stammen vom Meldeamt Schleife (Stand 31. Dezember 2019) und weisen auf Grund unterschiedlicher Berechnungsvorschriften in ihrer Summe eine Abweichung zu den Einwohnerzahlen der Gemeinden auf, die vom Statistischen Landesamt des Freistaates Sachsen herausgegeben werden.

Kirchspiel Schleife[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die spätgotische Kirche in Schleife ist eines der Wahrzeichen der Schleifer Region

Das Kirchspiel (auch Parochie) setzt sich aus den sieben Dörfern der Verwaltungsgemeinschaft sowie dem brandenburgischen und niederlausitzer Dorf Lieskau zusammen. Bis 1914 gehörten der Mühlroser Dorfteil Ruhlmühle und der rechtsseitig der Spree gelegene Teil Neustadts zum Schleifer Kirchspiel. Danach wurden diese Orte nach Spreewitz gepfarrt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwaltungsgemeinschaft liegt im Städtedreieck HoyerswerdaSprembergWeißwasser. Ihr Gebiet ist geprägt durch eine ausgedehnte Seen- und Waldlandschaft. Die Struga fließt in nordwestlicher Richtung durch Trebendorf, Schleife, Rohne und Mulkwitz zur Spree hin. Die Spree schneidet das Gebiet auf ihrem Weg nach Norden im Mühlroser Dorfteil Ruhlmühle.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den einstmals durch das Verwaltungsgebiet führenden Bahnstrecken ist nur noch die Bahnstrecke Berlin–Görlitz mit dem Schleifer Bahnhof für den Verkehr relevant. Der Bahnhof in Halbendorf an der ehemaligen Bahnstrecke Weißwasser–Forst besteht nicht mehr, die Schienen wurden demontiert. Die Kleinbahnstrecke der Waldeisenbahn Muskau von Weißwasser zur Tongrube im Tiergarten (zwischen Mühlrose und Trebendorf) wurde in der ersten Hälfte der 2010er Jahre zugunsten des Tagebaus Nochten abgebaut und das Gelände überbaggert. Zum Ausgleich wurde dieser Streckenast entlang der Tagebaukante zum Turm am Schweren Berg geführt.

Zwischen Spremberg und Weißwasser tangiert die Bundesstraße 156 das Verwaltungsgebiet. Die Gemeindeverwaltungen lehnten den Trassenentwurf der geplanten B 160 durch das Verwaltungsgebiet ab, da dieser – neben dem herannahenden Tagebau – zu stark in das Siedlungsgebiet einschneiden würde. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Trebendorf-Vertrag zwischen der Gemeinde Trebendorf und der Vattenfall Europe Mining AG wurde die Nichtweiterverfolgung dieses nördlichen Trassenentwurfs durch den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich im September 2008 bekannt gegeben. Jüngere Pläne zur Weiterführung der B 178 von der A 4 bis nach Cottbus werden hingegen begrüßt.

Tagebau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinden liegen im Lausitzer Braunkohlerevier. Bereits in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde vereinzelt Braunkohle untertage abgebaut, im größeren Maßstab erfolgte der Abbau erst seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, als im Tagebau Trebendorfer Felder in mehreren Gruben Braunkohle gefördert wurde. Aus seinem größten Restloch ging der Halbendorfer See hervor, auf dem sich die Grenzen der drei Gemeinden treffen.

Die erste Umsiedlung war die erste Teilortsverlegung Mühlroses in den Jahren 1966/1967, als der Neustädter Ausbau dem Tagebau Nochten weichen musste. Nach einer jahrzehntelangen Südbewegung und anschließenden Kehre erreichte der Tagebau Nochten um 2020 die Höhe von Trebendorf. In Trebendorf musste der Dorfteil Hinterberg vollständig umgesiedelt werden, für Klein Trebendorf war die bergbauliche Inanspruchnahme bereits genehmigt, nun wird der Tagebau jedoch dicht an der Siedlung vorbeigeführt. In Rohne sind die etwas südlich des Dorfkerns gelegene Schäferstraße und die Gehöfte am Mühlroser Weg betroffen, in Mühlrose müssen die Ausbauten entlang der Straße Am Damm (Mühlrose-Schleife) dem Tagebau weichen. Zudem wird ein großer Teil des Tiergartens abgebaggert, in dem bis 1973 das Jagdschloss der Muskauer Grafen stand. Der Mühlroser Ortskern liegt auf einer Störungszone, die einen dortigen Abbau mit der vorhandenen Förderbrücke F60 verhindert. Da der Ort jedoch über Jahrzehnte inselartig in einer Tagebaulandschaft mit nur einer Zufahrtsstraße liegen würde, hat die Mehrzahl der Einwohner eine Umsiedlung als Dorfgemeinschaft gefordert.

Bei Nutzung der noch von Vattenfall beantragten genehmigten Vorranggebiete des Tagebaus würden Schleife westlich der Bahnlinie sowie Mulkwitz und Rohne komplett umgesiedelt und der Tagebau in Richtung der brandenburgischen Orte Lieskau und Graustein geführt. Nach dem Verkauf von Vattenfalls Braunkohlesparte hat die Lausitz Energie Bergbau AG als neuer Betreiber die Nutzung der genehmigten Vorranggebiete abgesagt, einzig das Teilfeld Mühlrose soll zum Abschluss des Tagebaubetriebs nach der Umsiedlung der Einwohnerschaft noch mit angepasster Technik abgebaut werden. Der Ansiedlungsstandort für das neu entstehende Dorf Mühlrose ist in Schleife zwischen Groß Dübener Weg und Lieskauer Weg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Mack: Ein neuer geistlicher Aufbruch. Die sorbischen Brüdergemeinden in der Oberlausitz. Selbstverlag, 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden Sachsens am 31. Dezember 2020 – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011 (Gebietsstand 01.01.2021). Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 21. Juni 2021. (Hilfe dazu).
  2. Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945: Amtsbezirk Schleife. Abgerufen am 7. Juli 2008.