Verwaltungsgliederung Mosambiks

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Verwaltungsgebäude des Generalgouvernements der Kolonie Mosambik (1929)

Die Verwaltungsgliederung Mosambiks ist die vertikale administrative Struktur der Republik Mosambik. Das Land liegt im Südosten des afrikanischen Kontinents, am Indischen Ozean.

Mosambik ist in elf Provinzen gegliedert, die in insgesamt 141 Distrikte, und diese in insgesamt 415 Verwaltungsposten untergliedert sind. In den 415 Verwaltungsposten liegen 1024 Ortschaften, die Localidades, die in der Regel mehrere Dörfer (Aldeias) umfassen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Küste Mosambiks um 1500 (Karte von 1902)

Seit der Ankunft Vasco da Gamas 1498 weitete die Kolonialmacht Portugal ihre Kontrolle über Mosambik schrittweise aus. Zur Verwaltung wurden „Kapitänien“ (Capitanias) eingerichtet, deren Regenten, die „Kapitäne“, dem portugiesischen Vizekönigreich Goa unterstanden. 1752 richtete die portugiesische Krone eine eigenständige Verwaltung für Mosambik ein, nunmehr unabhängig von Goa. Erst im Zeichen des imperialistischen Zeitgeistes in Europa setzte Portugal in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine tatsächliche Kontrolle auch über das Hinterland Mosambiks in Feldzügen gegen lokale Herrscher und Königreiche durch, und die endgültigen Grenzen wurden parallel in Verhandlungen vor allem mit dem britischen Königreich festgelegt.

Um seine Schwierigkeiten bei der Kontrolle der Gebiete im Landesinnere zu überwinden, vergab Portugal eine Reihe Privilegien und Konzessionen an Handelsgesellschaften, insbesondere die Companhia de Moçambique und die Companhia do Niassa, die von britischem Kapital dominiert wurden. Deren Einfluss wurde 1942 durch Nichterneuerung der Konzessionen beendet, im Zuge der zunehmenden Aufmerksamkeit des Salazar-Regime Portugals auf seine Überseebesitzungen. Die Bezeichnung dieser Kolonien ab 1951 als Überseeprovinzen, teils als Reaktion auf den zunehmenden internationalen Druck auf die Kolonialpolitik Portugals, war Teil weiterer Reformen auch in Mosambik, um die Verwaltungsgliederungen der Kolonien der des Mutterlandes weitmöglichst gleichzustellen. So wurden entsprechend der Verwaltungsgliederung Portugals Distrikte (Distritos) und darunter Kreise (Concelhos) eingerichtet.

Distrikte der portugiesischen Überseeprovinz Mosambik (Stand 1970[1])
Nr. Name Einwohnerzahl Größe in km² Hauptstadt
1 Lourenço Marques 799.358 26.358 Lourenço Marques
2 Gaza 753.347 75.709 João Belo
3 Inhambane 746.711 68.615 Inhambane
4 Beira
(1970 aus Distrikt Manica e Sofala hervorgegangen[2])
658.137 71.719 Beira
5 Vila Pery
(1970 aus Distrikt Manica e Sofala hervorgegangen)
367.417 50.876 Vila Pery
6 Tete
mit der 1970 angegliederten Circunscrição (Bezirk) Mungári
551.888 107.808 Tete
7 Zambezia 1.756.864 107.808 Quelimane
8 Moçambique
wurde 1974 in die Distrikte Nampula und Ilha aufgeteilt
1.735.206 105.008 Nampula
9 Cabo Delgado 567.478 82.625 Porto Amélia
10 Niassa 297.478 129.056 Vila Cabral

Die geographisch-administrative Gliederung aus der Endphase portugiesischen Kolonialperiode wurde nach der Unabhängigkeit 1975 im Wesentlichen beibehalten. So wurden die portugiesischen Distrikte zu Provinzen, aus den früheren Kreisen (Concelhos) und einfacheren Bezirken (Circunscrições) wurden Distrikte (Distritos), und die kolonialen Verwaltungsposten (Postos administrativos) wurden zu Ortschaften (Localidades), die unterste Stufe der Verwaltungsgliederung Mosambiks. Die Volksrepublik Mosambik und nach ihrem Ende 1990 die Republik Mosambik führten einige Änderungen in der Verwaltungsstruktur durch, etwa die Wiedereinführung der Verwaltungsposten (Postos Administrativos), denen die Ortschaften (Localidades) zugeordnet wurden. Auch auf Grund von Bevölkerungsverschiebungen und unterschiedlichen Entwicklungen im Land wurden Änderungen nötig. So wiesen einige Verwaltungsposten 2007 eine vielfach höhere Bevölkerung auf als ganze Provinzen.[3] Die letzte Änderung wurde im März 2013 durchgeführt, als die Zahl der Distrikte um 13 erhöht wurde, in dem elf vormalige Verwaltungsposten zu Distrikten erhoben und die beiden Distrikte Ilha de Moçambique und Quelimane wiederhergestellt wurden, nach ihrer Auflösung 1986.[4]

Seit 1998 wird parallel mit der Einrichtung von Kreisverwaltungen (Municípios) die Dezentralisierung der Verwaltungsstrukturen im Land zur Etablierung einer Kommunalen Selbstverwaltung betrieben. Nach den umstrittenen Wahlen zur Einführung 1998 fanden 2003 erstmals umfassende Kommunalwahlen in Mosambik statt, die seither alle fünf Jahre abgehalten werden. Auch aus den Kommunalwahlen 2013 ging die Regierungspartei FRELIMO zuletzt als deutliche Siegerin hervor.

Verwaltungsgliederung seit 1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Provinzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mosambik und seine Provinzen

Mosambik ist in elf Provinzen (Províncias) aufgeteilt, nach der Unabhängigkeit des Landes im Jahre 1975 die höchste Stufe der Verwaltungsgliederung des Landes. Sie entsprechen in etwa den NUTS-1-Regionen in Europa, in Deutschland beispielsweise sind dies die Bundesländer. Neben den zehn Flächenprovinzen hat auch die Hauptstadt Maputo Provinzstatus.

Lage Provinz Hauptstadt
Mozambique - Cabo Delgado.svg Cabo Delgado Pemba
Mozambique - Gaza.svg Gaza Xai-Xai
Mozambique - Gaza.svg Inhambane Inhambane
Mozambique - Manica.svg Manica Chimoio
Mozambique - Maputo, Province.svg Provinz Maputo Matola
Mozambique - Maputo, City.svg Maputo Maputo
Mozambique - Nampula.svg Nampula Nampula
Mozambique - Niassa.svg Niassa Lichinga
Mozambique - Sofala.svg Sofala Beira
Mozambique - Tete.svg Tete Tete
Mozambique - Zambezia.svg Zambezia Quelimane
Die Distriktverwaltung von Manhiça

Die Distrikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elf Provinzen sind in inzwischen 141 Distrikte (Distritos) untergliedert. Diese sind die zweite Stufe der Verwaltungsgliederung Mosambiks und entsprechen damit in etwa den europäischen NUTS-2-Regionen, beispielsweise den deutschen Regierungsbezirken.

Seit März 2012 sind die Kriterien für Distrikte konkretisiert worden. So sollte ein Distrikt eine Fläche zwischen 2.000 und 20.000 km² umfassen. Zudem sollte ein Distrikt in einer Provinz mit hoher Bevölkerungsdichte eine Einwohnerzahl von mindestens 100.000, in einer Provinz mit mittlerer Bevölkerungsdichte eine Einwohnerzahl von mindestens 40.000, und in einer Provinz mit geringer Bevölkerungsdichte eine Einwohnerzahl von mindestens 10.000 aufweisen.[5]

Die Verwaltungsposten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude des Posto administrativo von Kambulatsitsi, Distrikt Moatize

Die 141 Distrikte sind in insgesamt 415 Postos administrativos (Verwaltungsposten) aufgeteilt. Sie stellen die dritte Stufe der Verwaltung Mosambiks dar und sind in etwa den europäischen NUTS-3-Regionen vergleichbar, und damit z. B. den in Deutschland üblichen Landkreisen. Seit März 2012 sind auch die Kriterien für Verwaltungsposten konkretisiert worden. So sollte ein Posto administrativo eine Fläche zwischen 1000 und 5000 km² und eine Einwohnerzahl zwischen 2.000 und 50.000 umfassen.[5]

Am 18. Februar 2014 hat der Ministerrat der Regierung Mosambiks eine Gesetzesvorlage zur Einrichtung neuer Verwaltungsposten beschlossen, die dem Parlament vorgelegt werden soll. Details zu den neuen Postos administrativos wurden der Öffentlichkeit dabei noch nicht bekannt gegeben.[6]

Die Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der 415 Verwaltungsposten sind 1024 Ortschaften als Localidades (Ortschaften) angesiedelt. Die Localidades sind die unterste Stufe der staatlichen Verwaltungsgliederung Mosambiks und werden vom Gesetzgeber als Basis der administrativen Gliederung bezeichnet.[7] Sie entsprechen beispielsweise in Deutschland den Gemeinden.

Die Localidades umfassen die in ihrem Verwaltungsgebiet liegenden ländlichen Dörfer (Aldeias). Weisen sie erste Anzeichen einer Urbanisierung auf, so werden sie als Povoação geführt. Noch aus der Zeit portugiesischer Kolonialverwaltung stammen die Einordnungen größerer Povoações in Kleinstädte (Vilas) und Städte (Cidades). In Mosambik existieren 23 Cidades und 68 Vilas (Stand 2013). Diese Bezeichnungen fungieren nur als Titel und haben keine weitergehenden administrativen Kompetenzen als die einer einfachen Povoação. Bedeutung erlangen die Povoações, Vilas und Cidades nur im Rahmen der Kommunalen Selbstverwaltung (siehe Kapitel Kommunale Selbstverwaltung).

Seit März 2012 sind die Kriterien für Ortschaften konkretisiert worden. So sollte eine Localidade eine Fläche zwischen 500 und 2000 km² und eine Einwohnerzahl zwischen 1.000 und 10.000 umfassen. Eine einzelne Povoação innerhalb der Localidades umschließt zwischen 100 und 700 km² mit einer Einwohnerzahl zwischen 100 und 3000.[5]

Kommunale Selbstverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus in Maputo, Sitz des Municípios von Maputo

Mosambik strebt eine Dezentralisierung seiner Verwaltungsstrukturen an. Dazu wird die Kommunale Selbstverwaltung schrittweise ausgebaut. 1998 wurden die ersten 33 Kreise (Municípios) in den wichtigsten Städten eingerichtet. 2003 fanden die ersten Kommunalwahlen in Mosambik statt. Seither wurde die Zahl der Autarquias weiter erhöht. Nachdem 2007 zehn neue Kreise eingerichtet wurden, entstanden 2013 weitere zehn, so dass inzwischen 53 Kreise bestehen (Stand 2014).

Bei den Kommunalwahlen in Mosambik 2013 erlangte die FRELIMO in 50 Kreisen die Mehrheit, während die MDM die Kreise Beira, Nampula und Quelimane für sich entschied. Die RENAMO boykottierte die Wahl und verlor in der Folge alle ihre 100 Sitze in den verschiedenen Kreisen.[8]

Traditionelle Verwaltungsstrukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parallel zur staatlichen Verwaltungsgliederung haben sich im ländlichen Raum Mosambiks traditionelle, auf Ethnien und Stämmen basierende, lokale Verwaltungsstrukturen gehalten. Im Verlauf des portugiesischen Kolonialkriegs in Mosambik ab 1964 und insbesondere nach der Unabhängigkeit 1975 wertete die Unabhängigkeitsbewegung und spätere Regierungspartei FRELIMO die traditionellen Oberhäupter als überwiegend reaktionär und der Entwicklung einer modernen demokratischen Gesellschaft hinderlich, während die oppositionelle RENAMO ihre Nähe suchte. Die Skepsis der FRELIMO gegenüber den traditionellen lokalen Oberhäuptern, den Régulos, erklärt sich aus deren Rolle im Kolonialsystem der Portugiesen, wo sie häufig als Cabos-de-terra Aufgaben eines Vorarbeiters und in der Rekrutierung von Zwangsarbeitern innehatten.

Nach dem Mosambikanischen Bürgerkrieg (1977–1992) begann sich die Einstellung der FRELIMO-Regierung zu ändern. 1995 erklärte Präsident Joaquim Chissano, die traditionellen Autoritäten seien erwünscht. Nachdem bereits 1994 die traditionellen Autoritäten erste gesetzliche Anerkennung erfuhren, wurde 1997 mit dem Gesetz Nr. 2/97 ihr Einfluss auf die Politik in den Kommunen geregelt. So haben die staatlichen Institutionen die Möglichkeit, nicht aber die Pflicht, die traditionellen Autoritäten in anstehenden Entscheidungen zu konsultieren. Damit soll dem regional unterschiedlichen Einfluss der traditionellen Oberhäupter auf die Bevölkerung Rechnung getragen werden.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Kuder: Mocambique, eine geografische, soziale und wirtschaftliche Landeskunde, Wissenschaftliche Länderkunden, Band 10, Darmstadt 1975, S. 285
  2. Kuder: Mocambique, 1975, S, 288-289, Fußnote 3
  3. Arrikel vom 24. Januar 2007 auf der Website der Regierung Mosambiks, abgerufen am 9. Juni 2014
  4. Artikel vom 21. März 2013 auf der Website der Regierung Mosambiks, abgerufen am 8. Juni 2014
  5. a b c Artikel vom 21. März 2012 auf der Website der Regierung Mosambiks, abgerufen am 9. Juni 2014
  6. Pressemitteilung der Regierung Mosambiks (pdf-Abruf), abgerufen am 9. Juni 2014
  7. Gesetz Nr. 8/2003 zur staatlichen Verwaltungsgliederung, pdf-Abruf der Veröffentlichung im Gesetzblatt Mosambiks, Capítulo II, Artigo 14, 1., abgerufen am 8. Juni 2014
  8. Artikel vom 6. Dezember 2013 zum Ausgang der Kommunalwahl in Mosambik, angolanisches Nachrichtenportal www.portaldeangola.com, abgerufen am 8. Juni 2014
  9. Vitor Alexandre Lourenço, « Estado, Autoridades Tradicionais e Transição Democrática em Moçambique: Questões teóricas, dinâmicas sociais e estratégias políticas », Cadernos de Estudos Africanos, 16/17 | 2009, 115-138., pdf-Abruf der Untersuchung zum Verhältnis zwischen Staat und traditionellen Autoritäten im Demokratisierungsprozess Mosambiks, Website des Instituts für Afrikastudien (CEA) des ISCTE (Instituto Universitário de Lisboa), abgerufen am 8. Juni 2014