Vesperkirche

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Vesperkirche in der Evangelischen Stadtkirche Ravensburg, 2013 (im Seitenschiff im Bildhintergrund)

Unter dem Namen Vesperkirche führen mehr als 40 überwiegend evangelische Kirchengemeinden in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen soziale Projekte durch. Diese finden in den Wintermonaten statt, zugunsten von Armen und Bedürftigen. Kern des Angebots ist ein warmes Mittagessen, das zu einem eher symbolischen Preis angeboten wird. Die weiteren Angebote sind je nach Ort unterschiedlich; angeboten werden zum Beispiel Vesperpakete für die Nacht, medizinische Betreuung, kostenloser Frisör, Gespräche zur Krisenbewältigung, Berufsberatung, eine Spielecke für Kinder oder Konzerte und Vorträge.[1]

Der Begriff „Vesper“ bezieht sich dabei weniger auf mittelhochdeutsch Vesper, das mit der Abendzeit gleichgesetzt wird oder der Vesper, die in der Liturgie gebräuchlich ist. Sondern mehr auf den schwäbischen Begriff, der früher mit einer Zwischen- heute mit einer Hauptmahlzeit gleichgesetzt wird.[2][3]

Die Einrichtung von Vesperkirchen bringt zum Ausdruck, dass Kirchengemeinden Partei ergreifen für Menschen, die „am gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen können, weil ihnen das Geld dazu fehlt“. Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July befürwortet die Idee der Vesperkirche und sieht sie als wichtiges Signal in der Gegenwart, mahnt gleichzeitig politische Reformen zur Verbesserung der Lage der Bedürftigen an.[4]

Vesperkirche Stuttgart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Projekt dieser Art startete 1995 in der Stuttgarter Leonhardskirche. Die Idee zu diesem Projekt hatte Diakoniepfarrer Martin Friz. Die Vesperkirche Stuttgart wird jährlich von Januar bis März vom Stuttgarter Diakoniepfarramt und Hunderten Ehrenamtlichen aus verschiedenen Alters- und Berufsgruppen veranstaltet. Ihnen kommt es darauf an, dass die Hilfesuchenden nicht nur Essen erhalten, sondern als Menschen akzeptiert werden und Freunde finden können. Kamen am Anfang circa 70 Hilfsbedürftige pro Tag, sind es mittlerweile rund 600 (Stand: 2018).[5]

Finanziert wird die Vesperkirche durch private Spenden. Außerdem engagieren sich verschiedene Firmen und Einrichtungen durch kostenlose oder stark verbilligte Überlassung von Medikamenten, Backwaren oder Heißgetränken. Die Schwäbische Tafel Stuttgart beliefert die Vesperkirche billig mit Lebensmitteln. Die Gesamtkosten pro Saison in Stuttgart belaufen sich auf etwa 250.000 Euro (Stand: 2018).[6]

Im Jahre 2007 erhielt die Vesperkirche Stuttgart den Hans-Peter-Stihl-Preis und bringt eine eigene „Vesperkirchen-Zeitung“ heraus.[7]

In anderen Städten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Kirchengemeinden haben die Idee aufgegriffen, nehmen zum Teil nicht jedes Jahr teil:

Baden Württemberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bayern bekommt jede Gemeinde, die eine neue Vesperkirche gründet, 15.000 € als Startkapital von der Landeskirche.[15]

Rheinland-Pfalz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedersachsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Vesperkirche eröffnete in Hannover in der Lutherkirche am 03. September 2017[22]

Nordrhein-Westfalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnliche Konzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vesperkirche Ravensburg: Vepserkirche Angebote
  2. Die schwäbische Küche- Vesper und Zwischenmahlzeiten, abgerufen 28. Februar 2018.
  3. evangelisch.de: Vesper und Vesperkirche, abgerufen 28. Februar 2018.
  4. Landesbischof Frank Otfried July, zit. nach Idea Spektrum, Nr. 2 vom 11. Januar 2012, Art. Vesperkirchen werden immer beliebter. S. 33.
  5. Stuttgarter Zeitung, 1. März 2018: Das Zuhause auf Zeit schließt, abgerufen 4. März 2018.
  6. Veperkirche Stuttgart: Die Vesperkirche lebt von Spenden
  7. Vesperkirche Stuttgart: Vesperkirchen Zeitung
  8. Backnanger Kreiszeitung, 8. November 2017: Bei uns gibt es immer einen Nachschlag, abgerufen 27. Februar 2018
  9. Flyer der Evangelische Gesamtkirchengemeinde Heidenheim, PDF-Datei, abgerufen am 28. Februar 2016
  10. Mahlzeit – Kirche die mir schmeckt
  11. Südkurier, 3. März 2017: Vesperkirche: Eine warme Mahlzeit für 1,50 Euro, abgerufen 16. Januar 2018
  12. Staffelübergabe auf der Rheinbrücke, abgerufen am 5. Dezember 2011
  13. Schwäbische Zeitung, 6. April 2016: Beim Essen entstehen Gespräche wie von selbst, abgerufen 27. Februar 2018
  14. Badische Zeitung, 21. Februar 2018: Vesperkirche findet noch zwei Mal statt, abgerufen: 27. Februar 2018
  15. Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, 21. Februar 2018: 100.000 Euro für den Start neuer Vesperkirchen in Bayern, abgerufen: 4. März 2018
  16. MahlZeit, die Fünfte, abgerufen: 4. März 2018
  17. Vesperkirche Nürnberg
  18. Vesperkirche Schweinfurt
  19. Vesperkirche Würzburg
  20. faz.net, 15. Januar 2018: Immer mehr Vesperkirchen in Bayern, abgerufen 16. Januar 2018.
  21. KinderVesperKirche, abgerufen 23. Februar 2018
  22. Diakonisches Werk Hannover: „Vesperkirchenzeitung“ Vesperkirche – Gemeinsam zu Tisch, abgerufen 5. März 2018
  23. Vesperkirche Güterlsloh. Abgerufen am 16. Januar 2018.
  24. Westdeutsche Zeitung, 3. März 2018: Gotteshäuser werden zu VEsperkirchen, abgerufen 5. März 2018
  25. Vesperkirche Niederberg, abgerufen 8. März 2018
  26. Jubiläum – 15 Jahre Kirchenküche, abgerufen 4. März 2018.