Viöl

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum deutschen Physiker siehe Wolfgang Viöl.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Viöl
Viöl
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Viöl hervorgehoben
Koordinaten: 54° 34′ N, 9° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Viöl
Höhe: 22 m ü. NHN
Fläche: 18,95 km²
Einwohner: 2151 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 114 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25884
Vorwahl: 04843
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 144
Adresse der Amtsverwaltung: Westerende 41
25884 Viöl
Webpräsenz: www.vioel.de
Bürgermeister: Heinrich Jensen (CDU)
Lage der Gemeinde Viöl im Kreis Nordfriesland
Karte
Luftbild von Viöl

Viöl (dänisch: Fjolde, friesisch: Fjåål, plattdeutsch: Viööl) ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Die Gemeinde ist Verwaltungssitz des Amtes Viöl. Der ländliche Zentralort liegt etwa 14 km nordöstlich von Husum an der Bundesstraße 200 von Husum nach Flensburg. Viöl liegt nah der Arlau auf der Schleswigschen Geest.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde erstmals als Fjolde erwähnt, was hohes Feld bedeutet. Die Feldsteinkirche des Ortes wurde um 1100 auf dem Geestrücken als Wehrkirche errichtet. Heute ist jedoch nur noch das Portal original erhalten, der heutige Backsteinbau stammt größtenteils aus der Zeit um 1200, der Westturm wurde 1450 erbaut.

Im Jahr 1713 während des Großen Nordischen Krieges führte Zar Peter der Große seine Truppen persönlich und kam hierbei durch Viöl, wo er mit der Zarin im Pastorat nächtigte.

1750 wurde an der Arlau westlich der heutigen B200 eine Wassermühle errichtet. Die Windmühle, die bis 1951 im Betrieb war, stand seit 1870 an der 1842 erbauten Landstraße Husum-Flensburg. Sie wurde im September 2006 abgerissen, da das Gebäude baufällig war und nicht mehr genutzt werden konnte.

Bis um 1900 war der Ort von Heide und Wiesen umgeben, mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Husum nach Bredstedt und Flensburg wuchs er jedoch schnell. Aufgrund des zunehmenden motorisierten Individualverkehrs wurde die Strecke Husum-Flensburg 1959 stillgelegt.

Bei der Reichstagswahl 1933 hatte Viöl von allen Gemeinden im Deutschen Reich mit 93,1 Prozent das höchste Ergebnis für die NSDAP.[2]

Das Kirchspiel Viöl war Teil der Nordergoesharde, welche bis 1785 vom Amt Flensburg verwaltet wurde, danach vom Amt Bredtstedt. Nach der Gründung der preußischen Provinz Schleswig-Holstein 1866 wurde aus dem Gebiet des Kirchspiels Viöl eine Kirchspielslandgemeinde gebildet. Sie umfasste die sechzehn Dorfschaften Behrendorf, Bondelum, Boxlund, Brook, Eckstock, Haselund, Hoxtrup, Kragelund, Kollund, Löwenstedt, Norstedt, Ostenau, Pobüll, Sollwitt, Spinkebüll und Viöl. Am 1. April 1934 kam es zur Auflösung der Kirchspielslandgemeinde und ihre Dorfschaften, darunter auch Viöl, wurden zu Gemeinden.[3] Am 1. Dezember 1934 wurde Viöl mit den Nachbargemeinden Boxlund und Eckstock zu einer neuen Gemeinde Viöl zusammengeschlossen.[4]

In den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wuchs der Ort vor allem durch Zuzug von Heimatvertriebenen, und der Strukturwandel weg von der Landwirtschaft veränderte seinen Charakter.

Am 1. Juli 1976 wurden die damaligen Gemeinden Hochviöl und Hoxtrup eingegliedert.[5]

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 20. Jahrhundert wurde in Viöl und Umgebung noch eine abgesonderte Variante des südjütischen Dialektes gesprochen. Die letzte Sprecherin dieser Mundart, des Viöl-Dänischen, Viölsch oder Fjoldemål, starb 1937. Andere Formen des Südjütischen werden noch in Nordschleswig und in grenznahen Gemeinden zwischen Flensburg und Niebüll gesprochen.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Viöl gibt es eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. Ihre Kirche ist die St.-Christophorus-Kirche, auf deren Dachboden als Zufallsfund die Viöler Madonna entdeckt wurde. Diese steht nun im Stadtmuseum von Flensburg, in der Viöler Kirche steht eine Kopie. Die Kirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut, zunächst als Feldsteinkirche, wie Dr. Kurt Peter in der Kirchenchronik „St. Christophorus – Geschichte einer Kirche“, herausgegeben im Jahr 2002, nachweist.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung hatte die CDU seit der Kommunalwahl 2008 sieben, die SPD und die Wählergemeinschaft WGV hatten jeweils drei Sitze. Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2013 kam die CDU auf sieben, die SPD auf drei und die WGV auf vier Sitze. Durch ein Überhangmandat waren 14 Sitze zu vergeben.[6] Für die Wahlperiode 2013–2018 wurde Heinrich Jensen (CDU) zum Bürgermeister gewählt. Er folgte damit auf Hans Jes Hansen (CDU), der das Amt 31 Jahre innehatte.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Von Silber und Gold durch einen blauen Wellenbalken schräglinks geteilt. Oben ein rotes Prankenkreuz, unten sechs rote sechsstrahlige Sterne.“[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ländlicher Zentralort hat Viöl ein umfangreiches Angebot an Dienstleistungen und Einzelhandelsbetrieben. Dort befindet sich zum Beispiel eine Realschule mit Grund- und Hauptschulteil, die etwa 700 Schüler hat.

Die Feuerwehr Viöl bildet einen wichtigen Bestandteil der Feuerwehren im Amt Viöl. Neben den „normalen“ Aufgaben wird in Viöl auch die Grundausbildung der Feuerwehrangehörigen durchgeführt.[9] Es werden der Amtswehrführer, der stellvertretende Amtswehrführer, der Kreiswehrführer und ein Zugführer sowie der stellvertretende Bereitschaftsführer der Feuerwehrbereitschaft gestellt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Viöl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2014 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e. V.
  3. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein (Hrsg.): Die Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 1867 – 1970. Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel 1972, S. 251.
  4. Historisches Gemeindeverzeichnis Schleswig-Holstein: Anmerkungen zur Gemeinde Viöl (Fußnote). (Digitalisat ).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 183.
  6. Amt Viöl aktuell, Ausgabe 04-2013
  7. Wachwechsel nach 31 Jahren, Husumer Nachrichten vom 9. Juli 2013
  8. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  9. Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr Viöl