Via Claudia Augusta

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert die antike Römerstraße Via Claudia Augusta; der neuzeitlich Fahrradweg wird unter Via Claudia Augusta (Radweg) beschrieben.
Die Via Claudia Augusta im heutigen Forggensee bei niedrigem Wasserstand
Foto einer Inschrift an der Via Claudia Augusta Altinate, das zwischen 1935 und 1938 während der Ausgrabungen unter Leitung von Alessio De Bon im Auftrag des Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti entstand.
Auf deutsch übersetztes Replikat eines Miliariums an der Via Claudia Augusta bei Unterdießen
Beschilderung der Via Claudia Augusta in Bayern
Ausschnitt der wahrscheinlichsten Route der Via Claudia Augusta in Norditalien; bei Trient teilt sich der Weg in eine östlich und eine westliche Route

Die Via Claudia Augusta war eine der wichtigsten Römerstraßen, die den süddeutschen Raum mit Norditalien verbanden. Sie bot damit in der Antike eine Möglichkeit zur Alpenüberquerung.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutiges Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Kastell Submuntorium bei den Burghöfen, südlich von Mertingen, wo die Schmutter in die Donau mündet, war die Via Claudia Augusta mit der von Westen nach Osten verlaufenden römischen Donausüdstraße verbunden. Die Via Claudia Augusta folgte flussaufwärts dem Lauf des Lechs über die Hauptstadt der römischen Provinz Raetia, Augusta Vindelicorum (heute Augsburg), bis nach Füssen.

Heutiges Tirol und Südtirol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von dort aus zog sie durch das Außerfern über den Fernpass ein kurzes Stück entlang des Inn. Vom Unterengadin führt sie dann über den Reschenpass zur Etsch, um dieser bis Trient (Tridentum) zu folgen.

Heutiges Norditalien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Trient teilte sich die Straße. Der westliche Strang erreichte über Verona den Po bei Ostiglia (Hostilia), der östliche über Feltre die Adria bei Altino (Altinum).

Kreuzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein bedeutsamer Kreuzungspunkt dieser antiken Straße war Abodiacum, das heutige Epfach am Lechrain, wo die durch Rätien verlaufende Ost-West-Magistrale von Iuvavum (heute Salzburg) nach Brigantium (heute Bregenz) den Lech überquerte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiser Augustus ließ im Jahre 15 v. Chr. von seinen Stiefsöhnen Tiberius und Drusus die noch nicht eroberten Gebiete der Alpen und das nördliche Voralpengebiet zwischen Inn und dem Südschwarzwald im Rahmen der Augusteischen Alpenfeldzüge erobern.

Erschließung der Provinz Raetia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Erschließung der neuen, später Raetia genannten Provinz wurde bereits damals die Strecke von Feltria/Feltre über Tridentum (Trient) und den Reschenpass, das Oberinntal und den Fernpass bis zum Lech ausgebaut. Endgültig fertiggestellt, durchgängig für Fuhrwerke befahrbar, erneuert und bis zur Donau verlängert wurde die Straße unter Kaiser Claudius.

Die Via Claudia Augusta war in den ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderten die wichtigste Verbindung zwischen Adria und der Poebene und dem westlichen Voralpenraum. Von besonderer Bedeutung war die Straße für die römische Reichspost. Überwacht wurde sie wie üblich von den Benefiziariern, einer aus pensionierten Legionären gebildeten Verkehrspolizei, die für den Erhalt der Straße und für die Sicherheit ihrer Benutzer zu sorgen hatte. Im Lauf der Jahre entwickelte sich entlang der Straße eine lebhafte Infrastruktur: es entstanden Gasthäuser und Pferdewechselstationen (mansiones, mutationes), die im Laufe der Jahre zum Teil zu Städten anwuchsen.

Mit dem Ausbau der Via Raetia über den Brennerpass, Teriolae/Zirl, Partanum/Partenkirchen und Urusa/Raisting verlor die Via Claudia Augusta ab dem 2. Jahrhundert als Alpenübergang an Bedeutung, blieb jedoch über viele Jahrhunderte bis ins Mittelalter ein regional bedeutsamer Verkehrsweg. In der Tabula Peutingeriana, die den Stand von etwa 375 n. Chr. abbildet, ist sie allerdings nicht mehr verzeichnet, ebenso wenig auf der Romweg-Karte des Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1500. Im Jahr 1430 liefen weniger als zehn Prozent des Handelsverkehrs zwischen Augsburg und Venedig über die „obere Straße“.[1]

Meilensteine, Zollstationen und andere Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spuren der Via Claudia Augusta finden sich auch heute noch entlang fast ihrer gesamten Strecke.

Aus dem Jahr 46 n. Chr. stammt der berühmte Meilenstein des Kaiser Claudius,[2] der 1552 in Rabland (Partschins bei Meran) gefunden wurde. Es ist das älteste römische Schriftdenkmal im Alpenraum, das unmittelbar auf den Bau der Heeresstraße Bezug nimmt. Auf der Töll wird die Existenz einer Zollstätte belegt. Im Hochhuebenhofn in Partschins ist ein römischer Grabstein eingemauert.[3] Ein Offizier der Zollstation auf der Töll verewigte auf diese Art seinen erstgeborenen Sohn, der nur 21 Jahre und 11 Monate alt geworden war. Gegenüber dem Hof wurden römische Grabstätten und Münzen gefunden.

Trasse heute am Grund des Forggensees[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Osterreinen im Gemeindegebiet von Rieden am Forggensee beispielsweise verläuft die Trasse am Grund des 1954 aufgestauten Forggensees und wird während des winterlichen Abstaus wieder deutlich sichtbar. Während des Aufstauens im Frühjahr ist sie bei einer Stauhöhe von etwa 775 m über NN für kurze Zeit als im Wasser verlaufender Damm zu sehen.

Die "Prügelstraße" im Ehrwalder Becken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Römer bauten die Via Claudia Augusta bei Lermoos fast schnurgerade mitten durch das Moor, wobei tausende Baumstämme als Bohlen schwimmend im Moorboden verlegt und mit Schotter abgedeckt wurden.[4] Im Moor konservierte Reste dieser sogenannten „Prügelstraße“ wurden im 20. Jahrhundert im Ehrwalder Becken entdeckt.

Städte und Orte entlang der Strecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang der Fernstraße sind mehrere antike Brücken ganz oder teilweise erhalten:

  • Brücke von Susegana in Susegana (Venetien)
  • Brückenkopf in Algund in Südtirol (dendrochronologische Untersuchungen und Radiokarbonmessungen sprechen allerdings für eine Konstruktion aus dem 15. Jahrhundert)[5]

Zeugnisse der Römerzeit an der Via Claudia Augusta (Bildergalerie)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Revitalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein neuzeitliches Römerstandbild erinnert in Epfach an den alten römischen Verkehrs- und Handelsknoten mit dem Namen Abodiacum
Reste der antiken Strecke im oberen Inntal
Die revitalisierte Via Claudia Augusta wird gerne für Alpenüberquerungen mit dem Fahrrad genützt. Hier eine Informationstafel am Fernpass für historisch interessierte Wanderer und Radfahrer.
Der Inn-Übergang bei Altfinstermünz forderte auch schon in römischer Zeit besondere Aufmerksamkeit.
Funde von Karres an der Via Claudia Augusta, wie sie heute in der römischen Sammlung des Tiroler Landesmuseums in Innsbruck präsentiert werden
Römische Reste der Via Claudia Augusta im Archäologischen Museum von Trient

Mitte der 1990er Jahre wurde die Via Claudia in einer grenzüberschreitenden touristischen und kulturellen Zusammenarbeit wiederentdeckt und revitalisiert. Vor allem für kulturell und kulinarisch interessierte Touristen ist die Strecke gedacht, die manche als Fernwanderweg, andere auch mit dem Fahrrad bewältigen.

Fernradweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschen Teil ist die Route meist sehr gut beschildert, zwischen Augsburg und Füssen durchgehend mit neuer Beschilderung nach ADFC und FGSV, im Rahmen des INTERREG IIIb-Projektes umgesetzt. Auch im österreichischen Teil ist der Fernradweg größtenteils beschildert und dokumentiert. In Italien sind die Hinweisschilder für die Via Claudia seltener aufzufinden.

In allen Staaten fehlen teilweise die Schilder/Markierungen aufgrund von Vandalismus oder Bauarbeiten. Für Radfahrer verkehren über den Fernpass, auf den Reschenpass, zwischen Trento und der Valsugana, von Castelnuovo in der Valsugana ins Hochtal Tesino, über den Passo Croce D'Aune und auf den Praderadego-Pass Shuttlebusse mit Fahrrad-Transportmöglichkeit. Außerdem betreibt die Via Claudia Augusta einen Shuttle, der die Radfahrer mit ihrem Rad von Italien, entlang der Route, nach Deutschland retour-transportiert. Einstiegsstellen sind: Quarto D'Altino bei Venedig, Verona, Rovereto, Trento, San Michele all'Adige nahe Trento, Bozen und Meran. Wie man die Shuttle über die Pässe und den Shuttle von Italien nach Deutschland bucht, erfährt man auf der offiziellen Homepage www.viaclaudia.org des Projektes Via Claudia Augusta.

Mountainbike-Route[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Albrecht-Route, eine alpenüberquerende Mountainbike-Strecke, führt in sieben Tagen durch Hochgebirgsregionen von Garmisch-Partenkirchen nach Torbole an den Gardasee. Sie benutzt dabei ebenfalls einige revitalisierte Abschnitte der Via Claudia Augusta.

Hauptartikel: Albrecht-Route

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Bender: Römischer Straßen- und Reiseverkehr. In: Ludwig Wamser (Hrsg.): Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer. von Zabern, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2615-7 und ISBN 3-927806-24-2 (Landesausstellung Rosenheim 2000; Schriftenreihe der Archäologischen Staatssammlung 1), S. 255–263 (mit Foto des Schotterdamms der Via Claudia Augusta im Forggensee, S. 254; Luftbild der Straße im Schnee nördlich von Lechbruck, S. 257; Gleisstrecke bei Klais im Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit Steigungen von 10–12 Grad, S. 261).
  • Wolfgang Czysz: Via Claudia Augusta. In: ders. u. a.: Die Römer in Bayern. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1058-6, S. 528–532 (Karte S. 529).
  • Gerold Walser: Die römischen Straßen und Meilensteine in Raetien. Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart 1983 (Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands Nr. 29).
  • Rainer Loose (Hrsg.): Von der Via Claudia Augusta zum Oberen Weg. Leben an Etsch und Inn. Westtirol und angrenzende Räume von der Vorzeit bis heute. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2006, ISBN 978-3-7030-0421-6 (Schlern-Schriften 334).
  • Gerhard Winkler: Die römischen Straßen und Meilensteine in Noricum – Österreich. Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart 1985 (Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands Nr. 35).

Moderne Nutzung

  • Gianni Bodini: Via Claudia Augusta. Edition Longo, Bozen 2014, ISBN 978-88-909119-3-4.
  • Holger Nacken: Alpenradler: Auf der Via Claudia Augusta von Deutschland nach Italien, traveldiary Reiseliteraturverlag, 2016, ISBN 978-3-944365-85-5.
  • Christoph Tschaikner: Via Claudia Augusta Reiseführer für Auto, Camper, Bus, .... Verlag BoD, 2014, ISBN 9783735758101.
  • Christoph Tschaikner: Hikeline Fernwanderweg: Via Claudia Augusta. Esterbauer, Sommer 2010, ISBN 978-3-85000-510-4.
  • Christoph Tschaikner: Kompass Radtourenbuch Via Claudia Augusta – Radeln auf den Spuren der Römer. 2009, ISBN 978-3-85026-067-1.
  • Christoph Tschaikner: Kompass Radkarte Via Claudia Augusta – Radeln auf den Spuren der Römer. 2009, ISBN 978-3-85026-146-3.
  • Kay Wewior: Das Via Claudia Augusta RadReiseBuch. Verlag BoD, 2008, ISBN 978-3-8370-4543-7.
  • Bikeline Radtourenbuch: Via Claudia Augusta. Esterbauer, Februar 2005, ISBN 3-85000-131-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Via Claudia Augusta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Kluger: Die Fugger in Augsburg, S. 13 ISBN 978-3-939645-63-4. Leseprobe (PDF, 1 MB)
  2. Meilenstein des Kaiser Claudius
  3. römischer Grabstein
  4. Via Claudia Augusta - Routenbeschreibung Abschnitt "Tirol"
  5. Abteilung Denkmalpflege des Landes Südtirol (Hrsg.): Denkmalpflege in Südtirol 2008. Tappeiner, Bozen 2009, ISBN 978-88-7073-525-3, Kapitel Brücke, S. 152–153 (PDF-Datei).
  6. Martin Aschaber, Günter Guglberger, Karl Sporschill: Brücken in Tirol. Studienverlag, Innsbruck 2010, ISBN 978-3-7065-4957-8, S. 82.