Via Raetia

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Die römischen Provinzen und das Straßennetz ca. 200 n. Chr.
Provinz Raetia mit Via Raetia in Droysens Handatlas
Römerstraße bei Klais (Spurweite 107 cm)
Via Raetia auf der Romweg-Karte des Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1500

Via Raetia (auch Via Raetica) ist die neuzeitliche Bezeichnung für eine der wenigen Römerstraßen, die den süddeutschen Raum, damals die Provinz Raetia, mit Norditalien verband. Sie führte über den Brennerpass, das heutige Innsbruck, den Seefelder Sattel und Partenkirchen nach Augsburg und löste die Via Claudia Augusta als wichtigste Straßenverbindung über die Ostalpen ab. Ihr Ausbau begründete den Aufstieg des Brenners zum bis heute meistgenutzten Übergang der Ostalpen. Die Strecke ist sowohl im Itinerarium Antonini als Route 275[1] als auch in der Tabula Peutingeriana verzeichnet und eine der wenigen Pilgerrouten über die Alpen auf der Romweg-Karte des Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1500.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiser Septimius Severus ließ im 2. Jahrhundert n. Chr. die bestehenden Saumpfade durch Brückenbauten und Wasserregulierungen zur befestigten Straße ausbauen und verkürzte so die Verbindung von Verona nach Augsburg von über 500 auf ca. 430 km, was zwei bis drei Tagesreisen weniger entsprach. Die Straße machte den Brenner zu einem wichtigen Alpenübergang und bildete die Grundlage für die mittelalterliche, nach Norden verlängerte Reichsstraße Via Imperii.

Städte und Orte entlang der Strecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Streckenführung zwischen Partenkirchen und Augsburg ist umstritten. Die ältere Forschung ging von einer Streckenführung über Weilheim, vorbei am Ammersee und über Schöngeising aus. Die neuere Forschung geht allerdings von einer Führung entlang des Lechs aus, die eher der Ideallinie und den Quellenbefunden entspricht.[3][4]

Der touristische Radweg Via Raetica hat nichts mit dem Verlauf der historischen Brennerstraße zu tun.

Nutzung der Via Raetia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Luther nahm auf dem Rückweg von Rom im Winter 1511 die Via Raetia. Goethe wählte, von Karlsbad kommend, auf seiner Italienischen Reise 1786 den Weg über Mittenwald und Brenner.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lauren A. M. Hammersen: Via Raetia: A Roman Road in the Alps. In: The Ancient World, Bd. 40, 2 (2009), S. 164–185.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Via Raetia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gustav Parthey, Moritz Pinder (Hrsg.): Itinerarium Antonini Augusti et Hierosolymitanum. Berlin 1848, S. 131; Hans Bauer: Die römischen Fernstraßen zwischen Iller und Salzach nach dem Itinerarium Antonini und der Tabula Peutingeriana. Neue Forschungsergebnisse zu den Routenführungen. Utz, München 2007, ISBN 978-3-8316-0740-2, S. 14 (online bei Google Books)
  2. Wo Scarbia lag, ist nicht genau bestimmbar; die Entfernungsangaben in der Tabula Peutingeriana sprechen aber eher für den Bereich Mittenwald, z.B. das ehemalige Kloster Scharnitz.
  3. Hans Bauer: Die römischen Fernstrassen zwischen Iller und Salzach nach dem Itinerarium Antonini und der Tabula Peutingeriana. Neue Forschungsergebnisse zu den Routenführungen. München 2007, S. 52ff und 103. Und Konrad Miller: Iternaria Romana. Römische Reisewege anhand der Tabula Peutingeriana dargestellt. Stuttgart 1916.
  4. Routenskizzen von Hans Bauer, abgerufen am 18. Oktober 2016
  5. Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise, Kapitel 3 auf Projekt Gutenberg-DE