Via Raetia

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Die römischen Provinzen und das Straßennetz ca. 150 n. Chr.
Provinz Raetia mit Via Raetia in Droysens Handatlas
Römerstraße bei Klais (Spurweite 107 cm)
Via Raetia auf der Romweg-Karte des Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1500

Via Raetia (auch Via Raetica und via retica) ist sowohl die antike[1] als auch die neuzeitliche Bezeichnung für eine der wenigen Römerstraßen, die den süddeutschen Raum, damals die Provinz Raetia, mit Norditalien verband. Sie führte über den Brennerpass, das heutige Innsbruck, den Seefelder Sattel und Partenkirchen nach Augsburg und löste die Via Claudia Augusta als wichtigste Straßenverbindung über die Ostalpen ab. Ihr Ausbau begründete den Aufstieg des Brenners zum bis heute meistgenutzten Übergang der Ostalpen. Die Strecke ist sowohl im Itinerarium Antonini als Route 275[2] als auch in der Tabula Peutingeriana verzeichnet und eine der wenigen Pilgerrouten über die Alpen auf der Romweg-Karte des Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1500.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Route über den Seefelder Sattel und den Brenner war, unter anderem als eine der Bernsteinstraßen, schon in vorrömischer Zeit als Handelsweg von Bedeutung. Nach der Eroberung des Alpenvorlandes durch Drusus und Tiberius im Jahr 15 v. Chr. wurde über den Brenner (per Alpes Norias) ein Karrenweg angelegt bzw. weiterbenutzt.[3] Im Jahr 43 n. Chr. wurde ein aufwendiger, viereinhalb Meter breiter und 6 km langer Prügelweg mit Kiesauflage im südlichen Teil des Murnauer Mooses gebaut, für den 66.000 Knüppel, 3000 Tonnen Ton und Lehm sowie 5000 Tonnen Kies beschafft werden mussten. Dieser wurde dem Archäologen Werner Zanier zufolge für den von der Eroberung Britanniens über Mainz (Mogontiacum mit dem Drususstein seines Vaters) nach Rom zurückkehrenden römischen Kaiser Claudius angelegt.[4][5]

Kaiser Septimius Severus ließ im 2. Jahrhundert n. Chr. die bestehenden Wege durch Brückenbauten und Wasserregulierungen zur befestigten Straße ausbauen und verkürzte so die Verbindung von Verona nach Augsburg von über 500 auf ca. 430 km, was zwei bis drei Tagesreisen weniger entsprach. Die Straße machte den Brenner zu einem wichtigen Alpenübergang und bildete die Grundlage für die mittelalterliche, nach Norden verlängerte Reichsstraße Via Imperii.

Städte und Orte entlang der Strecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältere Forschung ging noch von einer Streckenführung über Weilheim, Raisting (Urusa?) vorbei am Ammersee und über Schöngeising aus.[10]

Der touristische Radweg Via Raetica hat nichts mit dem Verlauf der historischen Brennerstraße zu tun.

Nutzung der Via Raetia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Luther nahm auf dem Rückweg von Rom im Winter 1511 die Via Raetia. Goethe wählte, von Karlsbad kommend, auf seiner Italienischen Reise 1786 den Weg über Mittenwald und Brenner.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lauren A. M. Hammersen: Via Raetia: A Roman Road in the Alps. In: The Ancient World, Bd. 40, 2 (2009), S. 164–185.
  • Karlheinz Dietz, Martin Pietsch: Zwei neue römische Meilensteine aus Mittenwald, in: Mohr, Löwe, Raute 6 (1998), S. 41–57. (online)

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Wo Scarbia lag, ist nicht genau bestimmbar; die Entfernungsangaben in der Tabula Peutingeriana sprechen aber eher für den Bereich Mittenwald (das um 1120 selbst als Scernizwalt bezeichnet wurde), z. B. das ehemalige Kloster Scharnitz in Klais.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Via Raetia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Il Brennero vi figura come « il passaggio delle Alpi retiche »; nello stesso modo, cinque secoli più tardi, Zosimo chiamerà la via del Brennero « via retica ».", Carlo Battisti, L'Alto Adige nel passato e nel presente, Instituto di studi per L'Alto Adige, 1963, S. 1, Nachdruck in: Archivio per l'Alto Adige 1964, S. 1 (italienisch, Snippet-Ansicht auf Google Books).
  2. Gustav Parthey, Moritz Pinder (Hrsg.): Itinerarium Antonini Augusti et Hierosolymitanum. Berlin 1848, S. 131; Hans Bauer: Die römischen Fernstraßen zwischen Iller und Salzach nach dem Itinerarium Antonini und der Tabula Peutingeriana. Neue Forschungsergebnisse zu den Routenführungen. Utz, München 2007, ISBN 978-3-8316-0740-2, S. 14 (online bei Google Books)
  3. Rupert Breitwieser, Andreas Lippert: Passwege der keltischen und römischen Zeit in den Ostalpen. In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, 129 (1999), S. 127.
  4. Hans Kratzer: Riesiges Bauprojekt der Römer im Murnauer Moos entdeckt , Süddeutsche Zeitung vom 10. August 2018, abgerufen am 9. Mai 2019.
  5. Werner Zanier: Ausgrabung: Der römische Kaiser Claudius auf dem Holzweg? In: Akademie aktuell der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Nr. 65 (2/2018), Seiten 62–71 ISSN 1436-753X (PDF, 1,73 MB)
  6. Industrie und Natur, Schloßmuseum Murnau, abgerufen am 8. Mai 2019.
  7. Fundchronik, in: Germania Bd. 10 Nr. 2 (1926), S. 159 (PDF, 4 MB), DOI:10.11588/ger.1926.20798.
  8. a b Hans Bauer: Die römischen Fernstrassen zwischen Iller und Salzach nach dem Itinerarium Antonini und der Tabula Peutingeriana. Neue Forschungsergebnisse zu den Routenführungen. München 2007, S. 52ff und 103. Und Konrad Miller: Iternaria Romana. Römische Reisewege anhand der Tabula Peutingeriana dargestellt. Stuttgart 1916.
  9. a b Routenskizzen von Hans Bauer (Memento vom 25. Juli 2009 im Internet Archive)
  10. Paul Reinecke: Ein römischer Prügelweg im Eschenloher Moor, in: Germania Bd. 19 Nr. 1 (1935), S. 57–60 (PDF, 12,5 MB), DOI:10.11588/ger.1935.34789.
  11. Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise, Kapitel 3 auf Projekt Gutenberg-DE