Victoria (Gattung)

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Victoria
Victoria cruziana

Victoria cruziana

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Ordnung: Seerosenartige (Nymphaeales)
Familie: Seerosengewächse (Nymphaeaceae)
Unterfamilie: Nymphaeoideae
Gattung: Victoria
Wissenschaftlicher Name
Victoria
Lindl.

Victoria ist eine Pflanzengattung in der Familie der Seerosengewächse (Nymphaeaceae)[1], die aufgrund ihrer enormen Blattgröße im Deutschen auch Riesenseerosen[2] genannt werden. Die nur zwei Arten sind in Südamerika beheimatet.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kreisrunden Blätter schwimmen auf dem Wasser. Sie besitzen nadelstichfeine Poren (Stomatoden) und je zwei, einander gegenüber liegende Einkerbungen im hochgewölbten Rand, so dass Regenwasser rasch ablaufen kann.[3] Stabilität und Schwimmfähigkeit verdanken sie einem leistenförmigen Stützgewebe auf der Blattunterseite, das dem Adernetz folgt. Die Stützleisten enthalten große, lufterfüllte Interzellularen und sind mit Stacheln besetzt. Größere Stacheln können ebenfalls luftgefüllte Hohlräume besitzen, kleinere sind dagegen massiv.[3] Alle unter Wasser liegenden Pflanzenteile (Unterseite der Blätter, Stängel und die äußeren Tepalen der Blütenhüllen)[4] sind mit harten, spitzen Stacheln besetzt, die vermutlich vor Pflanzenfressern schützen sollen.[3]

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet können die Pflanzen das ganze Jahr über blühen.[5][6] Beide Arten der Gattung blühen ausschließlich in der Nacht[4] und beide Arten sind zur Thermogenese befähigt.[6] Die Anthese dauert nur etwa zwei Tage.[6] Die Bestäubung erfolgt durch Käfer, die in der ersten Nacht in die offenen Blüten krabbeln, am darauffolgenden Tag in der geschlossenen Blüte gefangen bleiben und erst in der zweiten Nacht wieder freigelassen werden.[5][6] Während die Blüten tagsüber geschlossen sind, wechseln sie durch die Bildung von Anthocyanen ihre Farbe von weiß in der ersten Nacht zu einem dunklen purpur-rot in der zweiten Nacht.[5]

Blattunterseite mit Stützrippen von Victoria cruziana

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Victoria gehört zur Unterfamilie Nymphaeoideae innerhalb der Familie der Nymphaeaceae, früher Euryalaceae.[1]

Die einzigen zwei Arten der Gattung Victoria Lindl. sind:[1]

  • Amazonas-Riesenseerose[2] (Victoria amazonica (Poepp.) J.C.Sowerby, Syn.: Euryale amazonica Poepp., Nymphaea victoria R.H.Schomb. ex Lindl. nom. inval., Victoria amazonica Planch. ex Casp., Victoria regia Lindl., Victoria regia var. randii hort. ex Conard nom. inval., Victoria regina R.H.Schomb.): Die Heimat ist das Einzugsgebiet des Amazonas in Südamerika. Es gibt Fundorte in Guyana, in den brasilianischen Bundesstaaten Acre, Amazonas, südlichen Mato Grosso, westlichen Mato Grosso do Sul, Para sowie Rondonia und in Bolivien (Beni, Pando, Santa Cruz).[1]
  • Santa-Cruz-Riesenseerose[2] (Victoria cruziana A.D.Orb., Syn.: Victoria argentina Burmeist. nom. nud., Victoria cruziana var. malmei F.Henkel et al., Victoria cruziana var. trickeri F.Henkel et al., Victoria regia var. cruziana (A.D.Orb.) C.Lawson, Victoria trickeri (F.Henkel ex Malme) hort. ex Mutzek): Die Heimat liegt im Flusssystem des Rio Paraná. Fundorte gibt es in Argentinien (Chaco, Corrientes, Entre Rios, Formosa, Santa Fe) und Paraguay[1].
Eine Hybride Victoria amazonica × Victoria cruziana

Die beiden Arten lassen sich miteinander kreuzen, was in botanischen Gärten stattfindet.

Botanische Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entdeckt wurde die Victoria vor 1816 von Thaddäus Haenke, dann 1832 von Eduard Friedrich Poeppig, einem in Plauen im Vogtland geborenen Botaniker. Ihren Namen erhielt sie erst fünf Jahre später, als Sir Robert Schomburgk im Auftrag der Königlich Geographischen Gesellschaft von London in Guayana die Seerose ein weiteres Mal entdeckte und sie – zu Ehren der britischen Königin Victoria (1819–1901) – Nymphaea victoria nannte. John Lindley beschrieb sie dann gültig als Victoria regia.[7][8]

Die Blätter tragen ein Gewicht von bis zu 60 Kilogramm.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Victoria im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 3. Januar 2014.
  2. a b c Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  3. a b c R. B. Kaul: Anatomical Observations on Floating Leaves. In: Aquatic Botany, Band 2, 1976, S. 215–234, (Digitalisat).
  4. a b K. A. Warner, P. J. Rudall & M. W. Frohlich: Differentiation of perianth organs in Nymphaeales. In: Taxon, Band 57, Nummer 4, 2008, S. 1096–1109, (Digitalisat)
  5. a b c G. T. Prance & J. R. Arias: A study of the Floral Biology of Viciaria amazonica (Poepp.) Sowerby (Nymphaeaceae). In: Acta Amazonica, Band 5, Nummer 2, 1975, S. 109–139, (Digitalisat).
  6. a b c d I. Lamprecht, E. Schmolz, L. Blanco & C. M. Romero: Energy metabolism of the thermogenic tropical water lily, Victoria cruziana. In: Thermochimica Acta, Band 394, 2002, S. 191–204, (Digitalisat).
  7. Nymphaeaceae Victoria Lindl.. In: Plant Name Details. International Plant Name Index. 2005. Abgerufen am 4. April 2009.
  8. Kit Knotts: Victoria's History. In: Victoria Adventure. Knotts. Abgerufen am 14. November 2012.
  9. George Ripley, Charles Anderson Dana: Leaf. In: The New American cyclopaedia: a popular dictionary of general knowledge, Band 10. Appleton, New York 1861, S. 992.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Victoria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien