Victoria Lady Welby

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Victoria Welby-Gregory)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Victoria Lady Welby

Victoria, Lady Welby-Gregory, geborene Victoria Alexandrina Maria Louisa Stuart-Wortley-Mackenzie (* 27. April 1837; † 29. März 1912), war eine englische Philosophin. Sie ist besonders für ihre Arbeiten zur Theorie der sprachlichen Bedeutung und für die Begründung der Signifik bekannt.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Welby war die Tochter des britischen Politikers Charles Stuart-Wortley, einem Sohn von James Stuart-Wortley, 1. Baron Wharncliffe, und dessen Frau Lady Emmeline Stuart-Wortley, einer Tochter von John Manners, 5. Duke of Rutland. Ihr Vater starb bereits 1844.[1] 1863 heiratete sie Sir William Earle Welby-Gregory, ebenfalls Politiker. Eine ihrer Töchter, Emmeline Mary Elizabeth Welby-Gregory, wurde die Gattin von Henry Cockayne-Cust.

Im Selbststudium brachte sich Welby, die nur eine geringfügige Ausbildung genossen hatte, die Grundlagen ihrer allgemeinen Bildung und Fachkenntnisse in Theologie und Philosophie bei und gewann schließlich Zugang zu den bedeutendsten philosophischen Zeitschriften Englands. Dort begann sie sprachphilosophische Arbeiten zu publizieren, die in ihr erstes sprachphilosophisches Buch, What Is Meaning? (1903), mündeten und die die Grundlage für weitere Untersuchungen zu den verschiedenen Gebrauchsweisen sprachlicher Ausdrücke und zum Thema der Sprecherintentionen in der sprachlichen Kommunikation legten. Ihre leitende Fragestellung und theoretische Ausarbeitungen fasste sie zu einem als sprachphilosophische Grundlagendisziplin verstandenes Theorieprojekt mit dem Namen "Signifik" zusammen. Damit ist sie neben Peirce eine der Gründergestalten des sprachphilosophischen Pragmatismus.

Die Rezension von What Is Meaning? durch Charles S. Peirce führte zu einem ausführlichen, vor allem Probleme der Peirceschen Semiotik behandelnden Briefwechsel. Die beiden Denker teilen nicht nur das Interesse an im weitesten Sinn sprachphilosophischen Themen, beide nahmen aus je verschiedenen Gründen eine marginale Position im philosophischen Diskurs der Zeit ein. Durch Welby wurde Peirces Werk auch in England bekannt und vermittelte etwa auch Charles K. Ogden die Bekanntschaft mit den Werken des amerikanischen Philosophen, die für Ogdens Buch The Meaning of Meaning ebenso von Bedeutung wurden wie die Schriften Welbys. Direkt auf Welbys Ansatz bezog sich auch die 1917 gegründete "Nederlandsche Signifische Beweging" ("Dutch Significs Group") von Frederik van Eeden, zu der u. a. auch Gerrit Mannoury und L. E. J. Brouwer gehörten.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • What Is Meaning? Studies in the Development of Significance. London 1903. (Reprint with an introductory essay by Gerrit Mannoury and a preface by Achim Eschbach. John Benjamins, Amsterdam [u. a.] 1983. [= Foundations of semiotics; 2.])
  • Significs and Language. The Articulate Form of Our Expressive and Interpretative Resources. London 1911. (Reprint edited by H. Walter Schmitz, John Benjamins, Amsterdam [u. a.] 1985. [= Foundations of semiotics; 5.])
  • Semiotic and Significs. The Correspondence between Charles S. Peirce and Victoria Lady Welby. Edited by Charles S. Hardwick und James Cook. Indiana Univ. Press, Bloomington (u. a.) 1977.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Susan Petrilli: Signifying and Understanding. Reading the Work of Victoria Welby and the Signific Movement. de Gruyter Mouton, Berlin 2009. (= Semiotics, Communication and Cognition; 2.) (enthält zahlreiche Nachdrucke von Aufsätzen und Erstpublikationen von Archivmaterial)
  • H. Walter Schmitz: Victoria Lady Welby's Significs: the Origin of the Signific Movement. In: Welby (1985), S. ix–ccxxxv.
  • H. Walter Schmitz (ed.): Essays on Significs. Papers presented on the occasion of the 150th anniversary of the birth of Victoria Lady Welby (1837 - 1912). John Benjamins, Amsterdam (u. a.) 1990. (= Foundations of semiotics; 23.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cracroft's Peerage: Wharncliffe, Baron (UK, 1826). Abgerufen am 18. September 2014.