Vier Pfoten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Vier Pfoten
Logo
Rechtsform gemeinnützige Privatstiftung
Gründung 1988, Wien
Gründer Helmut Dungler
Sitz Wien, Österreich (Koordinaten: 48° 11′ 4,2″ N, 16° 19′ 58″ O)
Personen Helmut Dungler (Präsident), Josef Pfabigan (Geschäftsführer)
Aktionsraum weltweit
ZVR-Zahl FN 184126 z
Schwerpunkt Tierschutz für Wild-, Haus- und Nutztiere
Methode Direkthilfe, Kriseneinsatz, Lobbyismus, Öffentlichkeitsarbeit, Richtlinienentwicklung
Budget 10.786.648,65 € (2017)
Angestellte weltweit rund 500 Mitarbeiter (ca. 110 Mitarbeiter in Österreich)
Motto Mehr Menschlichkeit für Tiere
Website vier-pfoten.at

Vier Pfoten (Eigenschreibweise: VIER PFOTEN) ist eine international tätige, österreichische Tierrechts- und Tierschutzorganisation mit dem Anspruch, über Kampagnen und Projekte Tieren zu helfen. Sie finanziert sich überwiegend aus Spenden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation wurde am 4. März 1988 von Helmut Dungler in Wien als eingetragener Verein gegründet.[1] 1994 wurde durch die Gründung des deutschen Büros aus der österreichischen Tierschutzorganisation eine international tätige Organisation. Im Jahr 2000 wurde das Büro in der Schweiz eröffnet.[2] Im Jahr 2002 nahm der Bundestag den Tierschutz in das deutsche Grundgesetz auf.[3] Am 1. Jänner 2005 trat mit dem Bundestierschutzgesetz das Verbot der Pelztierhaltung sowie der Käfighaltung von Legehennen in Kraft.[4] Zwischen 2016 und 2018 folgten Rettungsaktionen für Zootiere in Krisengebieten, wie etwa in Gaza[5], Mossul[6] und Aleppo[7]. Im April 2018 organisierte man den 1. Internationalen Tierschutzgipfel (International Animal Welfare Summit, kurz IAWS) als eine offene Plattform für Fakten und Informationen, Meinungen, Ideen und Visionen zum Thema Tierschutz.[8] Im Oktober 2018 wurde Helmut Dungler, Gründer und Stiftungspräsident von Vier Pfoten, vom Fundraising Verband Austria zum Fundraiser des Jahres gekürt.[9]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel von Vier Pfoten ist es, die Öffentlichkeit zu informieren und langfristige, gesetzlich verankerte Verbesserungen für Nutztiere, Versuchstiere und Wildtiere zu erreichen. Im Nutztierbereich setzt sich die Organisation für die artgemäße, am Wohlbefinden der Tiere ausgerichtete Haltung ein. Dazu gehört u. a. ein Verbot der Pelztierhaltung in Europa sowie ein Verbot der privaten Haltung von Wildtieren.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vier Pfoten ist in Österreich in folgende Arbeitsbereiche unterteilt: Country Director, Spenderbetreuung und Fundraising, Finanzen und Verwaltung sowie Projekte, Kampagnen und Aufklärungsarbeit zu Wild-, Nutz- & Heimtieren und Tiernothilfe im Katastrophenfall. Darüber hinaus ist die Organisation eingeteilt in: Leitungsteam International, Vorstand International, Vorstand Österreich, Europa Büro und Beirat Die inhaltliche Arbeit von Vier Pfoten ist in Kompetenzbereiche aufgeteilt. Diese arbeiten länderübergreifend und sind fachlich für alle internationalen und nationalen Tätigkeiten der Vier Pfoten Organisation zuständig.[10] Die Organisation umfasst neben der Dachorganisation in Wien Länderbüros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, Vereinigte Staaten und Vietnam. In allen Ländern wurde der Verein inzwischen in eine Stiftung umgewandelt.

Themenschwerpunkte & Projekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bären[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation unterstützt ein Verbot der Privathaltung von Bären mit dem Ziel, die nicht artgemäße Haltung von Bären weltweit zu beenden. Darüber hinaus setzt man sich für die Beendigung der Gewinnung von Bärengalle sowie für einen besseren gesetzlichen Schutz von Bären ein.[11]

Vier Pfoten betreibt fünf Bärenschutzzentren in Europa und eines in Asien. Die Zentren sind so gestaltet, dass die Bären Gelegenheit haben, sich zurückzuziehen, um den Parkbesuchern und auch einander aus dem Weg zu gehen. Das erste Projekt für Bären war der Bärenwald Arbesbach in Niederösterreich, der 1998 eröffnet wurde. Dort leben heute auf 14.000 Quadratmetern sieben Braunbären. Auch Mabu, Österreichs letzter Tanzbär, wurde in Arbesbach untergebracht.[12]

In Deutschland leben im 2007 gegründeten Bärenwald Müritz [13] bei Stuer im Jahr 2018 insgesamt 16 Braunbären auf 16 Hektar Platz.[14] Einer der bekanntesten Bewohner war Braunbärin Hanna aus dem Zoo Wolgast, die lange für Hannes, also ein Männchen gehalten wurde.[15][16]

Ein weiteres Projekt ist der Tanzbärenpark Belitsa in Bulgarien, der im Jahr 2000 von Vier Pfoten gemeinsam mit der Brigitte-Bardot-Stiftung eröffnet und 2004 erweitert wurde. Die letzten drei Braunbären konnten 2007 in den Bärenpark übersiedeln. Mit der Übernahme aller bulgarischen Tanzbären und nach Gesprächen mit der bulgarischen Regierung gelang es Vier Pfoten die Tanzbärenhaltung in Bulgarien zu beenden.

In Arosa wurde von 2015 bis 2018 gemeinsam mit lokalen Leistungsträgern das Arosa Bärenland, das erste Bärenschutzzentrum der Schweiz, realisiert. Das Arosa Bärenland ist das höchstgelegene Bärenschutzzentrum in Europa und dient neben tierschützerischen auch touristischen Zwecken.[17]

Großkatzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der Organisation ist das Verbot nicht artgerechter Haltung von Großkatzen, Betrieb von Schutzzentren.[18] Vier Pfoten betreibt drei Großkatzen-Projekte. Das Lionsrock Großkatzenrefugium in Bethlehem (Südafrika) wurde 2008 eröffnet und bietet für Großkatzen aus Zoo, Zirkus und schlechter Privathaltung ein artgemäßes Zuhause. Auf einer Fläche von über zwölf Quadratkilometer dürfen Wildtiere weder gezüchtet oder gejagt werden. Der Park umfasst eine Gesamtfläche von 1250 Hektar. Die Gehege für Großkatzen nehmen eine Fläche von 56 Hektar ein.[19]

Die Felida Großkatzen Rettungsstation in Nijeberkoop, Niederlande wurde 2013 von Vier Pfoten übernommen und bietet eine Rehabilitation für nicht transportfähige Großkatzen aus ehemaliger Zoo- und Zirkushaltung.[20]

Die Vier Pfoten Großkatzenstation Tierart in Maßweiler, Deutschland wurde im August 2015 eröffnet und bietet auf einer Gesamtfläche von 14 Hektar Schutz für Großkatzen, die unter mangelhaften Bedingungen in Zoos, Zirkussen oder in privater Gefangenschaft gehalten wurden. Seit 2016 ist der Verein Teil einer gemeinnützigen Gesellschaft mit Vier Pfoten.[21]

Weitere Themenschwerpunkte umfassen:

  • Heimtiere: Kastrationsprogramme und medizinische Versorgung, Beratung zur artgerechten Haltung[22]
  • Nutztiere: Diverse internationale Kampagnen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen[23]
  • Orang-Utans: Seit 2017 kooperiert Vier Pfoten mit der indonesischen Nichtregierungsorganisation "Jejak Pulang" um verwaiste Orang-Utans auf Borneo aufzuziehen und wieder auszuwildern.[24]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine kritische Stellungnahme zu Vier Pfoten findet sich in einem im Mai 2008 von Stefan Loipfinger veröffentlichten Artikel Aggressive Tierschutzwerbung – Zu wenig Geld für Projekte von Vier Pfoten. Loipfinger schreibt darin, dass die Stiftung mit "unwürdigen Fotos von Bären" aggressiv und in einem enormen Umfang um Spenden werbe. So seien 2006 alleine für diese Kampagne 1,36 Millionen Euro aufgewendet worden, was ungefähr 20 % des Spendenaufkommens dieses Jahres darstelle. Ebenso kritisierte Loipfinger, dass der Jahresbericht trotz der Eigenbezeichnung als "transparent" durch Vier Pfoten "viel zu allgemein gehalten" sei. In seinem Fazit kommt er zu der Empfehlung, dass der deutsche Spendenrat überprüfen solle, ob "die Tierfotos in den Bettelbriefen gegen die allgemein formulierte Selbstverpflichtung verstoßen, die guten Sitten und anständigen Gepflogenheiten bei der Werbung einzuhalten".[25]

Im März 2010 kritisierte Alex Reichmuth in einem Artikel der Schweizer Weltwoche Vier Pfoten: Ehemalige Mitarbeiter warfen der Schweizer Sektion der Organisation Ineffizienz und Intransparenz vor, so würden fachlich wenig kompetente Mitarbeiter eingestellt, während "Helmut Dungler und seine Entourage mit dem Führen der Organisation überfordert" seien. Weiters würde ein großer Teil der Spendengelder für ihrer Meinung nach ineffiziente Kampagnen verwendet, anstatt in nachhaltigen Tierschutz investiert zu werden. Ebenso würden andere Tierschutzorganisationen Vier Pfoten kritisch beurteilen. Unter anderem würde in Frage gestellt, ob die Organisation mit ihren Methoden den Tieren nachhaltig nützen könne. Bei der Organisation stehe «das Spektakel vor der Sache».[26] Die Organisation wies diese Vorwürfe unter Androhung rechtlicher Schritte zurück.[26][27]

In Deutschland untersuchte die Stiftung Warentest im November 2013 zahlreiche Organisationen aus den Bereichen Tier- und Naturschutz. Vier Pfoten Deutschland wurde dabei als unwirtschaftliche Organisation eingestuft. „Nicht einmal die Hälfte der Ausgaben floss laut Geschäftsbericht 2012 in Projekte und Kampagnen“ der Organisation.[28] Dem widersprach Vier Pfoten Deutschland in einer Pressemitteilung und gab an, dass mehr als 65 Prozent der Ausgaben für den Satzungszweck aufgewendet würden und damit das Kriterium der Wirtschaftlichkeit erfüllt sei.[29]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vereinsgeschichte
  2. 30 Jahre Vier Pfoten
  3. Ein Jahr "Tierschutz im Grundgesetz" Verbandsklage muss folgen
  4. Österreich – eine Tierschutz-Erfolgsgeschichte?
  5. Gazastreifen: Flucht aus „Friedhof der Kuscheltiere“
  6. Letzte überlebende Tiere des Zoos von Mossul verlassen den Irak
  7. Amir Khalil rettet Tiere Aleppos zerstörtem Zoo
  8. VIER PFOTEN: 30 Jahre im Einsatz für Tiere
  9. Heli Dungler ist Fundraiser des Jahres
  10. Vereinsstruktur und Organisation
  11. Das schlimme Schicksal der traurigsten Bären Vietnams
  12. News-Bericht über den Bärenwald Arbesbach
  13. Josefine von Zastrow: Der Bärenwald Müritz wird „Brunos“ neues Zuhause In: Lübecker Nachrichten vom 18. Mai 2011, S. 11
  14. Thomas Hahn: Problembären. In: sueddeutsche.de. 19. August 2016, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  15. WELT: Bärenwald Müritz verliert Bärin Hanna. In: DIE WELT. 9. Mai 2018 (welt.de [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  16. Berlin: Nach 22 Jahren erfuhr Bär Hannes, dass er eine Hanna ist. In: bild.de. (bild.de [abgerufen am 11. Mai 2018]).
  17. Arosa Bärenland. In: http://www.vier-pfoten.ch/. Abgerufen am 4. November 2018.
  18. Schutz für Grosskatzen
  19. Lionsrock
  20. VIER PFOTEN bringt Löwen aus niederländischer Rettungsstation nach LIONSROCK
  21. Großkatzenstation TIERART
  22. Gute Nachrichten: VIER PFOTEN-Team kastriert mehr als 12.000 Streunertiere weltweit
  23. Vier Pfoten bringt Gütesiegel "Tierschutz-kontrolliert" in den Handel
  24. Vier Pfoten Orang-Utan Waldschule auf Borneo eröffnet
  25. Stefan Loipfinger: Aggressive Tierschutzwerbung - Zu wenig Geld für Projekte von Vier Pfoten auf charity-watch.de (Archivversion)
  26. a b Alex Reichmuth: Pfoten auf Abwegen. In: Die Weltwoche Ausgabe 12/10 vom 24. März 2010; http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2010-12/artikel-2010-12-pfoten-auf-abwegen.html (Memento vom 27. März 2010 im Internet Archive)
  27. Vier Pfoten weist Kritik energisch zurück
  28. Spendenorganisationen im Test der Stiftung Warentest In: test 12/2013, S. 11 und test.de vom 26. November 2013.
  29. Pressemitteilung von Vier Pfoten vom 30. November 2013