Vierländer Bahn

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Vierländer Bahn
Bahnhof Hamburg-Bergedorf Süd
Bahnhof Hamburg-Bergedorf Süd
Streckennummer (DB): 9124
Kursbuchstrecke (DB): ehem. 110d
Streckenlänge: 10,842 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Betriebsstellen und Strecken[1]
   
0,000 Bergedorf Nord
   
von Hamburg-Bergedorf Gbf
Bahnübergang
0,799 Weidenbaumsweg
Brücke über Wasserlauf (groß)
1,079 Schleusengraben
Bahnübergang
1,309 Vierlandenstraße
Bahnübergang
1,490 Neuer Weg
Bahnhof ohne Personenverkehr
1,570
0,000
Hamburg-Bergedorf Süd
   
0,839 Strecke nach Geesthacht
   
A 25
   
1,732 Achterschlag
   
1,788 Pollhof
   
4,372 Curslacker Deich
   
4,532 Curslack-Neuengamme
   
4,750 Dove Elbe, Odemannbrücke
   
4,788 Neuengammer Hausdeich
   
5,790 Anst KZ Neuengamme
   
6,003 Neuengammer Sammelgraben
   
6,955 Neuengammer Hinterdeich
   
6,972 Hst Achterdiek
   
7,072 Gose Elbe, Achterdiekbrücke
   
7,240 Kirchwerder Hausdeich
   
7,512 Norderquerweg
   
7,602 Kirchwerder Nord
   
8,003 Kirchwerder Sammelgraben
   
8,430 Fersenweg
   
9,038 Kirchwerder Sammelgraben
   
9,428 ehem. Strecken von Billbrook/Geesthacht
   
9,978 Zollenspieker Querweg
   
10,020 Süderquerweg
   
10,704 Zollenspieker
   
10,842

Als Vierländer Bahn wird die Strecke zwischen den Hamburger Bahnhöfen Bergedorf Süd und Zollenspieker bezeichnet. Zollenspieker liegt in den Vierlanden im Stadtteil Kirchwerder. Der Bau der Strecke begann am 25. März 1911 durch die Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn (BGE)[2]

Streckenführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Bahnhof Bergedorf Süd mit drei Güterverladegleisen verlief die Strecke eingleisig in östlicher Richtung bis nahe der Straße Pollhof, wo sie in einem annähernden Viertelkreisbogen in südliche Richtung, zunächst zum Bahnhof Pollhof führte. Dieser hatte neben dem Durchfahrtsgleis ein zunächst einseitig angeschlossenes Ladegleis, das später verlängert und an beiden Enden mit der Hauptstrecke verbunden wurde.[3] Die weitere Trassenführung ging über elf Kilometer größtenteils geradlinig südwärts mit einem Versatz von etwa drei Kilometern nach Westen bis Zollenspieker. Die dazwischen liegenden Stationen mit Bahnhofsgebäuden waren Curslack-Neuengamme und Kirchwerder-Nord. Zwischen dem Neuengammer Hinterdeich und der Achterdiekbrücke befand sich eine Haltestelle "Achterdiek" [4]

Abzweig der Marschbahn bei Teufelsort, links von Billbrook, rechts von Geesthacht, in der Mitte die Vierländer Bahn von Bergedorf. Der mittlere Strang läuft rückwärtig weiter nach Zollenspieker (2014).

Auf halber Strecke zweigte bei der Straße Feldstegel ein Gleis südöstlich zum Gelände des KZ Neuengamme ab. Am damaligen Zollenspieker Querweg (zwischen Fersenweg und Süderquerweg) liefen von Billbrook im Osten und Geesthacht im Westen kommend mit je einer Kurve südwärts die Gleise der Hamburger Marschbahn in die Trasse der Vierländer Bahn hinein. Hier befand sich in den 1930er Jahren die viergleisige Bahnhofsanlage Zollenspieker Querweg mit einem Stellwerk anstelle eines eigentlichen Bahnhofsgebäudes.[3] Auf den letzten 900 Metern verlief die Strecke zweigleisig bis zum Endbahnhof Zollenspieker.

Der Bahnhof Zollenspieker hatte neben drei Gleisen für Güterverlade- und Abstellzwecke weitere drei Parallelgleise, die am Ende mit Weichen zu einem Spitzkehrengleis zusammengeführt wurden. Großenteils diente der Bahnhof dem Umsetzen der Lokomotiven an die jeweils anderen Zugenden zum Zweck des Fahrtrichtungswechsels, der Umfang der Güteranlagen deutete nicht auf einen großen Güterumsatz hin.[5]

Die im Streckenverlauf zwischenliegenden Dove Elbe und Gose Elbe sowie mehrere Entwässerungssiele wurden mit Brücken überquert.

Betriebsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1912 eröffnete Strecke hatte 1913/1914 die Kursbuchnummer "51c" gemeinsam mit der BGE-Strecke nach Geesthacht, 1936 "93f" und zuletzt "110d".[2] Die Betriebsführung lag bei der BGE, die in den 1920er Jahren auch die Infrastruktur übernahm. 1942 baute sie in Neuengamme einen Abzweig mit Gleisanschluss zum Gelände des KZ Neuengamme. Teils wollte man die Häftlinge reibungslos und unauffällig transportieren, teils die von den Gefangenen in Zwangsarbeit produzierten Güter günstig und schnell transportieren. Es gab sowohl im KZ ansässige Hersteller als auch auswärtige Firmen, deren Niederlassung im KZ in ihren anderweitigen Produktionsablauf eingebunden war. Bekannt ist ein regelmäßiger Verkehr zur Veddel, für den die Hamburger Marschbahn Richtung Westen befahren wurde.

Der Personenverkehr wurde am 16. Mai 1953 eingestellt, der Güterverkehr zwischen Pollhof und Zollenspieker zum 27. Mai 1961.

1978 wurde das letzte Gleis zwischen dem Anschluss an die Strecke Bergedorf Süd–Geesthacht und dem Pollhof abgebaut. Der ehemalige Bahndamm dient heute als Radwanderweg.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Meyer: 100 Jahre Eisenbahn zwischen Bergedorf und Geesthacht. Von der BGE zur AKN-Güterbahn. Lokrundschau, Gülzow 2006, ISBN 3-931647-21-8
  • Jürgen Opravil: Die Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn. Kurt Viebranz, Schwarzenbek 1978, ISBN 3-921595-01-0
  • Rolf Wobbe: Chronik der Vierländer Eisenbahn. Walter Flügge, Geesthacht 1984, ISBN 3-923952-03-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vierländer Bahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahnatlas Deutschland 2007/2008. 6. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2007, ISBN 978-3-89494-136-9.
  2. a b Gleismannsbahnhof, Stillgelegt: Die Bahnstrecke Bergedorf – Zollenspieker (Memento vom 5. Dezember 2012 im Internet Archive) private Webseite
  3. a b Die Vierländer Eisenbahn Bergedorf - Zollenspieker
  4. Topografischen Karte „Bergedorf, 1:25.000, Geographical Section, General Staff No. 4414, Published by War Office,1944. Third Edition, 1951.“ (Memento vom 13. August 2014 im Internet Archive)
  5. Modellbahnforum: Der ehemalige Bahnhof Zollenspieker bei Hamburg, mit Gleisplan (Memento vom 11. August 2014 im Internet Archive) (private Seite)