Vierschanzentournee

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Logo der Vierschanzentournee

In der Vierschanzentournee sind vier Skisprung-Weltcupveranstaltungen zusammengefasst, die seit 1953 jährlich um den Jahreswechsel in Deutschland und Österreich stattfinden. Die Tournee gilt neben den Olympischen Spielen, den Nordischen Skiweltmeisterschaften und dem Skisprung-Weltcup als der prestigeträchtigste Wettbewerb des Skispringens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Idee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vierschanzentournee (Österreich)
Deutschland Oberstdorf  
DeutschlandDeutschland

Oberstdorf
 
  Bischofshofen Osterreich
 
Bischofshofen

OsterreichÖsterreich
Austragungsorte Vierschanzentournee

Vorläufer der Vierschanzentournee ist das seit 1921/22 im heutigen Garmisch-Partenkirchen durchgeführte Neujahrsspringen - der erste Sieger sprang dabei 76 Meter weit. Die Idee zu einem Springen auf vier verschiedenen Schanzen an mehreren kurz hintereinander liegenden Tagen wurde im Jahr 1949 von Mitgliedern der Skiclubs Partenkirchen und Innsbruck entwickelt. Da nach dem Zweiten Weltkrieg noch keine Teilnahme ausländischer Springer in Deutschland und deutscher Springer im Ausland möglich war, musste die Umsetzung der Idee zu einer solchen Tournee jedoch bis ins Jahr 1952 verschoben werden, wobei nur deutsche und österreichische Austragungsorte einbezogen werden konnten.

Am 17. Mai 1952 wurde anlässlich eines Nachtspringens auf der Seegrube oberhalb Innsbrucks die „Deutsch-Österreichische Springertournee“ begründet; Gründungsväter waren Toni Glos, Emmerich Pepeunig (Innsbruck), Beppi Hartl, Franz Rappenglück (Partenkirchen), Andi Mischitz, Fred Triebner (Bischofshofen) sowie Alfons Huber und Xaver Kaiser (Oberstdorf).[1]

Die drei Stationen Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen standen von Anfang an als Austragungsorte fest. Um eine Parität zwischen Deutschland und Österreich zu erreichen, wurde ein zweiter deutscher Austragungsort gewünscht. Der SC Partenkirchen (SCP) wurde daher von den Tournee-Organisationen beauftragt, einen solchen zu finden. Zunächst wurden Berchtesgaden, Füssen und Oberammergau in Betracht gezogen. Diese Städte bzw. Orte hatten bereits Erfahrungen mit der Austragung von Skisprungwettbewerben auf den schon vorhandenen Skisprungschanzen. Das bedeutete, dass dort keine neuen Schanzen nötig wurden und der SCP nicht für die Organisation zuständig gewesen wäre. Andererseits gab es auch große Überschneidungen des Einzugsgebiets der Zuschauer mit dem von Partenkirchen und der SCP befürchtete daher Einnahmeverluste. Deshalb entschied man sich für Oberstdorf als zweiten deutschen Standort.

Die offizielle Gründung der „Deutsch-Österreichischen Springertournee“ (kurz: die Tournee) erfolgte am 14. Dezember 1952 im Posthotel in Partenkirchen.

1950er-Jahre: Die Ersten Tourneen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Tournee ist die Einzige, die innerhalb eines Kalenderjahres ausgetragen wurde. Sie startete am 1. Januar 1953 mit dem Neujahrsspringen in Partenkirchen. 20.000 Zuschauer kamen zum ersten Springen, bei dem insgesamt 50 Springer an den Start gingen: außer vielen Deutschen und Österreichern auch vier Springer aus Jugoslawien, vier aus Schweden, drei aus Norwegen und drei aus der Schweiz.

Sieger des Neujahrsspringens war Asgeir Dølplads aus Norwegen mit Sprüngen von 78,5 und 80 Meter. Am 4. Januar fand dann das zweite Springen in Oberstdorf statt, das von Erling Kroken aus Norwegen gewonnen wurde, bevor es dann am 6. Januar zum Dreikönigsspringen nach Innsbruck ging, wo der Österreicher Sepp Bradl siegte. Das letzte Springen der Tournee 1953 wurde am 11. Januar in Bischofshofen ausgetragen. Mit Halvor Næs siegte erneut ein Norweger. Gesamtsieger der ersten Deutsch-Österreichischen Tournee wurde der Österreicher Sepp Bradl vor den Norwegern Halvor Næs und Asgeir Dølplads.

Der Zuschauerzuspruch war groß, obwohl nicht die gesamte Weltspitze teilnahm und beispielsweise die gesamte starke finnische Mannschaft fehlte. Die Einnahmen für die austragenden Skiclubs waren hoch und das Lob der Athleten über die Organisation enorm. Viele Sportler schwärmten bei den folgenden Großveranstaltungen von der neugeschaffenen Tournee, und so wurden weitere Springer darauf aufmerksam. Nur kurze Zeit nach Beendigung der Tournee 1953 wurde mit der Planung der nächsten begonnen. Der Ablauf sollte diesmal aber geändert werden. Das Neujahrsspringen in Partenkirchen sollte erhalten bleiben, allerdings nicht mehr als Auftaktspringen, sondern als zweites Springen. Das Auftaktspringen wurde nach Oberstdorf verlegt und fand von da an immer am 29. oder 30. Dezember statt. Somit begann die Tournee 1953/1954 im alten und endete im neuen Jahr. Das Springen am Bergisel in Innsbruck wurde auf den 3. oder 4. Januar vorgezogen, und das Dreikönigsspringen fand von nun an als Abschluss der Tournee in Bischofshofen statt.

In den folgenden Jahren stieg die Bedeutung der Tournee als wichtigste Veranstaltung im Skisprungkalender. Das Teilnehmerfeld wurde immer stärker und das Zuschauer- und Medieninteresse nahm stetig zu. So wurde das Neujahrsspringen bereits im Jahr 1956 in der ARD übertragen. Ein Jahr später übertrug die ARD alle Springen der Tournee, was wiederum den Bekanntheitsgrad in Deutschland weiter steigerte. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete auch der erste Podestplatz eines deutschen Springers bei der Tournee 1956/1957, als Max Bolkart den dritten Platz belegte.

Eine weitere Neuerung entstand zur Tournee 1956/1957. Dem Skiverband der DDR wurde ein Springen am 1. Weihnachtsfeiertag in Oberhof zugesichert. Dieses sollte das neue Auftaktspringen der Tournee werden. Allerdings traten bei dem ersten Weihnachtsspringen nur Deutsche und Österreicher an. Alle anderen Nationen traten aufgrund von Transport- und Reiseschwierigkeiten sowie wegen der unklaren Bezahlung des Transports nicht in Oberhof an.

Auch bei der 6. Tournee 1957/1958 war ein Springen in Oberhof am 26. Dezember geplant. Allerdings gab es bis dahin keinen Schnee in Oberhof und eine gute Präparation der Schanze mit angeliefertem Schnee, wie es zur selben Zeit in Oberstdorf und Partenkirchen durchgeführt wurde, war nicht möglich. Das Springen sollte daher ins schneereichere Oberwiesenthal verlegt werden. Dies wäre aber mit noch größeren Reise- und Transportstrapazen für die Weiterreise nach Oberstdorf verbunden gewesen. Somit war auch der erneute Versuch, die Tournee auf die DDR auszuweiten, gescheitert. Dennoch hatten die Skispringer der DDR bei dieser Tournee etwas zu feiern. Helmut Recknagel aus Steinbach-Hallenberg gewann die Tournee, in Abwesenheit der starken Norweger (Trainingsprobleme im Vorfeld der Tournee) und Finnen (Vorbereitung auf die Nordischen Skiweltmeisterschaften 1958 in Lahti), vor zwei Springern aus der UdSSR. Es war der erste Gesamtsieg für einen Springer aus Deutschland. Recknagel wiederholte den Sieg bei der Tournee 1959 und der Tournee 1961. Bei der Tournee 1959/1960 konnte mit Max Bolkart auch der erste Bundesdeutsche einen Gesamtsieg feiern, abwesend waren die Springer der DDR, aus Polen, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Norwegen und Finnland.

Flaggenstreit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der achten Auflage 1959/1960 kam es zum ersten großen Eklat in der noch jungen Geschichte der Tournee. Die Bundesrepublik Deutschland erkannte die ab dem 1. Oktober 1959 von DDR-Sportlern verwendete, auch als „Spalterflagge“ bezeichnete Flagge der Deutschen Demokratischen Republik nicht an und verbot ihnen den Start unter diesem Staatsemblem. Die Springer und Betreuer des Nationalteams der DDR bestanden jedoch auf das Hissen ihrer Nationalflagge bei sportlichen Veranstaltungen. Da dies nicht zugelassen wurde, nahmen die DDR-Springer zunächst an den Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen nicht teil. Ein Start auf den Schanzen in Innsbruck und Bischofshofen war zunächst geplant, da die Österreicher keine Veranlassung zu einem Flaggenverbot sahen. Auf bundesdeutschen diplomatischen Druck hin wurde das Verbot allerdings kurz vor Beginn des Springens in Innsbruck auch für beide in Österreich stattfindenden Springen ausgesprochen. Daraufhin erklärten auch die Mannschaften aus Polen, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei aus Solidarität ihren Verzicht auf die Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sowie, der Entwicklung folgend, später auch für Innsbruck und Bischofshofen. Da zudem die Norweger und Finnen aufgrund der Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 1960 in Squaw Valley fehlten, war diese Tournee recht schwach besetzt. Es siegte Max Bolkart.

Der Streit um die Flagge der DDR setzte sich im Sommer 1960 fort. Die Organisatoren der Tournee überlegten, wie sie das Problem lösen könnten, da sie nicht erneut eine Veranstaltung ohne die starken Springer aus der DDR durchführen wollten. Da aufgrund der politischen Umstände keine Möglichkeit gesehen wurde, das Hissen der DDR-Flagge zu erlauben, kamen sie zu dem Entschluss, statt der Nationalflagge die Fahne des Skiclubs, für den der Springer startete, zu hissen. Mit diesem Kompromiss war das DDR-Team einverstanden und so reiste es in Bestbesetzung zur Tournee an. Es siegte wie vor dem Flaggenstreit Helmut Recknagel; dies war der vorerst letzte deutsche Tourneesieg.

Im selben Jahr kam es darüber hinaus zu einem einmaligen Ereignis in der Tournee: Da Innsbruck den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 1964 bekommen hatte, wurde die Schanze am Bergisel umgebaut. Da die Bauarbeiten auch während der Tournee andauerten, trugen die Springer ihren Wettkampf auf einer Baustelle aus.

1960er-Jahre: Düsseldorfer Beschlüsse und skandinavische Dominanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Jubiläumstournee 1961/1962 stand wieder im Zeichen der deutsch-deutschen Sportpolitik. Nach dem Bau der Berliner Mauer nahmen das bundesdeutsche NOK und der DSB am 16. August 1961 die so genannten Düsseldorfer Beschlüsse an. Diese bedeuteten eine „generelle Sperre des gesamten Sportverkehrs“ zwischen der Bundesrepublik und der DDR; sie untersagten in der Bundesrepublik jegliche Sportveranstaltungen mit DDR-Teilnehmern. Somit konnten die Springer aus der DDR bis zur Tournee 1965/66 nicht an den beiden Tourneespringen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen teilnehmen. Es bleibt müßig, darüber zu spekulieren, ob Helmut Recknagel ohne diese sportpolitischen Querelen seinen bis dahin errungenen drei Tourneesiegen noch weitere hätte hinzufügen können. Die 10. Tournee 1961/1962 läutete auch gleichzeitig eine lange Erfolgsserie der Springer aus Finnland und Norwegen ein, Springer aus diesen beiden Ländern gewannen achtmal in Folge.

Seit der Tournee 1964/65 werden Computer für die Ergebnisermittlung eingesetzt. Beim Neujahrsspringen am 1. Januar 1965 wurde zunächst Heini Ihle als Sieger bekannt gegeben. Eine Stunde später teilte das Kampfgericht jedoch mit, dass es sich um einen Zehntelpunkt verrechnet hatte, womit Erkki Puikka mit 216,0 Punkten vor Heini Ihle mit 215,9 Punkten als Sieger feststand.

1970er-Jahre: Dominanz der DDR und Kommerzialisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst Horst Queck aus der DDR konnte die Dominanz der Skandinavier mit seinem Sieg bei der Tournee 1969/70 unterbrechen. Es folgten die Jahre der DDR. In neun Jahren gewannen fünfmal ostdeutsche Springer: 1969/70 Horst Queck; 1972/73 Rainer Schmidt; 1973/74 Hans-Georg Aschenbach; 1975/76 und 1976/77 Jochen Danneberg.

Außerdem schritt die Kommerzialisierung der Tournee und des Skisprungsports allgemein voran. Mit Intersport fand die Tournee den ersten Haupt- und Namenssponsor und der bisherige Amateursport Skispringen entwickelte sich immer mehr zum Profisport.

1980er-Jahre: Nykänen gegen Weißflog[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1980er-Jahre waren durch Matti Nykänen (FIN) und Jens Weißflog (DDR) geprägt, die beide jeweils fünf Podiumsplätze in diesem Jahrzehnt erreichten. Nachdem es dem Österreicher Hubert Neuper gelungen war, die Tournee in den Jahren 1979/80 und 1980/81 zweimal in Folge zu gewinnen, siegte 1981/82 Manfred Deckert aus der DDR. Im Jahr 1982/83 gewann Matti Nykänen zum ersten Mal die Tournee vor Jens Weißflog, der sich dann in den beiden folgenden Jahren jeweils den Sieg sicherte, zuerst vor Klaus Ostwald (DDR) und Matti Nykänen, danach vor Nykänen und Ostwald. In den Jahren 1985/86 und 1986/87 konnte sich der Österreicher Ernst Vettori den Tourneegesamtsieg zweimal in Folge sichern. Im Jahr 1987/88 gewann erneut Nykänen vor Weißflog, während im Jahr darauf der Finne Risto Laakkonen bei seinem Sieg Nykänen auf Platz 2 und Weißflog auf Platz 3 verdrängte.

1990er-Jahre: Entwicklung des V-Stils[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieter Thoma gewann die Vierschanzentournee 1989/90 30 Jahre nach Max Bolkart als zweiter westdeutscher Sportler vor František Jež aus der Tschechoslowakei sowie Jens Weißflog aus der DDR. Mit der „Einführung“ des V-Stils Anfang der 1990er-Jahre wurden die gesprungenen Weiten immer größer. Die Schanzen mussten vom Profil her immer weiter ausgebaut, aber auch in ihrer Ausstattung modernisiert und den neuen Bedingungen angepasst werden. Jens Weißflog, nunmehr für Gesamtdeutschland startend, war der einzige Springer, der Gesamtsiege sowohl im Parallel- als auch im V-Stil gewann und zusätzlich für zwei Staaten an den Start ging. Als Erster gewann er die Tournee viermal, nämlich 1983/84, 1984/85, 1990/91 und 1995/96.

Schattenbergschanze in Oberstdorf beim Auftaktspringen zur Vierschanzentournee am 30. Dezember 2006

Seit 2000: Hannawalds historischer Triumph, Ahonens Rekord und österreichische Dominanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Jahrtausendwende war es 13 Springern gelungen, drei von vier Springen innerhalb einer Tournee für sich zu entscheiden, dem Norweger Bjørn Wirkola gelang dies sogar zweimal. Keiner konnte jedoch alle vier Springen einer Tournee gewinnen, sodass es als besonderer Mythos der Vierschanzentournee galt, ob dies überhaupt möglich sei. Als erstem Springer gelang dieser historische Erfolg dem Deutschen Sven Hannawald bei der 50. Vierschanzentournee 2001/2002.

Im Jahr 2006 gab es zum ersten Mal zwei Sieger, die dieselbe Punktzahl in der Gesamtwertung aufwiesen: Jakub Janda aus Tschechien und Janne Ahonen aus Finnland. Ahonen gelang es zwei Jahre später mit seinem fünften Gesamtsieg (1998/99, 2002/03, 2004/05, 2005/06, 2007/08), den Rekord von Weißflog mit vier Gesamtsiegen zu brechen.

Danach begann die bis 2015 anhaltende Dominanz der Österreicher, denen es als erster Nation in der Geschichte der Vierschanzentournee gelang, in sieben aufeinander folgenden Jahren den Gesamtsieg für sich zu verbuchen - Wolfgang Loitzl (2009), Andreas Kofler (2010), Thomas Morgenstern (2011), Gregor Schlierenzauer (2012 und 2013), Thomas Diethart (2014) und Stefan Kraft (2015) waren die jeweiligen Gewinner.

2016 gewann Peter Prevc aus Slowenien, 2017 der polnische Skispringer Kamil Stoch. Stoch konnte seinen Tourneegesamtsieg der Vorsaison im Jahr 2018 wiederholen, wobei er als zweiter Springer nach Sven Hannawald in der Saison 2001/02 alle vier Einzelspringen gewann.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Termine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Springen der Vierschanzentournee
Ort
(Datum)
Schanze Schanzenrekord
(Jahr)
DeutschlandDeutschland Oberstdorf
(29. oder 30. Dezember)
Schattenbergschanze Sigurd Pettersen 143,5 m
(2003)
DeutschlandDeutschland Garmisch-Partenkirchen
(1. Januar; Neujahrsspringen)
Große
Olympiaschanze
Simon Ammann 143,5 m
(2010)
OsterreichÖsterreich Innsbruck
(3. oder 4. Januar)
Bergiselschanze Michael Hayböck 138,0 m
(2015)
OsterreichÖsterreich Bischofshofen
(6. oder 7. Januar; Dreikönigsspringen)
Paul-Außerleitner-
Schanze
Andreas Wellinger 144,5 m
(2017)

Zu Beginn ihrer Geschichte fand die Vierschanzentournee noch nicht dauerhaft in der heute etablierten Abfolge der Stationen statt. Im ersten Tournee-Jahr 1953 eröffnete das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen die Veranstaltung. In den Jahren 1956, 1961 und 1962 fand das Springen in Innsbruck als zweites Springen noch im alten Jahr statt. 1971/72 wurden die Termine von Oberstdorf und Innsbruck getauscht. In der Anfangszeit fand das Springen in Oberstdorf häufig auch erst an Silvester statt.

Seit der Tournee 1972/73 ist die Reihenfolge der Springen unverändert. Die Vierschanzentournee beginnt üblicherweise am 29. oder 30. Dezember in Oberstdorf, das Neujahrsspringen findet am 1. Januar in Garmisch-Partenkirchen statt, gefolgt von dem Springen in Innsbruck am 3. oder 4. Januar und dem Dreikönigsspringen am 6. Januar in Bischofshofen. Die Termine von Oberstdorf und Innsbruck sind abhängig von den Wochentagen, während die Termine von Garmisch-Partenkirchen und Bischofshofen in aller Regel fest sind.

Das Neujahrsspringen fand mit einer Ausnahme immer am Neujahrstag statt, lediglich 1979 wurde es witterungsbedingt auf den 2. Januar verschoben. Das Springen von Bischofshofen wurde im Jahr 2007 auf Wunsch des Fernsehens einmalig auf den 7. Januar verlegt, da dies ein Sonntag war.

2008 wurde das Springen in Innsbruck erstmals in der Geschichte der Vierschanzentournee aufgrund eines Föhnsturms abgesagt und am 5. Januar in Bischofshofen nachgeholt. Da die Tournee damit nur auf drei Schanzen, wenn auch mit vier Springen, ausgetragen wurde, wurde scherzhaft schon von einer Dreischanzentournee gesprochen. Es war das erste Mal, dass die Tournee nicht auf vier Schanzen ausgetragen wurde, denn als 1956 das Dreikönigsspringen in Bischofshofen aufgrund von Schneemangel nicht stattfinden konnte, wurde stattdessen am 11. Januar ein Springen auf der Zinkenschanze im nahegelegenen Hallein ausgetragen.

Ausrichter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tournee wird von den Skiklubs der Austragungsorte ausgerichtet. Dies sind der Skiclub 1906 Oberstdorf e. V., das Organisationskomitee Neujahrs-Skispringen des SC Partenkirchen e. V., der Sport-Club Bergisel und der Skiclub Bischofshofen.

Finanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der finanzielle Aufwand für die Ausrichtung der Tournee wurde im Jahr 2003/2004 mit 3,6 Mio. Euro angegeben.[2]

Für die Gewinner schreibt die FIS ein (Mindest-)Preisgeld von 70.000 Schweizer Franken (CHF) vor, das sich wie folgt aufteilt: 1. Platz = 30.000 CHF, 2. = 15.000 CHF, 3. = 10.000 CHF, 4. = 6.000 CHF, 5. = 3.000 CHF, 6. = 2.000 CHF, 7.–10. = je 1.000 CHF.[3] Häufig werden von Sponsoren zusätzlich wertvolle Sachpreise bereitgestellt, z. B. von Nissan (2004 ein Spezialauto X-trail, 2005 ein Nissan Pathfinder).[4]

Marketing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Saison 2010/2011 erhielt die Vierschanzentournee ein neues Logo, eine neue Trophäe und erstmals ein einheitliches Event-Layout in einem neuen Design.[5]

Für die Vierschanzentournee 2013/2014 wurde erstmals ein offizieller Song präsentiert: Den Titel To The Sky interpretierte die deutsche Popsängerin Juliette Schoppmann.[6]

Teilnehmerländer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Land Anzahl
der Teilnahmen
erste Teilnahme Anmerkungen
DeutschlandDeutschland Deutschland 1953
OsterreichÖsterreich Österreich 1953
SchwedenSchweden Schweden 1953
SchweizSchweiz Schweiz 1953
Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 1953
NorwegenNorwegen Norwegen 1953
FinnlandFinnland Finnland 1953/54
TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 1955/56
PolenPolen Polen 1956/57
SowjetunionSowjetunion Sowjetunion 1955/56
Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 1955/56
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1962/63
JapanJapan Japan 1966/67
KanadaKanada Kanada 1955/56
UngarnUngarn Ungarn 1961/62
FrankreichFrankreich Frankreich 1959/60
ItalienItalien Italien 1957/58
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 1988/89
NiederlandeNiederlande Niederlande 1986/87
China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China
SpanienSpanien Spanien 1978/79
KasachstanKasachstan Kasachstan
BulgarienBulgarien Bulgarien 1971/72
GriechenlandGriechenland Griechenland
EstlandEstland Estland 1997/98
GeorgienGeorgien Georgien 2001/02
SlowenienSlowenien Slowenien
KirgisistanKirgisistan Kirgisistan 1998/99
Korea SudSüdkorea Südkorea 1998/99
SlowakeiSlowakei Slowakei 1992/93
RumänienRumänien Rumänien 1985/86
WeissrusslandWeißrussland Weißrussland 1996/97

Modus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wertungsprinzipien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesamtwertung der Tournee wird durch Addieren der Ergebnisse der vier Springen ermittelt. Dabei zählt die erzielte Punktzahl für Weite und Haltung, nicht die Platzierung oder die damit verbundenen Weltcup-Punkte.

Die Punktzahl setzt sich zusammen aus:

  • Sprungweite: Sprung bis zum K-Punkt der Schanze = 60 Punkte. Jeder weitere Meter ergibt 1,8 Pluspunkte bzw. Minuspunkte bei Landung vor dem K-Punkt.
  • Haltung: Von den 5 Wertungsrichtern werden die drei mittleren Haltungspunktzahlen addiert. Die jeweils höchste und niedrigste Haltungspunktzahl wird gestrichen.
  • Windfaktor: Je nach Windverhältnissen können den Springern Punkte gutgeschrieben oder abgezogen werden (Rückenwind führt zu Zusatzpunkten und Aufwind zu Punktabzug).
  • Gate: Während des laufenden Wettbewerbs kann die Jury den Anlauf verlängern oder verkürzen. Wird der Anlauf verlängert, bekommen die nachfolgenden Springer Punkte abgezogen bzw. umgekehrt. Dies kann der Fall sein, wenn aufgrund starken Aufwinds die Springer zu weit nach unten auf den Aufsprunghügel springen können. Wegen der flachen Neigung der Landungsfläche besteht hierbei erhöhte Sturzgefahr.

Windfaktor und Gate wurden erstmals bei der Vierschanzentournee 2010/2011 angewandt. Dieses System schafft objektivere Ergebnisse, wenngleich die äußeren Einflüsse nie vollständig kompensiert werden können.

K.-o.-System[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der Besonderheiten der Vierschanzentournee ist die Austragung im umstrittenen K.-o.-System, während bei den anderen Weltcup-Wettbewerben jeweils die besten 30 Springer des ersten Durchgangs in den zweiten Durchgang kommen. Der K.-o.-Modus wird nur angewandt, wenn die Qualifikation am Vortag des Springens stattfindet. Muss die Qualifikation witterungsbedingt am Tage des Springens ausgetragen werden oder ganz entfallen, wird nach den Regeln normaler Weltcups gesprungen. Dies war zuletzt am 6. Januar 2012 in Bischofshofen der Fall.

Qualifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem erstmals in der Saison 1996/97 eingesetzten Modus werden die für das Springen qualifizierten 50 Springer in 25 Paare eingeteilt, sodass immer zwei Springer gegeneinander springen. Dabei springt der 1. der Qualifikation gegen den 50., der 2. gegen den 49. usw. Deshalb ist die Qualifikation wichtiger als bei anderen Springen, da sie nicht nur über die Teilnahme am ersten Durchgang entscheidet, sondern durch die erreichte Platzierung auch das entsprechende Duell festlegt.

Bis 2017 waren die zehn Besten der Weltcup-Gesamtwertung (bis 2006/07 die 15 Besten) automatisch qualifiziert. Für sie ging es in der Qualifikation folglich nicht um die Teilnahme am Wettkampf, sondern lediglich darum, gegen welchen Gegner sie im K.-o.-System antreten müssen.

Wettkampf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sieger jedes der 25 Springerduelle kommt direkt in den zweiten Durchgang. Zusätzlich kommen die fünf punktbesten Verlierer, die sogenannten Lucky Loser (englisch: glücklicher Verlierer) weiter, sodass das Teilnehmerfeld für den zweiten Durchgang aus 30 Springern besteht. Im Fall der Punktgleichheit des fünftbesten Verlierers mit weiteren Springern sind auch diese für den zweiten Durchgang qualifiziert, sodass auch mehr als 30 Springer den zweiten Durchgang erreichen können.

Bei diesem Modus ist es zum Beispiel möglich, dass der Zwölfte des ersten Durchgangs ausscheidet (wenn er sein Duell verliert und es fünf bessere „Verlierer“ gibt), der Neunundvierzigste des ersten Durchgangs hingegen weiterkommt (wenn er sein Duell gewinnt). Es kommt deshalb immer wieder vor, dass Springer, die nach dem normalen Modus ausgeschieden wären, sich für den zweiten Durchgang qualifizieren, eigentlich qualifizierte Springer jedoch ausscheiden.

Ändern sich die Wetterbedingungen während eines Wettkampfes stark, kann der K.-o.-Modus jedoch auch zu mehr Gerechtigkeit führen. So erhalten Springer, deren Chancen auf das Erreichen des zweiten Durchgangs durch äußere Einflüsse wie Rücken- oder Seitenwind verringert werden, die Möglichkeit, sich dennoch über ein direktes Duell zu qualifizieren. Ihr Duellgegner wäre dann ein Springer, der bei ähnlichen (da zeitnahen) Bedingungen springen muss. Andersherum müssen wetterbegünstigte Athleten ihr direktes Duell meist auch gegen in ähnlichem Maße wetterbegünstigte Springer bestreiten, sodass sich ihr Vorteil in Grenzen hält.

Sieger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der frühere Pokal für den Sieger der Vierschanzentournee von Joska Kristall. Seit 2013[7] erhält der Gesamtsieger einen goldenen Adler auf transparentem Sockel. Obiger Glaspokal ist nun für den 2. und 3. der Gesamtwertung.
Kamil Stoch mit dem Pokal des Gesamtsiegers 2016/17

Gesamtsieger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Janne Ahonen (Finnland) ist seit der Tournee 2007/2008 mit fünf Gesamtsiegen der erfolgreichste Teilnehmer der Vierschanzentournee, vor Jens Weißflog (DDR, Deutschland) mit vier und den beiden Springern Helmut Recknagel (DDR) und Bjørn Wirkola (Norwegen) mit jeweils drei Gesamtsiegen. Insgesamt gibt es 12 Mehrfachsieger, von denen neun einen Vorjahressieg wiederholen konnten. Bjørn Wirkola gelang dies als einzigem zweimal, und das auch hintereinander. Bei Jens Weißflog liegen mit 12 Jahren die längste Zeit zwischen seinem ersten und letzten Gesamtsieg, bei Janne Ahonen sind es neun und bei Matti Nykänen (Finnland) fünf Jahre:

Rekordsieger der Vierschanzentournee
Gesamtsiege Name Tourneen*
5 FinnlandFinnland Janne Ahonen 1998/99  2002/03  2004/05 2005/06  2007/08
4 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR/DeutschlandDeutschland Jens Weißflog 1983/84 1984/85  1990/91  1995/96
3 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Helmut Recknagel 1957/58 1958/59  1960/61
NorwegenNorwegen Bjørn Wirkola 1966/67 1967/68 1968/69
2 FinnlandFinnland Veikko Kankkonen 1963/64  1965/66
Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Jochen Danneberg 1975/76 1976/77
OsterreichÖsterreich Hubert Neuper 1979/80 1980/81
FinnlandFinnland Matti Nykänen 1982/83  1987/88
OsterreichÖsterreich Ernst Vettori 1985/86 1986/87
OsterreichÖsterreich Andreas Goldberger 1992/93  1994/95
OsterreichÖsterreich Gregor Schlierenzauer 2011/12 2012/13
PolenPolen Kamil Stoch 2016/17 2017/18
* Tourneen, die direkt aufeinander folgen, sind mit Unterstrich verbunden.

Bei der 54. Tournee (2005/06) gab es erstmals zwei Tourneesieger. Nach acht Sprüngen hatten Jakub Janda (Tschechien) und Janne Ahonen mit 1081,5 Punkten exakt die gleiche Punktzahl erreicht. Diese Punktzahl stellte damals auch den Rekord an erreichten Punkten eines Springers in der Geschichte der Vierschanzentournee dar, wurde später aber von Ahonen selbst (2008 mit 1085,8 Punkten) und Wolfgang Loitzl (2009 mit 1123,7 Punkten) noch weiter verbessert. Bei der Tournee 2015/16 schaffte Peter Prevc einen neuen Punkte-Rekord mit 1139,4 Punkten.

Bei 17 Tourneen gab es Gesamtsieger, die auf mindestens drei der vier Schanzen gewinnen konnten. Lediglich Sven Hannawald aus Deutschland bei der 50. Vierschanzentournee 2001/02 und Kamil Stoch aus Polen bei der 66. Vierschanzentournee 2017/18 gelang es alle vier Einzelwettkämpfe einer Tournee zu gewinnen und damit den so genannten Grand Slam im Skispringen zu schaffen:

Gesamtsieger mit mind. drei Einzelsiegen
Tournee 1 2 3 4 Name
1953/54 S S S 3. NorwegenNorwegen Olaf B. Bjørnstad
1958/59 S S S 15. Deutschland Demokratische Republik 1949Deutsche Demokratische Republik Helmut Recknagel
1959/60 S S S 5. DeutschlandDeutschland Max Bolkart
1962/63 S S S 4. NorwegenNorwegen Toralf Engan
1966/67 3. S S S NorwegenNorwegen Bjørn Wirkola
1968/69 S S S 2. NorwegenNorwegen Bjørn Wirkola
1983/84 2. S S S Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Jens Weißflog
1987/88 2. S S S FinnlandFinnland Matti Nykänen
1991/92 S 2. S S FinnlandFinnland Toni Nieminen
1997/98 S S S 8. JapanJapan Kazuyoshi Funaki
1999/00 3. S S S OsterreichÖsterreich Andreas Widhölzl
2001/02 S S S S DeutschlandDeutschland Sven Hannawald
2003/04 S S 4. S NorwegenNorwegen Sigurd Pettersen
2004/05 S S S 2. FinnlandFinnland Janne Ahonen
2008/09 2. S S S OsterreichÖsterreich Wolfgang Loitzl
2015/16 3. S S S SlowenienSlowenien Peter Prevc
2017/18 S S S S PolenPolen Kamil Stoch

Acht Mal (Stand 2016) gab es einen Gesamtsieger, der auf keiner der Schanzen Tagessieger wurde:

Gesamtsieger ohne einen Einzelsieg
Tournee Name
1954/55 FinnlandFinnland Hemmo Silvennoinen
1955/56 SowjetunionSowjetunion Nikolai Andrejewitsch Kamenski
1969/70 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Horst Queck
1970/71 TschechoslowakeiTschechoslowakei Jiří Raška
1971/72 NorwegenNorwegen Ingolf Mork
1986/87 OsterreichÖsterreich Ernst Vettori
1988/89 FinnlandFinnland Risto Laakkonen
1998/99 FinnlandFinnland Janne Ahonen

Einzelsieger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sven Hannawald und Kamil Stoch ( ! gelb hinterlegt) sind die Einzigen, denen es gelang, alle Springen innerhalb einer Tournee zu gewinnen. Acht weiteren Springern ( ! orange hinterlegt) ist es zwar ebenfalls gelungen, auf allen vier Schanzen mindestens einmal zu gewinnen, jedoch benötigten sie dafür mindestens zwei Tourneen. Acht Springern gelang es, die ersten drei Springen einer Tournee für sich zu entscheiden, scheiterten jedoch im letzten Springen (Siehe Tabelle 1 und 2).

Mit dem auf seinen Gesamtsieg 2001/2002 folgenden Springen in Oberstdorf im Dezember 2002 hat Hannawald 2002 als einziger Springer auch alle vier Springen innerhalb eines Kalenderjahres gewinnen können und ist neben Helmut Recknagel (Innsbruck 1958, Bischofshofen 1958, Oberstdorf 1958, Garmisch-Partenkirchen 1959 und Innsbruck 1959) und Stoch (Bischofshofen 2017, Oberstdorf 2017, Garmisch-Partenkirchen 2018, Innsbruck 2018 und Bischofshofen 2018) einer von drei Springern, denen fünf Siege in Folge gelangen.

Aufgeführt sind nachfolgend alle Springer mit mindestens drei Einzelerfolgen (aktive Springer sind fett gedruckt):

Name Land Anzahl Siege Anzahl Schanzen Oberstdorf Garmisch-Partenkirchen Innsbruck Bischofshofen Gesamtsiege
Jens Weißflog Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR / DeutschlandDeutschland Deutschland 10 4 2 4 1 3 4
Bjørn Wirkola NorwegenNorwegen Norwegen 10 4 1 3 3 3 3
Janne Ahonen FinnlandFinnland Finnland 9 4 2 2 2 3 5
Gregor Schlierenzauer OsterreichÖsterreich Österreich 9 4 2 3 2 2 2
Matti Nykänen FinnlandFinnland Finnland 7 4 1 2 3 1 2
Sven Hannawald DeutschlandDeutschland Deutschland 6 4 2 1 1 2 1
Helmut Recknagel Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 6 4 1 1 2 2 3
Kazuyoshi Funaki JapanJapan Japan 5 3 1 1 3 1
Andreas Goldberger OsterreichÖsterreich Österreich 5 2 3 2 2
Thomas Morgenstern OsterreichÖsterreich Österreich 5 3 2 1 2 1
Kamil Stoch PolenPolen Polen 5 4 1 1 1 2 2
Jochen Danneberg Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 4 3 1 2 1 2
Toni Innauer OsterreichÖsterreich Österreich 4 3 2 1 1
Anders Jacobsen NorwegenNorwegen Norwegen 4 3 1 2 1 1
Veikko Kankkonen FinnlandFinnland Finnland 4 4 1 1 1 1 2
Hubert Neuper OsterreichÖsterreich Österreich 4 4 1 1 1 1 2
Jiří Raška TschechienTschechien Tschechien 4 2 1 3 2
Martin Schmitt DeutschlandDeutschland Deutschland 4 2 3 1
Dieter Thoma Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland/
DeutschlandDeutschland Deutschland
4 2 3 1 1
Andreas Widhölzl OsterreichÖsterreich Österreich 4 3 1 1 2 1
Simon Ammann SchweizSchweiz Schweiz 3 2 2 1
Olaf B. Bjørnstad NorwegenNorwegen Norwegen 3 3 1 1 1 1
Max Bolkart Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 3 3 1 1 1 1
Willi Egger OsterreichÖsterreich Österreich 3 3 1 1 1
Toralf Engan NorwegenNorwegen Norwegen 3 3 1 1 1 1
Andreas Felder OsterreichÖsterreich Österreich 3 2 2 1
Noriaki Kasai JapanJapan Japan 3 2 2 1
Yukio Kasaya JapanJapan Japan 3 3 1 1 1
Eino Kirjonen FinnlandFinnland Finnland 3 2 2 1 1
Wolfgang Loitzl OsterreichÖsterreich Österreich 3 3 1 1 1 1
Ingolf Mork NorwegenNorwegen Norwegen 3 3 1 1 1 1
Dieter Neuendorf Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 3 2 2 1
Toni Nieminen FinnlandFinnland Finnland 3 3 1 1 1 1
Sigurd Pettersen NorwegenNorwegen Norwegen 3 3 1 1 1 1
Peter Prevc SlowenienSlowenien Slowenien 3 3 1 1 1 1
Karl Schnabl OsterreichÖsterreich Österreich 3 3 1 1 1

Vier dieser Springer gewannen innerhalb einer Tournee auf drei der vier Schanzen, ohne sich jedoch den Gesamtsieg sichern zu können: Yukio Kasaya musste vor dem letzten Springen auf Weisung der Teamführung – wie auch das gesamte japanische Aufgebot – nach Japan zurückkehren, um sich auf die Olympischen Winterspiele 1972 im eigenen Land vorzubereiten, bei denen er dann die Goldmedaille auf der Normalschanze gewinnen konnte. Die übrigen drei Athleten belegten beim jeweils nicht gewonnenen Springen zu schlechte Platzierungen:

Drei Einzelsiege und kein Gesamtsieg
Tournee 1 2 3 4 Name
1970/71 S S 16. S NorwegenNorwegen Ingolf Mork
1971/72 S S S JapanJapan Yukio Kasaya
1974/75 35. S S S OsterreichÖsterreich Karl Schnabl
1975/76 S S 24. S OsterreichÖsterreich Toni Innauer

Bei 19 Tourneen gab es vier unterschiedliche Tagessieger, zuletzt 2014/15.

Erfolgreichste Nationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus folgenden Nationen kamen die bisherigen Sieger der Vierschanzentournee:

Platz Nation Anzahl Springer
1 OsterreichÖsterreich Österreich 16 Andreas Goldberger, Hubert Neuper, Gregor Schlierenzauer, Ernst Vettori (je 2×)
Sepp Bradl, Thomas Diethart, Andreas Kofler, Stefan Kraft, Wolfgang Loitzl, Thomas Morgenstern, Willi Pürstl, Andreas Widhölzl (je 1×)
DeutschlandDeutschland Deutschland 16 Jens Weißflog (4×)
Helmut Recknagel (3×)
Jochen Danneberg (2×)
Hans-Georg Aschenbach, Manfred Deckert, Horst Queck, Rainer Schmidt, Max Bolkart, Sven Hannawald, Dieter Thoma (je 1×)
FinnlandFinnland Finnland 16 Janne Ahonen (5×)
Veikko Kankkonen, Matti Nykänen (je 2×)
Eino Kirjonen, Pentti Kokkonen, Risto Laakkonen, Toni Nieminen, Hemmo Silvennoinen, Pentti Uotinen, Kari Ylianttila (je 1×)
4 NorwegenNorwegen Norwegen 10 Bjørn Wirkola (3×)
Olaf B. Bjørnstad, Torgeir Brandtzæg, Espen Bredesen, Toralf Engan, Anders Jacobsen, Ingolf Mork, Sigurd Pettersen (je 1×)
5 PolenPolen Polen 3 Kamil Stoch (2×)
Adam Małysz (1×)
6 TschechienTschechien Tschechien 2 Jakub Janda, Jiří Raška
SlowenienSlowenien Slowenien 2 Primož Peterka, Peter Prevc
8 JapanJapan Japan 1 Kazuyoshi Funaki
SowjetunionSowjetunion Sowjetunion 1 Nikolai Kamenski

Vier Nationen gelang es bisher, die vier Tagessieger einer Tournee zu stellen: Dreimal war dies Österreich (1974/75, 2009/10, 2011/12), zweimal Deutschland mit dem Grand Slam von Sven Hannawald 2001/02 sowie der DDR 1983/84 und je einmal Norwegen 1962/63 und Polen mit dem Grand Slam von Kamil Stoch 2017/18.

Fernsehübertragungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte und aktuelle Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fernsehübertragungen trugen wesentlich zur schnellen Popularisierung der Vierschanzentournee bei. Bereits im Jahre 1956 übertrug der Bayerische Rundfunk in der ARD das Neujahrsspringen, ab 1960 wurden auch die anderen Stationen der Tournee im Fernsehen übertragen. Zur Tournee 1974/75 zeigte der ORF den Auftakt von 29. Dezember aus Oberstdorf nur als Zusammenfassung ab 17 Uhr, was mit den in den letzten Jahren schwächer gewordenen Leistungen der ÖSV-Springer begründet wurde (dadurch konnte ein großer Teil der Fernsehzuschauer, bis auf jene in den Regionen zur Grenze nach Deutschland, den Überraschungssieg von Willi Pürstl nicht live erleben).

Mit der Qualifikation zum Neujahrsskispringen 2000 am 31. Dezember 1999 endete die Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten in Deutschland. Danach war der Privatsender RTL der übertragende Sender in Deutschland. Kurz vor Saisonbeginn 2007/08 zog sich RTL von allen Wintersportveranstaltungen zurück, woraufhin Das Erste und das ZDF die Übertragungsrechte für Deutschland erhielten. In Österreich wird die Tournee seit jeher vom ORF übertragen.

Bis zu 25 Fernsehstationen übertragen heute die Tournee.

Kommerzialisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten 20 Jahren stellte sich eine immer stärker werdende Kommerzialisierung der Vierschanzentournee ein, die teilweise auch einschneidende Regel- und Ablaufänderungen mit sich brachte. 1996/97 beispielsweise wurde der bisher gesprungene Modus durch das oft kritisierte K.-o.-System ersetzt.

Der Erwerb der Fernsehrechte durch RTL brachte weitere gravierende Veränderungen mit sich: Ab der Tournee 2004/05 wurden die Springen in Oberstdorf und Bischofshofen als Flutlichtspringen veranstaltet, da sich der Sender durch die Ausstrahlung im Abendprogramm höhere Einschaltquoten versprach. Das traditionell am 6. Januar stattfindende abschließenden „Dreikönigsspringen“ in Bischofshofen wurde auf Wunsch des Senders im Jahr 2007 sogar einmalig auf den 7. Januar verlegt, um so sowohl die Qualifikation als auch das Springen am Wochenende übertragen zu können.[8]

Insbesondere in den Jahren der Übertragung durch RTL wurde auch während der Durchgänge Werbung ausgestrahlt. Dies geschah einerseits durch sogenannte Split-Screen-Werbung, bei der das Springen weiterlief und einzelne, eher schwächere Springer während der Ausstrahlung der Werbespots lediglich in einem kleinen Fenster am Bildrand gezeigt wurden. Der Ablauf der Springen wurde andererseits nach den ersten 25 Springern im ersten Durchgang sowie nach jeweils zehn Springern im zweiten Durchgang für Werbeblocks unterbrochen. Obwohl zunächst betont wurde, dass kein Springer aufgrund von Werbeunterbrechungen mit seinem Sprung warten müsse, wurden diese nicht witterungsbedingten Unterbrechungen erst in diesem Zeitraum eingeführt. Allerdings wurden sie auch nach dem Auslaufen des Vertrages mit dem Privatsender beibehalten und unter anderem auch von ORF und ZDF für Werbespots genutzt.

Bis zur Saison 2016/17 durften die 10 Bestplatzierten (bis 2006/07 die 15 Bestplatzierten) des Weltcups die Qualifikation auslassen und sprangen dann im direkten Duell gegen die Qualifikationsbesten (bestplatzierter Springer im Weltcup, der die Qualifikation ausgelassen hat, gegen Qualifikationsbesten, usw.). Seit der Saison 2017/18 ist die Teilnahme an der Qualifikation für alle Springer verpflichtend. Die Änderung soll die Qualifikation aufwerten und mehr Zuschauerinteresse generieren. Darüber wurde bereits nach der Vierschanzentournee 2001/02 nachgedacht, bei der Sven Hannawald, als bereits qualifizierter Springer, alle vier Qualifikationen ausließ und diese nicht die erhofften Zuschauerzahlen brachten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katharina Scholz: Die Vierschanzentournee – Die Tournee als Auslaufmodell? In: Lars Nuschke: Vermarktungspotentiale des Spitzensports. Eine Betrachtung ausgewählter Fallbeispiele. Sierke Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-940333-31-5, S. 37–54.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vierschanzentournee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Vierschanzentournee – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beilage zur Vierschanzentournee in der TV Movie vom Dezember 2003/Januar 2004
  2. ARD-Sporttext vom 28. Dezember 2003
  3. Zeitschrift „ski“ 2001
  4. Beilage zur TV Movie vom Dezember 2003/Januar 2004 und Beilage zur TV Movie vom Dezember 2004
  5. SKIJUMPING.de: Vierschanzentournee in neuem Gewand
  6. Mit „To The Sky“ präsentiert sie den offiziellen Song zur Vierschanzentournee!
  7. Schlierenzauer 2013 mit dem Adler (sportsplanet.at - 06.01.2013: Schlierenzauer holt sich den Tourneesieg mit Einzelsieg in Bischofshofen. 6. Januar 2013, abgerufen am 16. Januar 2018.) und 2012 mit Glaspokal (Schlierenzauer gewinnt Vierschanzentournee - salzburg.ORF.at. 7. Januar 2012, abgerufen am 16. Januar 2018.).
  8. sueddeutsche.de: Tournee im Fernsehen – Dreikönig heißt jetzt 7. Januar