Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte

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Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
Beschreibung Fachzeitschrift
Fachgebiet Zeitgeschichte
Sprache deutsch
Verlag De Gruyter Oldenbourg (Deutschland)
Erstausgabe Januar 1953
Erscheinungsweise quartalsweise
Chefredakteur Jürgen Zarusky
Herausgeber Andreas Wirsching (Direktor des IfZ)
Helmut Altrichter
Horst Möller
Margit Szöllösi-Janze
Weblink Verlagswebseite
Artikelarchiv bis 2012
ISSN (Print) 0042-5702
ISSN (Online) 2196-7121

Die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (abgekürzt VfZ oder seltener VfZG) ist ein bedeutendes fachwissenschaftliches, zeitgeschichtliches Periodikum in Deutschland, das im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) herausgegeben wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Heft der Zeitschrift erschien 1953. Darin gab der damalige Herausgeber Hans Rothfels mit einem wegweisenden Aufsatz[1] eine noch Jahrzehnte später gültige Definition des historischen Forschungsbereiches Zeitgeschichte, der in dieser Form in Deutschland bis dato keine Tradition besaß. In den Folgejahren entwickelte sich die Zeitschrift zum wichtigsten Forschungsperiodikum zur Geschichte des Nationalsozialismus.[2]

Die fachwissenschaftliche Bedeutung der Zeitschrift lässt sich auch daran ermessen, dass zahlreiche ihrer Beiträge als Klassiker der Geschichtswissenschaft gelten oder paradigmatische Debatten nicht nur in der deutschen Zeitgeschichtsforschung angestoßen haben. Erwähnenswert sind hier beispielsweise Hans Mommsens Beitrag über den Reichstagsbrand von 1964[3] oder Martin Broszats Auseinandersetzung mit den revisionistischen Thesen des Holocaustleugners David Irving.[4]

Nachdem jedoch die Zeitgeschichte – im Sinne von Rothfels’ Definition als „Epoche der Mitlebenden“[1] – zunehmend über die Zeit des Nationalsozialismus hinausreichte, verbreiterte sich seit den 1970er Jahren auch die Themenpalette der Vierteljahrshefte. Mehr und mehr nahm der Anteil an Forschungsbeiträgen beispielsweise zur Geschichte der DDR und der Bundesrepublik Deutschland zu. Größere Beachtung fand zunehmend auch die Geschichte Europas in ihren globalen Bezügen.

Organisation und Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte sind eine referierte Zeitschrift, deren Beiträge in der Regel ein dreistufiges Begutachtungsverfahren zur Qualitätssicherung durchlaufen: Nach einer Sichtung und Bewertung der anonymisierten Beiträge durch die Redaktion werden externe Gutachten im In- und Ausland eingeholt (Double Blind Peer Review). Dann entscheiden Herausgeber und Redaktion nach eingehender Diskussion über die Veröffentlichung.

Neben der eigentlichen Zeitschrift existiert noch eine Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Hier erscheinen überwiegend aktuelle monographische Forschungsbeiträge mittleren Umfangs sowie Tagungs- und Sammelbände.[5]

Seit Dezember 2003 arbeitet die Redaktion der VfZ mit dem Rezensionsjournal sehepunkte zusammen, um den dortigen Bereich Zeitgeschichte zu stärken.

Die Jahrgänge bis 2010 stehen zum kostenfreien Download bereit; ebenso lässt sich das Inhaltsverzeichnis der Jahrgänge 1953 bis 2015 herunterladen. Die Jahrgänge ab 2011 sind online kostenpflichtig.[6]

Herausgeberschaft und Redaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aktuellen Herausgeber sind Andreas Wirsching als Direktor des IfZ sowie Helmut Altrichter, Horst Möller und Margit Szöllösi-Janze. Zum erweiterten Herausgeberkreis gehören Elisabeth Harvey, Hélène Miard-Delacroix, Herfried Münkler, Alan E. Steinweis.

Chefredakteur ist derzeit Jürgen Zarusky; als sein Stellvertreter fungiert Thomas Schlemmer. Weitere Redaktionsmitglieder sind Magnus Brechtken, Johannes Hürter, Thomas Raithel, Elke Seefried und Petra Weber. Die Zeitschrift erscheint quartalsweise.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Graml, Hans Woller: Fünfzig Jahre Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1953–2003. Was hat die Zeitschrift seit 1953 bewegt? In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Bd. 51, 2003, Heft 1, S. 51–88 (PDF).
  • Hans Maier: Die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. In: Horst Möller, Udo Wengst (Hrsg.): 50 Jahre Institut für Zeitgeschichte. Eine Bilanz. München 1999, S. 169‒176 (Vorschau).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Schlemmer: Die „Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte“: Qualitätssicherung und redaktionelle Arbeit vor der Herausforderung des digitalen Zeitalters. In: Bibliometrie – Praxis und Forschung. Nr. 4, 2015, urn:nbn:de:bvb:355-bpf-214-920-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hans Rothfels: Zeitgeschichte als Aufgabe. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Bd. 1, 1953, Heft 1, S. 1–8 (PDF).
  2. Siehe etwa Hans-Günther Seraphim, Andreas Hillgruber: Hitlers Entschluss zum Angriff auf Russland (Eine Entgegnung). In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Bd. 2, 1954, S. 240–254 (PDF); Hugh Trevor-Roper: Hitlers Kriegsziele. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Bd. 8, 1960, S. 121–133 (PDF); Gotthard Jasper: Über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges; Zu den Büchern von A. J. P. Taylor und David L. Hoggan. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Bd. 10, 1962, S. 311–340 (PDF); Andreas Hillgruber: Die „Endlösung“ und das deutsche Ostimperium als Kernstück des rassenideologischen Programms des Nationalsozialismus. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Bd. 20, 1972, S. 133–153 (PDF).
  3. Hans Mommsen: Der Reichstagsbrand und seine politischen Folgen. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Bd. 12, 1964, S. 351–413 (PDF).
  4. Martin Broszat: Hitler und die Genesis der „Endlösung“. Aus Anlaß der Thesen von David Irving. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 1977, S. 739–775 (PDF).
  5. Übersicht über die Schriftenreihe in der Deutschen Nationalbibliothek, für Details Datensatz im Katalog aufrufen.
  6. Gesamtinhaltsverzeichnis der VfZ beim IfZ.