Viertes Reich

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Dieser Artikel behandelt den Begriff Viertes Reich. Für das vierte Großreich siehe Vier-Reiche-Lehre.
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Das Vierte Reich ist eine Umschreibung für ein Reich, das auf ein Drittes Reich folgt.

Verwendung in der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus tauchte der Begriff in politischen Witzen auf. Durch sie wurde die nationalsozialistische Vorstellung von einer ewigen Herrschaft (die sich auch in der anderen Selbstbezeichnung Tausendjähriges Reich zeigte) verspottet. Dies führte dazu, dass die Bezeichnung Drittes Reich vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda später untersagt wurde.

Verwendung in der Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der heutigen politischen Diskussion wird vom Vierten Reich für eine mögliche Renaissance des Nationalsozialismus gesprochen − je nach politischem Standpunkt als Dystopie oder Utopie.[1]

Neonazistische Revisionisten wie der Holocaustleugner und Rechtsextremist Horst Mahler verwenden den Begriff „Viertes Reich“, um ihr Ziel zu beschreiben, den Nationalsozialismus in Deutschland durch Abschaffung der Bundesrepublik wieder einzuführen.[2]

Der britische Journalist Sefton Delmer verwendete den Ausdruck im 1962 erschienenen zweiten Teil seiner Autobiografie Black Boomerang (deutsch erschienen 1963 als Die Deutschen und ich), um den fortbestehenden Einfluss alter Nazis in der bundesdeutschen Elite der 1950er Jahre anzuprangern. Ihm zufolge ist Otto John, der erste Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, durch ein Gerichtsurteil zum „ersten Opfer des Vierten Reichs“ geworden, wie ein italienischer Kollege es ausgedrückt habe.[3]

Kritiker der weltweiten Anti-Terror-Maßnahmen verwenden den Begriff als Synonym für Polizeistaat oder Überwachungsstaat, in dem die Bevölkerung mittels Propaganda der Massenmedien kontrolliert wird. So kritisierte die Band Slime in ihrem Lied „4. Reich“ Anfang der 1980er Jahre die Situation in Deutschland mit den Worten „Es ist nicht mehr weit bis zum Vierten Reich“.[4]

Euroskeptiker, insbesondere in Großbritannien, nutzen den Begriff, um Deutschlands dominierende Position in der EU zu kritisieren, z. B. in Bezug auf die Eurokrise.[5] In Deutschland liefert aktuell der Anwalt und Rechts- und Politikwissenschaftler Roland Chr. Hoffmann-Plesch − im Anschluss an die Theorie des Oxforder Politikwissenschaftler Jan Zielonka − eine Widerlegung der „Deutschland-als-Viertes-Reich“-These. Demnach ist der Begriff „Viertes Reich“ ein ideologischer Kampfbegriff, der Deutschlands Dominanz in Europa beschreiben soll, aber eher zur prozesshaft-konkreten Großraumordnung der EU passt. Die EU ähnelt in ihrer Form, Struktur, Handlungsweise und Finalität dem mittelalterlichen Reich, das nach dem Zweiten Weltkrieg als Gründungsmythos und Legitimationserzählung für die europäische Einheit gedient hat. Die Parallelen zur römisch-germanischen Reichsordnung waren bereits in den Anfängen der EU nicht zu übersehen: Frankreich, Italien, Luxemburg, Belgien, die Niederlande und West-Deutschland, die in Rom 1957 die Gründungsverträge der Europäischen Gemeinschaften unterzeichneten, waren in der Vergangenheit Teile des Heiligen Römischen Reiches Karls des Großen.[6]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Paul Althaus veröffentlichte 1928 einen Gedichtband unter dem Namen Das Vierte Reich (ohne Bezug zu den oben genannten politischen Bedeutungen).[7]
  • Alex Jones behauptet in seiner Reportage Martial Law, dass die Errichtung des „Vierten Reiches“ bereits durch gezielte Außerkraftsetzung und Änderung von Gesetzen global im Gange sei.
  • Der Belgier Stan Lauryssens verarbeitete den Stoff zum Roman Opmars naar het Vierde Rijk, u. a. mit Bezug auf die sog. „Gauleiter-FDP“.[8]
  • Im DC Universum gibt es eine Gruppierung von Schurken, die sich Viertes Reich (Fourth Reich) nennt.[9]
  • In dem Roman Metro 2033 von Dmitri Alexejewitsch Gluchowski gibt es in der U-Bahn einen Staat, der sich selbst 4. Reich nennt.
  • Der US-Amerikaner Jim Marrs veröffentlichte im Sommer 2009 das Buch The Rise of the Fourth Reich: The Secret Societies That Threaten to Take Over America, in dem es um den Aufbau eines Vierten Reiches geht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Goodrick-Clarke, Nicholas Black Sun: Aryan Cults, Esoteric Nazism, and The Politics of Identity New York: 2002--N.Y. University Press, See Chapters 4 and 11 enthalten ausführliche Informationen über das vorgeschlagene "Western Imperium"
  2. Jan Rathje: Zwischen Verschwörungsmythen, Esoterik und Holocaustleugnung – die Reichsideologie. In: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. 14. Oktober 2015, abgerufen am 8. April 2016.
  3. Sefton Delmer: Black Boomerang: An Autobiography, Secker & Warburg, 1962, S. 278. (Fundstelle bei Google Books)
  4. http://www.kink-records.de/SlimeL.html
  5. Rise of the Fourth Reich, Daily Mail
  6. Roland Chr. Hoffmann-Plesch: Das Vierte Reich – ideologischer Kampfbegriff oder Deutschlands Rolle in Europa. Zur aktuellen Debatte über die Natur der EU und ihrer prozesshaft-konkreten Großraumordnung. In: Eurasisches Magazin, Ausgabe Oktober 2015 (online); siehe auch J. Zielonka, Europe as Empire. The Nature of the Enlarged European Union, Oxford 2006.
  7. Oswald Malura-Stiftung, abgerufen am 19. August 2011
  8. Stan Lauryssens: Opmars naar het Vierde Rijk, Verlag Wetenschappelijke Uitgeverij, Amsterdam 1975, ISBN 9021429039. Noch keine Veröffentlichung auf deutsch.
  9. dc.wikia.com: Fourth Reich, abgerufen am 19. August 2011