Villa Kogge

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Ansicht von der Straße
Gartenseite

Die Villa Kogge ist eine Villa in Berlin-Charlottenburg, Alt-Lietzow 28. Sie steht unter Denkmalschutz.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zentrale Halle
Oberlicht

Die spätklassizistische zweigeschossige Villa steht mittig und frei in einem parkartig gestalteten Garten nahe dem Anger des ehemaligen Dorfes Alt-Lietzow. Sie hat zwei hohe, durch ein Gesims unterteilte Geschosse über einem hohen Kellersockel. Der Baukörper wird oben mit einem kräftigen, reichverzierten Dachgesims und einem flachgeneigten Walmdach abgeschlossen. Die vier Fassaden sind unterschiedlich gestaltet: Die Ostseite ist fast fensterlos und weist dafür einen erkerartigen, zweigeschossigen Vorbau auf, in dem sich der rundbogige Haupteingang und darüber ein Fenster befinden. Die Südseite wird von einem kräftig hervortretenden Mittelrisalit mit drei Fensterachsen geprägt. Links und rechts davon stehen, durch Säulen flankiert, zwei hellenistische Figuren auf überdachten Podesten. Darunter befindet sich ein Abguss eines dreiteiligen Reliefs des Bronzedenkmals Friedrichs des Großen.[1] Die Westseite hat einen weiteren zweigeschossigen und durchfensterten Erker mit 3/8-Schluss. Die Nordseite hat sieben Fenster in jeder Etage, von denen die mittleren drei durch ein kräftiges gemeinsames Gesims gekoppelt sind. Ihr ist eine große Terrasse vorgelagert, die mit einem von vier korinthischen Säulen getragenen Söller überdacht ist.

Das Innere der Villa wird geprägt durch eine mehrgeschossige Zentralhalle, die durch ein Oberlicht erhellt wird und zur Erschließung des Obergeschosses dient. Damit folgt sie dem klassischen Schema der Villa Rotonda des Renaissancearchitekten Andrea Palladio, das seitdem gern bei klassizistischen Villen angewendet wurde (Prinzenpalais, Villa Madelung, Villa Berg u. a.). Die etwas freiere und funktionale Grundrissgestaltung sowie die unterschiedliche Gestaltung der vier Fassaden verweisen jedoch schon in die Zukunft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Villa um 1900

Die Villa wurde 1864 bis 1866 für den Holzhändler Carl Albert Friedrich Kogge erbaut. Sie gehört somit zu den ältesten Bürgerhäusern Charlottenburgs. 1891 wurde sie von dem Bankier Franz Volkmar (* 1848), einem Enkel des Bankiers Moritz Daniel Volkmar und Sohn des Juristen Leopold Volkmar, erworben. 1910 kam sie in das Eigentum der Stadt Charlottenburg und so später zur Stadt Berlin.

Seit 1959 wird sie nur noch als Standesamt genutzt und zählt zu den 100 schönsten und beliebtesten Standesämtern Deutschlands. Seit 2001 können auch Eingetragene Lebenspartnerschaften von gleich­geschlecht­lichen Paaren in der Villa Kogge stande­samtlich beurkundet werden.[2][3] In der Ville Kogge gaben sich unter anderen 1977 Hildegard Knef und Paul von Schell das Jawort.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sylvia Brenke, Thomas Wolfes: 140 Jahre Standesamt Charlottenburg: Aufgaben und Standorte im Wandel der Zeit. Nicolai-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-89479-880-2.
  • Irmgard Wirth: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Charlottenburg, 1961.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Villa Kogge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Villa Kogge. auf: berlin.de
  2. Villa Kogge und Fernsehturm sind beliebte Trauorte in Berliner City. In: Berliner Morgenpost.4. Januar 2006.
  3. Hochzeit mit fünf Sternen. In: Der Tagesspiegel. 6. Januar 2004.
  4. Oliver Ohmann: Das große Jasager-Jubiläum. In: Berliner Zeitung. 1. Oktober 2014.

Koordinaten: 52° 31′ 4″ N, 13° 18′ 39″ O