Villa Möllering

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Eingangsseite der Villa Möllering

Die Villa Möllering (auch: Waldhaus Häcklingen) ist eine Villa im Lüneburger Stadtteil Häcklingen in Niedersachsen. Das Gebäude wurde 1906 von den Berliner Architekten Konrad Reimer und Friedrich Körte im Heimatschutzstil errichtet.[1]

Gebäudeentstehung und -erhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtsicht

Die eingeschossige Villa mit Satteldach befindet sich in Häcklingen, Am Wischfeld 16. Nach einem Besitzerwechsel 1935 wurde das Haus im Stil der Zeit umgebaut und das Portal des Eingangs wurde zu einem Rundbogen umgestaltet. Im Jahre 1938 kamen ein Stall und ein Wohnhaus hinzu. Das heute in Privatbesitz stehende Gebäude wurde bis 2007 genutzt und dann wegen seiner architektonischen Qualität sowie seiner Geschichte als Kulturdenkmal eingestuft.[1] Seither ist es nach längerem Leerstand baufällig geworden und aufgrund der Schadstoffbelastung in seinem Erhalt stark gefährdet.[2] Die Sanierungskosten wurden auf zwei bis drei Millionen Euro geschätzt. Zum Erhalt des Gebäudes bildete sich die Projektgruppe „Waldhaus Häcklingen“.[3] Trotz des bestehenden Denkmalschutzes beantragte der Eigentümer wegen wirtschaftlicher Unzumutbarkeit einer Sanierung bei der Stadt Lüneburg den Abriss.[4] Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege nahm das Gebäude im Juni 2020 von der Liste der Kulturdenkmale[5], da der bauliche Zeugniswert aufgrund der Veränderungen als nicht mehr ausreichend angesehen wurde. Anschließend schlug die Stadt Lüneburg einen Kompromiss zwischen Abriss und Sanierung vor. Demnach soll der historische Eingangsbereich mit dem Sichtgiebel bestehen bleiben und das Gebäude hinter der Fassade einem Neubau weichen. Darin ist neben Wohnungen auch ein Ausstellungsraum zur Erinnerung an diesen Ort von Kapitulationsverhandlungen im Zweiten Weltkrieg vorgesehen.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude als Schule, um 1920

Nach der Errichtung wurde anschließend im Jahr 1907 im Gebäude eine Mädchenschule eingerichtet, in der junge Frauen vom Lande in „Frauenberufen“ unterrichtet wurden. Von 1917 bis 1923 war der Haus- und landwirtschaftlicher Lehrbetrieb offenbar dem Reifensteiner Verband zugeordnet. Seit 1935 gehörte das Haus dem Direktor der Lüneburger Kronen-Brauerei Alexander Möllering, der ihm den neuen Namen gab.[2][7]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Lüneburg am 18. April 1945 von britischen Truppen unter Feldmarschall Bernard Montgomery eingenommen. Montgomery nutzte zunächst in Oedeme das Anwesen des Bauern Knacke als Hauptquartier. Am 30. April 1945 verlegte er das Hauptquartier in die Villa Möllering, dass außerdem der Befehlshaber der 2. britischen Armee, Miles Dempsey, bezogen hatte. Seit dem 1. Mai hielt sich Montgomery mit seinem engsten Stab im „Tactical Headquarters“ auf dem Timeloberg bei Wendisch Evern auf, wo sein Wohnwagen aufgestellt war. Am 3. Mai 1945 fand sich in der Villa Möllering eine Delegation unter Leitung des Generaladmirals Hans-Georg von Friedeburg ein, die von Großadmiral Dönitz gesandt war, der sich mit der letzten Reichsregierung nach Flensburg-Mürwik abgesetzt hatte. Friedeburg wurde unter anderem von Kampfkommandant Alwin Wolz begleitet. In der Villa fanden zunächst Gespräche über eine von Dönitz angebotene Teilkapitulation statt. Zudem unterschrieb Wolz in der Villa die Bedingungen zur Übergabe der Stadt Hamburg. Da sich das taktische Hauptquartier der britischen Truppen mit Montgomery auf dem Timeloberg bei Wendisch Evern befand, wurde die Delegation unter Hans-Georg von Friedeburg dorthin weitergeleitet. Auf dem Timeloberg wurde am 4. Mai 1945 die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande unterzeichnet.[7]

Nach dem Krieg zog in die Villa eine Psychiatrische Klinik ein, die sich seit 2007 in Uelzen befindet.[2][7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Villa Möllering – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bürgerbrief. Mitteilungen des Bürgervereins Lüneburg e.V. Nummer 75, vom: Mai 2015; Seite 12; abgerufen am: 1. Mai 2017
  2. a b c Landeszeitung Lüneburg: 2,5 Millionen Euro Investitionsbedarf, vom: 16. August 2013; abgerufen am: 1. Mai 2017
  3. Der Frieden im Norden beginnt bei Lüneburg bei ndr.de vom 5. Mai 2020
  4. Landesdenkmalschutzbehörde streicht „Möllering-Villa“ von der Liste der Kulturdenkmale – Nachnutzung auch mit historischem Bezug geplant, Pressemitteilung der Stadt Lüneburg vom 3. Juli 2020
  5. Lüneburg: Möllering-Villa darf abgerissen werden bei ndr.de vom 2. Juli 2020
  6. Neue Hoffnung für Möllering-Villa in Lüneburg bei ndr.de vom 3. Juli 2020
  7. a b c Bürgerbrief. Mitteilungen des Bürgervereins Lüneburg e.V. Nummer 75, vom: Mai 2015; Seite 11 f.; abgerufen am: 1. Mai 2017

Koordinaten: 53° 12′ 26,6″ N, 10° 22′ 42,8″ O