Villeneuve-lès-Avignon

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Villeneuve-lès-Avignon (Vilanòva d'Avinhon)
Wappen von Villeneuve-lès-Avignon
Villeneuve-lès-Avignon (Frankreich)
Villeneuve-lès-Avignon
Region Languedoc-Roussillon
Département Gard
Arrondissement Nîmes
Kanton Villeneuve-lès-Avignon
Gemeindeverband Grand Avignon
Koordinaten 43° 58′ N, 4° 48′ OKoordinaten: 43° 58′ N, 4° 48′ O
Höhe 10–181 m
Fläche 18,27 km²
Einwohner 11.833 (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 648 Einw./km²
Postleitzahl 30400
INSEE-Code
Website Villeneuve-lès-Avignon

Fort Saint-André

Villeneuve-lès-Avignon (alternative Schreibweise: Villeneuve-lez-Avignon; okzitanisch Vilanòva d'Avinhon) ist eine Gemeinde im Département Gard, Region Languedoc-Roussillon, Südost-Frankreich, mit 11.833 Einwohnern (Stand 1. Januar 2013). Sie liegt gegenüber von Avignon am rechten Ufer der Rhone.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tour Philippe le Bel

Laut einem Epitaph soll die heilige Casaria im 6. Jahrhundert als Einsiedlerin in einer Grotte auf dem im Nordosten der heutigen Stadt gelegenen Mont Andaon gelebt haben und am 8. Dezember 586 verstorben sein. Um ihr Grab entwickelte sich ein Heiligenkult. Später wurde auf dem Mont Andaon an der Stelle, wo nach der Legende Casaria gelebt haben soll, die erst für 982 sicher bezeugte Benediktinerabtei Saint-André gegründet, um die sich im 11. Jahrhundert eine gleichnamige Klostersiedlung entwickelte. Der 1087 verstorbene heilige Pons, Abt von Saint-André, wurde hier ebenfalls verehrt.

Als sich der französische König Ludwig VIII. auf dem Weg zum Albigenserkreuzzug befand und ihm im Sommer 1226 von dem unter der Oberhoheit des Heiligen Römischen Reichs stehenden Avignon die Durchreise verweigert wurde, erzwang er die Kapitulation der Stadt und handelte mit dem Abt von Saint-André einen Vertrag (Paréage) aus, laut dem der Abt sich unter seinen Schutz stellte.

1292 schloss Philipp der Schöne mit dem Abt von Saint-André einen neuen Vertrag, der die Errichtung einer Festung und eines Turmes gegenüber von Avignon vorsah, um die Abtei an der damaligen Grenze des Königreichs zu schützen. Mit dem sofort begonnenen Bau des Turmes (Tour Philippe le Bel) nahe der Pont Saint-Bénézet sicherte sich der König die Kontrolle dieser nach Avignon führenden Rhône-Brücke und die damit verbundenen Einnahmen. 1293 gründete Philipp der Schöne ferner am Avignon gegenüberliegenden Rhône-Ufer eine königliche Bastide, die zunächst Ville Neuve-Saint-André-près-d’Avignon hieß und zahlreiche Privilegien und Freiheiten erhielt. Die neue Siedlung sollte Konkurrentin Avignons werden und diese Stadt überflügeln, doch verhinderte die 1309 erfolgte Übersiedlung der Päpste nach Avignon eine solche Entwicklung.

Während Avignon Hauptstadt der lateinischen Christenheit war, errichteten die Päpste und Kardinäle in Villeneuve prächtige Paläste, in denen eine kunstvolle Gartenkultur zur Entwicklung kam und die auch heute noch das Stadtbild prägen. Kardinal Arnaud de Via, Neffe des Papstes Johannes XXII., stiftete hier um 1330 die Kollegiatkirche Notre-Dame. 1349 kam in Villeneuve ein Vertrag zustande, der Montpellier unter die Herrschaft des französischen Königs brachte. 1356 gründete Papst Innozenz VI. hier die Kartäuserkirche Notre-Dame-du-Val-de-Bénédiction, die zu einer der größten und reichsten Europas wurde. Um 1360 ließ König Johann II. die bereits im Vertrag von 1292 vorgesehene Festung auf dem Mont Andaon erbauen, die den Namen Fort Saint-André erhielt. Sie sollte die Abtei Saint-André vor Angriffen gefürchteter Söldnerscharen schützen, die im damals tobenden Hundertjährigen Krieg umherzogen, gleichzeitig auch zur Verstärkung der französischen Reichsgrenze dienen. Auch nach der Rückkehr der Päpste nach Rom (1377) konnte sich dank der Privilegien und der Anwesenheit reicher Klöster ein gewisser Wohlstand in Villeneuve halten.

Während der französischen Revolution blieb es in Villeneuve relativ ruhig; auch fanden hier viele Avignonesen Zuflucht. Doch verlor die Stadt ihre Privilegien einer königlichen Stadt und ihre reichen Klöster; sie sank zu einem Kantonshauptort herab. Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt bevorzugter Wohnort für wohlhabende Bürger von Avignon, die von hier einen schönen Blick auf ihre Stadt hatten. Dies ist bis heute so geblieben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chartreuse Notre-Dame-du-Val-de-Bénédiction, 1356 durch Papst Innozenz VI. gegründetes Kartäuserkloster mit 1358 geweihter Kirche; in einer von deren später angebauten Seitenkapellen befindet sich das Grabmal Innozenz’ VI.; im Zuge der Französischen Revolution wurde die Anlage säkularisiert und verkauft, ab 1909 wiederhergestellt
  • ehemalige Kollegiatkirche Notre-Dame, Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut, mit reichem Marmoraltar und bemerkenswerten Gemälden
  • Fort Saint-André, im 14. Jahrhundert auf dem Mont Andaon erbaute Festung mit Doppelturmanlage am Eingang, darin eine romanische Kapelle und Überreste der ehemaligen Benediktinerabtei Saint-André
  • Tour Philippe-Le-Bel, im 14. Jahrhundert errichteter befestigter Brückenturm bei der Pont Saint-Bénézet

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villeneuve-lès-Avignon ist durch Partnerschaften verbunden mit

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Villeneuve-lès-Avignon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien