Villigen

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Villigen
Wappen von Villigen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
BFS-Nr.: 4121i1f3f4
Postleitzahl: 5234 Villigen
5233 Stilli
Koordinaten: 658456 / 264293Koordinaten: 47° 31′ 36″ N, 8° 12′ 53″ O; CH1903: 658456 / 264293
Höhe: 365 m ü. M.
Fläche: 11,21 km²
Einwohner: 2091 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 187 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
28,0 % (31. Dezember 2017)[2]
Website: www.villigen.ch
Villigen

Villigen

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Villigen (das V wie ein F gesprochen; schweizerdeutsch: [ˈfiligə][3]) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt etwa fünf Kilometer nördlich des Bezirkshauptorts im Aaretal. Seit dem 1. Januar 2006 ist der Nachbarort Stilli nach Villigen eingemeindet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt zwischen dem westlichen Ufer der Aare und dem Osthang des Geissbergs (700 m ü. M.). Der Geissberg ist eine typische Erhebung des Tafeljuras mit einer ausgedehnten, nach Osten hin leicht geneigten Hochebene und steilen Hängen an drei Seiten. Im Westen und Süden verläuft die Gemeindegrenze von Villigen genau an der Geländekante entlang, während die Abhänge auf dem Gebiet der Nachbargemeinden liegen. Im Norden geht der Geissberg in den Rotberg (633 m ü. M.) über.[4]

Am Osthang des Geissbergs ragen vier kurze, steile, beinahe halbkreisförmige Ausläufer in die Flussebene hinein. Von Norden nach Süden sind dies der Tüeliboden (495 m ü. M.), der Gugelen (452 m ü. M.), der Besserstein (549 m ü. M.) mit der gleichnamigen Burgruine und der Buck (526 m ü. M.). Der alte Dorfkern liegt zwischen dem Gugelen und dem Besserstein. An den Südhängen dieser vier Hügel liegen Rebberge mit einer Anbaufläche von insgesamt 17 Hektaren.[4]

Am westlichen Ufer der Aare, rund eineinhalb Kilometer nördlich der Mündung der Limmat, befindet sich im so genannten Wasserschloss der Schweiz das Dorf Stilli. Das einstige Gemeindegebiet umfasste den drei Kilometer langen und 25 bis 210 Meter breiten Uferstreifen entlang der Aare, wobei das Flussbett mehr als einen Drittel der Fläche einnahm. Der 40 Meter hohen Böschung über der Flussniederung entlang verlief die ehemalige Gemeindegrenze. In der Aare liegt die kleine Insel Fischergrieni, die durch angeschwemmtes Geschiebe entstanden ist.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1121 Hektaren, davon sind 550 Hektaren bewaldet und 151 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 700 Metern an der nordwestlichen Ecke des Geissbergs, der tiefste auf 325 Metern an der Aare. Das Gemeindegebiet von Villigen ist Teil des Juraparks Aargau, einem «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung».

Nachbargemeinden sind Mandach und Böttstein im Norden, Würenlingen im Osten, Untersiggenthal im Südosten, Brugg und Rüfenach im Süden, Remigen im Südwesten sowie Mettauertal im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häuserzeile in Villigen

Die ältesten bei Villigen gefundenen Siedlungsspuren sind etwa 5000 Jahre alt und stammen aus der Jungsteinzeit, rund 3000 Jahre alt sind Keramikscherben aus der Bronzezeit. Um das Jahr 200 entstand ein römischer Gutshof, der bei Überfällen der Alamannen in den Jahren 259/270 zerstört wurde. Auf dem Rotberg fand man Reste eines römischen Wachtturms. Dort entdeckte Münzen stammen aus der Zeit zwischen 260 und 375. Bei Aushubarbeiten stiess man auf ein alamannisches Gräberfeld aus dem 6. und 7. Jahrhundert. Im Mittelalter bauten unbekannte Adlige zwei Burgen bei Villigen. Jene auf dem Oelberg war ungefähr von 1100 bis 1150 bewohnt und wurde dann aufgegeben, die Burg Besserstein entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts. 1247 tauchte ein Heinricus de Viligen in einer Urkunde auf; dies ist somit die älteste bekannte Erwähnung des Dorfes. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Filingun und bedeutet «bei den Leuten des Filo (Kurzform von Filibertus)».[3]

Villigen war Teil des Hofes Rein, der dem Kloster Murbach im Elsass gehörte (als Hof bezeichnete man damals die Grundherrschaft über ein grösseres Gebiet). Im 13. Jahrhundert fassten die Habsburger ihre Herrschaftsrechte westlich und nördlich von Brugg im Gericht Bözberg zusammen. Dazu gehörten neben Villigen auch Oberbözberg, Unterbözberg, Lauffohr, Linn, Mönthal, Rein, Remigen, Riniken, Rüfenach und Stilli. In diesen Dörfern übten die Habsburger die hohe Gerichtsbarkeit aus, in Mönthal, Remigen und Villigen auch die niedere Gerichtsbarkeit. König Rudolf I. von Habsburg kaufte 1291 den Hof Rein und war damit nicht nur oberster Richter, sondern auch der bedeutendste Grundherr. 1345 schenkte Königin Agnes von Ungarn den Hof dem Kloster Wittichen im Kinzigtal (Schwarzwald). 1458 wurden Weidegebiete für Stilli ausgeschieden, die exakt den bis Ende 2005 gültigen Gemeindegrenzen entsprachen.

Als 1460 die Stadt Bern das Gebiet westlich der Aare eroberte, änderte sich an den Rechten des Klosters nichts. Dieses musste allerdings die Einführung der Reformation im Jahr 1528 hinnehmen. 1544 verkaufte das Kloster den Hof Rein an den Grafen Hartmann von Hallwyl. Im Jahr 1566 erfolgte die Trennung des Gerichtsbezirks Bözberg und die Gerichtsfälle des Hofes Rein wurden von nun an in Stilli verhandelt. Zwischen 1588 und 1599 erwarb die Stadt Brugg zwei Drittel des Hofes, die Stadt Bern das übrige Drittel. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, setzten die alten Kantonsverfassungen ausser Kraft und riefen die Helvetische Republik aus. Der Hof Rein kam zum neuen Kanton Aargau. 1799 verlief die Frontlinie im Zweiten Koalitionskrieg mitten durch das untere Aaretal. In der Region gab es mehrere Feldlager der französischen Armee. Durch Requisitionen und Plünderungen erlitten die Dorfbewohner grosse Not.

1803 löste der Kanton Aargau den Hof Rein auf und erhob die einzelnen Dörfer zu selbständigen Gemeinden. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Villigen landwirtschaftlich geprägt. Der mindestens seit dem 13. Jahrhundert betriebene Weinbau ging um 1880 wegen der eingeschleppten Reblaus stark zurück. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten rund 200 verarmte Dorfbewohner nach Übersee aus. Bis etwa 1960 stagnierte die Bevölkerungszahl, verdoppelte sich dann aber innerhalb von dreissig Jahren. Diese Entwicklung wurde vor allem durch die Eröffnung des Schweizerischen Instituts für Nuklearphysik SIN im Jahr 1968 ermöglicht, das 1988 zusammen mit dem Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung in Würenlingen im Paul Scherrer Institut aufging.

Im September 2003 genehmigten die Stimmberechtigten von Villigen die Eingemeindung der bisherigen Nachbargemeinde Stilli. Die Gemeindefusion wurde am 1. Januar 2006 rechtskräftig.

Halseisenbrunnen, Säule von 1583
Reformierte Kirche

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem westlich über dem Dorf steil aufragenden Felskopf des Geissbergs befinden sich die Überreste der Burg Besserstein.

Im Dorf selbst gibt es nicht weniger als zehn Brunnen, weshalb Villigen auch als «Dorf der schönen Brunnen» bezeichnet wird. Zwei davon, der Halseisen- und Schmittenbrunnen, die 1583 und 1814 im Spätrenaissance-Stil erbaut wurden, stehen heute unter Denkmalschutz[5], ebenso wie die Kirche.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau über grünem Dreiberg abgehauene gestürzte, gewendete gelbe Bärentatze, begleitet von drei fünfstrahligen gelben Sternen.» Das Wappen geht auf jenes der Herren von Villingen zurück, habsburgischen Ministerialen im 13. und 14. Jahrhundert. Die älteste bekannte Darstellung stammt von 1548, allerdings wächst die Bärentatze vom unteren Schildrand nach oben ins Feld. Auf dem Gemeindesiegel von 1872 erschien die Bärentatze nun umgekehrt, zusammen mit den drei Sternen, deren Bedeutung nicht bekannt ist. 1988 legte der Gemeinderat fest, dass die Aussenseite der Tatze darzustellen ist.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung (ohne Stilli):[7]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 460 733 591 601 630 621 779 914 1247 1430 2010

Am 31. Dezember 2017 lebten 2091 Menschen in Villigen, der Ausländeranteil betrug 28 %. Bei der Volkszählung 2000 (nur auf Villigen bezogen) waren 48,2 % reformiert und 35,0 % römisch-katholisch; 2,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 89,8 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 1,7 % Albanisch und Italienisch, 1,6 % Portugiesisch, 1,0 % Französisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Brugg zuständig. Villigen gehört zum Friedensrichterkreis Rein.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villigen hat im Vergleich zu den Nachbargemeinden relativ viele Arbeitsplätze, nämlich über 1300 gemäss Betriebszählung 2008. Davon sind 4 % in der Landwirtschaft, 4 % in der Industrie und 92 % im Dienstleistungssektor.[10] Der mit Abstand grösste Arbeitgeber ist das Paul Scherrer Institut (PSI), ein multidisziplinäres Forschungszentrum für Natur- und Ingenieurwissenschaften. Daneben gibt es eine kleine Möbelfabrik sowie mehrere Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Rund eineinhalb Kilometer nordwestlich des Dorfes liegt am Osthang des Geissbergs der Steinbruch Gabenchopf. Die dort abgebauten Steine (Kalkstein und Mergel) werden mit einem vier Kilometer langen Förderband über die Aare hinweg zum LafargeHolcim-Zementwerk in Würenlingen transportiert. Auf einer Fläche von 17 Hektaren wird an den Hängen oberhalb von Villigen Weinbau betrieben.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villigen und Stilli liegen an der Hauptstrasse, die von Brugg her dem westlichen Aareufer entlang nach Böttstein und Klingnau verläuft. Bei Stilli führt eine 1970 gebaute Brücke über die Aare nach Würenlingen. Der Anschluss an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch die Postautolinie vom Bahnhof Brugg nach Döttingen, mit zahlreichen Zusatzkursen zwischen Brugg und dem PSI. Durch Stilli verkehrt zusätzlich die Linie zwischen Brugg und Bad Zurzach, vom PSI aus eine Linie über Untersiggenthal nach Gebenstorf.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule, die Sekundarschule und die Bezirksschule können in Brugg besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band II: Die Bezirke Brugg, Lenzburg. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 29). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1953. DNB 750561750.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Villigen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2017. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2018, abgerufen am 8. März 2018 (PDF, 1,7 MB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2017. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2018, abgerufen am 8. März 2018 (PDF, 1,7 MB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 447–448.
  4. a b c Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  5. Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg. Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 305.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.