Vincenzenbronn

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Vincenzenbronn
Koordinaten: 49° 24′ 47″ N, 10° 49′ 14″ O
Höhe: 319 m ü. NHN
Fläche: 4,16 km²
Einwohner: 263 (25. Mai 1987)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner/km²
Postleitzahl: 90613
Vorwahl: 09105
St. Laurentius

Vincenzenbronn (umgangssprachlich: „Brun“[2]) ist ein Ortsteil der Gemeinde Großhabersdorf im mittelfränkischen Landkreis Fürth.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kirchdorf liegt nördlich der Bibert am Südhang des Herbstbucks. Durch den Ort fließt der Petersgraben, der 250 Meter weiter südöstlich als linker Zufluss in die Bibert mündet. Der Ort ist von Acker- und Grünland umgeben. Im Westen heißt das Flurgebiet Melben, im Norden Am Kleinen Anger und im Nordwesten Mark.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich vom ersten Patron der Kirche, einem Heiligen Vinzenz ab. Das Wort Bronn deutet auf einen Brunnen oder eine Quelle hin, die bei der Gründung des Dorfes bedeutend war. Anfangs hieß der Ort Bronn, Brunn oder Prunn, auch in schriftlichen Quellen sind diese Formen zu finden. 1370 wurde der Ort als „Vincencenprunne“ erstmals urkundlich im Urbar des Burggrafentums erwähnt.[2] Unklar bleibt, ob die ganze Ortschaft ein Lehen der Burggrafen war, das Friedrich V. von Nürnberg von dem Bamberger Bischof erworben hatte. Schon 1387 verkaufte Friedrich „dem ehrsamen man Bartholden Pfintzig dem jungen, burger zu Nüremberg, und frawn Agata, seiner elichen wirtyn, alle vnser gut, die mir haben und biz her gehabt haben zu Vincencenprunn“. Nach dem Rückkauf des Lehens ging es 1401 an den Nürnberger Bürger Conrad Prünster für 1500 Gulden mit dem Recht des Wiederkaufs. 1402 ist im Salbuch des Klosters Heilsbronn Klosterbesitz in „Brunn sancti vincentis“ eingetragen. Im Jahr 1409 erhielten Martin Haller und Conrad Prünster Güter des Klosters im Tausch gegen Güter in Ammerndorf. Die Urkunde lautet: „ich Conrad Prünstner Bürger zu Nürnberg bekenne öffentlich mit diesem Brief für mich und meine Erben, dass ich für den Hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Burggraf Friedrich zu Nürnberg meinen gnädigen Herrn das Dorf Vincenzenbronn gekauft habe“.

Die meisten Dörfer in der unmittelbaren Umgebung zur Alten Veste wurden 1632 im Dreißigjährigen Krieg von den Truppen Wallensteins beim Rückzug zerstört. Vincenzenbronn wurde kurz nach dem 24. Juni 1632 abgebrannt und bis auf zehn Zimmer zerstört, es wird von 107 Toten berichtet. Auch die Kirche und die Schule waren abgebrannt, nur die Redenbacher’sche Mühle, die heutige Bronnenmühle, blieb unversehrt. 1661 wurde die Kirche wieder aufgebaut, aber auf Grund von Baumängeln musste nach 87 Jahren die heutige Kirche erbaut werden. 1665 wurde die Schule wieder aufgebaut, die Lehrkräfte waren nebenbei auch Mesner und Bader.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Vincenzenbronn 24 Haushalte. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Cadolzburg aus. Über die brandenburg-bayreuthischen Untertanen übte das Stadtvogteiamt Markt Erlbach das Hochgericht im begrenzten Umfang aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das brandenburg-ansbachische Kastenamt Cadolzburg inne. Grundherren waren das Kastenamt Cadolzburg (drei Höfe, drei Halbhöfe, drei Güter, drei Gütlein, zwei Häuser, eine Mühle, eine Schmiede, ein Hirtenhaus), die Kirche Vincenzenbronn (ein Haus), das brandenburg-bayreuthische Kastenamt Dietenhofen (ein Gut, ein Wirtshaus, ein Haus), das Rittergut Neudorf (ein Halbhof, ein Gut) und der Nürnberger Eigenherr von Löffelholz (ein Viertelhof).[4]

1792 ging das Fürstentum Ansbach – und damit auch Vincenzenbronn – in das Königreich Preußen über. 1804 gab es im Ort 21 Haushalte, von denen 16 dem Oberamt Cadolzburg unterstanden.[5]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Vincenzenbronn dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Fernabrünst zugeordnet. Es gehörte auch der im selben Jahr gegründeten Ruralgemeinde Fernabrünst an.[6] Mit einer Unterschriftensammlung wurde Anfang der 1970er Jahre die Eingliederung nach Großhabersdorf angestrebt. Bei der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Fernabrünst aufgelöst und am 1. Januar 1972 in die Gemeinde Großhabersdorf eingegliedert.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kirchbergstr. 6: Evangelisch-lutherische Filialkirche St. Laurentius
  • Vincenzenbronner Hauptstr. 29: Dreiseithof

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Großhabersdorf#Vincenzenbronn

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 138 187 226* 210 202 159 171 232 254 259 263
Häuser[7] 25 27 29 29 30 40 57 71
Quelle [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [1]
* inklusive Bronnenmühle

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist seit der Reformation protestantisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Walburg (Großhabersdorf) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Walburga (Großhabersdorf) gepfarrt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Vincenzenbronn führt von Ost nach West die Rothenburger Straße (Staatsstraße 2245). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Vogtsreichenbach, nach Rütteldorf, nach Fernabrünst zur Kreisstraße FÜ 20 und zur Bubenmühle.

Beinahe parallel zu ihr verlief zwischen dem 22. Mai 1914 und dem 26. September 1986 die Bibertbahn an welcher Vincenzenbronn einen Haltepunkt hatte. Sie verband den Ort am Bahnhof Nürnberg-Stein in Gebersdorf mit der Bahnstrecke Nürnberg–Crailsheim, fast alle Züge wurden nach Nürnberg Hauptbahnhof durchgebunden. Schon vor der Stilllegung des Zugverkehrs verband der Bahnbus den Ort mit Nürnberg und Fürth. Nach der Stilllegung wurden die Fahrten nach Nürnberg zum U-Bahnhof Rothenburger Straße umgeleitet und zum Start des Verkehrsverbund Großraum Nürnberg im September 1987 als Linie 113 vollständig in den Verbund integriert. 1988 übernahm die 100%ige Bahntochter Omnibusverkehr Franken die Konzession. Am 15. Juni 2008 wurde die Verbindung mit der Eröffnung der U-Bahn zur Gustav-Adolf-Straße bis zum dortigen Busbahnhof verkürzt.

Zum Schuljahresbeginn 1992 wurde die aus Dietenhofen kommende Schulbuslinie zur Staatlichen Realschule in Heilsbronn und dem Laurentius-Schulzentrum Neuendettelsau in die OVF-Buslinie 719 ab Großhabersdorf umgewandelt.

Abends und am Wochenende verkehrt ein Anrufsammeltaxi zum Bahnhof in Roßtal.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vincenzenbronn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 336 (Digitalisat).
  2. a b W. Wiessner, S. 99f.
  3. Vincenzenbronn im BayernAtlas
  4. H. H. Hofmann, S. 183.
  5. J. K. Bundschuh, Bd. 6, Sp. 25.
  6. H. H. Hofmann, S. 228.
  7. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  8. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 98 (Digitalisat).
  9. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 65 (Digitalisat).
  10. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1030, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  11. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1195, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  12. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1125 (Digitalisat).
  13. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1193 (Digitalisat).
  14. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1231 (Digitalisat).
  15. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1061 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 779 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 174 (Digitalisat).