Vincenzo Vela

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Vincenzo Vela
Statue La Meditazione von Vicenzo Vela in Grancia (Tessin)

Vincenzo Vela (* 3. Mai 1820 in Ligornetto, Kanton Tessin; † 3. Oktober 1891 ebenda) war ein Schweizer Bildhauer des 19. Jahrhunderts und ein Hauptvertreter des Verismo.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vela wurde als Sohn eines Kleinbauern und einer Wirtin im Mendrisiotto geboren. Wie seine zwei älteren Brüder Giovanni und der in Mailand lebende Lorenzo, erlernte er mit neun Jahren das Steinmetzhandwerk. Lorenzo erkannte Velas Talent und so reiste er 1834 zu seinem Bruder nach Mailand. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt durch Reparaturarbeiten am Dom und Zeichnungen für einen Goldschmied.

Ein Jahr später immatrikulierte er sich an der dortigen Accademia di Belle Arti di Brera, die er bis 1844 besuchte. Seine 1839 geschaffene Skulptur "Auferweckung der Tochter des Jaïrus" wurde von der Accademia di belle arti di Venezia ausgezeichnet. Durch diesen Erfolg erhielt Vela weitere Aufträge für Skulpturen und Grabdenkmäler. In Mailand heiratete er Sabina Dragoni, die ihm als zwölfjährige Modell stand.

Vela war überzeugter Republikaner. Beim Sonderbundskrieg von 1847 beteiligte er sich freiwillig auf der Seite der eidgenössischen Truppen unter Guillaume-Henri Dufour. 1848 kämpfte er unter Antonio Arcioni auf der republikanischen Seite im ersten italienischen Unabhängigkeitskrieg.

Als Vela einen österreichischen Orden, der gleichzeitig Radetzky zuteilwurde, ausschlug, wurde er aus österreichischen Mailand "wegen mazzianischer Propaganda" ausgewiesen. Nach Ligornetto zurück gekehrt bezog er ein Atelier und begann mit den Arbeiten, an der vom Genfer Grossen Rat bestellte Henri Dufour-Büste. Velas Freunde und Schüler drängten ihn 1852 in das unabhängige Turin zu ziehen. Dort bezog er sein eigenes Ateliers und als Professor an der königlichen Kunstakademie (Accademia albertina delle belle arti) lehrte er den Verismo, der die Kunst Italiens nachhaltig beeinflusste.

1867 kehrt er nach Ligornetto zurück, wo er einen Palazzo erbauen liess. Velo träumte von einer Schweizerischen Kunstschule, die im Tessin mit Unterstützung des Bundes, vielleicht im Anschluss an sein Museum, errichtet werden sollte. Die Unterstützung blieb jedoch aus[1][2]. Dafür ist seit 1868 das Museum Vela in Ligornetto für die Öffentlichkeit zugänglich. Von 1920 bis zu seinem Tod war Appollonio Paolo Pessina Kurator und Konservator des Museums von Vincento Vela.

Neben Kunstfreunden kamen Patrioten aus dem 1871 geeinten Italien, um ihr Nationaldenkmal, den Ruhmestempel des Risorgimento, zu besuchen. Als politisch interessierter Mensch war Vela Mitglied des Tessiner Grossen Rats und beteiligte sich 1890 am Tessiner Putsch in Lugano.

Vela schuf u. a. die Skulptur "Spartacus" die 1855 an der Weltausstellung eine Ehrenmeldung erhielt und das Denkmal des sterbenden Napoleon. Das Denkmal wurde 1867 an der Weltausstellung in Paris gezeigt. 1882 wurde Vela als auswärtiges Mitglied in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen.

1892 starb Velas Frau, 1895 sein Sohn Spartaco und 1897 sein Bruder Lorenzo.

Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus von Vincenzo Vela am Bahnhof von Airolo

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vela schuf viele Statuen von Patrioten, Königen und Philosophen für italienische und französische Städte. Sein für die damalige Zeit aussergewöhnliches soziales Engagement kommt in vielen Werken zum Ausdruck. Ein wichtiges Beispiel ist sein Denkmal für die beim Gotthard-Eisenbahntunnel verunglückten Vittime del lavoro, das er aus eigenem Antrieb und ohne Bezahlung schuf.

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bergamo schuf Vela eine Denkmal für Donizetti, in Stresa ein Denkmal für Antonio Rosminis, in Como das Denkmal für Garibaldi, in Airolo das Denkmal für die Mineur Opfer während des Gotthardtunnellbaus oder das von der Kaiserin Eugenie bestellte Denkmal "Kolumbus" für Veracruz. Auf dem Friedhof von Ligornetto steht das 1893 von Augusto Guidini gebaute Mausoleum. Es zeigt Vela auf einem Trauerbett und wird von oben von einer Figur des leidenden Jesu betrauert. Daneben zeigt ein Stillleben in Bronze Karabiner, Hammer, Meißel und Orden, die Attribute des gefeierten Republikaners und Bildhauers. Weitere Werke in Lugano waren das Tell-Denkmal[3] und die Skulptur "Die Verzweiflung".

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eduard Blatzhoff-Lejeune: Vincenzo Vela, Die Schweiz, Bd. 14, 1910, S. 383387
  • Georg Kreis: Unten und oben. Vincenzo Velas "Vittime del lavoro" von 1882/83, in: Bernard Degen et al. (Hrsg.): Fenster zur Geschichte. 20 Quellen – 20 Interpretationen. Festschrift für Markus Mattmüller, Basel/Frankfurt a. M. 1992, S. 163–182.
  • Gianna A. Mina Zeni (Hrsg.), Museo Vela. Le collezioni. Scultura, pittura, grafica, fotografia, Lugano 2002
  • Nancy J. Scott: Vincenzo Vela 1820-1891, New York / London 1979 (Diss. New York University, 1978)
  • Marc-Joachim Wasmer: Il Museo Vela a Ligornetto. La casa-museo dello scultore ticinese Vincenzo Vela, Bern 2003
  • Gianna A. Mina: Vincenzo Vela. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 5. Januar 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vincenzo Vela – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schweizer Kunst, Heft 5, 1943, S. 33: GSMBA Umfrage über eine Gründung einer schweizerischen Kunstakademie. Abgerufen am 25. November 2019.
  2. Schweizer Kunst, Heft 9, 1943, S. 69–79: GSMBA Diskussion zu der Umfrage über eine Gründung einer schweizerischen Kunstakademie,. Abgerufen am 25. November 2019.
  3. Tell-Denkmal in Lugano