Vineta

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Dieser Artikel erläutert die sagenhafte Stadt Vineta; für andere Bedeutungen siehe Vineta (Begriffsklärung).

Vineta (auf der ersten Silbe betont) ist der Name einer sagenhaften Stadt an der südlichen Ostseeküste. Der historische Kern der Sage geht wahrscheinlich auf die Überlieferung zu der hochmittelalterlichen Frühstadt zurück, die auch unter den Namen Jumne, Jomsburg, Julin o. ä. bekannt ist.

Verschiedene mögliche Lagen von Vineta

Die Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sage nach ging Vineta bei einem Sturmhochwasser unter. Grund sei der moralische Verfall der Stadt, der „Hochmut und die Verschwendung der Bewohner“ gewesen. In einer der zahlreichen Varianten der Sage gab es eine Warnung: Drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor dem Untergang der Stadt erschien sie über dem Meer mit allen Häusern, Türmen und Mauern als farbiges Lichtgebilde. Die Ältesten rieten allen Leuten daraufhin, die Stadt zu verlassen, denn sehe man Städte, Schiffe oder Menschen doppelt, so bedeute das immer den Untergang. Doch die Bewohner Vinetas kümmerten sich in ihrem Mangel an Demut nicht darum. Niemand beachtete auch die allerletzte Warnung: Einige Wochen später tauchte eine Wasserfrau dicht vor der Stadt aus dem Meer und rief dreimal mit hoher, schauerlicher Stimme:

„Vineta, Vineta, du rieke Stadt, Vineta sall unnergahn, wieldeß se het väl Böses dahn“
„Vineta, Vineta, du reiche Stadt, Vineta soll untergehen, weil sie viel Böses getan hat.“

Noch heute sollen Glocken aus den Tiefen des Meeres zu hören sein.

Historische Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Um 965 berichtet Ibrahim ibn Jaqub von einer reichen Stadt, deren arabisch geschriebener Name in der Umschrift etwa Weltaba lautete.
  • 1075/80 schreibt Adam von Bremen von einem Seehandelsplatz auf einer Insel an der Mündung der Oder in die Ostsee, östlich des vom Erzbistum Hamburg beanspruchten Diözesangebietes, wo Slawen, Barbaren und Griechen wohnten und Sachsen Handel trieben und wo einst Harald Blauzahn Zuflucht fand. Nach der ältesten Handschrift dieser Überlieferung (11. Jhd.) war dessen Name vimne bzw. uimne, die zweitälteste Abschrift aus der Zeit um 1200 spricht an diesen Stellen von uimne und iumne bzw. jumne (im handschriftlichen Latein keine Differenzierung zwischen v und u bzw. i und j). Jüngere Abschriften geben den Namen meist in der letzteren Variante (Jumne) wieder, ein frühneuzeitlicher Druck auch als Julinum und Juminem.[1]
  • Zwischen 1140 und 1159 entstanden drei Viten des Otto von Bamberg, die den Namen Julin für die mit Sicherheit an der Stelle des heutigen Wollin gelegene Frühstadt benutzen.[1]
  • 1163/1168 kopiert Helmold von Bosau nahezu wörtlich die Passagen Adams von Bremen über diesen Ort. In der ältesten erhaltenen Handschrift von Helmolds Slawenchronik (um 1300) findet sich die Schreibweise uineta, die vom Schreiber nach iuḿta korrigiert wurde (abgekürzt für iumenta oder iumneta). In jüngeren Abschriften findet sich Jumneta, in der Kapitelüberschrift aller überlieferten Handschriften jedoch Vinneta.[1]
  • Um 1170 berichtet die nordische Knýtlinga saga über die Belagerung der Jomsburg durch den dänisch-norwegischen König Magnus (1043) und einen gegen diesen Ort vom Dänenkönig Waldemar I. geführten Feldzug (1170).[1]
  • Um 1190 schreibt Saxo Grammaticus sowohl über denselben Feldzug (1170) als auch über Harald Blauzahns Aufenthalt dort, nennt den Ort aber Julin[um].[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arkona[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1937 und 1938 wurden im Rahmen der Germanen- und Wikingerforschung der Nationalsozialisten Untersuchungen am Arkonariff durchgeführt. Grund dafür waren die Informationen in der Lubinschen Karte, dass bei Kap Arkona eine Stadt versunken sein soll. Gleichzeitig fand man im Hamburger Museum eine Münze, den so genannten Dithmarscher Goldbrakteaten, auf dem ein Hafengrundriss zu erkennen war, der die Jomsburg/Vineta darstellen sollte. Beide Informationen führten 1937/38 zu Forschungen am Arkona-Riff durch das Forschungsschiff „Meteor“ der Reichsmarine, dessen Mannschaft Vermessungen, Luftbildaufnahmen, Tauch- und Bergungsarbeiten dort durchführte. Man fand Steinmolen, Grenzwälle und Einzelstücke, wie vier Steinkugeln von Schleudermaschinen und einen Runenstein mit dem Namen „Ulf“, der auch auf der Goldmünze zu lesen sein sollte. In Verbindung mit der Jaromarsburg wurde deshalb hier Jomsburg/Vineta vermutet.[2]

Vinetariff vor Koserow / Damerow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Historiker David Chyträus siedelt im 16. Jahrhundert in seiner Chronicon Saxoniae Vineta „jenseits des Peeneflusses beim Dorfe Damerow“ an. Damerow ist ein Vorwerk von Koserow. Für Chyträus war das Land der Vineter (Veneter) Usedom, während Julin auf Wollin von den Pomoranen bewohnt war. Inzwischen ist bekannt, dass der Nordwesten Usedoms wenig slawisch besiedelt war, archäologische Funde sind nicht bekannt, sodass diese Theorie heute keine Bedeutung mehr hat.

Vineta ist der Sage nach vor Koserow (Insel Usedom) versunken. Der Historiker Wilhelm Ferdinand Gadebusch aus Swinemünde leitete 1863 hieraus und aus weiteren Betrachtungen seine These für die Koordinaten Vinetas ab. Gadebusch vertrat die Auffassung, dass eine relativ ostseeferne Stadt Vineta (bei Wollin) an der flachen Dievenow – einem Mündungsarm der Oder – gelegen, für größere Schiffe nicht anzusteuern gewesen wäre. Er suchte aus diesem Grunde Vineta an anderer Stelle.

Die Informationen zum Vinetariff vor Koserow waren lange Zeit wegen der alten Kartensignaturen als Lagekennzeichnung und der Unmengen an großen Steinen bedeutend. Dies wurden von mehreren Wissenschaftlern besucht und begutachtet, sie wollten sogar erkannt haben, dass diese Steine in geordneten Formationen gelagert waren, die z.B. Molen sein könnten. Nachdem aber nach 1818 auf dem Riff in erheblichen Mengen die Steine dort gezangt wurden, war klar, dass diese Steine natürlichen Ursprungs aus der Eiszeit waren und keinerlei Bearbeitungsspuren aufwiesen. Die Steine wurden dazu verwendet, die Molen in Swinemünde zu bestücken.[3]

Ruden / Peenemünder Haken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein gutes Dutzend Landkarten zwischen 1633 und 1700 verzeichnet das versunkene „Wineta“ östlich nahe der Insel Ruden vor der Peenemündung. Der Theologe Bernhard Walther Marperger beschreibt sie um 1700 an derselben Stelle. Die Anzahl der Karten ist allerdings ohne Beweiskraft, da damals Karten großenteils voneinander abgezeichnet wurden. Der Ursprung dieser Vorstellung dürfte in der Allerheiligenflut von 1304 liegen, der der größte Teil des Rudens und die damals bestehende Verbindung nach Mönchgut auf Rügen zum Opfer fielen.

Die Gegend zwischen dem Ruden und dem Peenemünder Haken wurde wegen älterer Informationen in Betracht gezogen, Jomsburg/Vineta gewesen zu sein. Die alten Küstenformen vor den Aufspülungen der Jahre nach 1936 ließ auch solche Vermutungen zu. Zusätzlichen Aufschwung erlangte diese These nach dem Wikinger-Goldfund am Peenemünder Haken von 1905 bzw. 1908. Diese Theorie wurde dann aber wegen des Fehlens weiterer Indizien fallen gelassen.

Wollin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Virchow war überzeugt: „Vineta ist Wollin!“ Adolf Hofmeister formulierte aufgrund der Quellenlage in den Jahren 1931/32 die heute in der pommerschen Historiographie allgemein akzeptierte These, dass Vineta, Jumne, Julin, Jomsborg etc. mit der Frühstadt an der Stelle des heutigen Wollin identisch sei.[1] Ausgrabungen deutscher und polnischer Archäologen seit den 1930er Jahren in der Stadt Wollin und daran anknüpfende polnische Grabungen seit den 1950er Jahren scheinen diese These zu stützen. Sie bewiesen, dass sich in der Nähe der heutigen Stadt Wollin vom 10. bis zum 12. Jahrhundert ein bedeutender Seehandelsplatz mit einer entsprechend großen multiethnischen Siedlung befunden hat.

Umfangreiche Untersuchungen zur Lage von Vineta gab es lt. Baltische Studien schon 1828 mit der Kartierung von Steffen und 1847 durch Robert Klempin. Sie konzentrierten sich auf die Deutung aller schriftlichen Zeugnisse, aber auch der topografischen, geologischen und geografischen Möglichkeiten. Letzterer sieht mit den vielen dort zitierten Vorautoren Wollin als einzig mögliche Lagenvariante für Vineta.[4]

1868 berichtet der Regionalhistoriker Heinrich Berghaus ebenfalls von der Übereinstimmung von Wollin mit Vineta, unter anderem zeigt er die derzeitigen umfangreichen Funde von arabischen und anderen fremdländischen Münzen in Wollin und dessen Umgebung auf, so auf dem Silberberg, dem Schlossberg und im Bereich der Altstadt, aber auch in der weiteren Umgebung.[5]

Rudolf Virchow nahm dann 1872 Grabungen bei Wollin am Galgenberg vor. Zu der Zeit waren noch annähernd 100 fast unberührte Hügelgräber vorhanden. 1892/93 unternahmen dann E. Walter und Ulrich Jahn weitere Grabungen am Gräberfeld auf dem Galgenberg, die Ergebnisse sind nicht aufgezeichnet. 1897 untersuchte Adolf Stubenrauch der Prähistoriker und Restaurator im Stettiner Museum und der Geologe Müller alle in Frage kommenden Orte, über die zu Vineta berichtet wurde. Am Ende der Besichtigungstour unternahmen sie in Wollin umfangreiche Grabungen. Das betraf auch wieder das Gräberfeld und besonders den Silberberg. Oberflächlich wurde am Silberberg eine späte Schwedenschanze festgestellt. Die Schichten darunter zeigten einen slawischen Burgwall und eine dazu gehörige Siedlung. In Richtung Dievenow befand sich ein größeres slawisches Gräberfeld, das aber durch eine ausgedehnte Sandgrube stark zerstört war. Nach den Berichten der örtlichen Behörden waren in dem Areal beträchtliche Hortfunde an Münzen und Schmuckwerk geborgen worden, diese Funde gaben dem Fundort und Hügel den Namen „Silberberg“. Bei den Untersuchungen wurden Unmengen von Hausgeräten, Scherben und Werkzeuge aus der slawisch/wikinger Zeit geborgen. Auch auf dem Mühlenberg und am Schlossberg wurden beschränkte Grabungen angestellt. Stubenrauch schreibt wörtlich: „Die einzige Stelle, wo in einer für die Wissenschaft nützlichen Weise nach Vineta gesucht werden könnte, ist die Umgebung der Stadt Wollin.“ Zwischen der Stadt und dem Silberberg befand und befindet sich ein Gebiet mit der Benennung „Gärten“, weil dort viele Gärten auf dem moorigen Grund, der noch bis zum 19. Jahrhundert dem Torfabbau diente, vorhanden waren. Das Gebiet war aber damals, wie auch heute von Verkehrsbauten (Eisenbahn, Straßen und Wege) stark gestört. Es erstreckt sich über eine Fläche von 4.000 m² und geht von der Dievenow 500 m tief ins Land. Die Behörden berichteten, dass um 1870 dort beim Torfstechen ein Langboot in Klinkerbauweise teilweise geborgen werden konnte und das dicht am Flussufer ein starkes Mauerwerk zu Tage trat. Stubenrauch vermutete deshalb, dass dieses Areal der sagenhafte Hafen der Jomsburg gewesen sein müsste. Er stellte auch Nachgrabungen an, vor allem an der bezeichneten Stelle des Bootsfundes. Es konnte aber nichts mehr festgestellt werden. Er musste dann auch die Grabungen einstellen, weil die Gruben sofort voll Wasser liefen (vergleiche später 2002).[6]

1926 folgten dann die Forschungen von Carl Schuchhardt. Er hatte auf seiner Grabungs- und Forschungsreise Arkona, Rethra und Vineta be- oder gesucht. Er hatte aber nur ganz beschränkt Grabungen ausgeführt und mehr die Grabungsberichte seiner Vorgänger ausge- und bewertet. Er ist auch für Wollin als Vineta, sprach sich aber für die Jomsburg im Peenemünder Haken aus.[7]

Von 1934 bis 1938 erfolgten dann sehr ausgedehnte Grabungen und Forschungen in Wollin besonders unter der Leitung von Dr. Karl August Wilde.

Dabei wurden folgende Schwerpunkte herausgearbeitet:

  1. Dievenow-Ufer von der Altstadt bis zum Schützenhaus in dem unbebauten Streifen. Dabei wurden fast auf der ganzen Strecke Landungsbrücken aus Holz mit daran anschließenden Lager- und Wohnhäuser sowie Handwerkerbuden festgestellt. Diese waren mit gut erhaltenem Holz- und Pfahlwerk, tausenden von Funden aller Kategorien ausgestattet. Das war eigentlich schon der Beweis für die Handelsstadt.
  2. Kartierung von 1828 durch Steffen des Nordteils von Wollin mit Mühlenberg (rechts oben), Silberberg (unten) und dem vorgeblichen Hafen (links)
    Am Silberberg wurden ebenfalls ausgedehnte Grabungen durchgeführt. Dieses Gebiet war durch die älteren Grabungen von Steffen 1828 mit Kartierung und Stubenrauchs von 1897 schon untersucht. Es bestätigten sich das Körpergräberfeld (erheblich gestört durch Sandgrube), der slawische Burgwall, einschließlich Siedlung und die darüber aufgeworfene Schwedenschanze aus der Neuzeit. Der Burgwall wurde an mehreren Stellen geschnitten und dabei die Profile und die zeitliche Abfolge genau festgestellt.[8]
  3. Gräberfeld am Galgenberg Wollin
    Ausgiebig wurde das Gräberfeld auf dem Galgenberg untersucht. Die ungewöhnlichen Hügelgräber hatten Inhalte von der Trichterbecherkultur (Neolithikum) bis zur Slawenzeit. Jeder Grabhügel ist komplett untersucht und dokumentiert. An der Kliffkante des Berges nach Süden lag eine kleine slawische Siedlung, die ohne Befestigung wohl auch als Beobachtungspunkt zur Südfahrt der Dievenow diente.
  4. Keine Grabungen gab es am Schlossberg (Lage ungenau), da dort alles überbaut war.
  5. Auf dem südwestlichen Mühlenberg (neuzeitlicher Friedhof) gab es begrenzte punktuelle Grabungen, dort gab es nur wenige bronzezeitliche Funde.
  6. Gleichzeitig mit den Wallgrabungen am Silberberg wurde am nahe gelegenen Mühlenberg (Johanneshof) Notbergungen von Wilde durchgeführt, da dort bei Ackerarbeiten Begräbnisse auftraten, die aber nicht dokumentiert sind.
  7. Wegen der Neugestaltung des zentralen Marktplatzes konnte das Gebiet durch Wilde ausgiebig untersucht werden, auch dort gab es aus verschiedenen Epochen jede Menge Fundbelege. Dort wurden Grabungen bis in eine Tiefe von 6 Metern ausgeführt. Es konnten in mehreren Schichten Holzbauten verschiedener Bauweise (Stab-, Flecht- und Blockbauten) festgestellt werden. Verglichen wurden sie mit den fast gleichzeitigen Funden von fast kompletten Hausbauten am Schlossberg von Gützkow, die auch von Wilde ausgeführt und von Wilhelm Petzsch 1935 publiziert waren.

In Wollin konnten bei den Schichtungen auch starke Brandschichten festgestellt werden, die auf die geschichtlich überlieferten Zerstörungen durch die Dänen zurückzuführen waren. Damit konnten die Schichtungen auch datiert werden. Immer war die Siedlung über der Brandschicht planiert und dann erneut wiederaufgebaut werden, deshalb auch die ungewöhnliche Tiefe der Grabung.[9]

Weitere Grabungen und Forschungen wurden durch den Krieg verhindert.

1952 begannen dann unter der Leitung von Prof. Władysław Filipowiak vom Stettiner Museum ausgedehnte Grabungen und Untersuchungen besonders im Altstadtbereich Wollins (poln. Wolin). Möglich waren diese ausgedehnten Grabungen durch die Kriegszerstörungen in der Altstadt, denen die Bereiche zwischen der Kirche bis hinunter zur Dievenow zum Opfer gefallen waren und die so kurz nach dem Krieg nicht wieder bebaut waren und bis heute nicht sind. Dort konnten dann sehr intensive Grabungen in den Bereichen, die 1934/38 noch bebaut waren, erfolgen. Am Ufer in Richtung Osten wurde auch Relikte einer Brücke über die Dievenow aus der slawischen Epoche festgestellt. Punktuell wurden die anderen Gebiete wie in den Aktionen 1934 bis 1938 mit untersucht und deren Ergebnisse mit über 50.000 Funden bestätigt und ausgeweitet. Heute sind die Funde im Museum von Wollin (poln. Wolin) neben dem Rathaus zu sehen. Der Silberberg und das Gräberfeld auf dem Galgenberg wurden zu archäologischen Reservaten erklärt. Die Wikingersiedlung auf der Plage-Insel zeigt das Leben, die Bauweise und das Handwerk dieser Epoche. Teilweise sind dort auch Original-Funde aus den Grabungen ausgestellt.

Im Jahr 2002 besuchte eine größere Gruppe von Bodendenkmalpflegern aus Vorpommern das polnische Wolin und wurde von einem Schüler Filipowiaks, der jetzt Grabungsleiter in Wolin war, geführt. Er zeigte die Grabungsflächen von 1934/38 und 1952, das Museum der Stadt und geleitet die Gruppe auch zum Silberberg. Zum Abschluss zeigte er die neue Grabungsstelle im Gebiet der oben beschriebenen „Gärten“. Dort sollte zu der Zeit die inzwischen fertiggestellte Ortsumgehungsstraße mit neuer paralleler Bahnbrücke gebaut werden. Vorher waren die archäologischen Untersuchungen angesetzt. Die Denkmalpfleger konnten die Grabungsstellen und nachher auch die Funde in dem Gebäude der Archäologen, wo sie gesammelt, gereinigt und katalogisiert wurden, besichtigen.

In den Gruben der Grabung (voll Grundwasser vom Moor, wie auch bei Stubenrauch beschrieben) waren ausgedehnte und gut erhaltene Pfahlwerke zu sehen. Leider sind bislang keine genauen umfangreichen Grabungsberichte aus 1952 bis 2002 bekannt.

Grabungsgrube in den "Gärten" von Wollin mit Pfahlwerk 2002
Zusammenfassung

Durch die Untersuchungen und Grabungen von 1828 und 1847 bis heute ist archäologisch und quellenmäßig eine ausgedehnte frühstädtische Handelssiedlung von 4,5 km Länge, einer Breite von bis zu 800 m und einer Tiefe von 6 m (Grabungstiefe) einschließlich der Gräberfelder an beiden Enden (Nord – Silberberg und Mühlenberg sowie Süd – Galgenberg) festgestellt worden. Im Berichtszeitraum von 1654 bis 1931 wurden die vorgeschichtlichen Münzfunde aufgelistet. Aus größeren Konzentrationen von Münz- und Hacksilberschätzen kann man auf das Vorhandensein von Handelsplätzen und Märkten schließen. Dieser Bericht umfasst alle Bereiche des damaligen Pommerns. Die Funde aus der Germanenzeit (römische Münzen) zeigen größere Funde (um 20 Stück) im Gebiet Wolgast und in Hinterpommern (Gebiet Stolp – Lauenburg). Ansonsten sind es bei einer Gesamtzahl von 170 nur einzelne Streufunde über das ganze Gebiet verteilt mit Schlussmünzen von maximal 550. Anders sieht es mit den Münz- und Silberschmuckfunden aus der Wikinger- und Slawenzeit aus, wobei reine Münzfunde aus einer Zeit zwischen 700 und 1000 zu verzeichnen sind und später bis zum 13. Jahrhundert mehr Hacksilberfunde. In letzteren sind aber die Münzen oftmals unzerstört enthalten, weil sie ja eine geringe Größe haben. Es sind byzantinische, arabische, deutsche und wendische (meist deutsche Stücke überprägt) Münzen, die die ausgedehnten Handelswege verdeutlichen. Auch die Flucht der Wolliner vor den Invasionen der Dänen nach Kammin ist durch einen komplexen Schatzfund von 140-150 arabischen Münzen dokumentiert.[10]

Als Handels- und Marktorte sind hervorzuheben: Ralswiek, Menzlin, Wollin, Stettin, Treptow an der Rega und Kolberg.[11]

Als Konzentrationen der Münz- und Schatzfunde fallen Ralswiek auf Rügen (erst nach Grabungen um 1970) und Wollin (Bericht 1931) auf. Da die Münzfunde in Wollin aus dem 17. und 18. Jahrhundert nur in Ausnahmen gezählt wurden, sind bis 1882 nur 433 genau erfasst, da aber die sonstigen Angaben mit – große Zahl und große Menge – doch erheblich mehr andeuten, ist von weit über 1000 arabischen und frühdeutschen Münzen auszugehen. Die Gegenden um die anderen Vineta-Verdachtspunkte, besonders Barth sind total fundleer mit diesen Münzen als Indizien der frühstädtischen Handels- und Marktorte.

Barth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer bereits 1933 publizierten These soll Vineta bei Barth gelegen haben.[12][13] Unabhängig davon forschten Klaus Goldmann und Günter Wermusch seit 1994 gemeinsam zur vermeintlichen Lage von Vineta und traten 1999 mit ihren Forschungsergebnissen zur Vineta-Barth-These an die Öffentlichkeit. Demnach ist davon auszugehen, dass die Oder über einen heute nicht mehr existierenden Mündungsarm direkt in den Saaler Bodden zur Ostsee hin abgeflossen ist.

Somit wird erklärt, warum die in den alten Schriften beschriebene Lage „Vineta an der Odermündung“ nicht mit der heutigen geografischen Position der Mündungen übereinstimmt. Außerdem wird versucht, Fehldeutungen zu den überlieferten Chroniken aufzuspüren und anhand von exakten Untersuchungen zu korrigieren, wie beispielsweise die Sinndeutung von Adams kurzer Ruderfahrt von „Vineta“ nach Demmin.[14] Etliche Wissenschaftler, unter ihnen die Professoren Joachim Herrmann, Wilfried Menghin oder Friedrich Lüth charakterisierten diese Arbeit als viel versprechende Theorie, oder nannten sie sogar „ein sehr gut belegter Ansatz“.[15]

Das Barther Heimatmuseum bekam den Namen „Vineta-Museum“, und die Stadt ließ sich die Bezeichnung „Vineta-Stadt“ patentieren.[16] Da aber bis heute (Stand: Januar 2014) in der Barther Gegend keine zielgerichteten archäologischen Untersuchungen angestellt wurden und sich somit der gegenständliche Nachweis nur auf die unterschiedlichen Interpretationen von Zufallsfunden stützt, bleibt diese These bei einigen Wissenschaftlern nach wie vor umstritten. In der zuletzt vorgelegten Publikation zur „Vineta-Barth-Theorie“ werden die Eckpunkte der Thesen in stringenterer Fassung dargelegt und ergänzende Fakten eingebracht. So zum Beispiel, dass es sich bei dem gefundenen „Seehandelsplatz Wollin“ (Wolin) um ein Refugium des eigentlichen Wuolin = Barth = Vineta handelt.[17]

Übersehen wird in diesem Fall, dass die Fließrichtung der Peene und damit der Oder nach Westen, also in Richtung Ribnitz während der pommerschen Staffel der Eiszeit um 12.000 v. Chr. war, aber spätestens ab 8.000 v. Chr. in die heutige Richtung nach Osten wechselte, da das Eis nicht mehr die Odermündung verlegte. Das Urstromtal verlandete und vertorfte, heute sind nordwestlich von Tribsees in Richtung der Recknitz nur noch Gräben, meist schon künstlich, vorhanden. Sollte dieser „Wasserweg“ vor ca. 1.000 Jahren noch schiffbar gewesen sein, wenn er schon vor 10.000 Jahren zu verlanden begann? Selbst wenn diese Fließrichtung noch um 1000 möglich wäre, kämen für eine Ansiedlung eher Ribnitz oder Damgarten in Frage, denn die Recknitz hatte noch um 1761 lt. Karte Fischland-Darß-Zingst 1761 mit dem offenen Loop vor Barth 4 aktive Ausflüsse zur Ostsee.

Verwendung des Namens und der Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedichte, Lieder, Musikstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vineta. Gedicht von Wilhelm Müller (1794–1827), enthalten im Zyklus Muscheln von der Insel Rügen (1825)
    • Vertonung von Johannes Brahms für 6-stimmigen Chor a cappella, op. 42 Nr. 2 (1860)
    • Vertonung von Hugo Kaun Symphonische Dichtung für großes Orchester, op. 16 (1888)
    • Vertonung von Achim Reichel, für sein Album Wilder Wassermann (2002)
  • Vineta. Gedicht von Volker von Törne, enthalten im Zyklus Zeit der Märchen (in den Gedichtbänden Kopfüberhals bzw. Im Lande Vogelfrei)
  • Seegespenst. Gedicht von Heinrich Heine (1797–1856), enthalten im Zyklus Die Nordsee. 1. Abteilung (1826)
  • Zwei Texte von Ferdinand Freiligrath (1810–1876): Gedicht Meerfahrt (1838); Wilhelm Müller. Eine Geisterstimme (1872)
  • Vineta-Glocken. Valse boston (1920er Jahre) von John Lindsay-Theimer (Pseudonym für den Kärntner Johann Theimer)
  • Vineta (1994). Konzertstück und -suite für Zither solo von Peter Kiesewetter
  • Vineta (2001). Sinfonische Dichtung von Urs Joseph Flury
  • Vineta. Lied der Puhdys (Puhdys 1, 4. Titel)
  • Vineta. Lied von Michael Heck
  • Vineta. Lied von De Plattfööt CD Ierst mol ganz langsam
  • Vineta. Geplanter 3. Band des Langgedichts Nautilus von Uwe Tellkamp
  • Vineta. Gedichtband von Uwe Kolbe, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1998
  • Vineta. Lied von Josef Seiler (Text) und Ignaz Heim (Musik)
  • Vineta (2011). Lied der Gruppe Transit (Album Übers Meer, Titel 6)
  • Ein einunddreißigster August. Gedicht von Christian Morgenstern

Theaterstücke und Opern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vineta (1863). Oper von Jan Nepomuk Škroup. UA 1870 Prag
  • Vineta. Schauspiel. In: Zu spät. Vier Einakter (1902) von Marie Eugenie delle Grazie.
  • Vineta. Die versunkene Stadt (1937). Theaterstück von Jura Soyfer
  • Vineta, Oper von Felix Nowowiejski (1877–1946), deutsche Erstaufführung in Rostock am 19. Juni 1959.
  • Vineta (1960-67). Oper von Rudolf Mors (Text und Musik). UA 1968 Bielefeld
  • Vineta-Festspiele (seit 1997). Freiluft-Theaterspektakel der Vorpommerschen Landesbühne Anklam auf der Ostseebühne Zinnowitz
  • Republik Vineta (2000). Theaterstück von Moritz Rinke
  • Vineta (Oderwassersucht). Theaterstück von Armin Petras (unter dem Pseudonym Fritz Kater). UA 2001 Leipzig

Spiegelungen in erzählender Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TV-Serien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenschild in Ahlbeck auf Usedom

Benennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Berlin gibt es einen Vinetaplatz im Ortsteil Gesundbrunnen (vormals Wedding), umgeben von der Swinemünder Straße und der Wolliner Straße, sowie eine Vinetastraße mit gleichnamigem U-Bahnhof im Ortsteil Pankow.
  • Im Deutschen Reich (Kaiserreich) existierten Kriegsschiffe namens „Vineta“ (SMS Vineta I, SMS Vineta II, Hilfskreuzer Vineta).
  • Bei Hoek van Holland gab es eine "Marineküstenbatterie Vineta", als Teil des Atlantikwalles.
  • In der Bundesmarine existierte von 1961 bis 1992 ein Binnenminensuchboot mit dem Namen „Vineta“ (M2652, Ariadne-Klasse). Es war eine Einheit im 3. Minensuchgeschwader.
  • Eine Kunstinstallation im Störmthaler See bei Leipzig trägt den Namen „Vineta“ und soll an die Kirche von Magdeborn erinnern, das so wie weitere Dörfer dem Tagebau Espenhain zum Opfer gefallen ist.
  • In Heidelberg gibt es eine liberale Studentenverbindung, die den Namen Vineta trägt.
  • In Kiel-Gaarden gibt es einen Vinetaplatz.
  • Im Europapark Rust gibt es im Themenbereich Skandinavien einen Ausstellungsraum zur "Versunkenen Stadt Vineta".

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Schmidt, Roderich: Das historische Pommern. Personen, Orte, Ereignisse (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V, Forschungen Bd. 41), Köln / Weimar 2007, S. 70-72.
  2. Busch/Ramlow, Deutsche Seekriegsgeschichte, Bertelsmann Gütersloh, 1940, S. 62 ff
  3. Wilhelm Ferdinand Gadebusch, Chronik der Insel Usedom, Anklam, 1863, S. 20-27
  4. Robert Klempin, Die Lage der Jomsburg, Baltische Studien Nr. 13 von 1847, S. 1 bis 107
  5. Berghaus, Landbuch von Pommern, Teil II – Band 1, Anklam 1865, S. 419 und 597 ff
  6. Adolf Stubenrauch, in: Baltische Studien, 1898, S. 65 bis 134
  7. Carl Schuchhardt, Arkona / Rethra / Vineta, Verlag Schoetz, Berlin 1926, S. 74 bis 101
  8. Karl August Wilde, Der Stand der Wall-Untersuchung auf dem Silberberg bei Wollin, in Mitteilungen der Uni Greifswald Heft 11/12, Greifswald 1940, S. 187 ff
  9. „Baltische Studien“, jeweils die kurzen Fundberichte an den Buchenden, Jahrgänge 1934 bis 1938
  10. Wilhelm Petzsch, Die vorgeschichtlichen Münzfunde Pommerns, in Mitteilungen aus der Sammlung der Uni Greifswald, Greifswald 1931, S. 1-79 mit Karten
  11. Joachim Hermann, Slawen in Deutschland, Akademie-Verlag Berlin, 1985 S. 127 ff und S. 233
  12. Jörg Lanz von Liebenfels: Das wiederentdeckte Vineta-Rethra und die arisch-christliche Urreligion der Elektrizität und Rasse. (= Ariomantische Bücherei, Brief Nr 4.) Zürich 1933, als Handschrift gedruckt; Hertesburg-Versand, Prerow-Pommern 1934, S. 1–16. OCLC 72594279
  13. Franz Wegener: Neu-Vineta: die Rassesiedlungspläne der Ariosophen für die Halbinseln Darss und Zingst. (= Politische Religion des Nationalsozialismus, 7.) KFVR, Gladbeck 2010, S. 75f. ISBN 978-3-931-30026-5.
  14. Adam von Bremen: Bischofsgeschichte der Hamburger Kirche. In: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. (= Quellen des 9. u. 11. Jahrhunderts zur Geschichte der Hamburgischen Kirche und des Reiches. Darmstadt 1978, S. 135–503.) Band XI. Freiherr vom Stein Gedächtnisausgabe. Darmstadt / Berlin 1961. OCLC 830689523.
  15. Dietmar Wetzel: Riedegost das Geheimnis der verlassenen Burg. Kunsthaus-Verlag, Boddin 2013, S. 100. ISBN 978-3-933-27483-0.
  16. Vineta bei Barth auf stadt-barth.de
  17. Günter Wermusch: Das Vineta Rätsel. Kapitel 17. Kunsthaus-Verlag, Boddin 2011, ISBN 978-3-933-27480-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]