Violett

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Farbkreis RVB

Violett ist ein Farbreiz, dessen Absorptionsmaximum vom kurzwelligen Ende des sichtbaren Lichtes, dem UV, bis etwa 425 nm reicht.[1] Licht mit dieser Eigenschaft kann auch als Körperfarbe remittiert sein. Im normalen Sprachgebrauch werden die Farbnamen Violett und Lila zwar überdeckend für Farbtöne zwischen Rot und Blau genutzt, Violett ist jedoch der „reine kurzwellige“ Farbreiz, während Lila häufig eine gebrochene Farbe im Rotblau beschreibt. Die Komplementärfarbe nach der subtraktiven Farbmischung ist Gelb, nach additiver Farbmischung ist es Grün (wobei dort die exakte Mischung aus dem jeweiligen primären Rot- und Blauton (Sekundärfarbe) eher als Magenta bezeichnet wird; Violett ist somit eine Tertiärfarbe, die sich aus Magenta und Blau ergibt und zu Gelbgrün komplementär ist).

Fliederviolett
Farbcode: #9932CC
Veilchen-Violett
Farbcode: #8B00FF
Violett
Farbcode: #A146FF

Etymologie von Violett, Lila und Magenta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Violett (mit Nebenformen) erscheint bereits in deutschsprachigen maltechnischen Quellen des 15.-16. Jahrhunderts als Name einer eher hellen, zartvioletten Malerfarbe. Im 17. und 18. Jahrhundert etablierten sich violett (Adj.) und Violett (Subst.) als normale Farbbezeichnungen im Deutschen. Zugrunde liegen französisch violet (Subst.) 'Veilchen' bzw. 'Veilchenfarbe, Violett' und violet (Adj.) 'veilchenfarben', aus lateinisch viola 'Veilchen' (vgl. auch violaceus 'veilchenfarben').[2]

Ebenfalls aus dem Französischen entlehnt, wenngleich etwas später (2. Hälfte des 18. Jahrhunderts), ist die teilweise stark konkurrierende Farbbezeichnung lila, die zunächst als modische Textilfarbe in deutschen Texten erscheint. Das französische Wort lilas (sprich: 'lila') (= 'Flieder' oder 'fliederfarben') ist orientalischer Herkunft (wie die Pflanze selbst) und kommt aus dem Arabischen und Persischen, wahrscheinlich durch spanische Vermittlung.[3]

Die Farbbezeichnung Magenta ist noch jünger und geht auf die blutige Schlacht von Magenta (1859), einer norditalienischen Stadt, zurück.

Farbtöne im Violettbereich: Differenzierungsprobleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die violetten Farbtöne gibt es mehrere Wörter, die sich in der Bedeutung etwas unterscheiden.

  • Die Farbe Violett grenzt in einigen älteren Farbmodellen an Purpur.[4]
  • Lila ist entweder gleichbedeutend mit Violett oder es bezeichnet ein gebrochenes, helleres Violett, ist also in diesem Fall kein reiner Farbton und kann durch Subtraktive Farbmischung mit Violett und Weiß erzielt werden. Umgangssprachlich wird jedoch Lila oft für den Farbton Violett verwendet.
  • Magenta liegt zwischen Violett und Rot und kann als Komplementärfarbe zu Grün angesehen werden.
  • Die Modefarbe Pink wird oft als ein grelles, verweißlichtes (pastelltoniges) Magenta verstanden.

Verschiedene Farbmodelle (Farbkreise usw.) machen variierenden Gebrauch von diesen Farbnamen.

Trotz des sehr unterschiedlichen Eindrucks der violetten Farbtöne ist die Anwendung der Wörter für diesen Farbbereich im Alltag uneinheitlich und teilweise noch kontrovers. Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass Wörterbuchdefinitionen und offizielle Sprachmuster nicht immer im Einklang stehen mit dem allgemeinen Sprachgebrauch, und dass beispielsweise Violett und Lila in der Praxis oft als Synonyme verwendet werden.[5]

Shocking Pink
Farbcode: #fc0fc0
Pink
Farbcode: #ffc0cb
Dunkles Magenta 2
Farbcode: #8B008B
Dunkles Magenta 1
Farbcode: #800080

Zur Verwendung von Lila als Farbwort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher wurden lilafarbene Dinge oft je nach vorherrschendem Farbeindruck als Blau oder Rot eingeordnet. Besonders markant ist das z. B. an der regionalen Verbreitung der Wörter Rotkraut und Blaukraut.[6]

Das Wort lila wird in Fibeln oft als erste Farbbezeichnung genutzt, da die bekannten Buchstaben anfangs begrenzt sind. So wird dieser blau-rote Farbton Kindern geläufig und als geschriebener Farbbegriff gefestigt.

Über die amtlich geschützte, mit einer eigenen Pantone-Nummer versehene Farbmarke Milka-Lila der Schokoladenprodukte des Kraft-Konzerns siehe den Bericht von Lina Panitz, Die Farbe Milka (Die Welt, 11. Oktober 2005) https://www.welt.de/print-welt/article170075/Die-Farbe-Milka.html.

Farblehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spektrales Violett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Spektralfarbe Violett entspricht einer Wellenlänge von 400 bis 430 Nanometern,[7] liegt also am kurzwelligen Ende des sichtbaren Spektrums. Mit Fernseh- und Computermonitoren ist es wegen fehlender (genügend intensiver) Leuchtstoffe nicht darstellbar. Spektrales Violett sieht man in einer CD, in der sich eine kräftige Lichtquelle spiegelt, wenn an der Oberfläche eine Beugung erfolgt.

  • Indigo ist ein früher üblicher Name für Violett und beschreibt als Spektralfarbe den Bereich zum Blau.
  • Pink tendiert deutlich zum Rot und liegt im CIE-Farbsystem auf der Purpurgeraden. Purpur ist dabei die Mischfarbe aus roten und blauen Farbmitteln, der keine Spektralfarbe zukommt, sondern die durch die Erregung von blauen und roten Rezeptoren entsteht.
  • Magenta ist ein Farbton aus dem Purpurbereich. Bei Ostwald heißt das heutige Magenta des CMY-Systems noch „Veil“ und ist jene Optimalfarbe, die er als Mittelfehlfarbe bezeichnet, weil es die Komplementärfarbe zu Grün bildet.

Gemischtes Violett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Violett blühende Krokusse
Lila Blüte einer Acker-Witwenblume

Violett ist im eigentlichen Sinne die Bezeichnung der Spektralfarbe am kurzwelligen Ende, die sich an das Indigo anschließt und ins Ultraviolett übergeht. Nur in diesem Sinn ist Violett eine monochromatische Spektralfarbe. Purpur ist dagegen eine Mischfarbe und Bezeichnung der Farbvalenz aus rotem und violettem Farbreiz. Die intensivsten Purpurtöne bilden die „Purpurlinie“ des CIE-Chromatizitätsdiagramms. Purpur ist der Farbton, der zum „königlichen“ Farbstoff aus der Purpurschnecke gehört.

Violett wird als Farbname für die Sekundärfarbe in der additiven Farbmischung genutzt, wenn Licht der Primärfarbe Blau mit Rot zusammentrifft. Fachlich besser ist es dafür die Bezeichnung Magenta zu nutzen.

Im RAL-Nummern-Farbkatalog gibt es einen eigenen Farbbereich 4xxx Violett, derzeit von Farbe 4001 Rotlila über 4005 Blaulila und 4006 Verkehrspurpur bis Farbe 4010 Telemagenta, der Telekom-„Identy Color“. Außerdem gehört die RAL-Farbe 5000 Violettblau im blauen Bereich dazu.

Farbstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Farbe Violett tritt in der Natur auf, so waren die Farbtöne des Veilchens und später des Flieders namensgebend für die Farbbezeichnung. Lange Zeit war es aber nicht möglich, einen beständigen Farbstoff herzustellen, wie er zum Färben von Textilien benötigt wird. In der Antike wurden sehr teure, aus Purpurschnecken gewonnene Farbstoffe für die Färbung von Luxusartikeln genutzt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurden violette Textilienfärbungen oft durch zweimaliges Färben (mit roten und blauen Farbmitteln, z. B. Kermes und Färberwaid, später Färberkrapp oder Koschenille und Indigo) erzielt. Erst 1856 gewann William Henry Perkin zufällig den (überhaupt) ersten künstlich synthetisierten Farbstoff Mauvein, als er Untersuchungen am Steinkohleteer durchführte. Zwei Jahre später gelang August Wilhelm von Hofmann die Gewinnung des Farbstoffs Fuchsin.

Violett in Alltag und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt teilweise widersprechende Aussagen über die Wirkung von Violett. Der Farbton zwischen Blau und Ultraviolett wird als geheimnisvoll gedeutet. Dabei steht diese Farbe für einsam und wird für kreativ gewertet, zudem für unbefriedigt und dadurch aphrodisierend. Des Weiteren symbolisiert Violett Unlust, Unzufriedenheit und (nervöse) Spannung.[8]

In der Farbberatung wird es empfohlen, um Selbstvertrauen und Individualität auszudrücken und für alle Gelegenheiten, wo Diplomatie gefragt ist. Violett mit seinen Farbnuancen gilt als phantasievoll, empfindsam, intuitiv und außergewöhnlich. Diesen Farbtönen wird ebenso eine charmante und verführerische Wirkung zugesagt, wie eine beunruhigende und beschwerende, geradezu melancholische Wirkung. Daraus resultiert die Redewendung: „Lila – der letzte Versuch“.

Nach der Herstellung der ersten Stoffe mit dem neu entdeckten künstlichen Farbstoff, zwischen 1858 und 1869, galt das blasse „Mauve, or violet colored silk“[9] als Modefarbe der besseren Leute.[10]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der christlichen Kirche ist Violett die liturgische Farbe für Advent und Fastenzeit.
  • Im Glauben ist es die Farbe der Besinnung, der Buße, der Einkehr und Umkehr.
  • Die Farbe steht oft für Spiritualität oder das Mystische.
  • Die Färbung der Kleidung hoher christlicher Würdenträger hat die Bedeutung Würde begründet.
  • In den nationalsozialistischen Konzentrationslagern wurden die wegen ihres Glaubens inhaftierten Bibelforscher (heute: Zeugen Jehovas) mit einem „violetten Winkel“ markiert. Das auf der Spitze stehende Dreieck wurde zur Kennzeichnung der Regimegegner genutzt, Violett stand für Widerstand aus Glaubensgründen.[11]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partei Die Violetten hat Violett als namensgebend gewählt, weil die Partei und die Farbe für Spiritualität stehen.

Die Piratenpartei Österreichs hat die Farbe violett.

Frauenbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ausdruck von Frauenliebe und Unabhängigkeit (Freiheit) werden rot-blaue Farben erstmals von der auf der griechischen Insel Lesbos lebenden antiken Lyrikerin Sappho erwähnt.

Berühmte Frauen beeinflussten mit Kleidungsstücken dieser Farbe die Modewelt. Im 19. Jahrhundert wurde die Farbe für die Frauenbewegung neu entdeckt. Lila als Mischung zwischen Rosa (weiblich, früher Rot als männliche Farbe geltend) und Hellblau (männlich, früher Blau als weibliche Farbe geltend) gilt als Symbol für Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Schon die Plakate der ersten internationalen Frauentage wurden in Lila gehalten. In den „Goldenen 1920er Jahren“ kam die Farbe in Mode, und in den 1970er Jahren war es für Feministinnen fast ein Muss, lila gekleidet zu sein. Viele frauenpolitische Projekte bekamen einen Namen, in dem das Wort Lila enthalten ist. Die „lila Latzhose“ wurde sprichwörtlich und oft verspottet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alice Walker gab 1982 ihrem autobiographischen Briefroman den Namen The Color Purple (dt. Die Farbe Lila). Er zeichnet die Lebensgeschichte einer sich selbst befreienden Afroamerikanerin nach.

Purple Day[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Purple Day findet seit 2008 jährlich am 26. März statt. Bei diesem Gedenktag zur Aufklärung über Epilepsie soll die Farbe an die Einsamkeit der Betroffenen erinnern.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: violett – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Violett – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Violett – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Wenzel: AGFA-Lichtfilter. fotokino-verlag, Halle 1957.
  2. Zur Geschichte der Wortfamilie Violett im Deutschen, siehe William Jervis Jones: Historisches Lexikon deutscher Farbbezeichnungen. Akademie Verlag/De Gruyter, Berlin 2013, unter Violett.
  3. Zahlreiche Textbelege und Hinweise auf Sekundärliteratur in Jones, Historisches Lexikon, unter Lila.
  4. Zum problematischen Farbwert von Purpur in älteren und neueren deutschen Quellen, siehe Jones, Historisches Lexikon, unter Purpur.
  5. Siehe z. B. Yanqian Fan: Farbnomenklatur im Deutschen und im Chinesischen. Eine kontrastive Analyse, Lang, Frankfurt/M. 1996 (Diss. Essen 1993-4), S. 104, 131 f., 140 und 152. Aufgrund von verschiedenen Erkennungs- und Benennungstests mit ihren Informanten fand Fan referentiell kaum einen Unterschied zwischen violett und lila, so dass beide als synonyme Grundfarbwörter im Deutschen zu betrachten wären. Siehe auch Hans Altmann, Zur Semantik der Farbadjektiva im Deutschen, in: Grippe, Kamm und Eulenspiegel. Festschrift für Elmar Seebold zum 65. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Schindler und Jürgen Untermann, Walter de Gruyter, Berlin, New York 1999, S. 1–21. Altmann fand (S. 13ff.), dass die Mehrheit seiner jungen Informanten keinen Unterschied kannten zwischen violett und lila (hier empirisch definierbar als 'eine eher dunkle, gesättigte Mischfarbe'), aber gut bezeugt war wenigstens 'die Ablösung des älteren violett durch das jüngere lila, das den Bedeutungsumfang von violett mehr und mehr aufsaugt'.
  6. Die jeweilige Form der Zubereitung des Farbkohls bestimmt den Farbton: Der Zusatz von konservierendem Essig bewirkt eine rötlich violette Färbung, während die ›süßere‹ süddeutsche Zubereitung zum bläulichen Violett des Blaukrautes führt.
  7. Das große Tafelwerk – Formelsammlung für die Sekundarstufe I und II, Cornelsen Verlag, S. 112
  8. Farbwirkung
  9. Godey’s Lady’s Book and Magazine
  10. Ann Buermann Wass: Rivalling nature in the beauty and brilliancy of their coloring: Synthetic dyes and fashionable colors in Godey’s Lady’s Book and Magazine 1856–1891, The Chronicle of the Early American Industries Association, Dezember 2000, bei findarticles.com
  11. Die mit dem „lila Winkel“ – Die Zeugen Jehovas in den Konzentrationslagern
Farb-Check-RGB.svg

Die in diesem Artikel angezeigten Farben sind nicht farbverbindlich und können auf verschiedenen Monitoren unterschiedlich erscheinen.
Eine Möglichkeit, die Darstellung mit rein visuellen Mitteln näherungsweise zu kalibrieren, bietet das nebenstehende Testbild (nur wenn die Seite nicht gezoomt dargestellt wird):
Tritt auf einer oder mehreren der drei grauen Flächen ein Buchstabe („R“ für Rot, „G“ für Grün oder „B“ für Blau) stark hervor, sollte die Gammakorrektur des korrespondierenden Monitor-Farbkanals korrigiert werden. Das Bild ist auf einen Gammawert von 2,2 eingestellt, das ist der gebräuchliche Wert bei TV-Geräten und Computern mit Windows oder macOS (ab Version 10.6)