Virtual Studio Technology

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Virtual Studio Technology (engl. für virtuelle Studiotechnologie), kurz VST, ist der Markenname eines Software-Protokolls für die Musik- und Tonproduktion. Entwickelt hat VST das Unternehmen Steinberg Media Technologies ursprünglich für sein Sequenzer-Programm Cubase im Jahr 1996. Es etablierte sich einige Jahre später als Industriestandard. Wenn ein Entwickler ein Plug-in für ein großes Audioprogramm herstellt, stattet er es typischerweise mit dem VST-Protokoll aus.

Technik[Bearbeiten]

VST dient dazu, den Entwicklern von digitalen Instrumenten oder Effekten Zugang zum Hauptprogramm („Host“, englisch für „Wirt“) zu geben, mit dem die Komposition oder Produktion erzeugt wird. Technisch formuliert ermöglicht VST den Dialog zwischen einem VST-Host und virtuellen Instrumenten (VSTi) und Effekten, die sich dadurch innerhalb des Sequenzer-Programms als Plug-in betreiben lassen.

Die Technologie, das Plugin als DLL-Paket direkt in den Host zu laden, bietet eine sehr effiziente Anbindung an diesen – was zum Zeitpunkt der Entwicklung von VST in den 90er Jahren (aufgrund geringer Rechenleistung der Computer) ein vorrangiges Entwicklungsziel darstellte. Nachteilig an dieser Vorgehensweise ist (im Vergleich zu z. B. DirectX-basierten Plugins) jedoch, dass der Absturz eines VST Plugins in der Regel den Host ebenfalls destabilisiert.

Bedeutung[Bearbeiten]

Die VST-Schnittstelle ist heute die am weitesten verbreitete auf allen Plattformen. Sie ist grundsätzlich für Entwickler offen und kostenlos verfügbar, jedoch an proprietäre Lizenzbedingungen gebunden. Das Software Development Kit (SDK) ist vom Lizenzgeber Steinberg in C++ für Windows-, Macintosh- und BeOS-Betriebssysteme als 32- und 64-Bit-Version erhältlich. Darüber hinaus gibt es sowohl eine offizielle als auch eine inoffizielle Variante für Linux, ein Delphi-VST-SDK und ein Open-Source-Java-VST SDK.

Zusammen mit Cubase 4 stellte Steinberg die dritte Version des VST-Standards vor, die neben einigen technischen Neuerungen nun auch die qualitative Etikettierung von Plugins einführt.

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

VST-Plugins wurden als Teil der VST entwickelt, um die VST-Host-Software, meist ein MIDI-Sequenzer, um Plugins zu erweitern. Diese sind nicht nur im Homerecording üblich, sondern ebenso im professionellen Tonstudio.

Als Instrument[Bearbeiten]

Hauptartikel: Software-Instrument

Häufiges Einsatzgebiet eines VST-Plugins ist die Bereitstellung eines virtuellen Instrumentes, das zur Klangerzeugung dient. Das kann die Imitation eines realen Instrumentes sein (etwa einer Gitarre), ein Software-Sampler, aber auch ein Synthesizer, der mittels Synthese verschiedene Klänge erzeugt.

Als Effekt[Bearbeiten]

VST-Software kann auch mit den Audiosignalen interagieren. Damit ist es möglich, verschiedene Audioeffekte zu realisieren, etwa den Reverb, das Delay (Musik), den Equalizer oder den Kompressor. Viele Hosts erlauben zudem das Verketten verschiedener VST-Effekte, so dass der ursprüngliche Klang fast nach Belieben modifiziert werden kann. Typisches Einsatzgebiet dieser digitalen Klangveränderung ist auch das Ändern von Tonhöhen, etwa durch Auto-Tune. Für viele Einsatzgebiete der Musikproduktion, etwa im Mastering-Prozess, sind digitale Effekte beinahe unentbehrlich.

Ebenso ist es VST-Effekten möglich, direkt in die MIDI-Übertragungen einzugreifen und so einzelne Parameter zu beeinflussen, etwa die Transposition.

Alternativen[Bearbeiten]

Neben der VST-Schnittstelle gibt es für viele Systeme Schnittstellen, die einen ähnlichen Zweck erfüllen:

  • Audio Unit ist eine integrierte Schnittstelle für Software-Instrumente und Effekte unter Mac OS X.
  • DirectX ist eine Windows-API, die neben vielen Multimedia-Funktionen auch den Betrieb von Software-Instrumenten und Effekten erlaubt.
  • DSSI/LADSPA bzw. LV2 sind freie Plugin-Schnittstellen für Audioprogramme unter GNU/Linux.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]