Virtuous Pedophiles

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Virtuous Pedophiles (deutsch: tugendhafte Pädophile) ist der Name eines 2012 gegründeten amerikanischen Online-Selbsthilfeforums für Menschen mit pädophilen Neigungen, das zum Ziel hat, einander darin zu bestärken, keine sexuellen Übergriffe auf Kinder zu begehen.[1][2]

Ansatz[Bearbeiten]

Die über 800 Mitglieder (Stand: April 2014)[3] helfen einander, sich nicht in sexuelle Aktivitäten mit Kindern zu verstricken, und unterstützen sich gegenseitig darin, ein möglichst normales, sinnvolles und verantwortungsbewusstes Leben zu führen.[4][5] Grundlage des Forums ist die gemeinsame Auffassung, dass sexuelle Kontakte Erwachsener zu Kindern falsch sind und immer Kindesmissbrauch darstellen.[4] Die Gruppe ist ebenfalls bemüht, die Stigmatisierung nicht-übergriffiger Pädophiler zu reduzieren. Die zugehörige Website informiert über das Thema.

Virtuous Pedophiles unterscheidet sich von anderen Foren und Gruppierungen Pädophiler durch die klare Positionierung gegen sexuelle Kontakte zu Kindern. Andere Gruppen beziehen zu diesem Punkt entweder nicht deutlich Stellung oder haben sogar das erklärte Ziel, sexuelle Kontakte zu Kindern (oder Kinderpornografie) zu legalisieren.[6] Webseiten mit ähnlicher Ausrichtung wie Virtuous Pedophiles sind die deutsche Informationsplattform Schicksal und Herausforderung[7] und das tschechische Forum ČEPEK.[8]

Die beiden Gründer von Virtuous Pedophiles sind unter den Pseudonymen Ethan Edwards und Nick Devin aktiv und halten ihre Identität aufgrund der zu erwartenden Stigmatisierung und Ausgrenzung im Falle eines Outings geheim.[4] Kennengelernt haben sie sich online im Online-Forum B4U-ACT.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Bemühungen von Virtuous Pedophiles werden von dem Psychologen Jesse Bering[9] und dem Sexualwissenschaftler James Cantor von der medizinischen Fakultät der Universität Toronto, der Pädophilie erforscht, positiv beurteilt. Cantor sieht einen großen Nutzen in einer solchen Gruppierung und glaubt, dass sie helfen könne, sexuellen Kindesmissbrauch zu verhindern. „Man kann sich kaum jemanden vorstellen, der sich stärker isoliert fühlt wie jemand, der an sich ein sexuelles Interesse an Kindern entdeckt. Meiner Erfahrung nach ist es gerade in einer solchen Phase größter Verzweiflung am wahrscheinlichsten, dass ein Pädophiler etwas Verzweifeltes tut und riskiert einem Kind zu schaden“, so Cantor. „Gegenseitige Unterstützung unter Menschen, die alle denselben tagtäglichen Kampf mit ihrem sexuellen Verlangen teilen, kann sehr viel erreichen, indem [das Forum] die extreme Isolation aufhebt, als Ablassventil dienen kann, eine zusätzliche Schutzgrenze bietet, die Pädophilen hilft, ihr Verhalten unter Kontrolle zu halten.“[1] Auch manche Therapeuten haben ihre Patienten schon auf Virtuous Pedophiles verwiesen.[10]

Cantor hat auch an anderer Stelle mehrfach betont, dass er es als sinnvoll erachtet, wenn Menschen mit pädophiler Neigung sich in Selbsthilfe gegen Missbrauch organisieren. In einem Gespräch mit Dan Savage[6] kam die Sprache auf das Forum Virtuous Pedophiles:[11] „Dass sozial engagierte Pädophile einander helfen, ein glückliches, produktives Leben zu führen, ist der beste Weg zur Prävention überhaupt!“ Auch deutsche Sexualwissenschaftler betonen, dass Isolation und Stigmatisierung pädophiler Menschen den Kinderschutz untergraben und verhindern, dass sich Betroffene ohne Befürchtungen Hilfe suchen können.[12] Klaus Michael Beier, Leiter des Präventionsprojekts Kein Täter werden an der Berliner Charité sagte im Spiegel-Gespräch: „Diesen Männern müssen wir ein Angebot machen, damit sie nicht vereinsamen und abgleiten in Depression und Drogenkonsum. In diesem Zustand steigt das Risiko, dass sie ein Kind sexuell missbrauchen.“[13]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Tracy Clarke-Flory: Meet pedophiles who mean well: The men behind VirtuousPedophiles.com are attracted to children but devoted to denying their desires. In: Salon.com, 30. Juni 2012. 
  2. Denise Noise: Treating Pedophiles: Reasons for Cautious Optimism. In: Crime Library, 31. Dezember 2012. 
  3. Board index. In: Virtuous Pedophiles. Abgerufen am 13. April 2015.
  4. a b c Laura Kane: Is pedophilia a sexual orientation?, Toronto Star, 22. Dezember 2013.
  5. Jennifer Bleyer: How Can We Stop Pedophiles? Stop treating them like monsters, Slate (Magazin), 24. September 2012
  6. a b Dan Savage: Savage Love Podcast (episode 321) (ab Minute 21:30). Abgerufen am 27. April 2014.
  7. Schicksal und Herausforderung. Leben mit Pädophilie, schicksal-und-herausforderung.de
  8. ČEPEK
  9. Can Pedophiles Help Themselves? A Book’s Provocative Take on Sexuality, The Daily Beast, 18. Oktober 2013.
  10. Alan Zarembo: Many researchers taking a different view of pedophilia. In: L.A. Times, 14. Januar 2013. 
  11. Savage Love Podcast, ab Minute 30:10
  12. Meike Fries: „Die Neigung darf nicht zu Ächtung führen“, Interview mit Klaus Beier, Die Zeit online, 6. Mai 2010.
  13. René Pfister und Antje Windmann: Okay, so bin ich, Interview mit Klaus Michael Beier, Der Spiegel, 24. Februar 2014.