Vishvarupa (Mythologie)

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Die Vishvarupa (Sanskrit विश्वरूपViśvarūpa) ist eine ikonographische Abbildung der hinduistischen Gottheit Vishnu oder seines Avatars Krishna.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arjuna verbeugt sich vor der Vishvarupa

Das Sanskritwort Vishvarupa setzt sich zusammen aus Vishva (विश्व – viśva, seinerseits abgeleitet von der Wurzel विश् (viś) – durchdringen, eingehen in; Vishva hat somit die Bedeutung All, Gesamtheit, Universum, jedermann (alle), allgegenwärtig, alldurchdringend), sowie rupa (रूप - rūpa) Form, Gestalt, Erscheinung. Die Vishvarupa ist folglich die universale Gestalt Gottes. Volkstümliche Bezeichnungen für die Vishvarupa sind Vishvarupa Darshan, Vishwaroopa und Virata rupa.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sri Krishna Museum in Kurukshetra, Haryana, Indien, mit Vishvarupa an der linken Fassade

Der Eine ohne einen Zweiten, der Herr des Universums manifestiert diese mystische Erscheinung seinen Geweihten. Die berühmteste dieser Theophanien findet sich zweifellos in der Bhagavad Gita, dem Lied Gottes, das Krishna Arjuna, dem Prinzen der Pandus, auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra vorträgt - Teil des im Mahabharata geschilderten epischen Krieges zwischen Pandus und Kurus. Im Kapitel X und XI der Bhagavad Gita offenbart sich Krishna als Höchstes Wesen und zeigt Arjuna seine Vishvarupa. Da Arjuna von Krishna mit göttlicher Sicht versehen wurde, kann er diese mystische Vision überhaupt erkennen und beschreibt sie dann mit folgenden Worten:[1]

अनेकबाहूदरवक्त्रनेत्रं
पश्यामि त्वां सर्वतोऽनन्तरूपम्
नान्तं न मध्यं न पुनस्तवादिं
पश्यामि विश्वेश्वर विश्वरूप

„aneka-bāhūdara-vaktra-netraṁ
paśyāmi tvām sarvato ‘nanta-rūpam
nāntaṁna madhyam na punas tavādiṁ
paśyāmi viśveśvara viśva-rūpa“

„O Herr des Universums, o universale Form, ich sehe in Deinem Körper viele, viele Arme, Bäuche, Münder und Augen, die überall und ohne Grenzen verbreitet sind.
Ich sehe in Dir kein Ende, keine Mitte und keinen Anfang.“

Bhagavad Gita, 11, 16

Oder etwas weiter in Vers 19:

अनादिमध्यान्तमनन्तवीर्य
-मनन्तबाहुं शशिसूर्यनेत्रम्
पश्यामि त्वां दीप्तहुताशवक्त्रं
स्वतेजसा विश्वमिदं तपन्तम्

„anādi-madhyāntam ananta-vīryam
ananta-bāhuṁ śaśi-sūrya-netram
paśyāmi tvām dīpta-hutāśa-vaktram
sva-tejasā viśvam idaṁ tapantam“

„Du hast keinen Anfang, keine Mitte und kein Ende. Deine Herrlichkeit ist unbegrenzt. Du hast zahllose Arme, und die Sonne und der Mond sind Deine Augen.
Ich sehe Dich mit loderndem Feuer, das aus Deinem Mund kommt; durch Deine Ausstrahlung erhitzt Du das gesamte Universum.“

Bhagavad Gita, 11, 19

Die Vishvarupa gilt als die höchste Form Vishnus bzw. Krishnas, es ist aber durchaus auch eine Vishvarupa von Shiva bekannt. In ihr ist das gesamte Universum enthalten und obwohl sich in ihr die zentrale Gottheit in verschiedenen Gottheiten manifestiert ist sie in Wirklichkeit eins und unteilbar.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sharma, Chakravarthi, Sharma, Rajani und Sharma, Mrs. Rajani: Self Offerings. 2004, ISBN 978-1-4184-7502-4, S. 18–19.