Visperterminen

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Visperterminen
Wappen von Visperterminen
Staat: Schweiz
Kanton: Wallis (VS)
Bezirk: Visp
BFS-Nr.: 6298i1f3f4
Postleitzahl: 3932
Koordinaten: 635650 / 123279Koordinaten: 46° 15′ 36″ N, 7° 54′ 4″ O; CH1903: 635650 / 123279
Höhe: 1378 m ü. M.
Fläche: 51,55 km²
Einwohner: 1363 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 26 Einw. pro km²
Website: www.heidadorf.ch
Visperterminen

Visperterminen

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Visperterminen (walliserdeutsche Aussprache Tärbinu bzw. ['tæːrbinu]) ist eine politische Gemeinde und eine Burgergemeinde des Bezirks Visp sowie eine Pfarrgemeinde des Dekanats Visp im Schweizer Kanton Wallis. Bekannt wurde das Schweizer Bergdorf am Taleingang des vorderen Vispertals mit seinem Weisswein Heida (ein Savagnin), der an einem der höchstgelegenen Weinberge Europas wächst.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über zwei Primarschulhäuser, in denen auch der Kindergarten sowie eine Gemeindebibliothek untergebracht ist. Die Orientierungsschule besuchen die Jugendlichen allerdings in Visp.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert war das Wallis strukturschwach und stand fernab von der Industrialisierung in anderen Landesteilen und im Europa ausserhalb der Schweiz. So herrschte in Visperterminen wie in vielen anderen Walliser Dörfern grosse Armut. Als Folge davon wanderte in den 1850er Jahren etwa ein Viertel der Dorfbevölkerung nach Argentinien aus und gründete dort den Ort San Jerónimo Norte. Noch heute pflegen manche Bewohner in San Jerónimo Norte den Visperterminer Dialekt.[2]

Noch um 1990 lebten die «Tärbiner» – so nennen sich die Einwohner von Visperterminen – dem Zyklus der bäuerlichen Arbeit folgend von «Grund bis Grat», sie waren also je nach Jahreszeit zwischen dem Talgrund und den hoch gelegenen Bergweiden unterwegs. Die Spuren dieses Nomadenlebens finden sich überall. Die Landschaft ist geprägt von einer Vielzahl von Pfaden und Wegen, und die Infrastruktur der Siedlungen spiegelt diese Lebensweise wider. Zum Beispiel findet man bis heute in jedem Weiler eine Kapelle, einen «Driel» (Traubenpresse) und eine Brennstube.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapellenweg
Vom Dorf aus ist der Wallfahrtsort Mariä Heimsuchung zu Fuss zu erreichen. Unterwegs befinden sich in regelmässigen Abständen zehn Rosenkranzkapellen. Im Innern der Kapellen wird das Leben Jesu Christi mit mannsgrossen Figuren dargestellt. Am Ziel der Wanderung befindet sich eine Waldkapelle.
Wohnmuseum
Das Museum, genannt egga, zeigt eine Wohnung aus dem Jahr 1701, die noch bis 1985 bewohnt wurde. Das Museum will die Wohnung möglichst in ihrem letzten Zustand und in ihrer früheren Funktionsvielfalt zeigen.
Rebberge von Visperterminen.
Weine
Visperterminen ist vor allem aufgrund seines höchstgelegenen Rebberges nördlich des Alpenhauptkammes bekannt. Archäologische Funde belegen, dass bereits die Kelten den Weinbau dort betrieben haben.[3] Die Wasser von Zermatt (Matter Vispa) und Saas-Almagell (Saaser Vispa) treffen sich im nahen Stalden zum gemeinsamen Fluss Vispa. An dessen Ufer wachsen auf 660 Meter die ersten Rebstöcke des bekannten Weinberges. In kurzen Terrassen mit hohen Trockensteinmauern überwindet der Rebberg auf engstem Raum die 500 Höhenmeter. Die Südlage des Hanges in der trockensten Gegend der Schweiz und die grossen Steinflächen der Mauern machen die «Rieben» bis in den Spätherbst zu einer Wärmekammer. Unter anderem werden aus diesen Reben folgende Weine produziert: Dôle, Fendant, Johannisberg, Pinot Noir und Riesling x Silvaner, aber auch Raritäten wie Heida, Himbertscha, Mennas und Planscher.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Häuserzeile in Visperterminen
Wintersportgebiet
Die Bergbahnen der Giw AG in Visperterminen erschliessen ein Berggebiet mit Ausblicken auf die höchsten Berge der Schweiz. Eine Sesselbahn führt vom Dorf durch Nadelwälder hinauf bis ins Skigebiet auf 2000 m ü. M. Das Gebiet ist mit zwei Schleppliften und einem Übungslift erschlossen. Neben der Skipiste gibt es eine Schlittelbahn, die vom Giw zurück ins Dorf führt. Schneeschuhlaufen sowie Ski- und Snowboardschulen werden ebenfalls angeboten.
Reblehrpfad
Jedes Jahr finden Weinwanderungen mit Degustationen statt. Bei diesen Weinwanderungen werden gleichzeitig auf 17 Informationstafeln auch Informationen über Weine, deren Rebsorten, Erziehungsformen, Anbaumethoden sowie Land und Leute vermittelt.
Wanderwege
Wanderwege führen nach Gspon oder auf den Gibidum, den Hausberg von Visperterminen.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Visperterminen sind einige kleine Sportvereine aktiv, darunter ein Handballclub, ein Eishockeyteam sowie der Fussballclub FC Spycher, der 2006 den Meistertitel in der höchsten Spielklasse der Bergdorfmeisterschaft gewann.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leo Stoffel (1910–1992), Grossrat (1937–1973), Grossratspräsident (1956–1957), Nationalrat (1951–1967)
  • Ignaz Venetz (1788–1859), Glaziologe und Botaniker

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Visperterminen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017; abgerufen am 20. September 2017.
  2. Filmbeitrag des Schweizer Fernsehens vom 18. April 2013, aufgerufen am 2. Mai 2013.
  3. Der "höchste Weinberg Europas" lebt, auf swissinfo.ch, gesehen am 7. März 2017.