Viszeralfett

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Viszeralfett (von lat. viscera, ‚die Eingeweide‘), auch intraabdominales Fett genannt, bezeichnet das bei Wirbeltieren in der freien Bauchhöhle eingelagerte Fett, das die inneren Organe, vor allem des Verdauungssystems, umhüllt.[1] Es dient teils dem mechanischen Schutz der inneren Organe (Baufett) und ist im Gegensatz zum Unterhautfettgewebe nicht direkt sichtbar, macht sich aber ab einer gewissen Menge durch eine Vergrößerung des Bauchvolumens bemerkbar. Diese Einlagerung dient als Energiereserve bei Nahrungsmangel.

Diagnose[Bearbeiten]

Als Maß für das Viszeralfett dient der Bauchumfang. Man misst ihn zwei Querfinger oberhalb der Oberkante des Beckenkamms. Bei Frauen besteht ab einem Bauchumfang von 80 cm, bei Männern von 94 cm ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie für Diabetes mellitus Typ 2. Ab einem Bauchumfang von 88 cm (Frauen) bzw. 102 cm (Männer) gilt das Risiko sogar als stark erhöht. Dies hängt mit der hohen hormonellen Aktivität der Adipozyten in diesem Fettgewebe zusammen, die Einfluss auf Hormone wie Adiposin, Interleukin-6, Leptin, Plasminogen-Aktivator-Inhibitor -1, Angiotensin, Resistin, Tumornekrosefaktor alpha und Adiponektin haben.

Ursachen und Auswirkungen[Bearbeiten]

Angesichts der heutigen Überversorgung mit Nahrungsmitteln in den Industriestaaten und eines zunehmenden Bewegungsmangels lagert der Körper bei falscher Ernährung mehr Viszeralfett ein als biologisch sinnvoll ist (Viszerale Adipositas). Dies geschieht insbesondere bei Übergewicht (Präadipositas) oder Fettleibigkeit (Adipositas) vom Apfeltyp, also dem männlichen Fettverteilungstyp (der aber auch bei Frauen vorkommt), während beim Birnentyp, dem weiblichen Fettverteilungstyp, nicht das Viszeral-, sondern das Hüftfett vermehrt ist.

Viszeralfett tritt oft mit endokrinen Störungen auf, insbesondere erhöhten Kortisol- und Androgen-Konzentrationen in Frauen, niedriger Testosteron-Sekretion bei Männern sowie (bei Männern und Frauen) niedrigen Wachstumshormon-Konzentrationen.[2]

Laut der Selfish-Brain-Theorie ist eine abdominale Fettakkumulation eine mögliche Folge von Stress für Menschen des „Stresstyps A“, d.h. bei Individuen, deren Stresssystem auch bei dauerhaftem Stress hochreaktiv bleibt.[3]

Einige Erkrankungen oder Symptome, die mit Übergewicht in Verbindung stehen, treten gehäuft in Verbindung mit Viszeralfett auf:

  • Herzinfarkt
  • Bluthochdruck
  • Schlaganfall
  • Arteriosklerose
  • Diabetes (84 Prozent aller Diabeteserkrankungen traten bei Männern mit Bauchumfang größer als 94 cm auf)
  • erhöhte Triglyceridwerte im Blut (sowie weitere Blutwerte, die auf erhöhtes Diabetesrisiko oder auf eine größere Gefahr für Herz-Kreislauf- oder Gefäßleiden hinweisen)
  • Metabolisches Syndrom (ein entscheidender Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten KHK) ist charakterisiert durch mehrere Faktoren, zu denen viszerale Fettleibigkeit gehört
  • Thrombose (erhöhtes Risiko durch die chronisch-entzündliche Gewebeerkrankung, die inneres Bauchfett darstellt)
  • erhöhtes Alzheimer-Risiko (im Vergleich zu gleich alten Normalgewichtigen oder Übergewichtigen mit wenig oder keinem Viszeralfett)
  • erhöhtes Krebs-Risiko [4]

Dem Bauchumfang als Maß für das Viszeralfett wird eine bessere statistische Vorhersagegenauigkeit für das Erkrankungsrisiko zugeschrieben als dem Body-Mass-Index und dem Taille-Hüft-Quotient.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. K. Powell: Obesity: The two faces of fat. In: Nature 447, 2007, S. 525–527. PMID 17538594
  2. P. Björntorp (1996) The regulation of adipose tissue distribution in humans. Int J Obes Relat Metab Disord. 20(4):291-302 PMID 8680455 (in englischer Sprache)
  3. Achim Peters mit Sebastian Junge: Mythos Übergewicht. Warum dicke Menschen länger leben, C. Bertelsmann Verlag, 2013, ISBN 978-3-570-10149-0. Kapitel Was ist passiert, wenn schlanke Menschen einen Bauch bekommen?, S. 99–110, siehe S. 104–107.
  4. So gefährlich ist Bauchfett Focus, abgerufen 8. November 2010
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!