Vivantes Klinikum Kaulsdorf

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Vivantes Klinikum Kaulsdorf
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Trägerschaft Land Berlin
Ort Berlin-Kaulsdorf
Koordinaten 52° 30′ 23″ N, 13° 35′ 38″ OKoordinaten: 52° 30′ 23″ N, 13° 35′ 38″ O
Geschäftsführender Direktor
Ärztliche Direktorin

Axel Gerlach
Maria-Barbara Naumann
Betten 428 (2016)
Mitarbeiter 360
davon Ärzte 100
Fachgebiete siehe Medizinisches Spektrum
Zugehörigkeit Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH
Gründung 1940 (Lazarett Kaulsdorf), 1945 (Krankenhaus in Kaulsdorf), 1997 (erneuert), 2001 an Vivantes übergeben
Website www.vivantes.de
Ansicht des Vivantes Klinikums Kaulsdorf von der Straße Alt-Kaulsdorf aus, 2014

Das Vivantes Klinikum Kaulsdorf (bis 2015: Vivantes Klinikum Hellersdorf)[1] ist ein Krankenhaus der erweiterten Regelversorgung im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Es gehört zum kommunalen Klinikverbund Vivantes und ist akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die Klinik (Adresse Myslowitzer Straße 45) beherbergt mehr als 10 Fachbereiche und verfügt über 428 Betten. Jährlich werden rund 14.000 Patienten vollstationär versorgt (Stand 2016).[2]

Zwischen 1997 und 2009 befand sich die Hauptverwaltung mit den psychiatrischen Kliniken des VKH am Brebacher Weg 17 (ehemals Wilhelm-Griesinger-Krankenhaus) in Berlin-Biesdorf. Dieses Areal wurde schrittweise an das Management des Unfallkrankenhauses Berlin abgegeben, teilweise auch verkauft, während auf dem Gelände in Kaulsdorf kräftig gebaut und ausgebaut wurde und wird. Wahrscheinlich im Lauf des Jahres 2016 werden alle medizinischen Einrichtungen in Kaulsdorf konzentriert sein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gelände zwischen dem Münsterberger Weg (Nord), der Myslowitzer Straße (West) und der Straße Alt-Kaulsdorf (Süd), eine frühere landwirtschaftliche Nutzfläche, wurde 1940 beschlagnahmt und im Auftrag der Generalbauinspektion Berlin von der Organisation Todt bebaut. Zwei Backsteinbauten und fünf Holzbaracken sollten Unterkunft für 1000 Fremdarbeiter bieten, die in Kaulsdorf Luftschutzbunker zu errichten hatten. Ob die Wohnmöglichkeiten jemals fertiggestellt wurden, ist nicht genau bekannt. Auf alle Fälle wurden jedoch mehrere Bunker gebaut, die im Wesentlichen auf dem Krankenhausgelände lagen. Im Jahr 1943 wurden die Baracken und Wohnhäuser auf Basis des Gesetzes zum Schutz der Volksgesundheit in ein Hilfslazarett verwandelt mit den Bereichen Innere Medizin, Infektions-, Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Chirurgie. Dieses Lazarett blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs erhalten. Im September 1945 ging es als Städtisches Krankenhaus Kaulsdorf in die Verantwortung des Bezirks Lichtenberg über. Es war nun ein „normales“ Krankenhaus für 300 Patienten mit weiteren medizinischen Bereichen, unter anderem auch einer Frauenklinik mit Geburtsabteilung.[3]

Babybadeanstalt im Städtischen Krankenhaus Kaulsdorf (1946), Bundesarchiv, Bild 183-N1216-320
Deutlich sichtbar ist die Umnutzung einer Holzbaracke.

Die Einrichtung wurde schrittweise baulich umgestaltet und erweitert und hielt 1959 bereits 560 Betten für die stationäre Behandlung Kranker bereit.[4] In der DDR-Zeit entstanden im Jahr 1982 eine Rettungsstelle und ein neues siebengeschossiges Bettenhaus (1990) als Plattenbau (Haus 10). Insgesamt gab es 1989 neun Häuser für medizinische Zwecke, einen Wirtschaftshof, ein Heizhaus (Haus 15), eine Küche.[5] Das Krankenhausgelände hatte zu dieser Zeit eine Fläche von rund 30.000 m². Ein ebenfalls in der DDR-Zeit gebautes Schwesternwohnheim wurde 1987 zu einer Poliklinik umgebaut[6] und nach der Wende im Jahr 1992 zu einem Ärztehaus umgestaltet.[7] Die Rettungsstelle, saniert und technisch erneuert, erfüllt weiterhin ihre Erstversorgungsaufgaben.

Die Bunker wurden nicht beseitigt, sondern während der DDR-Zeit entweder verschlossen gehalten oder als Lager genutzt.[8]

Nach der Wende wurde das Land Berlin Träger des Krankenhauses. Der Senat von Berlin beschloss eine Standorterneuerung in Kaulsdorf, zu der es im Jahr 1995 einen von dieser Verwaltung ausgelobten Architekturwettbewerb gab. Mit der Umsetzung des Siegerentwurfs des Berliner Architekten Wolfgang Scharlach sollte erstmals eine ausgewogene Krankenhausanlage entstehen, die auch baulich harmonierte. Wichtigster Punkt war die Schaffung eines neuen Eingangsbereiches bei der Erweiterung nach Süden zur Straße Alt-Kaulsdorf hin. Der Plan wurde jedoch nach längeren Diskussionen aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt.[5]

Dagegen entschied die Senatsverwaltung mit einer Ordnungsverfügung im August 1996, dass zum 1. Januar 1997 die Kaulsdorfer Klinik und das Biesdorfer Wilhelm-Griesinger-Krankenhaus zusammenzuschließen sind und als Krankenhaus Hellersdorf weitergeführt werden. Der Zusatz „Hellersdorf“ machte die Lage und Bedeutung im Bezirk Marzahn-Hellersdorf deutlich, die Klinik hatte einen Einzugsbereich von fast 300.000 Personen.[5] Die im Bereich Wuhlgarten vorhandenen 33 Einzelgebäude wurden den Vorstellungen eines modernen Klinikbetriebs unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes angepasst. Das neue Krankenhaus verfügte nun über eine Kapazität von mehr als 1000 Betten. Nachdem zum Januar 2001 die Vivantes Gruppe den Krankenhauskomplex übernommen hatte, erhielt er den Namen Vivantes Klinik Hellersdorf (VKH).[5] Bald darauf wurde eine komplette Aufgabe des Standortes Kaulsdorf als Krankenhaus der Vollversorgung in Erwägung gezogen, der aber durch zahlreiche Proteste von Patienten, Anwohnern und des medizinischen Personals verhindert werden konnte.[5]

Ärztehaus in der Myslowitzer Straße 59, 2012

Nun ging es um Anpassungsmaßnahmen auf dem Gelände des Kaulsdorfer Krankenhauses zur Standortkonzentration: drei Gebäude im Zugangsbereich Myslowitzer Straße waren abzureißen (ehemalige Häuser 2, 3 und 4), an ihrer Stelle entstand ein Patientenpark.[5] Das frühere Haus 7/7a wurde nach fünfjährigem Leerstand total saniert und dient nun als Verwaltungsgebäude, im Haus 7 ist auch eine Dauerausstellung zur Geschichte des Krankenhauses in Kaulsdorf zu sehen.

Im Ergebnis eines neuen Architekturwettbewerbs wird seit 2009 auf der erweiterten Fläche umfangreich gebaut – begonnen mit drei Pavillons für den Fachbereich Psychiatrie. Diese und das Nachfolgeprojekt sind mit insgesamt 50 Millionen Euro veranschlagt, die von Vivantes und teilweise vom Land Berlin bereitgestellt werden.

Die zwei- bis dreistöckigen Pavillons entstanden nach Plänen der Berliner Architekten Hascher und Jehle sowie der Architekten Monnerjahn, Kast, Walter aus Düsseldorf.[9][4]

Im Jahr 2013 wurde der Grundstein für einen vorläufig letzten großen dreiteiligen, viergeschossigen Neubau gelegt, der Stationen für die Bereiche Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik und Geriatrie bietet. Das Ensemble entstand nach Plänen der Planungs- und Ingenieurgesellschaft MHB, die sich auf Gesundheitsbauten, Pflegeheime, Schul- und Wissenschaftsbauten spezialisiert hat.[10][11] Der Neubau umfasst 164 Betten für die stationäre Behandlung und 36 Plätze in der Tagesklinik. Die offizielle Eröffnung erfolgte am 19. Februar 2016.[2] Mit dem endgültigen Ausbau des Gebäudekomplexes in Kaulsdorf belegt die Klinik eine Fläche von etwa 53.000 m².[12]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausstattung mit modernsten medizinischen Geräten in allen Bereichen ist im Rahmen der letzten Qualitätsprüfung von 2013 nachgewiesen. Besonders teure Diagnose- und Behandlungsgeräte stehen im Verbund der Vivantes Kliniken Friedrichshain und Prenzlauer Berg zur Verfügung. Zur besseren Berücksichtigung der Belange aller Patienten des VKH sind Patientenfürsprecher im Einsatz. Die meisten Einrichtungen sind barrierefrei erreichbar. Im Innenhof des Klinikgeländes wurde auf der Fläche der abgerissenen Häuser ein kleiner Park angelegt.

Ansicht Haus 10 vom Kressenweg aus

Aktuelle medizinische Bereiche im Krankenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 2014/2015

  • Rettungsstelle
  • Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie
  • Chirurgie: Visceral- und Unfallchirurgie, Orthopädie
  • Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (noch Standort Brebacher Weg)
  • Gynäkologie und Geburtsmedizin
  • Innere Medizin: Gastroenterologie, Kardiologie, Diabetologie und Geriatrie
  • Psychosomatisch-psychotherapeutische Tagesklinik (noch Standort Brebacher Weg)
  • Radiologie und interventionelle Therapie
  • Physiotherapeutische Dienste
  • Hygiene und Umweltmedizin
  • Laboratoriumsdiagnostik und Toxikologie, Präsenzlabor
  • Pathologie
  • Seelsorge und Sozialdienst

Der Qualitätsbericht erfasst Struktur- und Leistungsdaten des Krankenhauses und seiner Fachabteilungen.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Maether: Das Klinikum Hellersdorf: Vom Arbeiterwohnlager zum modernen Krankenhaus: Einblicke – Durchblicke – Ausblicke, 2011, be.bra Wissenschafts-Verlag, Berlin. ISBN 3937233717.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vivantes Klinikum Hellersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Vivantes Klinikum „Hellersdorf“ heißt wieder „Kaulsdorf“. In: berlin.de. 30. Dezember 2015, abgerufen am 6. Januar 2016.
  2. a b Feierliche Eröffnung: Psychiatrie-Neubau am Klinikum Kaulsdorf auf www.vivantes.de
  3. Kurzgeschichte der Vorgängereinrichtungen des VKH, abgerufen am 9. November 2015.
  4. a b Ingeborg Dittmann: Das Krankenhaus am Rande der Stadt, Darstellung der sanierten Bauten in Kaulsdorf und Geschichte des Krankenhauses; abgerufen am 9. November 2015.
  5. a b c d e f Maehter: Das Klinikum Hellersdorf, Leseprobe online
  6. Poliklinik in Kaulsdorf zog um. In: Berliner Zeitung, 3. Februar 1987, S. 12
  7. Website Ärztehaus Kaulsdorf, abgerufen am 8. November 2015.
  8. Deckungsgraben im Krankenhaus auf forum.hidden-places.de; abgerufen am 9. November 2015.
  9. Thorkit Treichel: Verjüngungskur fürs Krankenhaus. Mitte nächsten Jahres beginnen die Arbeiten, In: Berliner Zeitung, 10. September 2008; abgerufen am 8. November 2015.
  10. Architekturdarstellung des Neubaukomplexes in Kaulsdorf; Bauausführung siehe die Darstellung „MHB“ auf den Projektzeichnungen. Abgerufen am 8. November 2015.
  11. Website MHB (Möller – Haroske – Berndt Architekten), abgerufen am 8. November 2015.
  12. Flächenabschätzung aus Google Earth vorgenommen; Stand November 2015.
  13. Qualitätsbericht 2013; abgerufen am 8. November 2015.