Vjosa

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Vjosa
Vjosë, Aoos, Αώος
Karte Südalbaniens

Karte Südalbaniens

Daten
Lage Griechenland, Albanien
Flusssystem Vjosa
Quelle am Mavrovouni (Pindos)
Mündung In Albanien in die AdriaKoordinaten: 40° 38′ 34″ N, 19° 19′ 2″ O
40° 38′ 34″ N, 19° 19′ 2″ O
Mündungshöhe m
Länge 272 km
Einzugsgebiet 6706 km²
Abfluss MQ
204 m³/s
Linke Nebenflüsse Drinos, Bënça, Shushica
Rechte Nebenflüsse Sarantaporos, Lengarica, Lumica
Durchflossene Stauseen Wasserkraftwerk Kalivaç (im Bau)
Kleinstädte Tepelena, Përmet, Konitsa, Selenica
Alte Brücke von Konitsa

Alte Brücke von Konitsa

In der Schlucht von Këlcyra

In der Schlucht von Këlcyra

Vjosa bei Tepelena

Vjosa bei Tepelena

Blick von Byllis auf den Unterlauf der Vjosa

Blick von Byllis auf den Unterlauf der Vjosa

Die Vjosa (albanisch Vjosë) oder Aoos (griechisch Αώος) ist ein Fluss, der im Epirus im Nordwesten Griechenlands entspringt und in Albanien in die Adria mündet.

Der Flusslauf der Vjosa ist bis heute von allzu großer Besiedelung und von Industrialisierung verschont geblieben. Auch die Mündung liegt entfernt von größeren Orten in einem unberührten Küstenstreifen. Die Vjosa zählt zu den wenigen größeren naturbelassenen Flüssen Europas.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Griechenland heißt die Vjosa Aoos; es sind auch die Namen Vojioussa und Vovoussa (griechisch Βωβούσα) geläufig. Neben Aoos und Vjosa wurde in der Antike auch die Bezeichnung Anio verwendet. Letzterer geht auf Anios, eine Gestalt der griechischen Mythologie zurück. Anios war der Sohn des Apoll und der Rhoeo.

Flusslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fluss entspringt im Pindosgebirge östlich von Ioannina. Die Quelle liegt am Berg Mavrovouni. Sein Verlauf führt die Vjosa durchwegs Richtung Nordwesten. Der Fluss hat eine Länge von rund 272 Kilometern, wovon die ersten 80 auf griechischem Territorium verlaufen. Die Vjosa entwässert ein Gebiet von 6706 km². 2154 km² davon liegen innerhalb Griechenlands - das einzige griechische Gebiet, das in die Adria entwässert wird. Die durchschnittliche Abflussmenge bei der Mündung liegt bei 204 m³/s. Im April ist die Abflussmenge rund zehn Mal höher als im August.

Oberlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Oberlauf in Griechenland zieht sich zumeist durch bewaldete Gebirgslandschaft. Ein Teil davon ist als Nationalpark Vikos-Aoos geschützt, der sich rund um die Tymfi-Berge (2497 m) ausdehnt. Im zweitgrößten Naturschutzgebiet Griechenlands leben noch Braunbären. Der Voidomatis, ein Nebenfluss des Aoos, bildet die eindrucksvolle Vikos-Schlucht. Das Gebiet wird Zagoria genannt und ist als Wanderziel sowie für seine schönen Dörfer bekannt, in denen noch viele traditionelle Steinhäuser im epirotischen Stil erhalten sind. Unweit von Konitsa innerhalb des Nationalparks passiert auch der Aoos eine enge Schlucht. Bei Konitsa überquert eine historische Bogenbrücke aus Stein den Aoos. Ab hier wird das Flusstal landwirtschaftlich genutzt.

Mittellauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Përmet

Hinter Konitsa passiert der Fluss die griechisch-albanische Grenze. An dieser Stelle mündet der aus Osten kommende Nebenfluss Sarantaporos ein, der über einige Kilometer die Grenze bildet. Ein neuer Grenzübergang ermöglicht es jetzt auch Menschen, dem Tal weiter zu folgen.

Auch in Albanien fließt die Vjosa noch durch mehrheitlich naturbelassene Landschaft. Der Talboden bzw. die Uferterrassen sind dennoch stellenweise intensiv landwirtschaftlich genutzt. Der Fluss folgt dem sehr steil abfallenden Nemërçka-Bergzug; von rechts nimmt sie die Lengarica und später die Lumica auf. Der Hauptort dieses Abschnittes ist Përmet. Bei Këlcyra biegt der Fluss nach Westen ab und durchschneidet den Trebeshina-Dhëmbel-Nemërçka-Gebirgszug zwischen den Bergen Trebeshina und Dhëmbel. Bei Tepelena mündet zunächst der Nebenfluss Drinos ein, der ebenfalls aus Griechenland kommend die Gegend um Gjirokastra entwässert. Kurz darauf fließt von Westen die Bënça zu. Ab hier nimmt die Verschmutzung des Wassers durch urbane Abwässer deutlich zu. Die Berge an den Flussufern verlieren im weiteren Verlauf deutlich an Höhe.

Bei einem letzten engen Durchbruch zwischen einem Hügelzug wird zur Zeit beim Dorf Kalivaç das Wasserkraftwerk Kalivaç errichtet. Der Bau am Damm ca. 25 Kilometer südlich von Tepelena begann im Jahr 2008 oder kurz davor, sei aber im Jahr 2010 wieder eingestellt worden. Der Damm soll 500 Meter lang und 60 Meter breit werden. Naturschützer forderten 2014, auf Kraftwerke an der Vjosa zu verzichten und den „Wildfluss“ zum Nationalpark zu erklären. Das konzessionierte italienische Unternehmen möchte jährlich 93.9 MW produzieren.[1][2][3]

Unterlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Unterlauf zwischen den Städten Fier und Vlora durchquert die Vjosa die Ebene der Myzeqe, der Fluss ist sehr breit und bildet Mäander. Wichtigster Nebenfluss in dieser Region ist die bei Selenica links einmündende Shushica.

In der flachen Küstenebene veränderte sich der Verlauf des Flussbettes in der Vergangenheit wiederholt. So lag das Flussbett vor einem Erdbeben im 3. Jahrhundert einige Kilometer weiter nördlich. Das alte Apollonia war damals an einem Hügel nahe dem Fluss gelegen und vom Meer her war die Vjosa bis zu der antiken Stadt schiffbar. Der Hafen Appolonias bildete den Ausgangspunkt der Via Egnatia. Durch das Erdbeben versandete der Hafen und die Stadt erlitt einen raschen Niedergang.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Despoina Amanatidou: Analysis and evaluation of a traditional cultural landscape as a basis for its conservation management. A case study in Vikos-Aoos National Park - Greece. Dissertation. Freiburg im Breisgau 2005 (Kurzfassung und Volltext).
  • Arqile Berxholi: Ndryshimet në gjeografine e popullsise në zonën Vjose - deti Jon. Studim demografik. Tirana 1987.
  • Lars Abromeit: Vjosa – der Preis des Stroms. In: GEO. Nr. 12, Dezember 2015, S. 144–158.
  • Tilman Botzenhardt: Europas letzter wilder Fluss. In: GEO. Nr. 9, September 2014 (Artikel online).
  • Eric Fouache, Gjiovalin Gruda, Skender Mucaj: Dynamique géomorphologique et évolution de la navigation maritime depuis l’antiquité dans les deltas du Seman et de la Vjosë (Région d’Apollonia, Albanie). In: Claudio Zaccaria (Hrsg.): Strutture portuali e rotte marittime nell’Adriatico di età Romana. (= Antichità altoadriatiche. 46). Triest 2001, ISBN 2-7283-0634-6, S. 107 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vjosa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hidrocentrali italian mbi Vjose. In: Koha Jonë. 25. Februar 2007, archiviert vom Original am 7. Juli 2011, abgerufen am 18. April 2009.
  2. Fernsehbericht von Voice of America auf YouTube
  3. Albanien: Vjosa Nationalpark statt Staudämme. In: Pelagon. 9. Mai 2014, abgerufen am 11. Mai 2014.