Vlora

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum albanischen Politiker siehe Ekrem Bey Vlora.
Vlorë
Vlora
Vlora (Albanien)
Paris plan pointer b jms.svg

Koordinaten: 40° 28′ N, 19° 29′ O

Basisdaten
Qark: Vlora
Gemeinde: Vlora
Höhe: 25 m ü. A.
Einwohner: 104.827 (2011[1])
Telefonvorwahl: (+355) 033
Postleitzahl: 9401–9404
Struktur und Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Dritan Leli (PS)
Postanschrift: Rruga Halim Xhelo
9401 Vlora
Webpräsenz:
Sonstiges
Stadtfest: 28. November

Vlora (albanisch auch Vlorë; griechisch Av̱ló̱na Αυλώνα; italienisch Valona; türkisch Avlonya oder Avlona) ist eine Hafenstadt in Südalbanien an der Straße von Otranto, der engsten Stelle der Adria. Mit 79.513 (Volkszählung 2011) bis 108.944 Einwohnern (Eigenangaben 2009) ist sie die drittgrößte Stadt des Landes.[1][2] Die Bucht von Vlora und die Strände in Stadtnähe sind beliebte Ziele von Touristen. Die Küstenstadt ist Sitz der Behörden des gleichnamigen Qark, der das nähere Umland und die Albanische Riviera sowie die Regionen von Saranda und Delvina umfasst. Zudem ist die Stadt Amtssitz einer Bashkia.

Am 28. November 1912 erklärte sich Albanien in Vlora vom Osmanischen Reich für unabhängig und für eine kurze Zeit war Vlora die Hauptstadt des neuen Staats.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme (Süden im Bild oben)

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vlora liegt an der Straße von Otranto; von hier ist Italien nur etwa 90 Kilometer entfernt. Das Stadtgebiet ist eingebettet zwischen dem Meer, der Lagune von Narta und dem Küstengebirge. Die Shushica (auch Lumi i Vlorës genannt) fließt nur wenige Kilometer östlich an Vlora vorbei und mündet beim Dorf Armen in die Vjosa. In der Stadt selber gibt es keine nennenswerte Gewässer. Bei Vlora (genauer eigentlich nördlich der Lagune von Narta) dehnt sich die etwa 150 Kilometer lange Küstenebene von Albanien nach Norden aus. 15 Kilometer westlich der Stadt liegt Sazan, die einzige große Insel des Landes. Südlich davon auf der anderen Seite der Bucht erhebt sich die Halbinsel Karaburun auf über 800 Meter Meereshöhe.

Die nächsten größeren Städte sind im Norden Fier, im Nordosten Ballsh, im Osten Tepelena und im Südosten am Ionischen Meer die Kleinstadt Himara.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2015 gehören auch die umliegenden Gemeinden Orikum (5503 Einwohner), Novosela (8209 Einwohner), Qënder (7621 Einwohner) und Shushica (3981 Einwohner) zur Bashkia Vlora – Küsten- und Berggebiete nördlich und südlich der Stadt. Die ganze Gemeinde hat 104.827 Einwohner (Stand 2011).

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Vlora herrscht wie in Küstenstädten üblich ein mediterranes Klima. Die durchschnittliche Höchsttemperatur im Sommer beträgt 32 °C, im Winter liegt die durchschnittliche Tiefsttemperatur bei 2 °C. Am meisten Niederschlag fällt im November mit 152 Millimeter, im August sind es lediglich 13 Millimeter (Durchschnittswerte).[3]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vlora ist nach Tirana, und Durrës die drittgrößte Stadt in Albanien. Zu Ende der kommunistischen Ära im Jahr 1989 zählte sie 71.662 Einwohner. 2001 wohnten 77.691 Personen in der Stadt. Doch bis 2007 stieg die Zahl drastisch an: 91.711 Einwohner wurden gezählt. Der Trend hält bis heute an, im Jahr 2010 ergab eine Schätzung für Vlora rund 110.000 Einwohner. Die Volkszählung 2011 ergab aber lediglich 79.513 Einwohner. Die Gründe für den rasanten Anstieg der Bevölkerungszahl aber auch für die daraus ergebende Erweiterung des Stadtgebiets sind verschieden. Maßgeblich ist es jedoch die Arbeitslosigkeit und die Armut aus den ländlichen Gebieten, vor allem im Osten, die die Menschen nach Vlora treibt, in der Hoffnung hier ihre Lebensqualität zu verbessern. Aber auch das Wirtschaftswachstum, vor allem im Tourismus-Gewerbe, zog viele Arbeitskräfte, Unternehmer und Händler an.

Zu den größten Religionen in Vlora zählen der Islam und das Orthodoxe Christentum. Auch eine römisch-katholische Minderheit ist ansässig. Ab dem 16. Jahrhundert gab es auch eine Vielzahl an Juden in der Hafenstadt, die jedoch seit den 1990er Jahren mehrheitlich nach Israel oder in die Vereinigten Staaten ausgewandert sind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dank ihrer strategischen Lage am Eingang zur Adria war die Bucht von Vlora, die einen natürlichen Hafen bildet, ein von vielen Völkern begehrter Handelsplatz. Für die Entwicklung der Stadt in der Antike ergibt sich mittlerweile diese Abfolge: ein Ortswechsel von Treport nach Vlora um das 1. Jahrhundert v. Chr. und eine Zuwanderung im 6. Jahrhundert n. Chr.

Zunächst bestand eine Siedlung sieben Kilometer nordwestlich nahe der Spitze der Halbinsel Treport. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier bereits gegraben, aber erst seit den Ausgrabungen durch Vasil Bereti um 1990 lassen sich verschiedene Phasen der Besiedlung vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert v. Chr. nachweisen. Reste einer 600 Meter langen, parallel zur Küste verlaufenden Befestigungsmauer wurden freigelegt. Die Stadt, als deren Name Daulia vermutet wird, erlebte ihre Blüte zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert v. Chr. Das zur selben Zeit zur Hauptstadt eines wenige Kilometer entfernt im Inland siedelnden Illyrerstammes ausgebaute Byllis hatte mit Daulia seinen nächsten Hafen. Der Ort war im 1. Jahrhundert v. Chr. aufgegeben.

Römische Quellen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. erwähnen eine Zwischenstation auf der Handelsroute entlang der Küste zwischen Dyrrhachium und Buthrotum. Seit 1988 in der Nähe der Muradie-Moschee in der Altstadt Teile einer Stadtbefestigung aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. ausgegraben wurden, wird dieses römische Aulon an der Stelle der heutigen Stadt vermutet. Im 5. Jahrhundert wurde Aulon innerhalb dieser Festungsmauern Bischofssitz. Unter Kaiser Justinian (527–565) wurden die Mauern verstärkt. Eine Zuwanderung erfolgte aus dem im 6. Jahrhundert aufgegebenen Apollonia.

Umkämpfte Stadt im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 6. Jahrhunderts verwüsteten Slawen die Stadt, viele Einwohner flohen auf die Insel Sazan. 1081 plünderten von Apulien aus Normannen im Kampf gegen Byzantiner die Stadt. Von Vlora aus marschierten sie über die Via Egnatia bis nach Konstantinopel.[4] 1204 gelangte Valona zum Despotat Epirus und 1272 in den Besitz des in Neapel regierenden Hauses Anjou. Es wurde 1343 von Serben[5] und 1417 als erster adriatischer Hafen von Osmanen erobert.[6] Unter osmanischer Herrschaft entwickelte sich Valona – nunmehr türkisch Avlona – zur wichtigsten Hafenstadt im Bereich Albaniens und profitierte vor allem vom Handel mit Ragusa.

Osmanische Periode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dies dürfte auch der Grund sein, warum gerade nach Vlora ab 1492 aus Spanien sephardische Juden flüchteten und eine größere Gemeinschaft in der Stadt bildeten. Im Jahre 1520 wurden unter türkischer Herrschaft 701 einheimische und 531 jüdische Familien gezählt.[7]

1537 wurde die Stadt unter Süleyman I. durch Festungsmauern in Form eines Achtecks mit 90 Meter Kantenlänge gesichert, teilweise mit Baumaterial aus dem antiken Daulia. Im Innern befand sich auch ein mächtiger Rundturm; bis 1906 alle Befestigungen abgerissen und das Material für den Bau der Hauptstraße zum Hafen verwendet wurde.

Der französische Adelige Jean Carlier de Pinon beschreibt in seinem Werk Mon voyaige en Levant, faict l’an 1579 (Meine Reise in die Levante, gemacht im Jahr 1579) die Stadt Vallona (Vlora), die von muslimischen, christlichen und jüdischen Familien bewohnt ist. Laut seinen Angaben hatte Vlora zu dieser Zeit fünf Moscheen mit weißen Minaretten. Der Hafen wurde von vielen Piraten aus der Umgebung genutzt.[8]

1638 drang eine tunesisch-algerische Korsarenflotte in die Adria ein und zog sich in den osmanischen Hafen von Vlora zurück. Eine venezianische Flotte beschoss die Stadt, kaperte die Piratenflotte und befreite 3600 Gefangene.

1810 konnte Tepedelenli Ali Pascha die Stadt für kurze Zeit seinem Herrschaftsgebiet angliedern, bis der osmanische Sultan 1822 Vlora wieder zurückeroberte, als Ali Pascha einem Mordanschlag zum Opfer fiel.[9]

Politisches Zentrum und militärischer Stützpunkt im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ismail Qemali rief in Vlora die Unabhängigkeit der Republik Albanien aus. Abgebildet sind die Feierlichkeiten in Vlora zum ersten Jahrestag der Unabhängigkeit

Die neuere Geschichte der Stadt war wiederholt von großer Bedeutung für ganz Albanien. Während der Balkankriege wurde die Stadt am 3. Dezember 1912 von der griechischen Flotte in Beschuss genommen. Doch nachdem Österreich-Ungarn und Italien Griechenland aufforderten, sich nicht im strategisch wichtigen Vlora einzumischen, wurde sie aus den Kriegshandlungen ausgenommen.[10] In Vlora rief am 28. November 1912 Ismail Qemali die Unabhängigkeit Albaniens aus. Bis Anfang 1914 war Vlora Sitz der ersten provisorischen Regierung des Landes. Im Dezember desselben Jahres besetzten italienische Truppen die Hafenstadt. Mit Hilfe dieses Stützpunkts kontrollierte Italien den südlichen Ausgang der Adria. 1920 wurden die italienischen Truppen durch einen Aufstand der Albaner zum Rückzug gezwungen.

Von 1939 bis 1943 war die Stadt erneut von Italien besetzt, der U-Boot-Hafen bei der vorgelagerten Insel Sazan war Anlass für Bombenabwürfe der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs auf Hafen und Stadt. Nach dem Krieg waren kaum noch Gebäude aus osmanischer Zeit erhalten. Von 1956 bis zu Albaniens politischen Bruch mit Moskau 1961 unterhielt die Sowjetunion eine Marinebasis in Pashaliman am südwestlichen Ende der Bucht. In den 1950er Jahren war dies der einzige sowjetische Militärstützpunkt im Mittelmeerraum.

Kampf gegen Kriminalität in den 1990er Jahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In jüngerer Zeit war das Augenmerk der ganzen Welt auf Vlora gerichtet, als im Januar/Februar 1997 die Unruhen, die zum Sturz der Regierung und anarchischen Verhältnissen führten, von hier aus auf ganz Albanien übergriffen.

In den 1990er Jahren wurde Vlora zu einem Zentrum des Schmuggels über die Adria. Die Straße von Otranto ist nur etwas mehr als 70 Kilometer breit. Mit Schnellbooten können Schmuggler das italienische Festland in wenigen Stunden erreichen. Die Mafia transportierte so Drogen und zum Teil auch Waffen, insbesondere aber Menschen (Flüchtlinge aus Albanien und Asien sowie Frauen für die Prostitution) nach Westeuropa. Wiederholt kam es zu Unfällen, bei denen mehrere Flüchtlinge ertranken. Gegenwärtig kämpfen die albanischen Behörden mit Unterstützung von Italienern, Deutschen und Amerikanern gegen das organisierte Verbrechen.

Touristisches Zentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab den 2000er Jahren verbesserte sich die politische Lage in der Stadt enorm und es entstanden zahlreiche Hotels, Restaurants, Bars und Diskotheken. Zudem wurden Strände angelegt und Straßen ausgebaut. Es wird vermutet, dass der Großteil des Geldes für den touristischen Bereich aus dem Handel mit Drogen, Waffen und Menschen in den 1990er Jahren kamen. Viele Gebäude wurden ohne Baugenehmigungen errichtet, sodass sie durch eine städtische Aktion in den späten 2000er Jahren wieder abgerissen wurden.

Heute ist Vlora touristisches Zentrum Südalbaniens, neben Saranda. Vor allem der Sommertourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig der Küstenstadt geworden. Aber auch andere Sektoren, vor allem im Bereich Energieversorgung, bieten nun mehr Arbeitsplätze.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Muradie-Moschee im Stadtzentrum
Die historische Neshat-Pashaj-Moschee restauriert

Vlora ist ein kulturelles Zentrum Südalbaniens: Wichtige und große Einrichtungen stehen hier. Unter den bekanntesten zählen das Theater Petro Marko (errichtet 1962) und die Bibliothek Shevqet Musaraj (1946). Vlora bildet zudem das Zentrum der kulturellen Region Labëria; so werden die Einwohner neben gewöhnlich Vlonjatët auch Labët genannt.

Stadtbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Zentrum der Neustadt in Hafennähe mit Wohnblocks, Hotels und Banken führt die breite Hauptstraße 1,5 Kilometer nach Norden in den alten Stadtteil um den Platz des Unabhängigkeitsdenkmals. In dessen Nähe sind noch kurze Abschnitte der mittelalterlichen Stadtmauer zu sehen. Schnell erbaute Wohnblocks dehnen die Stadt entlang der Küste und westlich der Hauptstraße nach Norden aus.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus verloren viele Bewohner Vloras ihren Arbeitsplatz. Der Schmuggel über die Straße von Otranto entwickelte sich und viel illegales Geld floss dadurch in die Stadt, das, so wird vermutet, in luxuriöse Immobilien – Hotels oder Boutiquen – angelegt wurde. Seit dem Regierungswechsel im September 2013 werden an der Küste zwischen Vlora und Orikum vermehrt illegale Gebäude abgerissen. Bis 2015 soll entlang jener eine für Fahrzeuge gesperrte Strandpromenade (Lungo Mare) mit Parks, Sport- und Spielplätzen sowie eine Tribüne für verschiedene kulturelle Anlässe entstehen.[11]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Muradie-Moschee im Stadtzentrum von 1542 hat als einzige der osmanischen Moscheen die Kriege und zuvor 1851 ein Erdbeben überlebt.
  • Unabhängigkeitsdenkmal
  • Unabhängigkeitsmuseum
  • Historisches Museum
  • Ethnographisches Museum mit Alltagsgegenständen aus den Haushalten und Handwerksbetrieben sowie volkstümlicher Kleidung
  • Bektaschi-Tekke auf dem Hügel Kuz Baba
  • In der Lagune von Narta befindet sich auf einer kleinen Insel das orthodoxe Kloster von Zvernec.
  • Ausflugsziele in der näheren Umgebung sind auch die fünf Kilometer entfernt auf einem Hügel und am antiken Weg von Aulon nach Amantia gelegene Burg Kanina mit Mauerresten aus illyrischer (4. Jahrhundert v. Chr.), justinianischer (6. Jahrhundert n. Chr.), byzantinischer (11. Jahrhundert) und osmanischer Zeit (16. Jahrhundert); danach ging die Bedeutung des Ortes durch den Bau der Festung in Vlora zurück.
  • Das antike Oricum, in dessen Nähe in der osmanischen Zeit der Hafen Pashaliman wurde.

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Spuren eines Theaters in der Umgebung finden sich in der antiken Stadt Oricum, die südlich an der Bucht von Vlora liegt.

Im November 1962 wurde in Vlora anlässlich des 50. Jahrestages der Unabhängigkeit Albaniens von 1912 das erste Theater eröffnet. Es ist zu Ehren von Petro Marko benannt, ein bedeutender albanischer Autor.[12][13]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nach Ismail Qemali benannte Universität Vlora wurde 1994 gegründet. In der Folge wurde das Angebot an Studienfächern stetig erweitert.

Das Griechische Konservatorium hat seit 2008 eine Dependance in der Stadt.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Radio Vlora besitzt die Stadt einen über die Region berichtenden Hörfunksender, der im Programm vor allem Musik für Jüngere bietet.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der lokale Fußballklub KS Flamurtari Vlora spielt in der Ersten albanischen Liga.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legislative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus

Die Aufgaben der Gesetzgebung übernimmt der Stadtrat (alb. Këshilli Bashkiak; eigentlich „Bashkia-Rat“). Er wird von den Bewohnern der Bashkia gewählt auf eine Amtsdauer von vier Jahren. In der Bashkia von Vlora setzt sich der Stadtrat aus 41 Mitgliedern zusammen.[14] Seit den letzten Wahlen von 2015 verteilen sich die Ratssitze auf folgende Parteien:[15]

Partei Anzahl Sitze
PS 18
PD 9
LSI 5
PDIU 2
FRD 1
PBK 1
PDK 1
PDS 1
PEISH 1
PR 1
PSD 1

Exekutive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bürgermeister (alb. Kryetari i Bashkisë; eigentlich „Bashkia-Präsident“) übernimmt gemeinsam mit seinem Kabinett exekutive Aufgaben.[14] Von 2007 bis 2015 amtierte Shpëtim Gjika (PS) als Bürgermeister von Vlora; bei den Wahlen 2011 wurde er wiedergewählt. Er ist somit der erste in seinem Amt bestätigte Bürgermeister der Stadt seit 1990.[16] Bei den Wahlen 2015 wurde Dritan Leli gewählt.

Judikative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt befinden sich die Sitze des Gerichts der ersten Instanz Vlora und des Appellationsgerichts Vlora.[17]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtwappen

Das Wappen stellt im Mittelpunkt die alte Festung dar, die heute vom Stadtzentrum überbaut ist. Darauf befindet sich ein Felsen mit einer Gravur des Jahres 1912, dem Jahr der Unabhängigkeit Albaniens. Auf dem Felsen schwenkt Ismail Qemali eine leere Fahne. Die Festung ist vom Wasser der Adria umgeben.

Diplomatie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Italien unterhält in Vlora ein Generalkonsulat, das für die Qarks Berat, Gjirokastra und Vlora zuständig ist.[18]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Wirtschaft und Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafen
Neue Hotels in der Nähe des Hafens

Der Hafen ist der zweitgrößte des Landes. In den Jahren nach 2001 nahm der Warenumschlag aber laufend ab und erreichte 2004 mit 300.000 Tonnen nur noch ein Zehntel der Menge vom Hafen in Durrës. Arbeitsplätze sind in den letzten Jahren im Tourismus entstanden. Die neuen Hotels rund um die Bucht von Vlora werden vorwiegend von einheimischen Badeurlaubern genutzt.

Olivenplantagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund um die Stadt werden Olivenbäume kultiviert. Produziert und zum Teil auch exportiert wird das daraus gewonnene Olivenöl. Die bekannteste Firma ist Aulona, die auch biologisch hergestelltes Olivenöl in die Schweiz exportiert.[19]

Umweltschäden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Küste fünf Kilometer nordwestlich vom Hafen liegt das Industriegebiet der Stadt. Dort hat die rücksichtslose Industrialisierung in der kommunistischen Nachkriegsära dazu geführt, dass Vlora zu einem der fünf am meisten durch Umweltschäden betroffenen Gebiete Albaniens geworden ist.[20] Verursacher ist ein 1970 in Betrieb genommenes Chemieunternehmen zur Produktion von Alkalichloriden und Polyvinylchlorid (PVC). Die Fabrik wurde 1992 geschlossen und während der genannten Unruhen 1997 zerstört. Übriggeblieben sind Betonruinen und eine um das Tausendfache gegenüber dem EU-Grenzwert erhöhte Konzentration von Quecksilber im Boden. Des Weiteren ist der Boden durch chlorierte Kohlenwasserstoffe verseucht. Eine Abwasserreinigung war nicht vorgesehen.[21] Unmittelbar Leidtragende sind neu angesiedelte Bewohner in der Nähe und die Narta-Lagune als eines der wichtigsten Feuchtbiotope nördlich angrenzend.

Industriepark-Projekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An dieser Stelle entstand ein mit Öl befeuertes Wärmekraftwerks (Thermo Power Plant TPP). Kredite von 110 Millionen Euro wurden durch die Weltbank und zwei europäische Großbanken in Aussicht gestellt. Bürgerinitiativen kritisieren das Projekt wegen mangelhafter Bürgerbeteiligung, fehlender Folgenabschätzung für Umwelt und Fischerei und befürchten negative Auswirkungen auf den Tourismus.[22] Ungeachtet mehrerer Demonstrationen in den letzten Jahren und einer Weltbank-Studie vom Juli 2007,[23] in welcher ein Überdenken des Projekts empfohlen wird, wurde 2007 mit den Arbeiten auf dem Gelände begonnen und 2011 das Kraftwerk in reduzierter Form in Betrieb genommen.[24]

In Zusammenhang mit diesem Kraftwerk steht ein an der Küste erstellte Erdöl-Terminal, für dessen Bau eine italienische Firma für einen Euro die Genehmigung erhalten hat.[25][26] Die strategische Planung sieht auch den Bau der seit vielen Jahren von Albanien und den USA befürworteten, 900 Kilometer langen Erdöl-Pipeline vom bulgarischen Burgas über Mazedonien nach Vlora vor.[27]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vlora liegt an der SH8, welche Fier im Norden mit Saranda im Süden entlang der Albanischen Riviera verbindet. Zwischen Fier und Vlora besteht mit der A2 parallel eine Autobahn; dieser Abschnitt der Nationalstraße ist hingegen in einem schlechten Zustand. Die SH8 führt dann weiter entlang der Bucht von Vlora über Orikum und den Llogara-Pass zur Albanischen Riviera bis nach Saranda. Dieser Streckenabschnitt befindet sich in einem guten Zustand und verbindet die kleinen Küstendörfer im Süden Albaniens mit dem Rest des Landes.

Die Hekurudha Shqiptare betreibt in Vlora einen Bahnhof; der Betrieb wurde aber eingestellt.

Vom Hafen Vlora verkehrt eine Fähre nach Brindisi in Italien. Im Sommer verkehren außerdem gelegentlich Schnellboote nach Himara, Saranda und Korfu.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ismail Qemali (1844–1919) gilt wohl als berühmteste Persönlichkeit der Stadt Vlora. Er beteiligte sich mit anderen albanischen Patrioten an der Rilindja-Bewegung, welche zuerst die Autonomie und dann die Unabhängigkeit Albaniens als Ziel hatte. Am 28. November 1912 verkündete Qemali die Unabhängigkeit der Republik Albanien in Vlora. Qemali entstammte der lokalen Großfamilie der Vlora, aus der viele weitere Persönlichkeiten hervorgingen. Weitere bekannte Söhne der Stadt waren unter anderem die drei osmanischen Großwesire Çelebi Lütfi Pascha (1468–1564), Kemankeş Kara Mustafa Pascha (1592–1644) und Avlonyalı Mehmet Ferit Pascha (1851–1914). Igli Tare (* 1973), einer der erfolgreichsten Fußballspieler Albaniens, und Alban Skenderaj (* 1982), ein beliebter Popmusiker in Albanien, Kosovo und Mazedonien, sind weitere Persönlichkeiten der Stadt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alain Ducellier: La Facade maritime de l’Albanie au moyen age. Durazzo et Valona du 11e au 15e siecle. (= Documents et recherches sur l’economie des pays byzantins, islamiques et slaves et leurs relations commerciales au moyen age. 13). Thessaloniki 1981.
  • Zeko Braho: Vlora në rrjedhat e historisë. Tirana 1997.
  • Johann Berner: Kulturgeschichtliche Berichte über die Hafenstädte der Balkanhalbinsel: Skutari, Durazzo, Valona. Leipzig 1917.
  • Zenepe Luka: Vlora. Shënime. Tirana 1998 (über die Unruhen in Vlora 1997)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vlora – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ines Nurja: Censusi i popullsisë dhe banesave / Population and Housing Census – Vlorë 2011. Rezultatet Kryesore/Main Results. Hrsg.: INSTAT. Pjesa/Part 1, Adel Print, Tirana 2013 (Dokument als PDF [abgerufen am 25. Mai 2015]).
  2. Guida e trashegimnisë kulturore të Qarkut Vlorë. Abgerufen am 1. Januar 2012 (albanisch).
  3. Wetter, Klima, Wettervorhersage für Vlora. zoover.at, abgerufen am 12. Oktober 2011.
  4. Miranda Vickers: Shqiptarët – Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008, ISBN 978-999561168-2, Hyrje, S. 16 (Englisch: The Albanians - A Modern History. Übersetzt von Xhevdet Shehu).
  5. Miranda Vickers: Shqiptarët – Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008, ISBN 978-999561168-2, Hyrje, S. 17 (Englisch: The Albanians - A Modern History. Übersetzt von Xhevdet Shehu).
  6. Miranda Vickers: Shqiptarët - Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008, ISBN 978-999561168-2, Mbërritja e osmanëve, S. 19 (Englisch: The Albanians - A Modern History. Übersetzt von Xhevdet Shehu).
  7. History of Vlora. Bashkiavlore.org, abgerufen am 30. Januar 2016 (leicht abweichende Zahlen finden sich bei Albert Ramaj: Rettung von Juden in Albanien, in: David, Nr. 73, Juni 2007 und Haroey Samer: Rescue in Albania, Brunswick Press, Cathedral City, California, 1997, ISBN 1-888521-09-0 (Online-Version), wo von 609 von Juden bewohnten Häusern resp. Haushalten die Rede ist.).
  8. 1579 Jean Carlier de Pinon: Pirates in Vlora. Robert Elsie, abgerufen am 29. Mai 2013 (englisch).
  9. Miranda Vickers: Shqiptarët – Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008, ISBN 978-999561168-2, 1.3 Pashallëqet e Mëdha të Shkodrës dhe Janinës, S. 43 (Englisch: The Albanians - A Modern History. Übersetzt von Xhevdet Shehu).
  10. Miranda Vickers: Shqiptarët - Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008, ISBN 978-999561168-2, Lufta e Parë Ballkanike dhe themelimi i shtetit shqiptar, S. 114 (Englisch: The Albanians - A Modern History. Übersetzt von Xhevdet Shehu).
  11. Vlorë, prezantohet projekti i shëtitores (Vlora, Projekt zur Promenade wird präsentiert). In: Top Channel. 28. November 2013, abgerufen am 30. November 2013 (albanisch).
  12. Teatro del dramma e varietà "Petro Marko" Vlorë. In: Antiarte. Abgerufen am 23. September 2012 (italienisch).
  13. Historiku dhe aktiviteti i Teatrit „Petro Marko“ Vlorë. In: Bashkia Vlora. Abgerufen am 23. September 2012 (albanisch).
  14. a b Statut der Bashkia Vlora. Abgerufen am 23. September 2012 (albanisch, PDF-Datei; 1.4 MB).
  15. Zgjedhjet Vendore 8 Maj 2011. In: Bashkia Vlora. Abgerufen am 23. September 2012 (albanisch).
  16. Profil des Bürgermeisters. In: Bashkia Vlora. Abgerufen am 23. September 2012 (albanisch).
  17. Gericht der ersten Instanz Vlora. Abgerufen am 23. September 2012 (albanisch).
  18. Internetseite des Generalkonsulats Vlora. Abgerufen am 23. September 2012 (italienisch).
  19. Olivenöl aus Vlora in Schweizer Geschäften. albinfo.ch (Nachrichtenseite von Albanern aus der Schweiz), 6. Oktober 2011, abgerufen am 11. Oktober 2011.
  20. BBC News vom 27. April 2001: Albania's environmental wasteland und Post-Conflict Environmental Assessment – Albania
  21. Fotos der Fabrikruinen und einer Abwasserleitung, die direkt ins Meer führte Geotest BRNO (Memento vom 17. Oktober 2007 im Internet Archive)
  22. Bankwatch.org (MS Word; 54 kB)
  23. Weltbank Studie englisch (MS Word; 123 kB)
  24. Gjergj Erebara/Gazeta Shqip: TEC-i i Vlorës fillon punë me kapacitet të vogël. In: Peshku pa ujë. 28. Oktober 2011, abgerufen am 12. November 2015 (albanisch).
  25. La Petrolifera Italo Albanese Sh.A.
  26. La Petrolifera Italo Albanese. In: PIR Group. Abgerufen am 12. November 2015 (englisch).
  27. Go-ahead for Balkan oil pipeline