VoLTE

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Voice over LTE (engl. für Telefonie über LTE, VoLTE) ist eine Mobilfunktechnologie, welche es ermöglicht, über das 4G-Netz Sprachtelefonie zu nutzen. Sie bietet im Vergleich zum bisher hauptsächlich genutzten 2G- oder 3G-Netz für Sprachtelefonie deutliche Verbesserungen wie verringerten Stromverbrauch sowie verbesserte Sprachqualität und schnelleren Verbindungsaufbau.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VoLTE Telefonat auf einem iPhone
VoLTE iOS.jpeg
Euronotruf

VoLTE basiert auf dem IP Multimedia Subsystem, welches 2001 im Rahmen vom Vorgängerstandard UMTS spezifiziert wurde. Hierüber läuft die Telefonie, anders als bei GSM und UMTS, paketbasiert ab. Der Datenstrom von VoLTE wird von den Netzbetreibern üblicherweise wie die klassische Telefonie nach Minuten und nicht nach übertragenem Datenvolumen abgerechnet. Voice over LTE zeichnet sich vor allem durch die im Vergleich bessere Sprachqualität sowie den schnelleren Rufaufbau aus. Für gewöhnlich kommen die in der HD-Telefonie üblichen Codecs AMR-WB und EVS je nach Netzbetreiber zum Einsatz. Es wird aber auch der schmalbandige Codec AMR-NB zu Kompatibilitätszwecken unterstützt. Da VoLTE von jedem Provider leicht anders implementiert wird, steht es häufig bei Roaming nicht zur Verfügung. Hierbei wird bei einem eingehenden oder ausgehenden Anruf ein sogenannter Circuit Switched Fallback (CSFB) eingeleitet.

Verfügbarkeit von HD-Voice in Deutschland
Mobilfunknetz GSM UMTS VoLTE Wi-Fi-Calling
Telekom[1] Ja Ja EVS EVS
Vodafone[2] Ja Ja EVS EVS
Telefónica Nein Ja EVS EVS
Stand: Mai 2017

Circuit Switched Fallback[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Einführung von VoLTE war es nicht möglich, klassische Sprachverbindung über das LTE-Netzwerk aufzubauen. Daher wurde der CSFB eingeführt. Signalisiert das Mobilfunknetz dem Handy einen Anruf, schaltet das Modem des Gerätes von LTE entweder auf UMTS oder GSM um, um dort dann das leitungsvermittelte (engl. "Circuit Switched") Gespräch aufzubauen. Bei GSM gibt es den zusätzlichen Nachteil, dass eine parallele Datenverbindung nicht möglich ist. Der CSFB kostet viel Zeit, weswegen Rufaufbauzeiten von über 8 Sekunden keine Seltenheit sind.

Rufaufbauzeiten von VoLTE/WiFi Calling im Vergleich zur klassischen, nicht Paket-basierten Telefonie:

Technologie GSM/UMTS LTE (CSFB) VoLTE WiFi Calling
5,47s 8,8s 1,96s 1,18s
Werte ermittelt durch eigenen Test vom Telekom Mobilfunknetz ins Telekom NGN Festnetz mit Apple iPhone 8

Notrufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassische Notrufe sind über VoLTE analog zu anderer VoIP-Software wie beispielsweise Skype bei Vodafone und Telefónica in Deutschland noch nicht möglich. Bei der Deutschen Telekom ist es mittlerweile möglich, Notrufe auch über VoLTE abzusetzen.[3] Die Netzbetreiber weisen auf den Geräten selbst sowie in den Leistungsbeschreibungen ihrer Mobilfunktarife explizit auf den Umstand hin. Zwar hat die Europäische Union mit dem E112 einen erweiterten Euronotruf eingeführt, welcher auch für das eCall-System genutzt wird, allerdings unterstützten die deutschen Netzbetreiber diesen Standard nicht. In den USA beispielsweise ist die Lage etwas anders. Beim zur Deutschen Telekom gehörenden Netzbetreiber T-Mobile US kann man in den Account-Optionen eine Adresse hinterlegen, die an die Rettungsdienste bei einem Notruf übermittelt werden. Die E911 genannte Richtlinie ermöglicht es analog zu E112 Notrufe über VoLTE und WiFi-Calling abzusetzen.

Gesprächsqualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Sprachqualität zu gewährleisten, verlangt die 3GPP mindestens AMR-Narrowband Codec (Schmalband), der empfohlene Codec für VoLTE ist jedoch der AMR-Wideband Codec (Breitband), auch bekannt unter HD Telefonie. Das Fraunhofer IIS demonstrierte auch die Möglichkeit von "Full-HD Telefonie" über VoLTE, eine Implementierung des AAC-ELD (Advanced Audio Coding – Enhanced Low Delay) Codec für LTE Mobiltelefone. Während der alte Telefon Codec nur Frequenzen bis 3,5 kHz und der empfohlene AMR-WB bis 7 kHz nutzen, verwendet die "Full-HD Telefonie" des Fraunhofer IIS das komplette Frequenzband von 20 Hz bis 20 kHz, was die Sprachqualität im Allgemeinen erheblich verbessert und die Stimme natürlicher klingen lässt. Zur Nutzung müssen beide Teilnehmer über ein Mobiltelefon mit dieser Technologie verfügen und sich in einem Netz befinden, welches diese Funktion ermöglicht.

Anbieter im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit nutzen alle drei deutschen Mobilfunknetzbetreiber die Möglichkeit von VoLTE.

Verfügbarkeit von VoLTE
Netzbetreiber Eingeführt Laufzeitverträge Prepaid Fremdmarken
DeutschlandDeutschland Telefónica 16.04.2015 ja ja ja
DeutschlandDeutschland Telekom Deutschland April 2016 nur Magenta-Tarife nein nein
DeutschlandDeutschland Vodafone 16.03.2015 nur RED-Tarife nein nein
Stand: 20.03.2018
OsterreichÖsterreich Magenta Telekom 15.09.2014 nur My Mobile Tarife nein nein
OsterreichÖsterreich Drei AT Sommer 2018 ja ja nein
OsterreichÖsterreich A1 Telekom Austria 30.11.2015 nur A1 Go! Tarife nein nein
Stand: 29.07.2018
SchweizSchweiz Swisscom Juni 2015 nur AllinOne mobile und
NATEL infinity Abos
nein nein
SchweizSchweiz Sunrise - Ja nein nein
SchweizSchweiz Salt - Ja nein nein
Stand: 29.07.2018

Grundsätzlich ist VoLTE nur möglich, wenn man über ein kompatibles Endgerät verfügt.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Miikka Poikselka, Harri Holma, Jukka Hongisto, Juha Kallio, Antti Toskala: Voice over LTE: VoLTE. John Wiley & Sons, 2012

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.telekom.com/de/medien/medieninformationen/detail/brillantes-klangerlebnis-mit-hd-voice-plus-494308
  2. Markus Weidner: Vodafone startet HD Voice über GSM. (teltarif.de [abgerufen am 26. Oktober 2016]).
  3. https://twitter.com/deutschetelekom/status/1002175833790910464
  4. VoLTE: Alles übers Telefonieren via LTE. Abgerufen am 7. März 2018.