Vogelsberger Südbahn

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Vogelsberger Südbahn
Wächtersbach – Hartmannshain
Das Lokdenkmal in Birstein
Das Lokdenkmal in Birstein
Kursbuchstrecke (DB):192d
Streckenlänge:31,6 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 21 
   
ehem. Oberwaldbahn von Grebenhain
   
31,6 Hartmannshain 575 m
   
ehem. Oberwaldbahn nach Gedern
   
28,6 Völzberg
   
25,6 Lichenroth
   
23,3 Wüstwillenroth
   
20,6 Radmühl-Wettges
   
16,8 Fischborn-Oberreichenbach
   
13,8 Unterreichenbach (b Birstein)
   
Reichenbach
   
12,2 Birstein
   
Reichenbach
   
8,1 Hellstein
   
Bracht
   
6,4 Schlierbach (b Wächtersbach)
   
Bracht
   
4,3 Weilers
   
Bracht
   
1,4 Wächtersbach Schwimmbad
   
0,0 Wächtersbach Kreisbahnhof
   
Kinzigtalbahn von Fulda
Bahnhof, Station
-0,5 Wächtersbach Staatsbahnhof
Strecke – geradeaus
Kinzigtalbahn nach Hanau

Quellen: [1]

Die Vogelsberger Südbahn verband die Kinzigtalbahn mit der Vogelsbergbahn (heute nachträglich oft Oberwaldbahn genannt). Die Bahnstrecke begann auf eigenem Gelände und eigenem Bahnkörper, der gegenüber dem Bahnhof Wächtersbach lag und führte durch Weilers und die Brachttalgemeinden Schlierbach und Hellstein, über Birstein schließlich zur Endstation Hartmannshain, dem zur damaligen Zeit höchstgelegenen Bahnhof in Hessen.

Insgesamt war der südliche Teilabschnitt Wächtersbach–Birstein sieben Jahrzehnte, von 1898 bis 1967 in Betrieb, während es der nördliche Teilabschnitt Birstein-Hartmannshain nur auf 24 Betriebsjahre, von 1934 bis 1958 brachte.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke war eingleisig und in Normalspur errichtet, so dass Wagen (in der Regel ausschließlich Güterwagen) von der Staatsbahn auf die Vogelsberger Südbahn (und umgekehrt) übergehen konnten. Zulässig war das – wegen des erheblichen Gefälles der Strecke – aber nur für Wagen mit eigener Bremse[2].

Die zum Teil sehr kurvenreiche, insgesamt 32 km lange Strecke erreichte eine Höhe von 575 m über NHN, bei einem Höhenunterschied von 425 m. Für die Wartung und Unterbringung des Lokomotivenparks gab es Lokschuppen in Wächtersbach, Birstein und Hartmannshain.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schienenweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau und Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Anfang der Bahnverbindung aus dem Kinzigtal heraus nach Norden in den Vogelsberg stand eine Initiative der Gemeinden Schlierbach und Birstein, der Steingutfabrik Waechtersbacher Keramik und des Landrates Wilhelm Ludwig von Baumbach, die 1897 zur Gründung einer Aktiengesellschaft zum Bau der Bahnstrecke Wächtersbach Birstein führte[3]. Die für den Bahnbau notwendigen Grundstücke finanzierten die beiden Fürstenhäuser zu Ysenburg und Büdingen in Wächtersbach und zu Isenburg in Birstein. Die Bauzeit für die technisch einfach zu realisierende Strecke, im Tal von Kinzig, Bracht und Reichenbach, betrug nur ein halbes Jahr. Schon am 30. Juni 1898 konnte sie durch die Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Vering & Waechter, die den Bau finanziert und errichtet hatte, eröffnet werden. Betrieben wurde sie durch die Wächtersbach-Birsteiner Kleinbahn-Gesellschaft.

Der von Anfang an beabsichtigte Bau einer nördlichen Fortsetzung der Bahnstrecke, von Birstein bis Hartmannshain im Vogelsberg gestaltete sich deutlich schwieriger. Zunächst scheiterte es an der Finanzierung. Als schließlich, 36 Jahre nach der Südstrecke, am 23. Dezember 1934 der planmäßige Betrieb auch auf diesem Bahnabschnitt aufgenommen werden konnte „war der Bau um ein Vielfaches teurer (2,1 Millionen Mark) als der Bau der ersten Strecke Wächtersbach-Birstein“[4].

Der Verkehr auf der Südstrecke entwickelte sich von Anfang an sehr dynamisch. Dazu trug insbesondere der Hauptkunde bei, die Steingutfabrik in Schlierbach (damals mit etwa 800 Mitarbeitern), mit ihren An- und Abtransporten von Rohmaterial und Produkten, sowie der Beförderung eines Teils ihrer Mitarbeiter. Für die innerbetriebliche Logistik verfügte die Waechtersbacher Keramik auf eigenem Gelände nochmals über 1000 m Betriebsgleise[5], die direkt an die Vogelsberger Südbahn angeschlossen waren. Auch die Quarzwerke in Hellstein waren auf diese Verkehrsanbindung für ihre Massentransporte von Quarzsand angewiesen. Die kundenfreundliche Verlagerung der Endhaltestelle Wächtersbach der Bahn, der ursprünglich etwa 300 m weiter östlichvom Bahnhof entfernt lag, bis direkt vor das Bahnhofsgebäude, trug sicher nochmals zur guten Akzeptanz dieses Abschnittes der Vogelsberger Südbahn bei.

Im Gegensatz dazu lief es auf dem nördlichen Teil, von Birstein bis nach Grebenhain, deutlich ungünstiger. Ein nur wenige Jahre andauerndes Hoch gab es auf diese Streckenabschnitt erst nach dem 2. Weltkrieg, als viele, im Vogelsberg ansässig gewordene Flüchtlinge, die Bahn für ihren Weg zur Arbeit ins Rhein-Main-Zentrum, nach Hanau, Offenbach und Frankfurt nutzten. Wiederholte strenge Winter, mit Frost und viel Schnee, führten auf dieser exponierten, kurvenreichen Strecke, mit hohen Dämmen und tiefen Einschnitten, zu Schneeverwehungen, mit teilweise wochenlangen Stillständen. Die nachfolgend notwendigen Reparaturen erhöhten nochmals die wirtschaftliche Belastung für die Betreiber der Bahn.

Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

So wurde der nördliche Abschnitt, zwischen Birstein und Hartmannshain schon in den Jahren 1958/59 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit aufgegeben[6], aufgrund des zunehmenden Individualverkehrs, aber auch wegen häufiger technischer und wetterbedingter Probleme, auf dieser landschaftlich anspruchsvollen, hoch gelegenen Strecke. Die Stilllegung der Stammstrecke zwischen Birstein und Wächtersbach folgte 8 Jahre später, am 27. Mai 1967. Die Bahn gehörte damals zu den Gelnhäuser Kreisbahnen.

Der Fahrradweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon kurze Zeit nach Stilllegung der Eisenbahn wurde die Idee, auf der alten Bahntrasse einen Fahrradweg anzulegen, entwickelt. Der heutige Vogelsberger Südbahnradweg verläuft weitgehend unabhängig von der größtenteils nicht mehr nutzbaren und teilweise überbauten Trasse der namensgebenden Bahnstrecke.

Die Modelleisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Brachttal-Museum in Brachttal-Spielberg befindet sich ein Modelleisenbahn-Nachbau der Strecke der Vogelsberger Südbahn.[7]

Vogelsberger Südbahnlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einmal im Jahr findet der Vogelsberger Südbahnlauf statt. Es können verschiedene Disziplinen vom Halbmarathon bis hin zum Bambinilauf absolviert werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhold Winter, Joachim Volz: Vogelsberger Südbahn, Birstein 1994, ISBN 3-9804078-0-2
  • Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Eisenbahnbauten und -strecken 1839–1939. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Drei Bände im Schuber. Band 2.2. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, S. 797 ff. (Strecke 071).
  • Bernd Schäfer, Vortrag zur Geschichte der Vogelsberger Südbahn, Vorsprung, Nachrichten aus der Region Main-Kinzig, 1. Oktober 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Vogelsberger Südbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  2. Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 5. Oktober 1935, Nr. 45. Bekanntmachung Nr. 468, S. 193
  3. „Die Vogelsberger Südbahn“, Bernd Schäfer, Samml. Geschichte Wächtersbach 5.1.7.2, ISSN 0931-2641, 8/1988, S. 3
  4. „Die Vogelsberger Südbahn“, Bernd Schäfer, Samml. Geschichte Wächtersbach 5.1.7.2, ISSN 0931-2641, 8/1988, S. 4
  5. „Die Vogelsberger Südbahn“, Bernd Schäfer, Samml. Geschichte Wächtersbach 5.1.7.2, ISSN 0931-2641, 8/1988, S. 3
  6. Bernd Schäfer, Vortrag zur Geschichte der Vogelsberger Südbahn
  7. Museums- und Geschichtsverein Brachttal e. V. Brachttalmuseum, abgerufen am 25. Juli 2020.