Vogelschutzarmatur

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Vogelschutzabdeckung einer Freileitung mit Standisolatoren

Als Vogelschutzarmatur wird eine Vogelschutzeinrichtung bezeichnet, welche aus einer elektrisch isolierenden Schutzabdeckung auf Freileitungsmasten besteht. Die Schutzabdeckung wird primär im Bereich von Mittelspannungsnetzen angebracht und dient dazu, einen Erdschluss zu vermeiden, welcher durch Vögel ausgelöst wird.

Zum Schutz der Vögel ist mit 1. März 2010 eine neue Fassung des Bundesnaturschutzgesetzes in Deutschland in Kraft getreten, das im § 41 den Vogelschutz an allen zukünftigen Mittelspannungsleitungen fordert. An bestehenden Masten und technischen Bauteilen von Mittelspannungsleitungen mit hoher Gefährdung von Vögeln waren bis zum 31. Dezember 2012 die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung gegen Stromschlag durchzuführen.[1]

Technischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vögel können prinzipiell gefahrlos auf (unisolierten) Leiterseilen von Freileitungen landen und sitzen. Solange sie keines der anderen Leiterseile und kein geerdetes Bauteil berühren und bei Hochspannung weit genug davon entfernt sind, kann es nicht zu einem gefährlichen Stromfluss durch den Körper des Vogels kommen, da kein geschlossener Stromkreis vorliegt.

Im unmittelbaren Bereich eines Freileitungsmasten ist die Gefahr deutlich höher, da der Vogel leicht den Stromkreis durch Annäherung oder Berührung zwischen einem spannungsführenden Leiterseil und dem geerdeten Mast schließen kann und so einen Erdschluss auslösen kann, oder gar einen Kurzschluss zwischen zwei Leiterseilen, wenn er sich zwischen ihnen auf die Traverse des Mastes setzt. Naturgemäß sind hierbei größere Vögel wie beispielsweise Störche besonders gefährdet.

Dabei sind gerade die verbreiteten Installationen im Mittelspannungsbereich mit Standisolatoren und Masttransformatoren in offener Bauweise gefährlich, da die baulichen Abstände zwischen spannungsführenden und geerdeten Teilen hier durchaus in der Größenordnung des Körpers größerer Vögel liegen. Bei den elektrischen Spannungen im Bereich von 10 bis 30 kV genügt auch schon eine unvollständige Überbrückung der Spannung mit einigen Zentimetern Restabstand, um einen tödlichen Störlichtbogen auszulösen. Aufgrund der üblichen Erdschlusskompensation kommt es in den meisten Fällen dabei zu keinem Stromausfall.[2]

Bei Freileitungen mit höheren Betriebsspannungen sind Isolatoren und Leiterabstände schon so groß dimensioniert, dass ein Vogel sie kaum überbrücken kann.

Vogelmarker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vogelmarker am Erdseil der Freileitung

Als Vogelmarker bezeichnet man ein Windspiel, das an Freileitungen montiert wird und vor dem Hindernis des Leiterseils warnen soll.

Die Schutzeinrichtung ist ca. 50 Zentimeter lang und 30 Zentimeter breit und wird mit Klammern an der Leitung befestigt.[3] Die reflektierenden Streifenbahnen flattern im Wind und Vögel nehmen den so entstehenden Blinkeffekt wahr und können frühzeitig ausweichen. Die Vorrichtung minimiert das Kollisionsrisiko für Zug- und Brutvögel mit der Freileitung. Da Vögel beim Anflug auf ein Hindernis grundsätzlich nach oben ausweichen, werden die Vogelschutzarmaturen am Erdseil, welches über den stromführenden Seilen verläuft, montiert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. §41 Vogelschutz an Energiefreileitungen
  2. F. Kießling, P. Nefzger, U. Kaintzyk: Freileitungen: Planung, Berechnung, Ausführung: Planung, Berechnung, Ausführung. Nach EN 50341. 5. Auflage. Springer Verlag, ISBN 978-3-540-42255-6.
  3. Artikel Montage von Vogelschutzarmaturen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]