Vogtsreichenbach

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Vogtsreichenbach
Koordinaten: 49° 25′ 48″ N, 10° 49′ 29″ O
Höhe: 325 m ü. NHN
Einwohner: 65 (25. Mai 1987)[1]
Postleitzahl: 90556
Vorwahl: 09103
Ehemaliges Milchhäuschen, heute Bushaltestelle Vogtsreichenbach mit historischem Uhrentürmchen (2016)
Ehemaliges Milchhäuschen, heute Bushaltestelle Vogtsreichenbach mit historischem Uhrentürmchen (2016)

Vogtsreichenbach (umgangssprachlich: „Fugsraichabach“[2]) ist ein Gemeindeteil des Marktes Cadolzburg im Landkreis Fürth (Mittelfranken, Bayern).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturräumlich befindet sich das Dorf im Rangau. Es liegt knapp vier Kilometer südwestlich von Cadolzburg im Tal des Reichenbaches, einem linken Zufluss der Bibert, und des Zautendorfer Baches, der im Ort als linker Zufluss in den Reichenbach mündet, und eines weiteren namenlosen Baches. Im Südosten grenzt der Lohwald an, im Südwesten die Bodenäcker. Im Norden erhebt sich der Zautenbuck.

Eine Gemeindeverbindungsstraße verläuft nach Rütteldorf (1,2 km westlich) bzw. nach Ammerndorf zur Staatsstraße 2409 (2,3 km südöstlich). Weitere Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Zautendorf zur Kreisstraße FÜ 19 (1,1 km nördlich) und nach Vincenzenbronn zur Staatsstraße 2245 (1,8 km südlich).[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das fruchtbare Tal der Reichenbaches war bereits zu karolingischer Zeit besiedelt. Etwa einen Kilometer nordwestlich des heutigen Ortskernes befand sich ein mittelalterlicher Burgstall und eine weitere Niederungsburg unklarer Zeitstellung ist im Ortskern überbaut. Beide sind als Bodendenkmale geschützt.[4]:10

Ersturkundlich erwähnt wurde die heute zu einem Wohnhaus umgebaute Vogtsreichenbacher Mühle im Jahr 1352, als zum Besitz des Egidienklosters Nürnberg gehörig.[5]:79 1396 wurde der Ort als „vogt Reichenbach“ urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von dem Gewässernamen Reichenbach ab. Das Bestimmungswort „Vogt“ dient zur Unterscheidung von dem in der Nähe gelegenen Oberreichenbach und kann darauf verweisen, dass es im Ort einen Wohnsitz eines Vogtes gab, oder kann sich vom Familiennamen Vogt ableiten.[2]

Nach wechselhaften Geschicken während der Markgrafenkriege und im Dreißigjährigen Krieg blieb die Mühle stets in Betrieb.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Vogtsreichenbach zwölf Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Cadolzburg aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Landesalmosenamt der Reichsstadt Nürnberg inne. Grundherren waren die Reichsstadt Nürnberg: Landesalmosenamt (fünf Höfe, eine Mühle, ein Hirtenhaus), St. Jobst-Siechenkobel (ein Hof, ein Gut) und Nürnberger Eigenherren: von Ebner und von Löffelholz (ein Halbhof), von Kreß (ein Gut), von Volckamer (ein Hof).[6]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Vogtsreichenbach dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Deberndorf zugeordnet. Es gehörte auch der im selben Jahr gegründeten Ruralgemeinde Deberndorf an.[7] Das bayerische Urkataster zeigt Vogtsreichenbach in den 1810er Jahren als ein Haufendorf mit 16 Herdstellen und der Mühle.[8]

Der Zweite Weltkrieg ging an dem Ort fast spurlos vorbei. Lediglich im Jahr 1943 kollidierten zwei Nachtjäger vom nahen Flugplatz Unterschlauersbach bei einem Übungsflug und stürzten ab. Infolgedessen wurde ein Stall durch herabfallende Trümmerteile beschädigt und ein Schuppen brannte nieder.[5]:98

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Vogtsreichenbach am 1. Januar 1972 nach Cadolzburg eingemeindet.

Der Altort ist auch noch heute überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Es bestehen beispielsweise ein Hühnerhof und eine Alpakazucht. Hinzugekommen sind seit den 1960er Jahren lediglich einige Neubauten, sodass man heute 25 Anwesen zählt.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehemalige Mühle: Zweigeschossiges Wohn- und Mühlengebäude mit Straßengiebel (unter Putz Fachwerk); Anlage des 17. Jahrhunderts (traufseitig Fenstersturz bezeichnet 1655), durch Verputz jetzt weitgehend neuen Charakters, Baukörper jedoch in der ursprünglichen Proposition. Zum Hof traufseitig gefaste Rundbogentüre. Zugehörig Scheuer von 1821, teils Sandsteinquader, Osttraufseite und Straßengiebel mit einfachem Fachwerk. Hofseite bezeichnet JMHN 1821, darüber Mühlrad.[9]
  • Haus Nr. 2 u. 3: Wohnstallhaus

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 78 89 110 97 105 94 106 134 86 81 65
Häuser[10] 16 17 20 19 19 17 18 18
Quelle [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist seit der Reformation protestantisch. Die Einwohner sind nach St. Johannes der Täufer (Zautendorf) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Otto (Cadolzburg) gepfarrt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ÖPNV bedient den Ort mit der VGN-Buslinien 136 und 152 in den Richtungen Fürth Hauptbahnhof und Oberreichenbach.[21]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Vogtsreichenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 336 (Digitalisat).
  2. a b W. Wiessner, S. 78.
  3. Vogtsreichenbach im BayernAtlas
  4. LfD-Liste für Cadolzburg (.pdf)
  5. a b Fürther Geschichtsblätter 3/14, online verfügbar (.pdf-download)
  6. H. H. Hofmann, S. 183 f. Dort fälschlicherweise elf Anwesen angegeben.
  7. H. H. Hofmann, S. 228.
  8. Vogtsreichenbach im BayernAtlas (Bayerische Uraufnahme)
  9. A. Gebeßler, S. 169 f. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen.
  10. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1885 bis 1987 als Wohngebäude.
  11. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 98 (Digitalisat).
  12. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 65 (Digitalisat).
  13. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1029, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1195, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1125 (Digitalisat).
  16. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1193 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1231 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1061 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 779 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 174 (Digitalisat).
  21. VGN-Busline 152 (.pdf) (Memento des Originals vom 24. Juni 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vgn.de